{"id":445085,"date":"2025-04-04T18:07:36","date_gmt":"2025-04-04T16:07:36","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=445085"},"modified":"2025-04-04T18:07:36","modified_gmt":"2025-04-04T16:07:36","slug":"445085","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/445085\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Neue gentechnische Verfahren (New Genomic Techniques, NGT) machen Ver\u00e4nderungen an Pflanzen m\u00f6glich, die mit einer neuen EU-Verordnung bald \u201edereguliert\u201c werden k\u00f6nnten. Es geht unter anderem um Fragen der Kennzeichnung, Wahlfreiheit, Risikobewertung, Patentrechte. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) ordnet ein, was diese neue Verordnung f\u00fcr Verbraucherinnen und Verbraucher bedeuten k\u00f6nnte.<!--more-->Innovation, Nachhaltigkeit, Ern\u00e4hrungssicherheit und dies bei geringerem Verwaltungsaufwand \u2013 das sind einige der Ziele, die die EU-Kommission mit dem neuen Verordnungsvorschlag definiert. Viele Pflanzen, die mit NGT in Zukunft erzeugt werden, w\u00fcrden sehr wahrscheinlich nicht als \u201egenetisch ver\u00e4ndert\u201c nach dem derzeit g\u00fcltigen Gentechnikrecht gelten.<\/p>\n<p>NGT \u2013 was sind diese \u201eNeuen Genomischen Verfahren\u201c \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Mit Hilfe der NGT kann das pflanzliche Erbgut an mehreren Stellen gezielt ver\u00e4ndert werden. Das bedeutet, es d\u00fcrfen beispielsweise DNA-Abschnitte eingef\u00fcgt oder entfernt, Gene mutiert oder inaktiviert werden. Allerdings d\u00fcrfen keine artfremden Gene eingebaut, sondern nur das Pflanzenart-eigene Erbgut genutzt werden. Bis zu einer definierten Anzahl an Ver\u00e4nderungen gilt die Pflanze dann laut Verordnung immer noch als \u201egleichwertig mit herk\u00f6mmlichen Pflanzen\u201c, da die Ver\u00e4nderungen theoretisch auch durch konventionelle Z\u00fcchtungen oder zuf\u00e4llige Mutationen nat\u00fcrlich entstehen k\u00f6nnten. Dann gelten die <a class=\"ext\" title=\"(opens in a new window)\" href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:02003R1830-20190726\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-extlink=\"\">Unions-GVO<sup>1<\/sup>-Vorschriften<\/a> nicht. Die Folge: Lebensmittel aus solchen Pflanzen w\u00fcrden nicht als GVO gekennzeichnet und w\u00e4ren somit f\u00fcr Verbraucher nicht von konventionellen Erzeugnissen unterscheidbar. Au\u00dferdem w\u00e4ren sie kaum r\u00fcckverfolgbar und es w\u00fcrde f\u00fcr gentechnikfreie konventionelle und \u00f6kologische Erzeuger schwer, unbeabsichtigte Kontaminationen zu vermeiden. Eine Risiko\u00fcberpr\u00fcfung w\u00fcrde f\u00fcr solche Produkte ebenfalls wegfallen.<\/p>\n<p>Bewusste Entscheidung bald nicht mehr m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Laut Umfragen von <a class=\"ext\" title=\"(opens in a new window)\" href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Gentechnik\/2023-09-Umfrage_Forsa_Tabellen_Neue_Gentechnik.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-extlink=\"\">forsa<\/a> und <a class=\"ext\" title=\"(opens in a new window)\" href=\"https:\/\/bfn.bsz-bw.de\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/1861\/file\/brs248.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-extlink=\"\">BfN<sup>2<\/sup><\/a> wollen die meisten Verbraucher eine Risikountersuchung auch bei NGT-Pflanzen. Eine gro\u00dfe Mehrheit erwartet zudem eine entsprechende Lebensmittelkennzeichnung \u2013 egal, ob neue gentechnische Verfahren oder klassische Gentechnik angewendet wurden. Die fehlende Lebensmittelkennzeichnung sieht die VZSH \u00e4u\u00dfert kritisch. \u201eWenn die Kennzeichnung nicht bis zum Endprodukt vorgeschrieben w\u00e4re, k\u00f6nnten sich die Verbraucher nicht mehr umfassend informieren. Eine bewusste Entscheidung f\u00fcr oder gegen gentechnisch ver\u00e4nderte Lebensmittel w\u00e4re unter dem aktuellen Vorhaben nicht mehr m\u00f6glich\u201c, sagt Stefanie Staats, Leiterin des Referats Lebensmittel und Ern\u00e4hrung bei der VZSH. \u201eWer sich bewusst gegen gentechnisch ver\u00e4nderte Lebensmittel entscheiden m\u00f6chte, egal, wie die Ver\u00e4nderungen eingestuft und benannt werden, m\u00fcsste m\u00f6glicherweise in der Zukunft ausschlie\u00dflich auf Bio-Produkte zur\u00fcckgreifen. Denn \u00f6kologisch erzeugte Lebensmittel werden weiterhin gentechnikfrei sein m\u00fcssen\u201c, gibt Staats zu bedenken.<\/p>\n<p>Wie ist der Stand, wie geht es weiter?<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich wurde eine Einigung im Agrarrat erzielt: Eine qualifizierte Mehrheit der EU-Staaten hat sich im AStV<sup>3<\/sup> f\u00fcr eine \u00c4nderung des EU-Gentechnikrechts positioniert. Deshalb k\u00f6nnen nun die finalen Verhandlungen zwischen dem EU-Parlament, der EU-Kommission und dem Rat der EU beginnen. Einige Nachbesserungen sind jetzt noch m\u00f6glich und werden von Deutschland und weiteren Staaten auch gefordert. Dazu geh\u00f6ren die Kennzeichnungspflicht bis zum Endprodukt und die R\u00fcckverfolgbarkeit. Die nicht vorgeschriebene Risikobewertung kann jedoch kaum mehr verhandelt werden. Es bleibt abzuwarten, welche Punkte im Interesse der Verbraucher durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>Forschung, Fortschritt und Entwicklung sind zu begr\u00fc\u00dfen, sofern sie zukunftsgerichtete Chancen bieten. Sie d\u00fcrfen wie im Fall der Agro-Gentechnik allerdings nicht dazu f\u00fchren, dass potenzielle gesundheitliche Risiken unber\u00fccksichtigt bleiben oder die Wahlfreiheit der Menschen beim Lebensmittelkauf eingeschr\u00e4nkt wird. Die VZSH fordert daher die Einhaltung des Vorsorgeprinzips und die Kennzeichnung aller Lebensmittel, die mit NGT erzeugt wurden, entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette \u2013 vom Saatgut bis zum fertigen Produkt.<\/p>\n<p>Foto: Proxima Studio via Canva.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue gentechnische Verfahren (New Genomic Techniques, NGT) machen Ver\u00e4nderungen an Pflanzen m\u00f6glich, die mit einer neuen EU-Verordnung bald \u201edereguliert\u201c werden<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":445086,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[14,23455],"tags":[],"class_list":["post-445085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-tipps-informationen","category-allerlei-nuetzliches"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/445085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=445085"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/445085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":445087,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/445085\/revisions\/445087"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/445086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=445085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=445085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=445085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}