{"id":455658,"date":"2026-01-15T18:34:53","date_gmt":"2026-01-15T17:34:53","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=455658"},"modified":"2026-01-15T18:34:53","modified_gmt":"2026-01-15T17:34:53","slug":"ihk-neujahrsempfang-2026-wirtschaft-im-hansebelt-fordert-mut-zuversicht-und-tatkraft-fuer-den-standort-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/ihk-neujahrsempfang-2026-wirtschaft-im-hansebelt-fordert-mut-zuversicht-und-tatkraft-fuer-den-standort-deutschland\/","title":{"rendered":"IHK-Neujahrsempfang 2026: Wirtschaft im Hansebelt fordert Mut, Zuversicht und Tatkraft f\u00fcr den Standort Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Wer die Kosten und Herausforderungen der Wiedervereinigung, der Finanzkrise und der Corona-Pandemie bew\u00e4ltigt und weggesteckt hat, kann weiterhin einen Spitzenplatz in der Weltwirtschaft belegen. Voraussetzung ist die Bildung eines starken weiteren Pols neben den USA und China in einer zunehmend geopolitisch gepr\u00e4gten Welt, und der kann nur Europa sein. Mit diesem ermutigenden Aufbruch-Signal f\u00fcr den Standort Deutschland und Europa von Professor Dr. Thomas Straubhaar ist die Wirtschaft im Hansebelt ins neue Jahr gestartet. &#8222;Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wenn ich eins gelernt habe: Unternehmen k\u00f6nnen mit Unsicherheiten sehr gut leben. In unsicheren Zeiten unterscheiden sich gute Unternehmen durch Anpassung an die Rahmenbedingungen von schlechten&#8220;, sagte der international renommierte Wirtschaftsexperte auf dem Neujahrsempfang der IHK zu L\u00fcbeck.<!--more--><\/p>\n<p>Mehr als 1.100 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Bundeswehr und \u00f6ffentlichem Leben nahmen an der Veranstaltung in der Musik- und Kongresshalle L\u00fcbeck teil, unter ihnen Schleswig-Holsteins Ministerpr\u00e4sident Daniel G\u00fcnther, Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen, Sozialministerin Aminata Tour\u00e9, Digitalisierungsminister Dirk Schr\u00f6dter sowie Staatssekret\u00e4rinnen und Staatssekret\u00e4re. IHK-Pr\u00e4ses Thomas Buhck\u00a0sieht ebenso wie Straubhaar gute Chancen f\u00fcr die Wirtschaft im Hansebelt. &#8222;Es bedarf einer guten Portion Mut, Vertrauen und Besinnen auf die eigenen St\u00e4rken sowie den Glauben an die Zukunft&#8220;, sagte er. Mut erwarte er vor allem von der Politik, den Reformstau in den Bereichen Innovationsf\u00e4higkeit, Rente, Pflege und Gesundheit abzubauen. &#8222;Die Wirtschaft braucht vor allem Verl\u00e4sslichkeit bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, um wieder Vertrauen in den Standort und die Politik zu fassen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch Ministerpr\u00e4sident Daniel G\u00fcnther ist zuversichtlich, dass 2026 das &#8222;Jahr der Reformen&#8220; werde. &#8222;Wir kommen weiter voran. Aber der Reformbedarf ist gro\u00df. Die Menschen in unserem Land sind allerdings reformfreudiger, als viele von uns Politikern denken.&#8220; Ihm sei bewusst, dass vieles schneller gehen m\u00fcsse im Land, daher m\u00fcsse die Politik \u00fcber die von der IHK geforderten \u00c4nderungen hinaus die Planungen von Vorhaben beschleunigen. Zugleich appellierte er an die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, mehr Eigenverantwortung zu \u00fcbernehmen. Die Politik k\u00f6nne hier den Rahmen setzen, die Modernisierung sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, so G\u00fcnther.<\/p>\n<p>Eine Delegationsreise nach Finnland und Estland im November vergangenen Jahres habe dem Ministerpr\u00e4sidenten best\u00e4tigt, was Straubhaar sagte: Es gebe keinen Grund, sich kleinzureden. &#8222;Ich bin stolz darauf, wie diese beiden L\u00e4nder auf Schleswig-Holstein schauen. Unser Weg zur Klimaneutralit\u00e4t, unser Tempo bei der Digitalisierung und unsere Datensouver\u00e4nit\u00e4t sind auch dort positiv registriert worden&#8220;, so G\u00fcnther<u>.<\/u>\u00a0Aber auch Deutschlands aktive Rolle in der sich ver\u00e4ndernden Welt und die \u00dcbernahme von Verantwortung in der Au\u00dfenpolitik stie\u00dfen international auf hohe Resonanz.