{"id":441593,"date":"2025-01-06T22:13:45","date_gmt":"2025-01-06T21:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=441593"},"modified":"2025-01-06T22:13:45","modified_gmt":"2025-01-06T21:13:45","slug":"ende-friedenspflicht-komba-warnt-vor-kollaps-im-tvoed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/ende-friedenspflicht-komba-warnt-vor-kollaps-im-tvoed\/","title":{"rendered":"Ende Friedenspflicht: komba warnt vor Kollaps im TV\u00f6D"},"content":{"rendered":"<p>Umfassende Reformen gefordert\u00a0 \u2013 Die komba gewerkschaft schleswig-holstein schl\u00e4gt Alarm: <!--more--><\/p>\n<p>Der \u00f6ffentliche Dienst steuert aufgrund des Personalmangels auf einen Kollaps zu. \u201eWir erleben einen Ausverkauf,<br \/>\nder schon heute die Zukunftsf\u00e4higkeit unserer Kommunen und des Landes bedroht\u201c, so Daniel Schlichting,<br \/>\nLandesvorsitzender der komba. \u201eHandeln wir jetzt nicht entschlossen, ger\u00e4t die Daseinsvorsorge<br \/>\nf\u00fcr alle in Schleswig-Holstein in ernste Gefahr.\u201c<br \/>\nMit Auslaufen der Friedenspflicht im TV\u00f6D zum 31. Dezember 2024 drohen damit erste Warnstreiks<br \/>\nin den schleswig-holsteinischen Kommunen. Der komba liegt derzeit kein Angebot der Vereinigung<br \/>\nder kommunalen Arbeitgeber (VKA) vor. Die erste Verhandlungsrunde ist f\u00fcr den<br \/>\n25.01.2025 vorgesehen. 2023 waren bundesweit rund 2,5 Millionen Besch\u00e4ftigte und Auszubildende<br \/>\nbei kommunalen Arbeitgebern t\u00e4tig, in Schleswig-Holstein etwa 100.000.<\/p>\n<p>Alarmierende Zahlen: 230.000 Tarifbesch\u00e4ftigte werden fehlen<\/p>\n<p>Der Personalmangel hat bereits heute gravierende Ausma\u00dfe erreicht: Mehr als 100.000 kommunale<br \/>\nStellen sind bundesweit unbesetzt. In den n\u00e4chsten zehn Jahren werden rund 500.000 der<br \/>\nBesch\u00e4ftigten in den Ruhestand gehen, was bis 2030 eine gewaltige L\u00fccke von 230.000 fehlenden<br \/>\nMitarbeitern hinterl\u00e4sst. Besonders kritische Bereiche wie die Ver- und Entsorgung, Betreuung der<br \/>\nInfrastruktur und die Kindertagesst\u00e4tten stehen vor enormen Herausforderungen. \u201eBerufliche Qualifikationsmerkmale<br \/>\nherabzusetzen, um mit der Einstellung sonstiger Besch\u00e4ftigter die Situation<br \/>\nirgendwie zu retten, mit dieser L\u00f6sung sind die kommunalen Arbeitgeber und die Landesregierung<br \/>\nauf dem Holzweg. Ausbildung und Fachkr\u00e4fte m\u00fcssen endlich wertsch\u00e4tzend verg\u00fctet werden,<br \/>\nsonst wird weder Personal angeworben noch gehalten\u201c, so Schlichting.<\/p>\n<p>Betriebs- und volkswirtschaftlicher Blackout drohen<br \/>\nWenn die Verschlechterung im \u00f6ffentlichen Dienst sich so verst\u00e4rken wird, drohen neben einem<br \/>\norganisatorischen Blackout auch betriebs- und volkswirtschaftliche Sch\u00e4den. Eine durch \u00dcberlastung<br \/>\nverz\u00f6gerte Bearbeitung von Antr\u00e4gen in Kombination mit unattraktiven Arbeitsbedingungen<br \/>\nwird zu erheblichen wirtschaftlichen Sch\u00e4den f\u00fchren, die sich auf viele Bereiche des \u00f6ffentlichen<br \/>\nLebens und der Privatwirtschaft auswirken werden.<\/p>\n<p>Digitale Defizite \u00fcberwinden<\/p>\n<p>Neben wettbewerbsf\u00e4higen Tarifbedingungen liegt ein weiterer L\u00f6sungsansatz in der Digitalisierung.