{"id":438928,"date":"2024-10-09T16:16:21","date_gmt":"2024-10-09T14:16:21","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=438928"},"modified":"2024-10-09T16:19:09","modified_gmt":"2024-10-09T14:19:09","slug":"sensation-rothirsch-wanderung-in-schleswig-holstein-erstmals-mit-gps-sender-erfasst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/sensation-rothirsch-wanderung-in-schleswig-holstein-erstmals-mit-gps-sender-erfasst\/","title":{"rendered":"Sensation: Rothirsch-Wanderung in Schleswig-Holstein erstmals mit GPS-Sender erfasst"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image004.jpg\">Foto: <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-438932 alignleft\" src=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image004.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"109\" \/><\/a>Siftung Naturschutz \u00b7 Es war eine weite Reise in wichtiger Mission. Einmal vom n\u00f6rdlichen Hamburger Stadtrand in die Segeberger Heide und zur\u00fcck. Allein auf dem 32 km langen Hinweg \u00fcberquerte der zehnj\u00e4hrige Rothirsch Anfang September in zwei N\u00e4chten 14 zum Teil stark befahrene Stra\u00dfen und schlich sich durch teilweise dicht besiedelte Gebiete. <!--more-->Erst seit wenigen Tagen ist er wieder zu Hause im Hamburger Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook. Rothirsche legen zur Paarungszeit oft weite Strecken zur\u00fcck und transportieren dabei ihre Gene von einer Teilpopulation in die n\u00e4chste. Mit ihrer Mobilit\u00e4t zur Paarungszeit sichern sie die genetische Vielfalt und die langfristige Existenz ihrer Art. Das Besondere: erstmals konnte eine solche Wanderung im Norden genau erfasst werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Duvenstedter-Brook_Juni24-Foto-Gernot-Maass-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-438929 alignright\" src=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Duvenstedter-Brook_Juni24-Foto-Gernot-Maass-2-550x367.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Duvenstedter-Brook_Juni24-Foto-Gernot-Maass-2-550x367.jpg 550w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Duvenstedter-Brook_Juni24-Foto-Gernot-Maass-2-320x213.jpg 320w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Duvenstedter-Brook_Juni24-Foto-Gernot-Maass-2.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a>Die Besenderung des Rothirsches \u2013 in der Region \u201eder Bargfelder\u201c genannt, ist ein gemeinsames Projekt von Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Landesjagverband Schleswig-Holstein sowie den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten und ein Beispiel f\u00fcr die gute Kooperation. Abgesehen von seinem imposanten Geweih ist er an einer kahlen Stelle im Fell auf der rechten Schulter gut erkennbar und wurde bereits in den Vorjahren zur Brunftzeit im Herbst in der Segeberger Heide beobachtet. Dass der Hirsch nun einen GPS-Sender tr\u00e4gt, ist eine kleine Sensation. \u201eAls der Biologe und Wildtierfotograf Gernot Maa\u00df und der Jagdaufseher Marco Klose mit der Idee der Besenderung auf mich zu gekommen sind, war mir sofort klar, dass dies eine gro\u00dfe Chance ist, den Wanderweg des \u201eBargfelders\u201c zu dokumentieren und auf das Problem der zunehmenden Lebensraumzerschneidung hinzuweisen. Wir wussten aber auch, dass es fast unm\u00f6glich ist, einen ganz bestimmten Hirsch zu narkotisieren und zu besendern\u201c, berichtet der Wildbiologe Frank Zabel, der Initiator des Projektes vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein.<\/p>\n<p>Denn nach perfekter Vorbereitung durch \u00f6rtliche Unterst\u00fctzer war es im Juli gelungen den \u201eBargfelder\u201c mit einem GPS-Sender auszustatten. \u201eWir haben mehrere Abende auf der Lauer gelegen, um den Hirsch mit einem Narkosepfeil zu bet\u00e4uben. Ein langwieriges und schwieriges Unterfangen. Nicht selten gewinnt dabei der Hirsch. Denn: dem langsamen Bet\u00e4ubungsgeschoss weichen die Tiere problemlos aus,\u201c erkl\u00e4rt Marcus Mei\u00dfner, Rothirsch-Experte der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und verantwortlich f\u00fcr die Besenderung. \u201eDar\u00fcber hinaus sollte man nicht weiter als 20 Meter von dem Tier entfernt sein und der Hirsch muss lange genug stehen bleiben, bis der Pfeil ankommt.