{"id":434825,"date":"2024-04-23T14:59:54","date_gmt":"2024-04-23T12:59:54","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=434825"},"modified":"2024-04-23T14:59:54","modified_gmt":"2024-04-23T12:59:54","slug":"bund-und-bdew-pfas-belastung-hersteller-sollen-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/bund-und-bdew-pfas-belastung-hersteller-sollen-zahlen\/","title":{"rendered":"BUND und BDEW: PFAS-Belastung \u2013 Hersteller sollen zahlen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bund.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-434826 alignleft\" src=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bund.jpg\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"137\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bund.jpg 437w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Bund-320x100.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><\/a>BUND findet Ewigkeits-Chemikalien in Leitungswasser &#8211; auch in Kiel \u00b7BUND untersucht f\u00fcnf Mineral- und zehn Leitungswasserproben, eine davon aus Kiel, auf langlebige Schadstoffe<\/p>\n<ul>\n<li>Appell an Landes- und Bundesregierung und EU f\u00fcr ein PFAS-Verbot<\/li>\n<\/ul>\n<p>Berlin\/ Kiel. Die Belastung mit gef\u00e4hrlichen Chemikalien nimmt in unserer hochindustrialisierten Welt immer mehr zu. Die Produktion und Verwendung sogenannter Ewigkeits-Chemikalien durch die Industrie gef\u00e4hrdet zunehmend Mensch und Natur. <!--more-->Insbesondere die hohe Belastung mit Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) von der Umwelt bis hin zu Lebensmitteln beunruhigt den Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Eine aktuelle BUND-Studie zur Belastung von Mineral- und Leitungswasser zeigt, wie weit verbreitet die Ewigkeits-Chemikalien auch im Wasser bereits sind. Aus Sicht beider Verb\u00e4nde sind jetzt gesetzliche Ma\u00dfnahmen zum Schutz von Menschen, Umwelt und Natur daher dringend notwendig. Dazu geh\u00f6rt zwingend ein umfassendes PFAS-Verbot.<\/p>\n<p>BUND und BDEW fordern angesichts der PFAS-Verschmutzung Hersteller sowohl in der Chemieindustrie wie auch im Handel in die Pflicht zu nehmen: \u201eDiejenigen, die Schadstoffe in die Umwelt einbringen, m\u00fcssen zahlen. Wer PFAS herstellt oder in den Handel bringt, tr\u00e4gt die Verantwortung und muss die hierdurch verursachten umwelt\u00f6konomischen Kosten tragen. Eine Lizenz zur Verschmutzung kann es nicht mehr geben. Es braucht eine gerechte Kostenverteilung, Umweltauswirkungen m\u00fcssen eingepreist sein. Auch um die Entwicklung umweltfreundlicher Alternativen zu f\u00f6rdern.\u201c<\/p>\n<p>Die weitreichende Verschmutzung der Umwelt mit PFAS ist eine Gefahr f\u00fcr die Gesundheit. Bereits 2021 stellte das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung fest, dass die tats\u00e4chlich t\u00e4glich aufgenommene PFAS-Menge durch belastete Nahrungsmittel \u2013 wie etwa durch Fisch und Fleisch \u2013 bereits \u00fcber dem kritischen Wert liegt. Eine Beeintr\u00e4chtigung des Immunsystems durch die Chemikalien kann nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Die t\u00e4gliche Aufnahme von PFAS-Chemikalien \u00fcber das Trinkwasser ist vergleichsweise gering. Doch auch unsere Trinkwasserressourcen wie Grund- und Oberfl\u00e4chenwasser sind zunehmend belastet. In der heute ver\u00f6ffentlichten BUND-Studie zu Ewigkeits-Chemikalien in Mineral- und Leitungswasser wird das Ausma\u00df der Belastung deutlich: Fast alle getesteten Leitungswasser und Mineralw\u00e4sser enthalten mindestens einen der drei analysierten Schadstoffe. Am h\u00e4ufigsten wurde eine Chemikalie der PFAS-Gruppe gefunden: Trifluoressigs\u00e4ure. Doch auch die in gro\u00dfen Mengen hergestellte Chemikalie Melamin, die etwa in Kinder- und Campinggeschirr zu finden und vermutlich krebserregend ist, wurde mehrfach nachgewiesen. Die dritte Stoffgruppe, Benzotriazole, potenzielle hormonelle Schadstoffe, fanden sich in zwei Wasserproben.