{"id":443225,"date":"2025-02-17T13:12:42","date_gmt":"2025-02-17T12:12:42","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/foerderung-des-wohneigentums-unter-dem-strich-nur-wenig-wert\/"},"modified":"2025-02-17T13:12:42","modified_gmt":"2025-02-17T12:12:42","slug":"foerderung-des-wohneigentums-unter-dem-strich-nur-wenig-wert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/foerderung-des-wohneigentums-unter-dem-strich-nur-wenig-wert\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderung des Wohneigentums: Unter dem Strich nur wenig wert"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; <\/p>\n<p>Um die Misere auf dem Wohnungsmarkt zu beheben, hat die Ampelregierung zahlreiche F\u00f6rderprogramme aufgelegt. Doch wem kommen diese eigentlich zugute? Die F\u00f6rderung des selbst genutzten Wohneigentums jedenfalls ist mehr Schein als Sein, wie eine neue Studie von empirica belegt. <\/p>\n<p>Zu Beginn ihrer Amtszeit hatte die nun scheidende Bundesregierung versprochen, auch die Wohneigentumsbildung zu st\u00e4rken &#8211; und nicht nur den Mietwohnungsneubau anzukurbeln.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jetzt ist Zeit, Bilanz zu ziehen: Mangelnde Aktivit\u00e4t kann man der Ampelkoalition tats\u00e4chlich nicht vorwerfen, immerhin hat das Bauministerium einige F\u00f6rderprogramme aufgelegt, die auch angehenden Selbstnutzern zugutekommen. <\/p>\n<p>Doch was sind diese F\u00f6rderprogramme wirklich wert und inwieweit lassen sie sich mit dem Baukindergeld vergleichen, das insgesamt fast 430.000 Familien in die eigenen vier W\u00e4nde verholfen hat? Dieser Frage hat sich das Berliner Forschungsinstitut empirica im Auftrag der Landesbausparkassen angenommen. Methodisch basiert die Untersuchung von empirica auf der Ermittlung von F\u00f6rderbarwerten pro gef\u00f6rderte Wohnung (siehe Kasten unten), durch die unter anderem die unterschiedliche zeitliche Verteilung der Auszahlung von F\u00f6rderprogrammen nivelliert werden kann. Auf diese Weise kann die aktuelle Selbstnutzer-F\u00f6rderung in Form von Zinsverg\u00fcnstigungen sowohl dem Zuschuss Baukindergeld gegen\u00fcbergestellt werden als auch der steuerlichen F\u00f6rderung, die Vermieter erhalten. <\/p>\n<p>So wird selbst genutztes Wohneigentum derzeit vom Bund gef\u00f6rdert<\/p>\n<p>Angehende selbstnutzende Wohneigent\u00fcmer werden vom Bund derzeit ausschlie\u00dflich \u00fcber zinsverg\u00fcnstigte Kredite der F\u00f6rderbank KfW unterst\u00fctzt. Wer sie in Anspruch nehmen will, muss sich einen \u00dcberblick \u00fcber ein kleinteiliges Angebot an F\u00f6rderprogrammen verschaffen. <\/p>\n<p>1. Wohneigentum f\u00fcr Familien &#8211; Neubau (WEF): Familien, die neu bauen wollen, damit erstmals Wohneigentum erwerben und gewisse Einkommensgrenzen nicht \u00fcberschreiten (90.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen mit einem Kind, 10.000 Euro f\u00fcr jedes weitere), k\u00f6nnen seit Juni 2023 stark zinsverg\u00fcnstigte Kredite von maximal 170.000 bis 270.000 Euro bekommen. Der Neubau muss daf\u00fcr mindestens den Effizienzhausstandard (EH) 40 sowie bestimmte Anforderungen an die Treibhausgas-Emissionen im Lebenszyklus des Geb\u00e4udes erf\u00fcllen. Der m\u00f6glich Kreditbetrag steigt mit der Kinderzahl, und wenn zus\u00e4tzlich eine Zertifizierung mit dem Qualit\u00e4tssiegel Nachhaltiges Geb\u00e4ude (QNG) in den Abstufungen Plus oder Premium vorliegt. <\/p>\n<p>2. Wohneigentum f\u00fcr Familien &#8211; Bestandserwerb (Jung kauft