{"id":445970,"date":"2025-05-02T22:15:45","date_gmt":"2025-05-02T20:15:45","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=445970"},"modified":"2025-05-02T22:15:45","modified_gmt":"2025-05-02T20:15:45","slug":"kerckring-altar-von-jacob-van-utrecht-kann-in-luebeck-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/kerckring-altar-von-jacob-van-utrecht-kann-in-luebeck-bleiben\/","title":{"rendered":"\u201eKerckring-Altar\u201c von Jacob van Utrecht kann in L\u00fcbeck bleiben"},"content":{"rendered":"<p>Aktueller Sachstand zum Verbleib des so genannten \u201eKerckring-Altars\u201c von Jacob van Utrecht.<\/p>\n<p>Der so genannte \u201eKerckring-Altar\u201c von Jacob van Utrecht kann nach aktueller juristischer Einsch\u00e4tzung in L\u00fcbeck bleiben. Das Altarretabel aus dem Jahr 1520, das sich seit rund 80 Jahren im L\u00fcbecker St. Annen-Museum befindet, hatte seinen Verbleib davor viele Jahre in Riga, weswegen sich das lettische Kulturministerium im September 2023 mit einem Restitutionsgesuch an die L\u00dcBECKER MUSEEN bzw. an die Hansestadt L\u00fcbeck wandte. Das Ministerium berief sich dabei auf das Testament des urspr\u00fcnglichen Besitzers Friedrich Wilhelm Brederlo, nach dem die Sammlung als Ganzes in Riga erhalten bleiben solle und argumentierte, dass es sich bei der \u00dcbergabe der Sammlung 1906 an das Kunstmuseum Riga nicht um eine Leihgabe, sondern um eine Eigentums\u00fcbertragung gehandelt habe. Zudem bezeichnete es die Schenkung aus dem Jahr 1941, wodurch das Retabel nach L\u00fcbeck gelangte, als widerrechtlich erlangte \u201eKriegsbeute\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>Aufgrund der Komplexit\u00e4t des Falls informierte die Hansestadt L\u00fcbeck daraufhin das Ausw\u00e4rtige Amt, das Deutsche Zentrum f\u00fcr Kulturgutverluste in Magdeburg sowie die Kulturabteilung im Ministerium f\u00fcr Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein \u00fcber die Angelegenheit und beauftragte den Fachanwalt Professor Dr. Peter Raue (Kanzlei RAUE, Berlin), den Sachverhalt juristisch zu pr\u00fcfen. Inzwischen liegt ein Ergebnis vor, das dem Ausschuss f\u00fcr Kultur- und Denkmalpflege am 11. Mai 2025 als Bericht pr\u00e4sentiert wird. Demzufolge ist die Stadt Riga rechtlich nie Eigent\u00fcmerin des Kerckring-Altarretabels gewesen, sondern hat dieses nur als Leihgabe verwahrt. Das Retabel befand sich damit nach Aussage des Gutachtens weiterhin im Besitz der Familie Sengbusch, die es 1992 offiziell der Hansestadt L\u00fcbeck gestiftet hat. Dies hat der B\u00fcrgermeister der Hansestadt L\u00fcbeck der lettischen Kulturministerin am 7. Februar 2025 in einem Schreiben unter Beif\u00fcgung des Gutachtens mitgeteilt.<\/p>\n<p><strong>Kulturhistorisch eines der bedeutendsten Werke des St. Annen-Museums<\/strong><\/p>\n<p>Das Kerckring-Altarretabel ist kunst- und kulturhistorisch eines der bedeutendsten Werke des St. Annen-Museums. Es wurde im Jahr 1520 durch den niederl\u00e4ndischen K\u00fcnstler Jacob van Utrecht im Auftrag des L\u00fcbecker L\u00fcbecker Ratsherrn und Kaufmann Heinrich Kerckring gemalt. Bei dem Retabel handelt es sich das einzige signierte, in L\u00fcbeck entstandene und existierende Werk des K\u00fcnstlers. Abgebildet sind Heinrich Kerckring sowie seine Frau Katharina. Kerckring war Kontrahent des damaligen L\u00fcbecker B\u00fcrgermeisters J\u00fcrgen Wullenwever und spielte politisch eine wichtige Rolle. Damit bezieht sich das Retabel explizit auf die Stadtgeschichte bzw. auf die Geschichte prominenter L\u00fcbecker Patrizierfamilien, zumal \u00fcber den K\u00f6pfen beider abgebildeten Personen auch die Wappen ihrer jeweiligen, f\u00fcr das damalige L\u00fcbeck bedeutsamen Familien zu sehen sind.<\/p>\n<p>\u00dcber den unmittelbaren Verbleib des Altarretabels nach dem Tod von Heinrich Kerckring ist nichts bekannt; 1893 tauchte es im Nachlass des Kunstsammlers Friedrich Wilhelm Brederlo auf, der seine gesamten Sch\u00e4tze seinem Schwiegersohn Wilhelm von Sengbusch vermachte. 1906 erhielt das Kunstmuseum in Riga diese Sammlung inklusive des Retabels als Dauerleihgabe von der Familie Sengbusch, bis diese aufgrund des Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrags 1939\/40 aus Riga vertrieben wurde. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Riga 1941 \u201eschenkte\u201c der neue Gebietskommissar und kommissarischer Oberb\u00fcrgermeister von Riga das Kerckring-Altarretabel der Hansestadt L\u00fcbeck, woraufhin es ins St. Annen-Museum gelangte. 1965 entdeckte die Familie von Sengbusch das Retabel im St. Annen-Museum. Sie meldete Eigentumsanspr\u00fcche an, war aber bereit, das Werk dem St. Annen-Museum als Leihgabe zur Verf\u00fcgung zu stellen. Im Jahr 1992 schlie\u00dflich kam es zu einer vertraglichen Vereinbarung zwischen der Erbengemeinschaft und der Hansestadt L\u00fcbeck, mit der die Hansestadt L\u00fcbeck das Eigentumsrecht der Familie an dem Altarretabel anerkannte und es ihr restituierte. Im Gegenzug stiftete die Familie im selben Jahr das Kerckring-Altarretabel dem St. Annen-Museum.<\/p>\n<p>Weitere Informationen unter <a href=\"https:\/\/st-annen-museum.de\/\">https:\/\/st-annen-museum.de\/<\/a><\/p>\n<p>Foto: Felix K\u00f6nig, Fotoagentur 54\u00b0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktueller Sachstand zum Verbleib des so genannten \u201eKerckring-Altars\u201c von Jacob van Utrecht. 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