<\/p>\n<p>In Kiel untersuchte der BUND das Leitungswasser im B\u00fcro der EU-Abgeordneten Delara Burkhardt (SPD). Die Belastung mit Trifluoressigs\u00e4ure war mit 50 Nanogramm pro Liter im Vergleich zu den Proben aus anderen Bundesl\u00e4ndern relativ niedrig, f\u00fcr Burkhardt ist dies jedoch immer noch zu viel: \u201eIch finde es erschreckend, dass selbst im Trinkwasser meines Wahlkreisb\u00fcros in Kiel Ewigkeitschemikalien nachgewiesen wurden. F\u00fcr mich ist absolut klar: Chemikalien, die f\u00fcr Mensch und Umwelt potentiell sch\u00e4dlich sind, m\u00fcssen schneller eingeschr\u00e4nkt oder verboten werden. Das gilt vor allem dann, wenn Unternehmen sie nur aus Bequemlichkeit nutzen, obwohl es bereits gute Alternativen gibt. Fehlen die Alternativen, braucht es die Entwicklung von Stoffen mit \u00e4hnlichen Eigenschaften, damit wir sch\u00e4dliche Stoffe ersetzen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: \u201eSeit \u00fcber 70 Jahren impr\u00e4gnieren wir unsere Umwelt mit PFAS. Dies hat auch zur Belastung unseres Trinkwassers gef\u00fchrt. Die gute Nachricht ist: Eine akute Gesundheitsgefahr geht von Leitungs- und Mineralwasser nicht aus. Der BUND-Test verdeutlicht jedoch einmal mehr das Ausma\u00df der Verschmutzungskrise. In Summe schadet die PFAS-Belastung Mensch und Umwelt bereits jetzt. Wenn jetzt nicht die Emissionen gestoppt werden, werden auch die Werte in unseren Wasserressourcen steigen. Dabei sind PFAS zurzeit die sichtbarsten, aber bei weitem nicht die einzigen Problemstoffe.\u201c<\/p>\n<p>Um die weitere Zunahme der Verschmutzung aufzuhalten, muss die Produktion und Verwendung von Ewigkeits-Chemikalien eingeschr\u00e4nkt werden so Bandt: \u201eWir fordern ein umfassendes PFAS-Verbot in Deutschland und in der EU. Robert Habeck und Steffi Lemke m\u00fcssen sich gemeinsam auf europ\u00e4ischer Ebene daf\u00fcr stark machen. Die Bundesregierung ist aufgerufen ein Ressourcenschutzgesetz auf den Weg zu bringen, um unsere Lebensgrundlagen auch hier\u00fcber zu sch\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Die zunehmende Verschmutzung f\u00fchrt schon heute in einigen Regionen zu h\u00f6heren Kosten bei den Wasserversorgern, um sauberes Trinkwasser bereitstellen zu k\u00f6nnen. Einmal in die Umwelt gelangt, lassen sich Ewigkeits-Chemikalien \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur mit gro\u00dfem Aufwand wieder zur\u00fcckholen. Sie sind sehr langlebig und viele auch mobil, verweilen und verteilen sich in der Umwelt \u00fcber Jahrhunderte. Die Kosten f\u00fcr eine Sanierung im Schadensfall, zum Beispiel bei B\u00f6den, sind erheblich. Der bekannte PFAS-Schadensfall bei Rastatt f\u00fchrte bereits zu Wasserpreissteigerungen von mehr als 20 Prozent.<\/p>\n<p>Martin Weyand, BDEW-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer: \u201eTrinkwasser ist sicher. Die Wasserversorger werden immer gew\u00e4hrleisten, dass die gesetzlichen Trinkwassergrenzwerte eingehalten werden. Diese Grenzwerte sind so gew\u00e4hlt, dass bei Einhaltung das Trinkwasser lebenslang ohne Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Gesundheit getrunken werden kann. Zunehmende Schadstoffeintr\u00e4ge belasten allerdings die Rohwasserressourcen, was die Trinkwasseraufbereitung immer teurer machen wird. Notwendig ist daher eine wirksame Strategie, um weitere zuk\u00fcnftige Eintr\u00e4ge von PFAS zu vermeiden.\u201c<\/p>\n<p>Eine nachhaltige L\u00f6sung der umfangreichen Umweltverschmutzung kann nur die Vermeidung von Schadstoffeintr\u00e4gen in die Umwelt direkt an der Quelle sein. Wichtig ist hierbei eine verursachergerechte Kostenverteilung.<\/p>\n<p>Weyand: \u201eHersteller m\u00fcssen zahlen. Im Sinne des Verursacherprinzips ist ein Fonds f\u00fcr PFAS erforderlich, in den die Hersteller und Inverkehrbringer von PFAS einzahlen m\u00fcssen, um volkswirtschaftliche Kosten der PFAS-Verschmutzung zu \u00fcbernehmen.