{"id":447170,"date":"2025-06-13T13:56:57","date_gmt":"2025-06-13T11:56:57","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=447170"},"modified":"2025-06-13T13:57:37","modified_gmt":"2025-06-13T11:57:37","slug":"moore-gruenland-und-weniger-duenger-fuer-klimaneutrale-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/moore-gruenland-und-weniger-duenger-fuer-klimaneutrale-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Moore, Gr\u00fcnland und weniger D\u00fcnger f\u00fcr klimaneutrale Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Symbolfoto: Offenb\u00fctteler Moore \u00b7 Kiel\/ Neum\u00fcnster. Moore wieder vern\u00e4ssen, Produktion und Konsum von Fleisch und Milch reduzieren und weniger d\u00fcngen \u2013 mit diesen drei Ma\u00dfnahmen-Paketen kann die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein den Weg in Richtung Klimaneutralit\u00e4t erfolgreich beschreiten. <!--more-->Das f\u00fchrte Professor Dr. Friedhelm Taube, Agrarwissenschaftler der Universit\u00e4t Kiel, in einem Vortrag vor der Landesdelegiertenversammlung des Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH) aus.<\/p>\n<ul>\n<li>Agrarwissenschaftler Prof. Friedhelm Taube pl\u00e4diert f\u00fcr Viehhaltung auf Basis von \u201eHome grown proteins\u201c<\/li>\n<li>Vern\u00e4sste Moore, weniger Produktion und Konsum tierischer Lebensmittel und weniger D\u00fcngung als Schl\u00fcssel zu klimaneutraler Landwirtschaft<\/li>\n<li>Reduktion der Tierhaltung schafft Fl\u00e4chen f\u00fcr Biodiversit\u00e4t und Nahrungspflanzen<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eEin Kilogramm \u00fcbersch\u00fcssiger Stickstoff in der Umwelt zieht 10 Euro Folgekosten nach sich\u201c, verdeutlichte Prof. Taube das Problem. Eine sch\u00e4rfere D\u00fcngegesetzgebung sei trotz erreichter Erfolge unbedingt notwendig, um das Ziel in Richtung Klimaneutralit\u00e4t 2040 zu realisieren: \u201eZiel der Ma\u00dfnahmen zur D\u00fcngung muss es sein, den Stickstoff\u00fcberschuss bis 2040 noch einmal etwa zu halbieren auf dann unter 50 Kilogramm Stickstoff pro Hektar. Im Moment liegen wir aber bei 90 Kilogramm pro Hektar, obwohl die novellierte D\u00fcnge-Verordnung seit 2020 in Kraft ist. Und eine Zielsetzung zur Reduktion von Phosphor fehlt komplett. Wir brauchen eine ambitionierte Stoffstrombilanzverordnung, die die guten Landwirte vor den weniger guten sch\u00fctzt. Das ist keine B\u00fcrokratie, sondern klassisches Controlling, wie es jedes gute Unternehmen durchf\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Die Umweltfolgekosten des D\u00fcnge-\u00dcberschusses zeigen sich durch giftige Stickoxide, Nitrat im Wasser, das mit hohem Aufwand gereinigt werden muss und gesundheitssch\u00e4dliche Ammoniak-Emissionen aus der Tierhaltung. Auch der Verlust an Artenvielfalt in Agrarlandschaften h\u00e4ngt damit direkt zusammen: weniger best\u00e4ubenden Insekten, weniger Bodenorganismen und weniger Fisch in den Gew\u00e4ssern.<\/p>\n<p>Vermiedene Umweltfolgekosten rechtfertigen laut Taube hohe F\u00f6rdermittel, um Landwirtinnen und Landwirten die Umstellung auf eine klimafreundliche Wirtschaftsweise zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Als Beispiel nannte der Agrarwissenschaftler die \u201e\u00d6koeffiziente Weidemilch-Erzeugung\u201c, die seit acht Jahren erfolgreich auf dem Universit\u00e4ts-Versuchsgut Lindhof erprobt wird. Das Futter f\u00fcr die Milchk\u00fche stammt hier nur aus Gras, Klee und Kr\u00e4utern. Zucker-Grassorten liefern die Energie, Klee das Protein \u2013 Importe von Soja werden \u00fcberfl\u00fcssig. \u201eDas sind im Vergleich zu intensiver Stallmilcherzeugung im spezialisierten Futterbaubetrieb vermiedene Umweltkosten in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 25 Cent pro Liter Milch\u201c, erkl\u00e4rte Taube. Mit dem Import von Soja als Viehfutter werde in anderen Teilen der Welt wertvolles Gr\u00fcnland in Ackerland umgewandelt \u2013 das sei \u201eimportierter Fl\u00e4chenverbrauch\u201c.<\/p>\n<p>Das Argument der Ern\u00e4hrungssicherheit durch die derzeitige intensive Landwirtschaft und Tierhaltung r\u00e4umte Taube ab: \u201eAuf 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen wird Tierfutter angebaut. In Europa verzehren wir derzeit 51 Gramm tierisches Protein pro Person und Tag. W\u00fcrden wir diesen Konsum auf 15 Gramm pro Tag reduzieren, wie von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung empfohlen, k\u00f6nnte Europa bis zu 720 Millionen Menschen au\u00dferhalb Europas zus\u00e4tzlich mit Nahrung versorgen!\u201c<\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Hebel, um klimasch\u00e4dliche Emissionen in der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein zu vermeiden, bietet die Wiedervern\u00e4ssung von entw\u00e4sserten Mooren. \u201eIn Deutschland werden 400.000 Hektar entw\u00e4sserte organische B\u00f6den f\u00fcr die Milcherzeugung genutzt. Das f\u00fchrt zu bodenb\u00fcrtigen CO2-Emissionen von etwa 35 Tonnen pro Hektar und Jahr\u201c, so Prof. Taube. Emissionen, die r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nnen, wenn man die Moore wieder Moore sein lasse und den Landwirtinnen und Landwirten Einkommens-Alternativen biete, zum Beispiel Paludikultur oder Freifl\u00e4chen-Photovoltaik auf vern\u00e4ssten B\u00f6den.<\/p>\n<p>\u201eMoore zu vern\u00e4ssen und D\u00fcngemittel zu reduzieren hat einen mehrfachen Effekt f\u00fcr die Natur: \u00dcberall, wo mehr Wasser und weniger N\u00e4hrstoffe in der Landschaft sind, gibt es eine h\u00f6here Artenvielfalt\u201c, sagt Dietmar Ulbrich, Landesvorsitzender des BUND SH. \u201eZudem sind Moore wichtige Wasserspeicher. Wenn es so trocken ist wie k\u00fcrzlich im Fr\u00fchjahr, wird deutlich, wie wichtig es ist, Wasser in der Landschaft zu halten statt es abflie\u00dfen zu lassen. Wir appellieren an die Landesregierung, das Wassergesetz entsprechend zu \u00e4ndern und die D\u00fcnge-Gesetzgebung zu versch\u00e4rfen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Symbolfoto: Offenb\u00fctteler Moore \u00b7 Kiel\/ Neum\u00fcnster. 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