Alt): Seit September 2024 k\u00f6nnen Familien innerhalb derselben Einkommensgrenzen, die f\u00fcr das Programm WEF gelten, auch einen F\u00f6rderkredit f\u00fcr den Kauf einer \u00e4lteren Immobilie mit einem Energieausweis der schlechtesten Klassen F, G und H bekommen. Voraussetzung: Das neue Heim wird binnen 4,5 Jahren energetisch so auf Vordermann gebracht, dass es den Standard &#8222;EH 70 Erneuerbare Energien&#8220; erf\u00fcllt, der in etwa einem Energieausweis Stufe B entspricht. Au\u00dferdem muss eine Heizung eingebaut werden, die den W\u00e4rmebedarf des Geb\u00e4udes zu 65 Prozent aus erneuerbaren Energien deckt. Seit kurzem ist auch eine Sanierung auf den Standard &#8222;EH Denkmal Erneuerbare Energien&#8220; f\u00f6rderf\u00e4hig. Der Kredith\u00f6chstbetrag liegt je nach Kinderzahl zwischen 100.000 und 150.000 Euro. <\/p>\n<p>3. Klimafreundlicher Neubau (KFN) und Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment (KNN): Beide Programme k\u00f6nnen f\u00fcr selbst genutztes und f\u00fcr vermietetes Eigentum genutzt werden und sind ebenfalls an \u00fcbergesetzliche energetische Anforderungen gekn\u00fcpft. F\u00fcr KFN muss derselbe Standard wie f\u00fcr das Programm WEF erreicht werden (EH 40 und zus\u00e4tzliche Anforderungen an die Treibhausgas-Emissionen, optional erg\u00e4nzend eine QNG-Zertifizierung), es ist seit M\u00e4rz 2023 erh\u00e4ltlich. F\u00fcr KNN muss &#8222;nur&#8220; der gesetzliche Neubaustandard EH 55 erreicht werden, aber es werden zus\u00e4tzliche Anforderungen an die Treibhausgas-Emissionen, Obergrenzen f\u00fcr die Geb\u00e4udekosten im Lebenszyklus sowie an die regenerative W\u00e4rmeerzeugung und die Bauweise gestellt. KNN steht erst seit Oktober 2024 zur Verf\u00fcgung. Beim Programm KFN liegen die H\u00f6chstbetr\u00e4ge f\u00fcr die nur leicht zinsverg\u00fcnstigten Kredite bei 100.000 bzw. 150.000 Euro. Die Zinsverg\u00fcnstigung f\u00fcr KNN f\u00e4llt h\u00f6her aus, der maximale Kreditbetrag bel\u00e4uft sich ebenfalls auf 100.000 bzw. 150.000 Euro, wenn ein h\u00f6herer Standard erreicht wird. <\/p>\n<p>4. KfW-Wohneigentumsprogramm: Die KfW finanziert schon seit vielen Jahr den Neubau oder den Kauf von Bestandsimmobilien mit. Die Zinsen f\u00fcr diesen klassischen KfW-Kredit liegen allerdings kaum unter den Marktzinsen, manchmal sogar dar\u00fcber. Der H\u00f6chstbetrag f\u00fcr diesen Kredit liegt bei 100.000 Euro, er kann zus\u00e4tzlich zu den anderen F\u00f6rderprogrammen gew\u00e4hrt werden und stellt als einziger keine energetischen Zusatzanforderungen. <\/p>\n<p>Alle neuen F\u00f6rderprogramme haben eins gemein: Die Mehrkosten f\u00fcr die Auflagen zur Energieeffizienz \u00fcbersteigen den Barwert der F\u00f6rderung.<br \/>\nGem\u00e4\u00df den Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00dfes Bauen (ARGE) in Kiel belaufen sich die Kosten f\u00fcr eine Sanierung einer \u00e4lteren Immobilie auf den Standard EH 70 auf 45.000 bis 100.000 Euro, die Mehrkosten f\u00fcr den Standard EH 40 gegen\u00fcber EH 55 betragen im Neubau 20.000 bis 30.000 Euro, jeweils bei 100 Quadratmetern Wohnfl\u00e4che. F\u00fcr die QNG-Zertifizierung kommen noch einmal 5.000 bis 10.000 Euro dazu. Das ist jeweils mehr als die einfachen Barwerte der F\u00f6rderung. Diese betragen rund 6.000 Euro beim Programm KFN, gut 12.000 Euro bei KNN und etwas mehr als 16.000 Euro bei &#8222;Jung kauft Alt&#8220;, jeweils f\u00fcr Kredite von 100.000 Euro, sowie in der Spitze gut 27.000 Euro beim Programm