{"id":433358,"date":"2023-11-22T13:52:15","date_gmt":"2023-11-22T12:52:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=433358"},"modified":"2023-11-22T13:52:15","modified_gmt":"2023-11-22T12:52:15","slug":"gutachten-zur-oekonomischen-betroffenheit-der-landwirtschaft-in-den-schleswig-holsteinischen-niedermoorgebieten-vorgestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/gutachten-zur-oekonomischen-betroffenheit-der-landwirtschaft-in-den-schleswig-holsteinischen-niedermoorgebieten-vorgestellt\/","title":{"rendered":"Gutachten zur \u00f6konomischen Betroffenheit der Landwirtschaft in den schleswig-holsteinischen Niedermoorgebieten vorgestellt"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/neu.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Landwirtschaft.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-433359\" src=\"https:\/\/neu.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Landwirtschaft-550x366.jpg\" alt=\"\" width=\"646\" height=\"430\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Landwirtschaft-550x366.jpg 550w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Landwirtschaft-320x213.jpg 320w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Landwirtschaft.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 646px) 100vw, 646px\" \/><\/a>KIEL\/RENDSBURG. Die Zukunft der Niederungen ist eng mit der Landwirtschaft und dem l\u00e4ndlichen Raum verkn\u00fcpft: etwa ein F\u00fcnftel der Landesfl\u00e4che in Schleswig-Holstein sind als Niederung definiert; etwa 80 Prozent dieser Niederungsfl\u00e4chen werden landwirtschaftlich genutzt, hiervon werden etwa 85 Tausend Hektar Moorb\u00f6den bewirtschaftet. Die Niederungen sind somit Existenzgrundlage f\u00fcr viele landwirtschaftliche Betriebe und ein wichtiger Baustein f\u00fcr den Klima- und Artenschutz. Gleichzeitig stehen diese Regionen, bedingt durch den Klimawandel und den damit verbundenen Extremwetter und Hochwasserereignissen, vor einem erheblichen Anpassungsbedarf. Doch was genau bedeutet das f\u00fcr die landwirtschaftlichen Betriebe? <!--more-->Wie gro\u00df sind die Treibhausgaseinsparpotentiale und wie steht es um die Wirtschaftlichkeit alternativer Fl\u00e4chennutzungen? Eine erste Datengrundlage, um zukunftsf\u00e4hige Nutzungskonzepte zu entwickeln, gibt das vom Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, l\u00e4ndliche R\u00e4ume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV) in Auftrag gegebene Gutachten \u201e\u00d6konomische Betroffenheit eines angepassten Niederungsmanagements f\u00fcr die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein\u201c, das heute (22. November) in Rendsburg vorgestellt wurde.<\/p>\n<p>\u201eDie Studie ist neben dem ressort\u00fcbergreifend erstellten Entwurf der Niederungsstrategie 2100 ein weiterer wichtiger Baustein, um gemeinsam mit den Betroffenen vor Ort im Dialog freiwillige L\u00f6sungen zu entwickeln. Sie liefert uns erstmals konkrete Zahlen aus agrar\u00f6konomischer Sicht und ist ein erster, wichtiger Schritt, um gesamtgesellschaftlich weiter in den Dialog zu kommen und Basis f\u00fcr die Arbeit des \u201eKompetenzzentrums f\u00fcr klimaeffiziente Landwirtschaft\u201c, sagte Landwirtschaftsminister Werner Schwarz.<\/p>\n<p>Schwarz betonte, dass die Nutzung landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen keinem Selbstzweck diene, sondern zur gesellschaftlichen Aufgabe der Erzeugung von Nahrungsmitteln und damit zur Ern\u00e4hrungssicherheit beitrage. \u201eEine prinzipielle Nutzungsaufgabe kann daher nicht unser Ziel sein und w\u00fcrde weitere negative Folgen, wie beispielsweise eine Verlagerung der Produktion, beg\u00fcnstigen. Umso wichtiger ist es, dass wir als Politik Verantwortung \u00fcbernehmen und in den betroffenen Regionen f\u00fcr eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive und Planungssicherheit sorgen. Die Weiterentwicklung von F\u00f6rderinstrumenten, die Honorierung von Gemeinwohlleistungen unter anderem mit EU-Mitteln und das erfolgreiche Instrument der Flurbereinigung m\u00fcssen hierbei mitgedacht werden.