{"id":454683,"date":"2025-12-08T18:16:42","date_gmt":"2025-12-08T17:16:42","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=454683"},"modified":"2025-12-08T18:16:42","modified_gmt":"2025-12-08T17:16:42","slug":"zukunft-der-pflege-in-luebeck-sichern-zwischen-kostendruck-und-menschlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/zukunft-der-pflege-in-luebeck-sichern-zwischen-kostendruck-und-menschlichkeit\/","title":{"rendered":"Zukunft der Pflege in L\u00fcbeck sichern \u2013 Zwischen Kostendruck und Menschlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Gemeinsam hatten die Fraktionen SPD und Linke &amp; GAL zu einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung unter dem Titel <em>\u201eZwischen Kostendruck und Menschlichkeit\u201c<\/em> am 01.12.2025 in die Aula der Volkshochschule am Falkenplatz eingeladen. Mehr als 60 Fachleute, Angeh\u00f6rige und Betroffene folgten der Einladung \u2013 ein starkes Zeichen f\u00fcr die Bedeutung des Themas Pflege in L\u00fcbeck.<\/p>\n<p>\u201eDie Zahl der pflegebed\u00fcrftigen Menschen steigt \u2013 und mit ihr die Sorge, wie wir das alles finanzieren sollen. Pflegebed\u00fcrftige alte Menschen werden zunehmend als Kostenfaktor problematisiert. So verl\u00e4uft leider auch die Diskussion, die wir bisher in der B\u00fcrgerschaft und im Sozialausschuss f\u00fchren. Das m\u00f6chten wir ver\u00e4ndern\u201c, f\u00fchrten Bianca Szygula (Die Linke), Katja Mentz (GAL) und Renate Pr\u00fc\u00df (SPD) zur Begr\u00fc\u00dfung ein. \u201eWir wollen \u00f6ffentlich mit Expert:innen und Betroffenen \u00fcber verschiedene Bedarfe von \u00e4lteren Menschen und eine w\u00fcrdevolle Pflege sprechen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDerzeit wird in der Pflege vielerorts wieder \u00fcber Rekommunalisierung gesprochen. Hamburg kauft die Einrichtungen von Pflege und Wohnen zur\u00fcck. Wir in L\u00fcbeck haben unsere kommunalen Einrichtungen behalten und im Eigenbetrieb der SIE organisiert \u2013 und das ist gut so. Unsere beiden Fraktionen stehen zu den st\u00e4dtischen Einrichtungen. Sie sind unabdingbar f\u00fcr die Daseinsvorsorge aller pflegebed\u00fcrftigen Menschen unabh\u00e4ngig von Einkommen, Bildung und Herkunft\u201c, so Renate Pr\u00fc\u00df, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Pflegebedarf in Zahlen<br \/>\n<\/strong>Zu Beginn der Veranstaltung hielt Prof. Dr. Katrin Balzer von der Universit\u00e4t zu L\u00fcbeck, Sektion f\u00fcr Forschung und Lehre in der Pflege, einen Impulsvortrag \u00fcber aktuelle Entwicklungen und Impulse. So verlief der Anstieg der Anzahl von Personen mit Pflegebedarf in L\u00fcbeck seit 2017 mit +52 Prozent h\u00f6her als prognostiziert \u2013 aber geringer als deutschlandweit.<br \/>\nRund 6 Prozent der L\u00fcbecker B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger haben einen Pflegebedarf. Der Anstieg der Pflegebed\u00fcrftigkeit betrifft vor allem Pflegegrad 1 und im geringeren Ma\u00dfe die Pflegegrade 2 und 3 \u2013 und somit die ambulante Pflege.<br \/>\nDer Anteil von Personen in vollstation\u00e4rer Pflege sei vergleichsweise h\u00f6her als im Landesdurchschnitt oder deutschlandweit, berichtete die Expertin.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Pl\u00e4tze in vollstation\u00e4ren Einrichtungen habe mit 3271 Pl\u00e4tzen im Vergleich zu 2017 um 4 Prozent abgenommen, w\u00e4hrend es 139 teilstation\u00e4re Pl\u00e4tze im Jahr 2013 gab und damit einen Anstieg um 51 Prozent. Personal konnte in allen Bereichen hinzugewonnen werden.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcnsche der Betroffenen<br \/>\n<\/strong>Nachdem Frau Dr. Balzer kurz auf den aktuellen Entwurf f\u00fcr ein Gesetz zur Befugniserweiterung und Entb\u00fcrokratisierung in der Pflege einging, stellte sie noch die Umfrageergebnisse \u00fcber die Erwartungen der Menschen mit Pflegebedarf an die Pflegeumgebung vor:<\/p>\n<p>F\u00fcr den Au\u00dfenraum war den Befragten besonders wichtig: Einbettung in den \u00f6ffentlichen Raum und in die Nachbarschaft, Zugang zur \u00f6ffentlichen Infrastruktur, Einladung zum Drau\u00dfen-Sein (\u201eRuhe und Sch\u00f6nheit der Natur\u201c), Stimulierung