\u201c<br \/>\nBelastete Wasserressourcen machen auch vor politischen Hochburgen wie Br\u00fcssel und Berlin nicht halt: Beim BUND Trinkwassertest wurde im Leitungswasser des Europaparlaments in Br\u00fcssel die h\u00f6chste PFAS-Konzentration mit 1100 Nanogramm pro Liter Trifluoressigs\u00e4ure gemessen. In Berlin wurden in der Testreihe die meisten Ewigkeits-Chemikalien gefunden: Trifluoressigs\u00e4ure, Melamin und mehrere Benzotriazol-Verbindungen. Gesundheitliche Leitwerte wurden in keiner Probe \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>BUND und BDEW: \u201eDas Chemikalienrecht wird auf europ\u00e4ischer Ebene geregelt. In der jetzigen Legislatur wurden mit dem EU-Green Deal wichtige Ziele, wie das \u201aNull-Schadstoff-Ziel\u2018 definiert. Dieses Ziel muss eine PFAS-Beschr\u00e4nkung nach sich ziehen. Ursula von der Leyen steht in der Pflicht, Worten Taten folgen zu lassen. Eine schnelle und bessere Regulierung von Schadstoffen ist dringend erforderlich.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hintergund: Der BUND ToxFox-Trinkwassertest zur Belastung von Mineral- und Leitungswasser<\/strong><\/p>\n<p>Der BUND hat f\u00fcnf Mineralw\u00e4sser und zehn Leitungswasser aus den St\u00e4dten Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, Osnabr\u00fcck, Kiel, Burgdorf, Celle, Neustadt an der Weinstra\u00dfe, Meschede und dem EU Parlament in Br\u00fcssel testen und auswerten lassen.<br \/>\nNeun von zehn Leitungswasserproben und drei von f\u00fcnf Mineralw\u00e4ssern enthielten mindestens einen Schadstoff. Am h\u00e4ufigsten wurde eine Chemikalie der PFAS-Gruppe gefunden: Trifluoressigs\u00e4ure. Die PFAS-Konzentrationen lagen zwischen 50 und 1100 ng\/L im Leitungswasser und zwischen 50 und 200 ng\/L im Mineralwasser. Damit wird der Gesundheitliche Leitwert des Umweltbundesamtes f\u00fcr Trifluoressigs\u00e4ure von 60.000 ng\/L in keiner Probe \u00fcberschritten. Dies gilt auch f\u00fcr den strengeren Richtwert der Niederl\u00e4ndischen Beh\u00f6rden RIVM von 2200 ng\/L. Ab 2026 gilt der neue europ\u00e4ische Trinkwasser-Grenzwert 100 ng\/L f\u00fcr die Summe von 20 expliziten PFAS (darunter nicht Trifluoressigs\u00e4re). Zus\u00e4tzlich wird in Deutschland ab 2028 ein Trinkwasser-Grenzwert von 20 ng\/L f\u00fcr die Summe von vier besonders h\u00e4ufig in Menschen gefundenen PFAS gelten. F\u00fcr Mineralwasser gelten keine PFAS Grenzwerte. Auf EU Ebene wird zurzeit eine Beschr\u00e4nkung der gesamten Stoffgruppe PFAS diskutiert.<\/p>\n<p><strong>Mehr Informationen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der deutschlandweite ToxFox-Trinkwassertest<\/li>\n<li>BUND Policy Papier PFAS<\/li>\n<li>BDEW Rechtsgutachten zur Umsetzbarkeit der Herstellerverantwortung f\u00fcr PFAS<\/li>\n<li>BDEW-Branchenposition zum europaweiten PFAS-Beschr\u00e4nkungsvorschlag<\/li>\n<li>BUND-Seite: PFAS<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUND findet Ewigkeits-Chemikalien in Leitungswasser &#8211; auch in Kiel \u00b7BUND untersucht f\u00fcnf Mineral- und zehn Leitungswasserproben, eine davon aus Kiel,<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":434826,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-434825","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sport-freizeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=434825"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434825\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":434827,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434825\/revisions\/434827"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/434826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=434825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=434825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=434825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}