<br \/>\nDie steckt jedoch in Deutschland bislang in den Kinderschuhen. Die kommunalen B\u00fcrgerb\u00fcros,<br \/>\nZulassungsstellen und Jobcenter in Schleswig-Holstein sind pr\u00e4gnantes Beispiel daf\u00fcr: B\u00fcrger*<br \/>\ninnen warten oft Wochen auf einen Termin, weil die Digitalisierung der Prozesse schleppend<br \/>\nvorankommt. Ein Blick \u00fcber die Grenze zu unseren Nachbarn in D\u00e4nemark zeigt, wie es gehen<br \/>\nkann: Nahezu alle Beh\u00f6rdeng\u00e4nge k\u00f6nnen dort bereits digital erledigt werden. Deutschland hingegen<br \/>\nsetzt weiterhin auf ineffiziente Eigenentwicklungen und verzichtet bewusst auf professionelle<br \/>\nLizenzsoftware, was den Gesamtprozess signifikant verlangsamt.<\/p>\n<p>Unterfinanzierung in den Kommunen<\/p>\n<p>Neben den Tarifbedingungen und der digitalen Problematik k\u00e4mpft der \u00f6ffentliche Dienst mit erheblichen<br \/>\nfinanziellen Herausforderungen. Denn die Landesregierung von Schleswig-Holstein<br \/>\nplant K\u00fcrzungen der F\u00f6rdermittel f\u00fcr Kommunen, was insbesondere Investitionen gef\u00e4hrdet. \u201eDas<br \/>\nist der v\u00f6llig falsche Ansatz\u201c, kritisiert Schlichting. \u201eGerade jetzt m\u00fcssen wir in unsere kommunale<br \/>\nInfrastruktur investieren, um langfristig handlungsf\u00e4hig zu bleiben und der Privatwirtschaft und deren<br \/>\nBesch\u00e4ftigten innovative Dienstleistungen anbieten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Unzureichende Kita-Finanzierung und Kritik der Wirtschaftsweisen<\/p>\n<p>Weiterer kritischer Punkt ist das Kita-Gesetz in Schleswig-Holstein, das eine enorme Finanzierungsl\u00fccke<br \/>\nvon \u00fcber 100 Millionen Euro rei\u00dft. Die Kommunen bef\u00fcrchten dabei, dass sie die finanziellen<br \/>\nRisiken allein tragen m\u00fcssen. \u201eDiese Vorgehensweise wird die bereits bestehende Belastung<br \/>\nder Kommunen nur noch weiter versch\u00e4rfen\u201c, warnt Schlichting. Mit Blick auf den ab 2026<br \/>\nbestehenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen fordert die komba gewerkschaft<br \/>\nschleswig-holstein eine realistische Finanzierung. \u201eWann bekommen wir endlich eine nachhaltige<br \/>\nund strategische Finanzierung, die nicht nur von einer Legislatur zur n\u00e4chsten reicht, sondern<br \/>\nden realen Anforderungen gerecht wird\u201c, so der Landesvorsitzende in seiner Kritik.<\/p>\n<p>Expertenstimmen best\u00e4tigen die komba-Forderungen<br \/>\nMonika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverst\u00e4ndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen<br \/>\nEntwicklung, best\u00e4tigt die schlechten Zust\u00e4nde in der Kinderbetreuung: \u201eSie sind nicht<br \/>\nzuverl\u00e4ssig, schlie\u00dfen zu viele Wochen im Jahr. Man kann sich auf die Kitas nicht verlassen. Um<br \/>\ndas Kita-System zu st\u00e4rken, brauche es mehr Geld und Personal. Hochqualifizierte Kinderbetreuung<br \/>\nist zudem extrem wichtig f\u00fcr die Integration.\u201c, so die Wirtschaftsweisin gegen\u00fcber den Zeitungen<br \/>\nder Funke Mediengruppe.<\/p>\n<p>Marcel Fratzscher, Pr\u00e4sident des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW), dazu im<br \/>\nZDF: \u201eDeutschland brauche j\u00e4hrlich zus\u00e4tzliche Investitionen von 40 Milliarden Euro in Stra\u00dfen,<br \/>\nSchienen, Br\u00fccken und Schulen.