zur k\u00f6rperlichen<\/p>\n<p>Aktivit\u00e4t und zum Verweilen, Zugang zu eigenen Au\u00dfenbereichen, wie Balkon, Terrasse oder Vorgarten, Barrierefreiheit, Vermeidung von Verkehrsl\u00e4rm, gut markierte, von der Umgebung unterscheidbare Fu\u00dfwege sowie klare, einfach verstehbar Signale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Innenr\u00e4ume z\u00e4hlten die Befragten folgende, ihnen wichtige Aspekte auf: ausreichend Platz (keine feste Quadratmeter-Grenze), eigenes Bad, passende Sanit\u00e4reinrichtung, keine Schwellen, eigene Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, R\u00e4ume f\u00fcr gemeinsame Aktivit\u00e4ten, Farbkontraste an wichtigen Stellen (beispielsweise zwischen R\u00e4umen), kontaktlose Lichtschaltung, einfach zu handhabende Liftsysteme (z.B. von der Decke), gemeinsame \u201eWohnzimmer\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Balance aus \u00c4sthetik und Funktion<\/strong><br \/>\nDer Vortrag endete mit einem Zitat aus einem Lehrbuch: \u201cDie physische Umgebung in der Gesundheitsversorgung erfordert eine Balance von \u00c4sthetik und Funktion. Zu beachten sind das Design, die W\u00fcrde, ausreichend Raum f\u00fcr Privatheit und Zuflucht, die Erm\u00f6glichung von Wahl und Kontrolle, Sicherheit und Zugang, mit dem Ziel, das Wohlbefinden der Betroffenen und ihrer Familien zu f\u00f6rdern und die Arbeit des Personals zu unterst\u00fctzen.\u201d<\/p>\n<p><strong>St\u00e4dtische Senior:Inneneinrichtungen sind ein Pfund<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend der anschlie\u00dfenden Podiumsdiskussion machte Pia Steinr\u00fccke, SPD-Senatorin f\u00fcr Wirtschaft und Soziales, deutlich: \u201eL\u00fcbecks Bev\u00f6lkerung wird \u00e4lter, der Anteil \u00e4lterer Menschen in der Stadt w\u00e4chst. Umso wichtiger ist es, die gesamte Altenhilfe so aufzustellen, dass sie \u00e4lteren Menschen geeigneten Wohnraum und die notwendige Pflege bietet \u2013 ob ambulant oder station\u00e4r. Wir haben in L\u00fcbeck ein breites Angebot der Altenhilfe, das gut vernetzt ist. Unser besonderes Pfund sind die st\u00e4dtischen Angebote der Senior:InnenEinrichtungen (SIE). Allerdings besteht ein hoher Investitionsbedarf: Wir m\u00fcssen sanieren und teilweise neu bauen. Dabei wollen wir moderne Standards erf\u00fcllen sowie mobile und station\u00e4re Angebote verzahnen. Einen st\u00e4dtischen Anteil von 20 Prozent der Pl\u00e4tze in L\u00fcbecker Pflegeeinrichtungen vorzuhalten, bleibt auch zuk\u00fcnftig unser Ziel und ein wesentlicher Beitrag zur kommunalen Daseinsvorsorge. Daf\u00fcr gibt es einen breit getragenen Beschluss der L\u00fcbecker B\u00fcrgerschaft\u201c erkl\u00e4rte Senatorin Steinr\u00fccke.<\/p>\n<p><strong>Tagespflege gewinnt an Bedeutung<\/strong><br \/>\nEinblick in die praktische Arbeit gab Jesika Piater, Leiterin einer Senior:inneneinrichtung in K\u00fccknitz. Die Sorgen und N\u00f6te von Betroffenen und ihren Angeh\u00f6rigen sind ihr Alltag. Viele Angeh\u00f6rige w\u00fcrden ihre Familienangeh\u00f6rigen lieber selbst versorgen, aber das hat Grenzen. \u201eMeist m\u00fcssen ja zwei arbeiten, die eine verdient die Miete, der andere die Lebenshaltungskosten. Da bleibt tags\u00fcber keine Zeit f\u00fcr die Pflege von Angeh\u00f6rigen.\u201c Deshalb sei auch das Modell der Tagespflege wichtig und auszubauen. Dann w\u00fcrden viele Familien zusammenbleiben k\u00f6nnen, tags\u00fcber aber entlastet. Au\u00dferdem w\u00fcnsche sie sich mehr Spezialisierung, damit beispielsweise ein pflegebed\u00fcrftiger Jugendlicher nicht in einer Senior:ineneinrichtung leben m\u00fcsse. Um Jugendliche und \u00e4ltere Menschen zusammenzubringen, hat Jesika Piater ein Projekt mit einer K\u00fccknitzer Schulklasse initiiert. \u201eDas macht viel Freude und vielleicht wird durch die pers\u00f6nlichen Begegnungen der ein oder andere sp\u00e4ter in der Pflege arbeiten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Netzwerken und Zusammenarbeit der Akteure in der Pflege<\/strong><br \/>\nPodiumsteilnehmerin Doreen Boniakowsky vom Gesundheitsnetzwerk L\u00fcbeck und Umgebung e.V., betonte die Wichtigkeit des Netzwerkens und der Zusammenarbeit zwischen st\u00e4dtischen