{"id":447411,"date":"2025-06-19T19:54:25","date_gmt":"2025-06-19T17:54:25","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=447411"},"modified":"2025-06-19T19:54:25","modified_gmt":"2025-06-19T17:54:25","slug":"447411","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/447411\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Vom 25. Juni bis 9. November widmet das G\u00fcnter Grass-Haus in L\u00fcbeck eine Sonderausstellung einer der au\u00dfergew\u00f6hnlichsten K\u00fcnstlerinnen und Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts: Else Lasker-Sch\u00fcler (1869\u20131945) beeindruckte mit ihrer kompromisslosen Haltung gegen\u00fcber gesellschaftlichen und politischen Zw\u00e4ngen. Mit ihren Texten, Bildern, Briefen und Performances \u00f6ffnet sie eine poetische Welt, die im Herzen der avantgardistischen Str\u00f6mungen liegt, der Verschmelzung von Kunst und Leben. Mit ihrem Alter Ego \u201ePrinz Jussuf von Theben\u201c etablierte sie sich als lebendiges Gesamtkunstwerk jenseits aller Konventionen \u2013 ihrer Zeit weit voraus. Zusammen mit ihrer ebenso eigenst\u00e4ndigen und selbstbewussten Lebensweise k\u00f6nnten die Themen nicht aktueller sein. Ihr Leben und Werk steht bis heute f\u00fcr (k\u00fcnstlerische, politische, kulturelle und sexuelle) Freiheit, Toleranz und Vielfalt. Lasker-Sch\u00fcler pr\u00e4gte gro\u00dfe deutsche K\u00fcnstler wie Franz Marc und Lyriker wie Gottfried Benn.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-447413\" src=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/d20240910-003-203x320.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/d20240910-003-203x320.jpg 203w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/d20240910-003-349x550.jpg 349w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/d20240910-003.jpg 381w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/p>\n<p>\u201e<em>Es ist wichtig anzuerkennen, dass Lasker-Sch\u00fcler einen Schritt weiterging als die breite Masse, indem sie ihre Kunst jenseits der Konventionen lebte. Ob ihre poetische Gegenwelt auch Schutz vor der immer st\u00e4rker werdenden Gewalt des Nationalsozialismus bot, l\u00e4sst sich schwer sagen \u2013 doch es steht au\u00dfer Frage, dass Lasker-Sch\u00fcler bis zum Ende ein Ideal der weitreichenden Toleranz lebte, sowohl sich selbst als auch ihrem Umfeld gegen\u00fcber.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Paula Vosse, Kuratorin der Ausstellung<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausstellung l\u00e4dt dazu ein, die Zeitlosigkeit ihres Schaffens und ihrer Vita zu entdecken. Trotz begrenzter Ausstellungsfl\u00e4che zeigt das G\u00fcnter Grass-Haus eine vielseitige und wechselnde Schau, die \u00fcber die Vermittlung generations\u00fcbergreifend wirkt. Neben der Dauerausstellung \u00fcber den Nobelpreistr\u00e4ger pr\u00e4sentiert das Museum regelm\u00e4\u00dfig auch K\u00fcnstler:innen, die wie Grass \u00fcber sogenannte Doppel- oder Mehrfachbegabungen verf\u00fcgen. Grass selbst widmet Lasker-Sch\u00fcler in \u201eMein Jahrhundert\u201c eine Anekdote: Er berichtet von drei Originalpostkarten der Dichterin an Gottfried Benn, die er angeblich in einem Berliner Tr\u00f6delladen entdeckt habe. Ob es sich dabei um Realit\u00e4t oder Fiktion handelt, bleibt offen \u2013 ganz im Sinne der medien\u00fcbergreifenden Erz\u00e4hlerin Lasker-Sch\u00fcler, die das Spiel mit der Realit\u00e4t so sehr liebte.<\/p>\n<p>Kuratiert von Dr. Paula Vosse, vereint die Ausstellung hochkar\u00e4tige Leihgaben u. a. von der Else Lasker-Sch\u00fcler Gesellschaft, der Akademie der K\u00fcnste Berlin oder der Deutschen Schillergesellschaft e.V. Auch Werke aus privaten Sammlungen, etwa von Str\u00e4tz, Wassermeyer und Hunnekuhl, sind vertreten.