WEF f\u00fcr einen Kredit von 170.000 Euro. <\/p>\n<p>Bereinigt man diese einfachen Barwerte der aktuellen F\u00f6rderprogramme, die die Ampelregierung aufgelegt hat, um die anfallenden Zusatzkosten, bleiben ziemlich genau null Euro Barwert \u00fcbrig. Diese F\u00f6rderprogramme helfen also keinem einzigen Haushalt bei der Wohneigentumsbildung, der es nicht auch ohne die Programme schaffen w\u00fcrde. Stattdessen gleicht die F\u00f6rderung einen Teil der Zusatzkosten f\u00fcr den h\u00f6heren energetischen Standard aus. <\/p>\n<p>Kaum besser schneiden die Kredite aus dem klassischen KfW-Wohneigentumsprogramm ab. Dank ihrer geringf\u00fcgigen Zinsverg\u00fcnstigung ergibt sich hier ein einfacher F\u00f6rderbarwert von 100 Euro, der immerhin nicht durch Zusatzanforderungen aufgezehrt wird. <\/p>\n<p>So f\u00e4llt der Vergleich mit dem Baukindergeld aus<\/p>\n<p>Um die Qualit\u00e4t der heutigen F\u00f6rderung besser einordnen zu k\u00f6nnen, darf ein Vergleich mit dem erfolgreichen Baukindergeld nicht fehlen. Schon die Gegen\u00fcberstellung der nackten Fallzahlen spricht eine klare Sprache (Grafik): <\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Baukindergeld jahresdurchschnittlich von etwas mehr als 131.000 Familien in Anspruch genommen wurde &#8211; von rund 87.500 f\u00fcr den Erwerb einer bestehenden Immobilie und von knapp 44.000 f\u00fcr ein Bauvorhaben -, wurden die Programme &#8222;Wohneigentum f\u00fcr Familien &#8211; Neubau&#8220; und &#8222;Jung kauft Alt&#8220; 2024 gerade einmal von gut 5.000 Familien abgerufen.<br \/>\nDer Vergleich der wichtigsten F\u00f6rderkennziffern f\u00fcr das Baukindergeld und alle aktuellen Programme zeigt: Die F\u00f6rderung des selbst genutzten Wohneigentums ist ein Scheinriese (Grafik). 6,9 Milliarden Euro an Volumen insgesamt vergebener Kredite im Jahr 2024 stellen das Baukindergeld mit seinem durchschnittlichen j\u00e4hrlichen F\u00f6rdervolumen von 2,8 Milliarden noch klar in den Schatten. Doch schon der mit den Fallzahlen gewichtete einfache F\u00f6rderbarwert der Zinsverg\u00fcnstigungen liegt nur bei 2.900 Euro gegen\u00fcber 18.600 Euro beim Baukindergeld. Er wird stark gedr\u00fcckt durch die vergleichsweise starke Nutzung des KfW-Wohneigentumsprogramms. Der bereinigte F\u00f6rderbarwert schlie\u00dflich schrumpft auf rund 100 Euro und damit auf die Gr\u00f6\u00dfe eines Zwergs. An das Baukindergeld waren dagegen keine kostentr\u00e4chtigen Auflagen gekoppelt, die eine Bereinigung erfordern w\u00fcrden &#8211; es bleibt bei 18.600 Euro. <\/p>\n<p>So wird eine neue vermietete Wohnung derzeit gef\u00f6rdert<\/p>\n<p>Vermieteter Wohnraum wird vor allem steuerlich \u00fcber erh\u00f6hte Abschreibungen f\u00fcr Abnutzung (AfA) gef\u00f6rdert. Sofern Abschreibungen vom zu versteuernden Einkommen \u00fcber den von der ARGE als fairen Verschlei\u00df berechneten Satz von knapp 2,8 Prozent pro Jahr hinausgehen, bewirken sie f\u00fcr die Investoren in der Anfangsphase der Investition eine zus\u00e4tzliche Steuerersparnis, stellen also im Barwert eine F\u00f6rderung dar, die die Rendite der Investition verbessert. Derzeit existieren vier AfA-Arten, die teils als F\u00f6rderung wirken, teils aber auch nicht: <\/p>\n<p>1. Lineare Normal-AfA: Alle seit Januar 2023 fertig gestellten Mietwohnungsneubauten k\u00f6nnen mit 3 Prozent pro Jahr abgeschrieben werden. Das ist etwas mehr als der zu kalkulierende Verschlei\u00df, enth\u00e4lt also eine kleine Subventionskomponente. <\/p>\n<p>2. Degressive