{"id":438282,"date":"2024-09-10T14:48:40","date_gmt":"2024-09-10T12:48:40","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=438282"},"modified":"2024-09-10T14:48:40","modified_gmt":"2024-09-10T12:48:40","slug":"flaechendeckende-glasfaserversorgung-bis-2030-ohne-klare-politische-kurskorrektur-nicht-mehr-erreichbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/flaechendeckende-glasfaserversorgung-bis-2030-ohne-klare-politische-kurskorrektur-nicht-mehr-erreichbar\/","title":{"rendered":"Fl\u00e4chendeckende Glasfaserversorgung bis 2030 ohne klare politische Kurskorrektur nicht mehr erreichbar"},"content":{"rendered":"<p>Foto: Wikipedia (Remux &#8211; Eigenes Werk_Fibra_de_vidrio)<\/p>\n<ul>\n<li>Glasfaserausbauquote Mitte 2024 bei 43,2 Prozent, Glasfaseranschlussquote bei 22,8 Prozent<\/li>\n<li>Ausbau in der Fl\u00e4che verlangsamt sich, Zahl der angeschlossenen Haushalte nimmt deutlich zu<\/li>\n<li>Telekom-Wettbewerber \u00fcbernehmen Gro\u00dfteil des Ausbaus: 61 Prozent der Homes Passed, 70 Prozent der Homes Connected, 77 Prozent der Homes Activated<\/li>\n<li>Prognose: Ausbauziel 2025 kann erreicht werden, Ausbauziel 2030 wird unter aktuellen politischen Rahmenbedingungen klar verfehlt<\/li>\n<li>Schleswig-Holstein bleibt im L\u00e4ndervergleich Spitzenreiter. Bremen und Brandenburg mit den st\u00e4rksten Zuw\u00e4chsen<\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more-->Bonn, 10.09.24 \u2013 <strong>In seiner heute ver\u00f6ffentlichten BREKO Marktanalyse 2024 zeigt der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) auf, dass der Glasfaserausbau in Deutschland weiter vorangeht. Stand 30. Juni 2024 liegt die Glasfaserausbauquote bei 43,2 Prozent, der Anteil der angeschlossenen Haushalte bei 22,8 Prozent. Da sich der Glasfaserausbau in der Fl\u00e4che aber verlangsamt, fordert der BREKO von der Bundesregierung endlich wirksame Ma\u00dfnahmen.<\/strong><\/p>\n<p>Mit 2,6 Millionen neu gebauten Anschl\u00fcssen (Homes Passed) steigt die Glasfaserausbauquote laut Marktanalyse zwischen Mitte 2023 und Mitte 2024 um 7,6 Prozentpunkte auf 43,2 Prozent, w\u00e4chst aber um 1,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der angeschlossenen Haushalte (Homes Connected) \u2013 die Glasfaseranschlussquote \u2013 steigt um 4,5 Prozentpunkte auf 22,8 Prozent und damit um 3,6 Prozentpunkte st\u00e4rker als im Vorjahreszeitraum. Zeitgleich steigt auch der Anteil der Haushalte, die einen Glasfaseranschluss gebucht haben (Homes Activated), leicht an: Die Take-Up-Rate liegt jetzt bei 26 Prozent. Das sind Ergebnisse der BREKO Marktanalyse 2024, die auf Daten aller relevanten, am Glasfaserausbau in Deutschland beteiligten Unternehmen basiert. Sie ist damit repr\u00e4sentativ f\u00fcr den deutschen Telekommunikationsmarkt.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrungswechsel: Fokus auf Anschluss der Haushalte<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell sind 10,5 Millionen Geb\u00e4ude und Wohnungen ans Glasfasernetz angeschlossen (Homes Connected) \u2013 rund ein Viertel Deutschlands. Studienautor Prof. Dr. Jens B\u00f6cker: \u201eDie Telekommunikationsbranche investiert trotz vieler Hindernisse weiter in den Glasfaserausbau. Auff\u00e4llig ist: W\u00e4hrend der Fokus in den letzten Jahren auf dem Ausbau in der Fl\u00e4che lag, gehen die Unternehmen jetzt zunehmend dazu \u00fcber, die Haushalte, Unternehmen und \u00f6ffentlicher Einrichtungen anzuschlie\u00dfen. Insbesondere die Wettbewerber der Telekom sorgen daf\u00fcr, ihre Kundinnen und Kunden ans Glasfasernetz anzuschlie\u00dfen, statt die Glasfaser nur bis in die Stra\u00dfe zu bauen.