{"id":435243,"date":"2024-04-24T09:36:03","date_gmt":"2024-04-24T07:36:03","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/fruehjahrsprognose-osteuropa-bleibt-auf-wachstumskurs-anhang\/"},"modified":"2024-04-24T09:36:03","modified_gmt":"2024-04-24T07:36:03","slug":"fruehjahrsprognose-osteuropa-bleibt-auf-wachstumskurs-anhang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/fruehjahrsprognose-osteuropa-bleibt-auf-wachstumskurs-anhang\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchjahrsprognose: Osteuropa bleibt auf Wachstumskurs &#8211; ANHANG"},"content":{"rendered":"<p>Wien (ots) &#8211; <\/p>\n<p>Hauptst\u00fctze Privatkonsum, Deutschlands Schw\u00e4che belastet; ukrainische Wirtschaft in Schwierigkeiten; Russlands R\u00fcstungsboom am Limit, Sekund\u00e4rsanktionen als Problem<\/p>\n<p>Trotz des schwierigen internationalen Umfelds d\u00fcrfte sich die Konjunktur in den meisten Volkswirtschaften Mittel-, Ost- und S\u00fcdosteuropas 2024 gut entwickeln \u2013 vor allem in den EU-Mitgliedern. Gro\u00dfe Abw\u00e4rtsrisiken bleiben jedoch bestehen. Das zeigt die neue Fr\u00fchjahrsprognose des Wiener Instituts f\u00fcr Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) f\u00fcr 23 L\u00e4nder der Region. \u201eAngesichts steigender Reall\u00f6hne, vor allem aufgrund einer stark r\u00fcckl\u00e4ufigen Inflation, ist der private Konsum die Hauptst\u00fctze des Wachstums\u201c, sagt Olga Pindyuk, \u00d6konomin am wiiw und Hauptautorin der Fr\u00fchjahrsprognose. \u201eDie Investitionst\u00e4tigkeit wird sich erst allm\u00e4hlich erholen. In der Industrie \u2013 vor allem in den mit der schw\u00e4chelnden deutschen Wirtschaft eng verflochtenen Visegr\u00e1d-Staaten \u2013 sehen wir aber nach wie vor Probleme\u201c, konstatiert Pindyuk. \u201eDer erhofften Erholung der f\u00fcr die Region so wichtigen deutschen Wirtschaft ab 2025 kommt nat\u00fcrlich eine Schl\u00fcsselrolle zu.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr 2024 prognostiziert das wiiw den EU-Mitgliedern der Region ein Wachstum von durchschnittlich 2,5%, das 2025 auf 3% anziehen sollte. Damit d\u00fcrften sie die heuer beinahe stagnierende Eurozone (0,6%) wieder deutlich \u00fcberfl\u00fcgeln und auch im n\u00e4chsten Jahr fast doppelt so stark wachsen wie diese (1,6%). \u201eDie ostmitteleurop\u00e4ischen EU-Mitglieder setzen damit auch 20 Jahre nach Beginn der EU-Osterweiterung ihren \u00f6konomischen Aufholprozess wieder fort, auch wenn sich dieser ab 2025 etwas verlangsamen wird\u201c, so Pindyuk.<\/p>\n<p>Die Visegr\u00e1d-L\u00e4nder Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn werden heuer mit im Durchschnitt 2,4% expandieren und ihr Wachstum 2025 auf 3,0% steigern k\u00f6nnen. Polen und Ungarn haben aufgrund aktueller Entwicklungen (neue Regierung in Polen, Viktor Orb\u00e1ns Ukraine-Deal mit der EU) zwar wieder verst\u00e4rkt Zugriff auf EU-Gelder, allerdings flie\u00dfen die Mittel im Falle Polens nur z\u00e4h und bleiben im Falle Ungarns zum Gro\u00dfteil weiterhin blockiert.<\/p>\n<p>Die s\u00fcdosteurop\u00e4ischen EU-Mitglieder Rum\u00e4nien (3,0%) und Kroatien (2,9%) d\u00fcrften 2024 besonders stark wachsen. Dort st\u00fctzen nicht zuletzt Mittelzufl\u00fcsse aus dem Corona-Wiederaufbaufonds NextGeneration EU die Konjunktur. Die sechs Staaten am Westbalkan werden im Schnitt um 3% expandieren, die T\u00fcrkei um 3,4%. Die leichte Erholung der kriegsgeplagten Ukraine sollte sich mit 3,2% BIP-Wachstum fortsetzen. Die schwierige milit\u00e4rische Situation und die Verz\u00f6gerungen bei der weiteren Finanz- und Milit\u00e4rhilfe durch den Westen d\u00e4mpfen jedoch die Wirtschaftsentwicklung. Bei Aggressor Russland d\u00fcrfte sich das im vergangenen Jahr starke Wachstum der Kriegswirtschaft (3,6%) auf heuer 2,8% etwas abschw\u00e4chen, da deutliche \u00dcberhitzungserscheinungen zu verzeichnen sind.<\/p>\n<p>Geopolitische Risiken dominieren<\/p>\n<p>F\u00fcr die Prognose bestehen allerdings erhebliche Abw\u00e4rtsrisiken. \u201eEin gro\u00dfer Krieg im Nahen Osten zwischen Israel und dem Iran w\u00fcrde wohl zu einem neuerlichen Energiepreisschock f\u00fchren und die Inflation wieder befeuern\u201c, warnt Pindyuk. \u201eEine zu schwache Erholung in Deutschland, St\u00f6rungen der globalen Lieferketten und die Wahl Donald Trumps zum n\u00e4chsten US-Pr\u00e4sidenten k\u00f6nnten die Region ebenfalls in Turbulenzen bringen\u201c, argumentiert Pindyuk.