\u201c<\/p>\n<p>Andre Berghegger, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des St\u00e4dte- und Gemeindebundes, erl\u00e4uterte in dem<br \/>\nZusammenhang den Zeitungen der Funke Mediengruppe: \u201eFehlendes Personal wird die Arbeit des<br \/>\n\u00f6ffentlichen Dienstes und vor allem der Kommunen massiv beeintr\u00e4chtigen und kann die Daseinsvorsorge<br \/>\nan den Rand des Zusammenbruchs bringen. Ohne schnelle Ma\u00dfnahmen wird dies gravierende<br \/>\nFolgen f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und den Standort Deutschland haben.\u201c<\/p>\n<p>Erst Anfang Dezember 2024 hatte sich der St\u00e4dteverband Schleswig-Holstein gegen die vom Land<br \/>\ngeplanten K\u00fcrzungen ausgesprochen und die &#8222;Neum\u00fcnsteraner Erkl\u00e4rung&#8220; verabschiedet. Darin<br \/>\nhei\u00dft es, Land und Kommunen k\u00f6nnten die Zukunftsaufgaben nur partnerschaftlich bew\u00e4ltigen.<br \/>\nUnd Cyrus de la Rubia, Chef\u00f6konom der Hamburg Commercial Bank, erg\u00e4nzte im NDR, die Forderungen<br \/>\nder Gewerkschaften f\u00fcr die Einkommensrunde im TV\u00f6D seien \u201e(\u2026) insofern nachvollziehbar,<br \/>\nals die Geldentwertung vielen privaten Haushalten immer noch in den Knochen steckt.<br \/>\nStellt man beispielsweise den Vierjahresvergleich an, sind die Preise heute knapp 20 Prozent h\u00f6her<br \/>\nals Ende 2020.&#8220;<\/p>\n<p>Forderungen: Flexible Arbeitsmodelle und attraktive Tarifbedingungen<\/p>\n<p>Insgesamt wird damit aufgezeigt, ohne besser verg\u00fctete und flexible Arbeitszeitmodelle sowie<br \/>\nechte Arbeitsentlastung durch Neuorganisation, kann die Attraktivit\u00e4t des \u00f6ffentlichen Dienstes<br \/>\nnicht erh\u00f6ht werden. Um das zu erreichen, fordert die komba gewerkschaft schleswig-holstein eine<br \/>\nTariflohnerh\u00f6hung von 8 Prozent, wenigstens jedoch 350 Euro pro Monat, drei zus\u00e4tzliche Urlaubstage<br \/>\nzur Entlastung der Besch\u00e4ftigten sowie einen weiteren Urlaubstag f\u00fcr gewerkschaftliche Mitglieder.<br \/>\nZudem soll es eine zus\u00e4tzliche Zahlung von monatlich 200 Euro f\u00fcr alle Auszubildenden<br \/>\nund die Einf\u00fchrung eines Langzeitarbeitskontos geben, \u00fcber das die Tarifbesch\u00e4ftigten selbst verf\u00fcgen<br \/>\nk\u00f6nnen. \u201eBis vor Kurzem wurde die Ausbildung zum Erzieher\/zur Erzieherin nicht einmal<br \/>\nverg\u00fctet. Es braucht weder Betriebs- noch Volkswirte, um die Konsequenzen dieser Politik zu beschreiben.\u201c,<br \/>\nso der Landesvorsitzende der komba gewerkschaft sh.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umfassende Reformen gefordert\u00a0 \u2013 Die komba gewerkschaft schleswig-holstein schl\u00e4gt Alarm:<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":441594,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[24547],"class_list":["post-441593","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-wirtschaft","tag-ende-friedenspflicht-komba-warnt-vor-kollaps-im-tvoed"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/441593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=441593"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/441593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":441595,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/441593\/revisions\/441595"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/441594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=441593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=441593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=441593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}