Normal-AfA: Neubauten mit Datum des Baubeginns zwischen Oktober 2023 und September 2029 k\u00f6nnen statt linear auch degressiv mit 5 Prozent vom jeweils verbleibenden Restwert abgeschrieben werden. <\/p>\n<p>3. Sonder-AfA: Neubauten mit Datum des Bauantrags oder des Kaufvertrags zwischen August 2018 und Oktober 2029 k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich zu einer der beiden normalen AfAs \u00fcber vier Jahre mit einer Sonder-AfA von linear jeweils 5 Prozent abgeschrieben werden, wenn sie den Effizienzhausstand EH 40 erf\u00fcllen, mit dem Qualit\u00e4tssiegel Nachhaltiges Bauen (QNG) zertifiziert werden und die Obergrenze von 5.200 Euro\/qm f\u00fcr die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten nicht \u00fcberschreiten. Die Bemessungsgrundlage f\u00fcr diese Sonder-AfA betr\u00e4gt maximal 4.000 Euro\/qm. <\/p>\n<p>4. Sofortabschreibungen von Erhaltungsaufwand: Erhaltungsaufwendungen f\u00fcr bestehende Geb\u00e4ude k\u00f6nnen entweder sofort (bis zu 4.000 Euro) oder verteilt auf zwei bis f\u00fcnf Jahre abgeschrieben werden. <\/p>\n<p>F\u00fcr diese Abschreibungsm\u00f6glichkeiten ergeben sich &#8211; gerechnet \u00fcber 10 Jahre f\u00fcr ein Objekt mit abschreibungsf\u00e4higen Kosten von 400.000 Euro und einem mittleren Einkommensteuersatz des Investors von 40 Prozent &#8211; folgende gerundeten Barwerte: Die lineare AfA schl\u00e4gt mit etwa 3.000 Euro zu Buche, und die degressive AfA ist rund 18.000 Euro wert. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Sonder-AfA kommen noch einmal 31.000 Euro einfacher F\u00f6rderbarwert zur linearen AfA beziehungsweise 24.000 Euro zur degressiven AfA dazu. Doch hier tritt das bereits bekannte Ph\u00e4nomen ein: Diese Betr\u00e4ge decken nicht die Mehrkosten, die durch die zus\u00e4tzlichen energetischen Anforderungen entstehen. Deshalb darf die Sonder-AfA dem Mietwohnungsbau nicht als F\u00f6rderung angerechnet werden. <\/p>\n<p>Die Sofortabschreibung eines angenommen Erhaltungsaufwands von 40.000 Euro \u00fcber zwei Jahre dagegen bringt noch mal einen F\u00f6rderbarwert von rund 12.000 Euro mit sich. <\/p>\n<p>Unter dem Strich diskriminiert der Bund den Erwerb einer selbst genutzten Immobilie gegen\u00fcber der Investition in den Neubau einer vermieteten Wohnung um 18.000 bis 30.000 Euro (Tabelle). <\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der Diskriminierung ist also ohnehin hoch &#8211; und es steigt, umso mehr Baukosten und Erhaltungsaufwand Investoren geltend machen. <\/p>\n<p>Gl\u00fcck haben derzeit nur Ersterwerber von selbst genutztem Wohneigentum in Hessen, denn sie erhalten mit der Landesf\u00f6rderung &#8222;Hessengeld&#8220; einen Zuschuss von 10.000 Euro pro K\u00e4ufer und weiteren 5.000 Euro pro Kind als bedingungslose (Teil-)Kompensation f\u00fcr die Grunderwerbsteuer. Im empirischen Mittel lag der F\u00f6rderbarwert des Hessengelds bei knapp 14.000 Euro. <\/p>\n<p>Warum das selbst genutzte Wohneigentum gleichberechtigt gef\u00f6rdert werden sollte<\/p>\n<p>Derzeit leben gut 40 Prozent der Haushalte in Deutschland in einer selbst genutzten Immobilie und noch viel mehr tr\u00e4umen davon. Es ist zwar nicht Aufgabe des Staates, so viele Menschen wie m\u00f6glich in Wohneigentum zu bringen &#8211; sehr wohl aber zumindest diskriminierungsfreie, wenn nicht sogar g\u00fcnstige Rahmenbedingungen f\u00fcr jene zu schaffen, die sich dies w\u00fcnschen. Daf\u00fcr, angehenden Selbstnutzern eine gleichwertige F\u00f6rderung wie