\u201d<\/p>\n<p><strong>Wettbewerber der Telekom \u00fcbernehmen Gro\u00dfteil des Glasfaserausbaus<\/strong><\/p>\n<p>Mit 13,2 Milliarden Euro befinden sich die Gesamtinvestitionen in den Glasfaser- und Mobilfunkausbau nach wie vor auf hohem Niveau, sind aber erstmals seit Jahren leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Obwohl der Investitionsanteil der Telekom auf 5,6 Milliarden Euro steigt und bei den Wettbewerbern auf 7,6 Milliarden Euro zur\u00fcckgeht, bleiben die alternativen Netzbetreiber mit 58 Prozent der Investitionen Treiber des Netzausbaus. Besonders im Glasfaserausbau \u00fcbernehmen die Wettbewerber der Telekom den L\u00f6wenanteil: Sie zeichnen f\u00fcr 61 Prozent der Homes Passed sowie f\u00fcr 70 Prozent der Homes Connected und 77 Prozent der Homes Activated verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>BREKO-Pr\u00e4sident Norbert Westfal fordert klare politische Kurskorrektur<\/strong><\/p>\n<p>Mit Blick auf die Prognose der Marktanalyse, wonach die Glasfaserausbauquote bei einer stabilen Entwicklung bis 2025 auf 50 Prozent, bis 2030 aber nur noch auf einen Wert zwischen 76 Prozent und 86 Prozent steigen wird, warnt BREKO-Pr\u00e4sident Norbert Westfal:<\/p>\n<p>\u201eTrotz gro\u00dfer wirtschaftlicher Herausforderungen wie gestiegenen Ausbaukosten und Fachkr\u00e4ftemangel treiben vor allem die Wettbewerber der Telekom den Glasfaserausbau weiter voran. Dar\u00fcber hinaus braucht es mit Blick auf das politische Ausbauziel 2030 jetzt mehr denn je eine klare politische Kurskorrektur, um Investitionssicherheit zu schaffen und Investitionsanreize zu setzen. Dass sich der Ausbau in der Fl\u00e4che verlangsamt, ist ein Fr\u00fchindikator mit Folgen: Laut Prognose wird die Bundesregierung ihr Ziel von Glasfaser f\u00fcr die H\u00e4lfte der deutschen Haushalte bis 2025 zwar erreichen. Unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen wird die fl\u00e4chendeckende Glasfaserversorgung bis 2030 aber deutlich verfehlt. Als BREKO schlagen wir schon lange konkrete Ma\u00dfnahmen zur Erreichung dieses Ziels vor. Insbesondere fordern wir von der Bundesnetzagentur ein Konzept f\u00fcr einen wettbewerbskonformen \u00dcbergang von Kupfer- auf Glasfasernetze: Hier gilt es zu verhindern, dass die Deutsche Telekom ihr Kupfernetz strategisch nur dort abschaltet, wo sie selbst Glasfaser verlegt hat. Zudem braucht es endlich eine wirksame Diensteanbieterverpflichtung \u2013 um doch noch einen Impuls f\u00fcr fairen Wettbewerb zu setzen und das herrschende Oligopol im Mobilfunk aufzubrechen. Leider wurde in den letzten Monaten zunehmend deutlich, dass die Ampel-Koalition offenbar das Interesse am Glasfaserausbau verloren hat.\u201d<\/p>\n<p><strong>Doppelausbau und Kupfer-Glasfaser-Migration sind die dr\u00e4ngendsten Themen<\/strong><\/p>\n<p>Eines der gr\u00f6\u00dften Probleme f\u00fcr den Glasfaserausbau bleibt der strategische Doppelausbau der Telekom. Wie aus den Daten der Marktanalyse hervorgeht, sind aktuell 78 Unternehmen von Doppelausbau-Aktivit\u00e4ten der Telekom oder ihrer Tochter Glasfaser Plus betroffen. Rund jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) hat sich aufgrund von Doppelausbau sogar aus Ausbauprojekten zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p>BREKO-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Stephan Albers: \u201eAuch wenn die Telekom das Gegenteil glauben machen m\u00f6chte: Der strategische Doppelausbau des marktbeherrschenden Unternehmens bleibt ein zentrales Problem im Glasfaserausbau. Dieses volkswirtschaftlich widersinnige Verhalten verhindert den Ausbau ganzer Kommunen, schreckt Investoren ab und ist eine Belastung f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Seit Ver\u00f6ffentlichung des Monitoringberichts der Bundesnetzagentur im April ist nichts passiert. Das Thema auszusitzen, n\u00fctzt einzig und allein der Telekom.\u201d<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Mehrheit der Unternehmen will klare Regelung f\u00fcr Kupfer-Glasfaser-Migration<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Thema, das die Branche umtreibt, ist der anstehende \u00dcbergang von Kupfer- auf Glasfasernetze. 9 von 10 Unternehmen (89 Prozent) sehen es laut Marktanalyse als wichtig oder sehr wichtig an, dass es eine wettbewerbskonforme Regelung f\u00fcr die sogenannte Kupfer-Glasfaser-Migration gibt. Nur 4 Prozent halten dies f\u00fcr unwichtig.