{"id":434391,"date":"2024-03-20T17:56:54","date_gmt":"2024-03-20T16:56:54","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=434391"},"modified":"2024-03-20T17:56:54","modified_gmt":"2024-03-20T16:56:54","slug":"ostseeschutz-statt-eines-grossen-wurfs-nur-ein-kleiner-schritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/ostseeschutz-statt-eines-grossen-wurfs-nur-ein-kleiner-schritt\/","title":{"rendered":"Ostseeschutz: Statt eines gro\u00dfen Wurfs nur ein kleiner Schritt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Ostsee_HRB2037_Rothe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-434392 aligncenter\" src=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Ostsee_HRB2037_Rothe.jpg\" alt=\"\" width=\"692\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Ostsee_HRB2037_Rothe.jpg 600w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Ostsee_HRB2037_Rothe-320x213.jpg 320w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Ostsee_HRB2037_Rothe-550x367.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 692px) 100vw, 692px\" \/><\/a>Foto: TBF\/Harald Rothe \u00b7 <strong>Entt\u00e4uschung bei Schleswig-Holsteins Naturschutzverb\u00e4nden \u2013 hohe Erwartungen an Umsetzung der neuen Schutzgebiete<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Schutzgebiete m\u00fcssen jetzt schnell umgesetzt werden<\/li>\n<li>Naturschutz fordert verbindliche Vorgaben zur Stellnetzfischerei<\/li>\n<li>D\u00fcngemittel-Eintrag in die Ostsee muss endlich sp\u00fcrbar reduziert werden<\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more-->Kiel, 19. M\u00e4rz 2024 &#8211; Die Naturschutz- und Umweltverb\u00e4nde in Schleswig-Holstein reagieren entt\u00e4uscht auf die heutige Absage der Landesregierung an einen Nationalpark Ostsee. Tenor der Kommentare: Ministerpr\u00e4sident G\u00fcnther hat eine gro\u00dfe Chance verpasst, mit einer mutigen Entscheidung endlich einen wirksamen Schutz f\u00fcr die Ostsee auf den Weg zu bringen.<\/p>\n<p>Die Ank\u00fcndigung weiterer bzw. erweiterter Naturschutzgebiete und fischereifreier Zonen ist nur dann positiv zu bewerten, wenn diese schnell und konsequent umgesetzt werden und die jeweils erforderlichen Schutzma\u00dfnahmen auch rechtlich bindende Kraft bekommen. Denn die Ostsee ist massiv \u00fcberfischt und \u00fcberd\u00fcngt, die vom Aussterben bedrohten Schweinswale und zahllose Meeresv\u00f6gel ertrinken Jahr f\u00fcr Jahr in Stellnetzen und Zwergseeschwalben finden keinen Platz mehr zum Br\u00fcten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Belange des Naturschutzes in und an der stark gebeutelten Ostsee ist das vorgestellte Konzept aus Sicht der Verb\u00e4nde unzul\u00e4nglich. Notwendig ist ein strenger Schutz f\u00fcr die K\u00fcstengew\u00e4sser und f\u00fcr bestimmte Strandabschnitte, damit sich die \u00d6kosysteme an den K\u00fcsten und auf See vom stetig hohen Druck s\u00e4mtlicher Nutzergruppen erholen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt neben insgesamt 30 Prozent nutzungsfreier Zone die Zusage, dass in den K\u00fcstengew\u00e4ssern Schleswig-Holsteins k\u00fcnftig keine Stellnetzfischerei mehr stattfindet.<\/p>\n<p>Die Naturschutzverb\u00e4nde erwarten f\u00fcr einen wirksamen Ostseeschutz Zugest\u00e4ndnisse von allen Seiten und eine Beteiligung der Landwirtschaft \u00fcber freiwillige Zielvorgaben hinaus. Hier gab es bis jetzt nur Zusagen f\u00fcr Ma\u00dfnahmen, zu denen die Betriebe ohnehin bereits verpflichtet sind, die bisher aber nicht umgesetzt wurden.<\/p>\n<p>\u201eDie N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge in die K\u00fcstengew\u00e4sser m\u00fcssen im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 ohnehin drastisch reduziert werden, das ist geltendes EU-Recht und l\u00e4ngst beschlossene Sache\u201c, so der NABU-Landesvorsitzende Alexander Schwarzlose. \u201eDiese alte Pflicht kann die Landesregierung jetzt nicht als neue Errungenschaft f\u00fcr den Ostseeschutz verkaufen.