<\/p>\n<p><strong>Eine Reise durch das Universum <\/strong>\u201e<strong>Lasker-Sch\u00fcler<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>Die Ausstellung zeigt (teils in Wechselh\u00e4ngung):<\/p>\n<ul>\n<li><strong>\u00fcber 45 Originalzeichnungen<\/strong>; Highlight: eine bislang unver\u00f6ffentlichte Zeichnung \u2013 eine Neuerwerbung der Else Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft, die nicht im Werkverzeichnis gelistet ist<\/li>\n<li><strong>mehr als 20 illustrierte Briefe und Postkarten <\/strong>an Freund:innen, K\u00fcnstlerkolleg:innen und Verleger<\/li>\n<li><strong>\u00fcber 30 Publikationen, <\/strong>darunter seltene Erstausgaben<\/li>\n<li><strong>zeitgen\u00f6ssische Perspektiven:<\/strong> Filme und Kost\u00fcme \u2013 Arbeiten junger K\u00fcnstler:innen, die sich kreativ mit Lasker-Sch\u00fclers Werk auseinandersetzten<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><u>Dichterin, K\u00fcnstlerin, Weltenbauerin<\/u><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Dichterin:<\/strong> W\u00e4hrend ihre Zeichnungen klar und zug\u00e4nglich sind, faszinieren Else Lasker-Sch\u00fclers Texte durch Vieldeutigkeit. Ihr innovativer, spielerischer Umgang mit Sprache polarisierte \u2013 zwischen Unverst\u00e4ndnis und Begeisterung. Gerade diese Sprachspiele offenbaren ihren scharfsinnigen Witz und intellektuellen Tiefgang. Werke wie \u201eWeltende\u201c (1903) und \u201eMein blaues Klavier\u201c (1937) z\u00e4hlen bis heute zu den bedeutendsten der expressionistischen Lyrik. Die Ausstellung pr\u00e4sentiert lyrische, dramatische und prosaische Publikationen der meistvertonten Dichterin deutscher Literatur.<strong>\u00a0<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>K\u00fcnstlerin:<\/strong> In ihren Bildwerken formte Lasker-Sch\u00fcler ab der Jahrhundertwende Ihre unverkennbare visuelle Sprache. Klare, reduzierte Linien, collagierte Goldfl\u00e4chen aus Bonbonpapier und Motive nah\u00f6stlicher M\u00e4rchen erschaffen ihr \u201eTiba\u201c \u2013 ein imagin\u00e4res K\u00f6nigreich zwischen Traum und Kunst, angelehnt an das historische Theben.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Weltenbauerin:<\/strong> Else Lasker-Sch\u00fcler schuf mit ihrer Kunst eine Welt der Offenheit und Vielfalt, in der die Einheit des Unvereinbaren gefeiert wird. Ihre Texte und Zeichnungen setzen der zeitgen\u00f6ssischen Ausgrenzung eine poetische Welt entgegen. Als lebendiges Gesamtkunstwerk wird Lasker-Sch\u00fcler legend\u00e4r: In den Berliner Caf\u00e9s der Weimarer Republik tritt sie als \u201eJussuf, Prinz von Theben\u201c auf. Mit Worten, Kl\u00e4ngen und Bewegungen erschuf sie eine mystisch-poetische Erfahrung, die das Publikum aus der d\u00fcsteren Realit\u00e4t in eine zauberhafte Fiktion entf\u00fchrte.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Einblicke in das Vermittlungskonzept<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausstellung richtet sich an ein breites Publikum. Die komplexen Zusammenh\u00e4nge von Else Lasker-Sch\u00fclers Leben und Werk werden anhand eines mehrdimensionalen Vermittlungskonzepts erl\u00e4utert. Die Wandtexte sind mit einem Glossar verlinkt, das einerseits in Fachsprache und andererseits in Jugendsprache verfasst ist. Dieses Glossar ist zugleich informativ und unterhaltend. Es verdeutlicht Zusammenh\u00e4nge aus Elses Zeit und setzt Verbindungen in die Gegenwart.