\u201c<\/p>\n<p>Vom Schuss bis zur Wirkung der Narkose dauert es mehrere Minuten. Gefunden hat den narkotisierten Hirsch zielsicher Marcel Zickermann, Forstwirt und Jagdexperte von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten mit einem f\u00fcr solche Aufgaben speziell ausgebildeten Jagdhund.<\/p>\n<p>Seit der Besenderung wird jede Stunde die Position des Tieres ermittelt. \u201eEs w\u00e4re sch\u00f6n, wenn der Sender ein weiteres Jahr durchh\u00e4lt,\u201c hofft Mei\u00dfner, \u201edanach k\u00f6nnen wir das Halsband auf Knopfdruck wieder abl\u00f6sen.\u201c<\/p>\n<p>Wandert er oder wandert er nicht? \u2013 war seit der Besenderung die gro\u00dfe Frage. Am 31. August war es dann endlich soweit und \u201eder Bargfelder\u201c brach auf zu seiner gro\u00dfen Wanderung nach Norden. Gut viereinhalb Wochen hat er insgesamt in der Segeberger Heide verbracht, bis er dann am 27. September innerhalb von nur 12 Stunden zur\u00fcckgekehrt ist. \u201eEs ist nat\u00fcrlich eine besondere Freude den Hirsch jedes Mal wieder wohlbehalten am Ziel seiner Wanderung zu beobachten \u2013 jetzt kennen wir nun endlich auch seine Route\u201c, freut sich Wildtierfotograf Gernot Maa\u00df, der die kahle Schulter als Erkennungsmal ausmachte.<\/p>\n<p>Die Wanderachsen der Rothirsche zwischen den beiden Gebieten sind seit vielen Jahren bekannt und waren Gegenstand mehrerer Forschungsarbeiten. Mit Hilfe der Telemetrie ist es jetzt erstmals gelungen die bisherigen Modell-Annahmen mit Bewegungsdaten zu belegen. Das Problem: derartige Wanderungen werden immer seltener und die M\u00f6glichkeiten dazu schwinden. Das macht nicht nur den Genaustausch der Hirsche schwieriger. Wildtier-Korridore sind die Lebensadern der Artenvielfalt und verbinden \u00d6kosysteme miteinander. So tr\u00e4gt z.B. jeder Rothirsch eine Vielzahl von Pflanzensamen mit sich \u2013 entweder im Verdauungstrakt oder im Fell \u2013 und verteilt sie \u00fcber weite Strecken. Werden diese Verbindungen unterbrochen, hat das langfristig gravierende Folgen \u2013 sowohl f\u00fcr die Lebensgemeinschaften als auch f\u00fcr den Genpool einzelner Arten. \u201eEin funktionierender genetischer Austausch ist in Schleswig-Holstein gerade f\u00fcr die gro\u00dfen, weit verteilten Waldgebiete wie z.B. den Segeberger Forst und ihren Rotwildbestand von besonderer Bedeutung.\u201c erkl\u00e4rt Jan Meyer-Hamme, zust\u00e4ndig f\u00fcr das Sachgebiet Jagd bei den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. \u201eMehrere genetische Untersuchungen best\u00e4tigen, dass die Rotwildvorkommen in Schleswig-Holstein bereits ein gravierendes Problem haben und auf die Wiederbelebung des Genaustausch angewiesen sind\u201c, erg\u00e4nzt der Wildbiologe Frank Zabel vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein. Was zum Schutz der Verbundachsen getan werden muss, ist unstrittig: Durch Autobahnen oder Bundesstra\u00dfen zerschnittene Wildtier-Korridore m\u00fcssen durch Gr\u00fcnbr\u00fccken querbar gemacht werden, auf ganzer L\u00e4nge durchl\u00e4ssig bleiben und ausreichend Trittsteine als Ruher\u00e4ume beinhalten. Nicht umsonst war das einzige Etappenziel des \u201eBargfelders\u201c auf seiner Wanderung am 1. September das Stiftungsgebiet Nienwohlder Moor.<\/p>\n<p>Der Rothirsch ist mit seinen bis zu 300 Kilogramm Gewicht nur der gr\u00f6\u00dfte Vertreter einer ganzen Reihe von Arten, die auf funktionierende Verbindungen zwischen den Lebensr\u00e4umen angewiesen sind. \u201eUnser Wanderhirsch verdeutlicht nochmal die Bedeutung von Wildtier-Korridoren und miteinander verbundenen Ruhezonen in der Landschaft.\u201c, erkl\u00e4rt Marcus Mei\u00dfner von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Frank Zabel vom Landesjagdverband erg\u00e4nzt: \u201eF\u00fcr die Rothirsch-Vorkommen in Schleswig-Holstein ist die Funktionsf\u00e4higkeit der Wildtier-Korridore eine Existenzfrage\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Siftung Naturschutz \u00b7 Es war eine weite Reise in wichtiger Mission. 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