und freien Tr\u00e4gern in der Pflege, damit sich Angebote gut erg\u00e4nzen und breiter aufgestellt werden k\u00f6nnen. So benannte sie die sozialraumorientierte Pflege als wichtigen Ansatz, wobei die Hansestadt L\u00fcbeck koordinierend Unterst\u00fctzung leisten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>\u201eDaf\u00fcr fehlen uns leider die finanziellen Mittel und das Personal\u201c, entgegnete Senatorin Steinr\u00fccke. \u201eF\u00fcr die Entwicklung von quartiersbezogenen Strukturen haben wir &#8211; entgegen unserer Empfehlung im Armuts- und Sozialbericht 2024 &#8211; leider keinen politischen Auftrag erhalten\u201c, stellte Senatorin Pia Steinr\u00fccke bedauernd klar.<\/p>\n<p><strong>Stambulanz und Sozialraumorientierung<\/strong><br \/>\nIm Mai 2024 hatte die B\u00fcrgerschaftsmehrheit, bestehend aus CDU, Gr\u00fcnen und FDP einen Antrag der Fraktionen SPD\u00a0&amp; FW, Linke &amp; GAL abgelehnt, der den Ausbau der Sozialraumorientierung in L\u00fcbeck konzeptionell und die Einf\u00fchrung als grunds\u00e4tzliches Strukturprinzip f\u00fcr soziale Dienstleistungen vorsah.<\/p>\n<p>Alle Pflegefachleute auf dem Podium waren sich einig, dass die sogenannte \u201eStambulanz\u201c, also die station\u00e4re Vollzeitpflege, Tages-, Kurzzeit- und ambulante Pflege zusammengedacht werden m\u00fcssen und den entscheidenden Ansatz f\u00fcr ein gutes und bedarfsgerechtes Angebot in L\u00fcbeck darstellt. Der Quartiersbezug m\u00fcsse gest\u00e4rkt und tragf\u00e4hige Netzwerke von professionellen Fachkr\u00e4ften und Unterst\u00fctzung aus dem famili\u00e4ren und nachbarschaftlichen Umfeld gekn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p>Auf die Frage des Moderatoren Marco Sander, wie dies zuk\u00fcnftig gelingen k\u00f6nne, pl\u00e4dierte Frau Dr. Renate Schleker, Podiumsteilnehmerin f\u00fcr den Beirat f\u00fcr Senior:innen: \u201eEinfach mal die Augen aufmachen, wie geht\u2019s meiner Nachbarin? F\u00fcrsorge f\u00fcreinander und Mitmenschlichkeit wiederentdecken, wo sie versch\u00fcttet scheint. Das macht doch unsere Gesellschaft aus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEbenso wie in der Stadtplanung und bei der Planung neuer Quartiere die Bedarfe an Kita- und Schulpl\u00e4tzen mitgedacht werden, muss es auch generations\u00fcbergreifende Angebote und Begegnungsorte in den Quartieren geben, um nachbarschaftliches Engagement zu unterst\u00fctzen\u201c, betonte Katja Mentz (GAL) in ihrem Schlusswort, nach dem zweist\u00fcndigen intensiven Austausch sowie Fragen und Statements aus dem Publikum.<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffentlicher Austausch wird fortgef\u00fchrt<\/strong><br \/>\n\u201eWir bedanken uns bei allen Podiumsteilnehmenden und G\u00e4sten. Unsere Fraktionen SPD, Linke &amp; GAL bleiben auf jeden Fall weiterhin am Thema und werden den Austausch mit vielen Kooperationspartner:innen auch im kommenden Jahr fortsetzen. Dies war nicht die letzte Veranstaltung.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam hatten die Fraktionen SPD und Linke &amp; GAL zu einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung unter dem Titel \u201eZwischen Kostendruck und Menschlichkeit\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":454684,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[25988,5],"tags":[27122],"class_list":["post-454683","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesund-werden-und-bleiben","category-politik-wirtschaft","tag-zukunft-der-pflege-in-luebeck-sichern-zwischen-kostendruck-und-menschlichkeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/454683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=454683"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/454683\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":454685,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/454683\/revisions\/454685"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/454684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=454683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=454683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=454683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}