<\/p>\n<p>Albers: \u201eDa die Wettbewerber f\u00fcr zwei Drittel des Glasfaserausbaus verantwortlich zeichnen, braucht es jetzt umso mehr ein Konzept f\u00fcr eine wettbewerbskonforme Kupfer-Glasfaser-Migration. Bislang gibt es f\u00fcr die Regionen, in denen die Wettbewerber Glasfaser verlegt haben, keine entsprechende Regelung. Die Telekom wiederum kann dort, wo sie Glasfaser ausgebaut hat, selbst \u00fcber eine Abschaltung ihres Kupfernetzes entscheiden. Unsere Forderung ist klar: Die Abschaltung in Regionen, in denen die Telekom Glasfaser verlegt hat, darf nur dann genehmigt werden, wenn das Kupfernetz auch in Gebieten abgeschaltet werden kann, die durch Wettbewerber vergleichbar gut mit Glasfaser versorgt sind und vergleichbare Vorleistungsprodukte angeboten werden. Sowohl beim Doppelausbau als auch bei der Kupfer-Glasfaser-Migration braucht es eine Bundesnetzagentur, die nicht nur die Interessen des marktm\u00e4chtigen Unternehmens im Blick hat, sondern aktiv f\u00fcr fairen Wettbewerb sorgt.\u201d<\/p>\n<p><strong>L\u00e4ndervergleich: Schleswig-Holstein bleibt an der Spitze vor Hamburg und Brandenburg<\/strong><\/p>\n<p>Zwischen den Bundesl\u00e4ndern gibt es gro\u00dfe Unterschiede in Fortschritt und Geschwindigkeit des Glasfaserausbaus. Mit 89,3 Prozent verzeichnet Schleswig-Holstein nach wie vor die h\u00f6chste Glasfaserausbauquote, gefolgt von Hamburg (82,7 Prozent) und Brandenburg (59,3 Prozent). Den gr\u00f6\u00dften Zuwachs gibt es in Bremen mit einem Plus von 26,3 Prozentpunkten. Das Schlusslicht bilden Th\u00fcringen (33,8 Prozent), Baden-W\u00fcrttemberg (29 Prozent) und Berlin (28,5 Prozent).<\/p>\n<p>Auch bei der Glasfaseranschlussquote sind Schleswig-Holstein (52,2 Prozent), Brandenburg (42,6 Prozent) und Hamburg (39,4 Prozent) Spitze. Den gr\u00f6\u00dften Zuwachs beim Anteil der angeschlossenen Haushalte erreicht Brandenburg mit 7,6 Prozentpunkten. Albers: \u201eUm den Ausbau in den L\u00e4ndern zu beschleunigen, braucht es endlich schnellere Genehmigungsverfahren. Auch der Glasfaserausbau muss deshalb im Telekommunikations-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz als im \u2018\u00fcberragenden \u00f6ffentliches Interesse\u2019 definiert werden. Bundestag und Bundesrat sind hier in der Pflicht, grundlegend nachzubessern, um doch noch Rahmenbedingungen f\u00fcr eine Beschleunigung des Glasfaserausbaus zu schaffen.\u201d<\/p>\n<p><strong>Open Access wird immer wichtiger<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00d6ffnung bestehender Netze f\u00fcr andere Anbieter gewinnt zunehmend an Bedeutung. Laut Marktanalyse bieten 89 Prozent der im BREKO organisierten Netzbetreiber bereits Zugang zu ihren Netzen an. Albers: \u201eOpen Access sorgt f\u00fcr mehr Wettbewerb und setzt sich als Alternat gegen Doppelausbau durch. Albers: \u201eOpen Access sorgt f\u00fcr mehr Wettbewerb und setzt sich als Alternative zum Doppelausbau durch. Die Kooperationen sorgen f\u00fcr eine h\u00f6here Auslastung der Netze und bieten den Kundinnen und Kunden mehr Angebotsvielfalt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Wikipedia (Remux &#8211; Eigenes Werk_Fibra_de_vidrio) Glasfaserausbauquote Mitte 2024 bei 43,2 Prozent, Glasfaseranschlussquote bei 22,8 Prozent Ausbau in der Fl\u00e4che<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":438283,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[23793],"class_list":["post-438282","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-besondere-neuigkeiten","tag-flaechendeckende-glasfaserversorgung-bis-2030-ohne-klare-politische-kurskorrektur-nicht-mehr-erreichbar"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/438282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=438282"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/438282\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":438284,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/438282\/revisions\/438284"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/438283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=438282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=438282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=438282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}