\u201c<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Leicher vom Vorstand des BUND Schleswig-Holstein pflichtet dem bei und w\u00fcnscht sich eine konstruktive und engere Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft: \u201eDie Einrichtung von D\u00fcngemittel- und Pestizid-freier Gew\u00e4sser-Randstreifen im Einzugsgebiet der Ostsee<\/p>\n<p>w\u00e4re eine sehr effektive Ma\u00dfnahme. In anderen Bundesl\u00e4ndern und bei anderen Ostsee-Anrainern gibt es das l\u00e4ngst, Schleswig-Holstein hinkt hier meilenweit hinterher.\u201c<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite nehmen die Naturschutzverb\u00e4nde die jetzt immerhin erreichten Ma\u00dfnahmen mit Zufriedenheit zur Kenntnis: \u201eDrei neue Schutzgebiete, in der Summe 12,5 Prozent streng gesch\u00fctzte Gebiete und konkrete Zielvereinbarungen wie einen Ausschluss jeglicher Fischerei bis auf das Strandangeln in diesen Bereichen sind gute Nachrichten f\u00fcr den Schutz der Ostsee. Auf diesem Kompromiss kann man aufbauen\u201c, sagt der Landesnaturschutzbeauftragte Holger Gerth.<\/p>\n<p>Zum Schutz von Str\u00e4nden sagt Ulrich Irmler, Vorsitzender des Landesnaturschutzverbandes Schleswig-Holstein: \u201eNaturnahe Str\u00e4nde an der Ostseek\u00fcste sind nahezu verschwunden. Sie m\u00fcssen in den neuen Schutzgebieten dringend ber\u00fccksichtigt werden, denn sie beherbergen stark auf diese Umgebung angepasste und ebenso stark bedrohte Arten wie die Zwergseeschwalbe. Von ihr gibt es an der schleswig-holsteinischen Ostseek\u00fcste nur noch rund 100 Brutpaare.\u201c<\/p>\n<p>Weitere Einschr\u00e4nkungen der Fischerei fordert Veit Hennig, Vorsitzender des Vereins Jordsand: \u201eWenigstens in den \u00dcberwinterungsgebieten von Meeres-Enten muss es eine Stellnetz-freie Zeit von Oktober bis Ende M\u00e4rz geben. Freiwillige Vereinbarungen dazu hatten keinen Erfolg, weil sich nicht alle Fischereibetriebe daran beteiligt haben.\u201c Hennig weist darauf hin, dass jedes Jahr unz\u00e4hlige Meeresv\u00f6gel wie zum Beispiel der Sterntaucher &#8211; Seevogel des Jahres 2024 &#8211; in Stellnetzen ertrinken.<\/p>\n<p>\u201eDie Entscheidung gegen den Nationalpark Ostsee l\u00e4sst eine wertvolle Chance ungenutzt, den Tourismus an der Ostseek\u00fcste in eine nachhaltige Richtung zu lenken\u201c, meint Bj\u00f6rn Marten Philipps, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Schutzstation Wattenmeer. Ein genauerer Blick auf die Westk\u00fcste h\u00e4tte dabei gelohnt: \u201eDie Zusammenarbeit verschiedener Interessengruppen hat es hier erm\u00f6glicht, Urlaub ebenso nachhaltig wie attraktiv zu gestalten und dabei die besondere Natur f\u00fcr die Besucher umweltschonend erlebbar zu machen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchade, ein Nationalpark w\u00e4re die beste L\u00f6sung und eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr Natur und Mensch an der Ostsee geworden\u201c, schlie\u00dft sich Hans-Ulrich R\u00f6sner an, Leiter des Wattenmeerb\u00fcros des WWF Deutschland. \u201eNun kommt nur ein deutlich kleinerer Wurf, aber immerhin ein Fortschritt f\u00fcr den Naturschutz.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: TBF\/Harald Rothe \u00b7 Entt\u00e4uschung bei Schleswig-Holsteins Naturschutzverb\u00e4nden \u2013 hohe Erwartungen an Umsetzung der neuen Schutzgebiete Schutzgebiete m\u00fcssen jetzt schnell<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":434392,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[9],"tags":[23025],"class_list":["post-434391","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sport-freizeit","tag-ostseeschutz-statt-eines-grossen-wurfs-nur-ein-kleiner-schritt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=434391"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":434393,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434391\/revisions\/434393"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/434392"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=434391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=434391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=434391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}