vermieteten Immobilien zukommen zulassen, gibt es viele gute Argumente. Was ganz sicher ist: Der Erwerb von Wohneigentum sollte nicht auch noch blockiert werden. <\/p>\n<p>Wohneigentumsf\u00f6rderung ist Familienpolitik. Familien haben geringere Einkommenspotenziale, weil sie ihr Arbeitsangebot oftmals wegen eingeschr\u00e4nkter Betreuungsm\u00f6glichkeiten reduzieren m\u00fcssen. Zugleich haben sie wegen der Kinder h\u00f6here Ausgaben. Familien ben\u00f6tigen mehr Wohnfl\u00e4che, aber familiengeeigneter Wohnraum ist hierzulande besonders knapp und wird selten zur Miete angeboten. Deshalb brauchen besonders Familien Unterst\u00fctzung bei der Wohneigentumsbildung. <\/p>\n<p>Wohneigentumsf\u00f6rderung ist Verm\u00f6genspolitik. Dass selbst nutzende Wohneigent\u00fcmer eine immensen Verm\u00f6gensvorteil gegen\u00fcber Mietern derselben Einkommens- und Altersklasse haben, wurde mehrfach empirisch nachgewiesen. Dies ist nicht in erster Linie Resultat von Wertsteigerungen, sondern Ergebnis der erh\u00f6hten Spardisziplin. Wer Wohneigentum f\u00fcr Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen f\u00f6rdert, tr\u00e4gt zum Abbau von Verm\u00f6gensungleichheit bei. <\/p>\n<p>Wohneigentumsf\u00f6rderung ist Wohnungspolitik. Jede neu gebaute Immobilie zur Selbstnutzung tr\u00e4gt genauso zur Wohnraumversorgung bei wie eine, die vermietet werden soll. Aber auch der Kauf einer bestehenden Immobilie l\u00f6st eine Umzugskette aus, an deren Ende meist eine kleinere Mietwohnung f\u00fcr j\u00fcngere, einkommensschw\u00e4chere Haushalte auf den Markt kommt. Angesichts der aktuellen Knappheit auf dem Wohnungsmarkt wird die Miete dieser Wohnung sicher steigen &#8211; aber sie ist damit immer noch weit, weit g\u00fcnstiger als eine Wohnung in einem Neubau. <\/p>\n<p>Wohneigentumsf\u00f6rderung ist Kompensation. Oft \u00fcbersehen, aber nicht zu negieren &#8211; die F\u00f6rderung des Mietwohnungsbaus hemmt die Wohneigentumsbildung ganz direkt. Denn eine F\u00f6rderung hat immer auch Preiseffekte. Wird der Mietwohnungsbau \u00fcber Subventionen angekurbelt, steigen die Baupreise und die Baulandpreise. Beides trifft auch die derzeit quasi ungef\u00f6rderten angehenden Selbstnutzer. Hinzu kommt noch: Wird das Wohnen zur Miete durch die F\u00f6rderung g\u00fcnstiger, schm\u00e4lert dies die Vorteilhaftigkeit des Erwerbs zur Selbstnutzung. Die Motivation zur Wohneigentumsbildung sinkt, und es gibt weniger Ersterwerber. Weil weniger Umzugsketten entstehen, verstopft der Mietwohnungsmarkt noch st\u00e4rker. <\/p>\n<p>Was die n\u00e4chste Bundesregierung tun sollte<\/p>\n<p>Die Frage, was die Politik angesichts des festgestellten Missverh\u00e4ltnisses am besten tun sollte, ist im Prinzip einfach zu beantworten: Es sollte wieder eine F\u00f6rderung des Erwerbs von Wohneigentum im Geist des Baukindergelds geben, die mindestens Familien zugutekommt und nicht eigentlich ein ganz anderes Ziel wie die energetische Verbesserung des Geb\u00e4udebestands verfolgt. Der F\u00f6rderbarwert dieser Eigentumsf\u00f6rderung sollte sich fairerweise auf mindestens 18.000 Euro belaufen, um die F\u00f6rderung des vermieteten Wohnraums auszugleichen. <\/p>\n<p>Eine solche F\u00f6rderung ist jedoch in keinem Wahlprogramm einer Partei vorgesehen, die eine realistische Chance auf Einzug in den Bundestag und wom\u00f6glich Regierungsbeteiligung hat. Was stattdessen h\u00e4ufiger vorgeschlagen wird, ist aber genauso richtig: eine Erm\u00e4\u00dfigung der Grunderwerbsteuer. Wie viel