<\/p>\n<p>Ukraine: Unsicherheiten \u00fcber westliche Hilfen bremsen Erholung<\/p>\n<p>Vor allem f\u00fcr die Ukraine wirft ein m\u00f6glicher Wahlsieg Trumps bereits seine Schatten voraus. Obwohl das Land seit Beginn der russischen Invasion eine erstaunliche Resilienz an den Tag gelegt hat, bremsen die anhaltende Unsicherheit und die Verz\u00f6gerungen bei der westlichen Milit\u00e4r- und Wirtschaftshilfe die Erholung. Nach 5,3% Wachstum im vergangenen Jahr prognostiziert das wiiw der Ukraine heuer ein Wachstum von 3,2%. Trotz wirtschaftlicher Erfolge wie der Wiederer\u00f6ffnung des Schwarzmeer-Korridors f\u00fcr den Export landwirtschaftlicher und metallurgischer Produkte, der eine Lebensader f\u00fcr die Ukraine darstellt, litt das Land auch unter der Grenzblockade polnischer Landwirte. 2023 reduzierten sich die Warenexporte nach Polen um rund ein Drittel. Dazu kommen die in letzter Zeit wieder massiven russischen Luftangriffe. \u201eDas Fehlen von Flugabwehrraketen wird immer mehr auch zu einem \u00f6konomischen Problem, weil die Energieversorgung und wichtige Industriebetriebe immer \u00f6fter getroffen werden\u201c, beklagt Pindyuk. \u201eLetztlich steht und f\u00e4llt alles mit ausreichender und rechtzeitiger Milit\u00e4r- und Finanzhilfe durch den Westen \u2013 allein 2024 klafft in der Ukraine eine Finanzierungsl\u00fccke von 40 Milliarden US-Dollar\u201c, so Pindyuk.<\/p>\n<p>Russlands Kriegswirtschaft am Limit \u2013 Sekund\u00e4rsanktionen als Gefahr<\/p>\n<p>Nach einem unerwartet starken Wachstum von 3,6% im vergangenen Jahr d\u00fcrfte sich das BIP-Wachstum heuer auf 2,8% abschw\u00e4chen und 2025 weiter nachlassen. Gegen\u00fcber der wiiw-Winterprognose ist das f\u00fcr 2024 dennoch eine Revision nach oben um 1,3 Prozentpunkte. Die russische Wirtschaft boomt aufgrund der hohen staatlichen Ausgaben f\u00fcr den Krieg und d\u00fcrfte im zweiten Quartal des laufenden Jahres ihren konjunkturellen Zenit \u00fcberschreiten. Auch der akute Arbeitskr\u00e4ftemangel, Kapazit\u00e4tsengp\u00e4sse und rekordhohe Realzinsen von rund 8% taten dem Boom bisher keinen Abbruch. \u201eFachkr\u00e4ftemangel und Kriegskeynesianismus lie\u00dfen die Reall\u00f6hne im vergangenen Jahr um fast 8% steigen, was den privaten Konsum um 6,5% anziehen lie\u00df. Diese Entwicklung k\u00f6nnte noch einige Zeit so weiter gehen. Die hohen Zinsen d\u00fcrften den Wirtschaftsboom und damit die Inflation aber einbremsen\u201c, sagt Vasily Astrov, Russland-Experte des wiiw.<\/p>\n<p>Trotz hoher Milit\u00e4rausgaben und gesunkener Einnahmen aus dem Export fossiler Energietr\u00e4ger im letzten Jahr f\u00e4llt der Ausblick f\u00fcr den russischen Staatshaushalt durchwegs positiv aus. Die Steuereinnahmen sprudelten im ersten Quartal 2024, sowohl aus dem \u00d6l- und Gasgesch\u00e4ft als auch in den meisten anderen Bereichen. \u201ePutin wird das Geld f\u00fcr den Krieg nicht ausgehen. F\u00fcr die russische Wirtschaft stellt sich eher die Frage, was nach dem Krieg kommt, da sie momentan vollkommen von ihm abh\u00e4ngig ist\u201c, analysiert Astrov. Kurzfristig k\u00f6nnten die immer sch\u00e4rferen Sekund\u00e4rsanktionen des Westens gegen Drittstaaten wie China oder die T\u00fcrkei zum Problem werden, \u00fcber die Russland die Sanktionen bisher umgehen konnte. \u201eWenn t\u00fcrkische Banken, wie k\u00fcrzlich geschehen, pl\u00f6tzlich keine Zahlungen mehr f\u00fcr russische Importe annehmen und auch Transaktionen in chinesischen Yuan schwieriger werden, k\u00f6nnten Russland sehr bald wichtige Maschinen und Bauteile aus dem Westen wie etwa Mikrochips fehlen\u201c, meint Astrov.<\/p>\n<p>Pressekontakt:<\/p>\n<p>Andreas Knapp<br \/>\nCommunications Manager<br \/>\nTel. +43 680 13 42 785<br \/>\nknapp@wiiw.ac.at<\/p>\n<p>Original-Content von: Wiener Institut f\u00fcr Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde automatisch von Presseportal.de zur Verf\u00fcgung gestellt: https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/148268\/5764493<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wien (ots) &#8211; Hauptst\u00fctze Privatkonsum, Deutschlands Schw\u00e4che belastet; ukrainische Wirtschaft in Schwierigkeiten; Russlands R\u00fcstungsboom am Limit, Sekund\u00e4rsanktionen als Problem Trotz<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-435243","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/435243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=435243"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/435243\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=435243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=435243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=435243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}