<\/p>\n<p>Besondere Highlights sind die neu produzierten Kurzfilme junger Filmschaffender, die sich mit dem von Lasker-Sch\u00fcler verfassten Filmskript \u201ePlumm-Pascha\u201c (1913) auseinandersetzen \u2013 ein bis heute unverfilmter Beitrag zur Drehbuchgeschichte. Und auch die drei Kost\u00fcme \u201eElse damals\u201c, \u201eElse heute\u201c und \u201eSchutzk\u00f6rper\u201c, die in Auseinandersetzung mit der K\u00fcnstlerin entstanden, leisten Zeugnis einer zeitgen\u00f6ssischen Sichtweise auf das Werk der K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p><strong>Vernissage am 24. Juni 2025, 19 Uhr<\/strong> <strong>\u2013 Ein Abend zwischen B\u00fchne, Klang und Poesie<\/strong><\/p>\n<p>Die Vernissage vereint Literatur, Schauspiel und Musik. Die Schauspielerin <strong>Nellie Thalbach<\/strong> liest aus dem Werk Lasker-Sch\u00fclers und bringt deren poetische Kraft mit feiner Nuancierung und starker Pr\u00e4senz auf die B\u00fchne. Musikalisch begleitet wird der Abend von der K\u00f6lner Band KESHAVARA, deren genre\u00fcbergreifender Sound zwischen Pop, Experiment und Mystik perfekt zum Geist der K\u00fcnstlerin passt.<\/p>\n<p><strong>Nellie Thalbach<\/strong>, die j\u00fcngste Vertreterin der renommierten Schauspiel-Dynastie (Anna, Katharina und Sabine Thalbach), gilt als eine der markantesten B\u00fchnenstimmen ihrer Generation. Ihre Interpretationen verbinden spielerische Leichtigkeit mit emotionaler Tiefe \u2013 eine ideale Besetzung f\u00fcr die Texte Lasker-Sch\u00fclers, die zwischen kindlicher Fantasie, tiefem Weltschmerz und scharfem Witz changieren.<\/p>\n<p>Ihr Auftritt steht dabei in inhaltlichem Bezug zur Ausstellung: Wie Else Lasker-Sch\u00fcler selbst mit Sprache spielte, Identit\u00e4ten erfand und B\u00fchnen schuf, so wird auch Thalbach zur performativen Vermittlerin dieser komplexen K\u00fcnstlerin \u2013 ganz im Sinne des G\u00fcnter Grass-Hauses, das Kunst stets auch als lebendige Begegnung begreift.<\/p>\n<p><strong>KESHAVARA \u2013 Ein <\/strong>\u201e<strong>Kabinett der Phantasie\u201c trifft auf das <\/strong>\u201e<strong>Tiba\u201c der Else Lasker-Sch\u00fcler<\/strong><\/p>\n<p>In ihrer aktuellen Live-Inszenierung, dem \u201eKabinett der Phantasie\u201c, verschmilzt KESHAVARA Musik, Film, Poesie und Performance zu einem Gesamterlebnis \u2013 ein Konzept, das auf frappierende Weise das \u00e4sthetische Denken Lasker-Sch\u00fclers aufgreift.<\/p>\n<p>Die oft surrealistisch-rhythmisch anmutenden Klanglandschaften und kost\u00fcmierten Auftritte der Band korrespondieren mit der poetischen Gegenwelt, die Lasker-Sch\u00fcler in ihrem fiktiven \u201eTiba\u201c oder romantisierten \u201eTheben\u201c erschuf.<\/p>\n<p>Indem Keshav Purushotham (Gesang, Gitarre), Niklas Schneider (Schlagzeug, Perkussion), Benedikt Filleb\u00f6ck (Keyboards) und Christopher Martin (Bass) die Grenzen zwischen Genres, Sprachen und Kulturen aufl\u00f6sen, kn\u00fcpfen sie unmittelbar an den Geist der Ausstellung an \u2013 interdisziplin\u00e4r, verspielt, utopisch. Das G\u00fcnter Grass-Haus, das sich regelm\u00e4\u00dfig als B\u00fchne f\u00fcr solche k\u00fcnstlerischen Experimente \u00f6ffnet, bietet hierf\u00fcr den idealen Rahmen.<\/p>\n<p>Kreative Outfits und inspiriertes Crossdressing sind ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht \u2013 ganz im Sinne der K\u00fcnstlerin, die Konventionen stets spielerisch unterlief.<\/p>\n<p>Beginn: 19 Uhr | Ort: G\u00fcnter Grass-Haus, Glockengie\u00dferstra\u00dfe 21, 23552 L\u00fcbeck<\/p>\n<p>Die Teilnahme betr\u00e4gt 8 Euro, erm\u00e4\u00dfigt 4 Euro.<\/p>\n<p>Tickets sind online unter <a href=\"https:\/\/grass-haus.de\/veranstaltung-buchen?vid=10975\">https:\/\/grass-haus.de\/veranstaltung-buchen?vid=10975<\/a> erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p>Weitere Informationen unter <a href=\"https:\/\/grass-haus.de\">https:\/\/grass-haus.de<\/a><\/p>\n<p>Fotos: Else Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 25. Juni bis 9. 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