dies wert sein kann, zeigt das Hessengeld. Gesucht sind somit Modelle, die den Bundesl\u00e4ndern den Verzicht auf die Steuereinnahmen aus der Grunderwerbsteuer erleichtern w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Was die neue Bundesregierung dagegen auf keinen Fall ins Auge fassen sollte, ist eine analoge steuerliche F\u00f6rderung f\u00fcr selbst genutztes Eigentum. Denn durch die progressive Einkommensbesteuerung w\u00fcrden davon besonders jene profitieren, die es am wenigsten n\u00f6tig h\u00e4tten &#8211; und dies umso st\u00e4rker, je gr\u00f6\u00dfere und luxuri\u00f6sere Immobilien sie erwerben. Umgekehrt w\u00fcrde die eigentliche Zielgruppe der F\u00f6rderung verfehlt &#8211; Schwellenhaushalte, die gerade so eben am Sprung \u00fcber die Eigenkapitalh\u00fcrde scheitern -, weil sie in der Regel allenfalls \u00fcber ein mittleres zu versteuerndes Einkommen verf\u00fcgt. Steuersystematisch droht am Ende des Lieds auch noch die Besteuerung der ersparten Miete, weil steuerliche Abzugsm\u00f6glichkeiten in der Regel nur dort vorgesehen sind, wo auch Ertr\u00e4ge entstehen und besteuert werden. Und das will nun wirklich niemand. <\/p>\n<p>Der Barwert der F\u00f6rderung &#8211; Annahmen<\/p>\n<p>Bei der Berechnung eines F\u00f6rderbarwerts wird der kumulierte Wert einer \u00fcber 10 beziehungsweise 20 Jahre ausgezahlten oder einger\u00e4umten F\u00f6rderung auf den heutigen Zeitpunkt heruntergerechnet. So werden ganz unterschiedlich ausgestaltete F\u00f6rderungen vergleichbar. Daf\u00fcr muss eine Reihe von Annahmen getroffen werden: <\/p>\n<p>&#8211;  F\u00fcr die vorliegenden Berechnungen wurde ein Diskontierungssatz von 3 Prozent verwendet.<br \/>\n&#8211;  Alle Berechnungen beziehen sich auf den Stand von Dezember 2024, dies gilt sowohl f\u00fcr die Zinskonditionen der KfW als auch f\u00fcr die zum Vergleich herangezogenen Marktzinss\u00e4tze f\u00fcr Immobilienkredite von 3,30 Prozent f\u00fcr 10 Jahre Zinsbindung und 3,50 Prozent f\u00fcr 20 Jahre Zinsbindung.<br \/>\n&#8211;  Die F\u00f6rderbarwerte der Wohneigentumsf\u00f6rderung beziehen sich auf eine Familie mit zwei Kindern.<br \/>\n&#8211;  Als fairer linearer AfA-Satz ohne Subventionswirkung wurden 2,78 Prozent angesetzt, wie von der Kieler Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00dfes Bauen (ARGE) ermittelt.<br \/>\n&#8211;  Die F\u00f6rderwirkung der Abschreibungsm\u00f6glichkeiten wurde f\u00fcr einen Einkommensteuersatz von 40 Prozent und eine Wohnung mit Baukosten von 400.000 Euro sowie Erhaltungsaufwand von 40.000 Euro berechnet. H\u00f6here Baukosten f\u00fchren zu proportional h\u00f6heren F\u00f6rderbarwerten (au\u00dfer Sonder-AfA). H\u00f6here oder niedrigere Steuers\u00e4tze ver\u00e4ndern den Barwert ebenfalls proportional. <\/p>\n<p>Pressekontakt:<\/p>\n<p>Dr. Ivonn Kappel<br \/>\nReferat Presse<br \/>\nBundesgesch\u00e4ftsstelle Landesbausparkassen<br \/>\nTel.: 030 20225-5398<br \/>\nFax : 030 20225-5395<br \/>\nE-Mail: ivonn.kappel@dsgv.de<\/p>\n<p>Original-Content von: Bundesgesch\u00e4ftsstelle Landesbausparkassen (LBS), \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde automatisch von Presseportal.de zur Verf\u00fcgung gestellt: https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/35604\/5972720<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Um die Misere auf dem Wohnungsmarkt zu beheben, hat die Ampelregierung zahlreiche F\u00f6rderprogramme aufgelegt. 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