\u201c<\/p>\n<p>Das rund 70 Seiten umfassende Gutachten stammt vom Kieler Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Landwirtschaftsstudien GmbH. Institutsleiter Professor Dr. Uwe Latacz-Lohmann erl\u00e4uterte: \u201eBei einer Anhebung der Wasserst\u00e4nde um 20 Zentimeter lie\u00dfen sich j\u00e4hrlich gut 1,5 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente in den Moorregionen der Niederungen Schleswig-Holsteins einsparen. Das sind immerhin 17,5 Tonnen CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente pro Hektar \u2013 vorausgesetzt, dass dies wasserbaulich machbar ist. In diesem Fall w\u00e4re die Nutzbarkeit in Teilen der Region noch gegeben \u2013 und somit der Verlust an landwirtschaftlicher Wertsch\u00f6pfung deutlich geringer als bei ganzj\u00e4hriger Anstauung des Wassers nahe der Gel\u00e4ndeoberfl\u00e4che.\u201c Milchviehhaltung auf Fl\u00e4chen mit erh\u00f6hten Wasserst\u00e4nden werde allerdings schwieriger, aber kann m\u00f6glich bleiben. \u201eIm Winter anstauen und im Sommer den Wasserstand wieder etwas absenken. Das bringt schon eine Menge f\u00fcrs Klima, und das gerade in der Milchviehf\u00fctterung eingesetzte Gr\u00fcnland kann weiter genutzt werden\u201c, so Professor Dr. Torben Tiedemann, Mitautor der Studie. Allerdings werde dies voraussichtlich mit deutlichem Mehraufwand und geringeren Milchleistungen verbunden sein.<\/p>\n<p>Es wurden zudem unterschiedliche Folgenutzungen wiedervern\u00e4sster Fl\u00e4chen betriebswirtschaftlich untersucht. \u201eMoor-Photovoltaik-Anlagen schneiden dabei aus \u00f6konomischer Sicht theoretisch am besten ab. Sie erzielen sogar eine deutlich bessere Wertsch\u00f6pfung als die intensive Milchwirtschaft auf trockengelegten Moorstandorten. Theoretisch wohlgemerkt. Leider fehlt es in der Eider-Treene-Niederung an geeigneten Einspeisepunkten, an vielen Stellen ist die Torfauflage zu m\u00e4chtig, und au\u00dferdem schlie\u00dfen die ausgewiesenen Schutzgebiete in der Region die Installation von Freifl\u00e4chen-Photovoltaik-Anlagen aus\u201c, so Latacz-Lohmann. Er wies zudem darauf hin, dass von der F\u00f6rderung von Moor-Photovoltaik-Anlagen nur Fl\u00e4cheneigent\u00fcmer als potenzielle Verp\u00e4chter profitieren. P\u00e4chter w\u00fcrden durch die pachtpreistreibende Wirkung infolge der h\u00f6heren Fl\u00e4chenkonkurrenz vermutlich schlechter gestellt werden.<\/p>\n<p>Das Gutachten steht ab sofort unter folgendem Link zum Download bereit: <a href=\"http:\/\/www.schleswig-holstein.de\/DE\/fachinhalte\/N\/niederungen\/Downloads\/2023_gutachten_niederungen.html\">www.schleswig-holstein.de\/DE\/fachinhalte\/N\/niederungen\/Downloads\/2023_gutachten_niederungen.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong><\/p>\n<p>Die Moorb\u00f6den in den Niederungen sind Existenzgrundlage f\u00fcr viele landwirtschaftliche Betriebe. Insbesondere Gr\u00fcnlandbetriebe mit den daran ankn\u00fcpfenden Milchviehhaltungen bewirtschaften diese Fl\u00e4chen seit Generationen. Die aufgrund des Klimaschutzes geforderten Grundwasserstands-Anhebungen haben einen direkten Einfluss auf die Wirtschaftsweise und die Wertsch\u00f6pfung dieser Betriebe und Familien. Es sind aber nicht nur landwirtschaftliche Fl\u00e4chen, sondern auch kommunale Infrastrukturen und damit die l\u00e4ndliche Entwicklung mitzudenken.<\/p>\n<p>Von den rund 14.000 schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Betrieben wirtschaften rund 3.900 auf Fl\u00e4chen, die potenziell von Wasserstanderh\u00f6hungen auf Moorb\u00f6den in den Niederungen betroffen w\u00e4ren. In einem Gro\u00dfteil dieser Betriebe (rund 40 Prozent) macht die betroffene Fl\u00e4che weniger als 20 Prozent der Betriebsfl\u00e4che aus. In rund 400 Betrieben liegt der Anteil der betroffenen Fl\u00e4chen zwischen 60 und 80 Prozent, und in gut 500 Betrieben \u00fcber 80 Prozent.\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KIEL\/RENDSBURG. 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