<\/p>\n<p>Dennoch m\u00fcsse Deutschland noch aktiver werden, um nicht zwischen den Polen USA und China bedeutungslos zu werden. In seinem Vortrag &#8222;Deutschlands Rolle in einer sich ver\u00e4ndernden Welt&#8220; betonte Straubhaar, dass die alten, insbesondere von den Europ\u00e4ern aufgestellten Regeln in der internationalen Wirtschaft bald nicht mehr greifen und gelten w\u00fcrden. &#8222;Die Zeit des Multilaterimus\u00a0ist vorbei&#8220;, so die schonungslose Analyse von Straubhaar. Schon lange vor US-Pr\u00e4sident Donald Trump h\u00e4tten die USA angefangen, sich von der alten Ordnung zu l\u00f6sen. Diese sei daher Vergangenheit. &#8222;F\u00fcr Trump spielt Europa keine Rolle. Es ist ein St\u00f6renfried mit einem Sozialstaats-System, das die USA nicht kennen.,&#8220; Protektionismus sei zwar schlechter und teurer als freier Handel, aber unter den gegebenen Umst\u00e4nden habe Deutschland keine andere Wahl, als selbst zum Pol einer neuen geopolitischen Ordnung zu werden, mit einer multipolaren und nicht mehr multilateralen Ausrichtung.<\/p>\n<p>Mit nur rund einem Prozent der Weltbev\u00f6lkerung sei Deutschland zwar klein, aufgrund seiner wirtschaftlichen St\u00e4rke stehe das Land aber noch mit an der Spitze der Wirtschaftsnationen und k\u00f6nne zum Motor in einem starken Europa werden. Vor allem von einer engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem &#8222;Mustersch\u00fcler&#8220; Polen und den baltischen Staaten erwarte Straubhaar positive Effekte f\u00fcr deutsche Unternehmen. \u00a0Die einzige Antwort auf das US-Motto MAGA (Make America\u00a0Great Again) sei daher &#8222;MEGA \u2013 Make\u00a0Europe Great Again!&#8220;, sagte der Wissenschaftler unter Applaus der Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p>Unter gro\u00dfem Ver\u00e4nderungsdruck steht die Ukraine. Der russische Angriff zwingt das Land, mutig und entschlossen Innovationen voranzutreiben und den Zusammenhalt der Gesellschaft zu verbessern. &#8222;Trotz vier Jahren Krieg und fehlender Heizenergie bei minus 15 Grad Celsius Au\u00dfentemperatur sind die Ukrainer mit grimmiger Gelassenheit und Entschlossenheit ins neue Jahr gestartet&#8220;, sagte Reiner Perau, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer in Kiew. In einer Liveschalte betonte er, wie erstaunlich es sei, &#8222;dass sich Wirtschaft und Unternehmen gut schlagen. Bei Kriegsausbruch gab es viele Sch\u00e4den in den Unternehmen, aber seit Sommer 2022 steigt das Wachstum. Das Geheimnis hei\u00dft Marktwirtschaft, die Unternehmen passen sich an die Gegebenheiten an.&#8220;<\/p>\n<p>Ein weiterer bedeutender Faktor: &#8222;Not macht erfinderisch.&#8220; Die Ukrainer setzten alle Hebel an, um die Produktion hochzufahren und verteidigungsf\u00e4hig zu sein. &#8222;Seit 2022 sind bis zu 800 neue Unternehmen in der Verteidigungsindustrie entstanden. Das Land hat viele gute Ingenieure in der Entwicklung&#8220;, so Perau. Die beste Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine sei wirtschaftliche Aktivit\u00e4t. &#8222;Die gibt es auch au\u00dferhalb der Verteidigung. Aber Verteidigung, Bau und Energie sind derzeit f\u00fchrend, Fortschritte gibt es auch bei den erneuerbaren Energien.&#8220; Das w\u00e4re eine Chance f\u00fcr die schleswig-holsteinische Wirtschaft, denn diese habe in diesem Bereich viel beizusteuern. Gro\u00dfe Chancen sieht Perau f\u00fcr die Zeit nach dem Krieg: &#8222;Es wird einen langen Aufschwung geben. F\u00fcr den Wiederaufbau des Landes wird \u00fcber Jahre viel Geld zur Verf\u00fcgung stehen, ich erwarte ein j\u00e4hrliches Wachstum von bis zu f\u00fcnf Prozent.&#8220;<\/p>\n<p>Diese eindringlichen Schilderungen aus dem vom Krieg ersch\u00fctterten Land verdeutlichten, dass es einer Besinnung auf die eigenen St\u00e4rken sowie den Glauben an die Zukunft bed\u00fcrfe, um sich in der ver\u00e4ndernden Welt zu behaupten, sagte IHK-Pr\u00e4ses Buhck. &#8222;In unserer Region sind wir extrem gut\u00a0aufgestellt. Lassen Sie uns diese Position nutzen, lassen Sie uns mutig in die Zukunft investieren.&#8220;<\/p>\n<p>Daf\u00fcr seien allerdings verl\u00e4ssliche und vor allem wettbewerbsf\u00e4hige Rahmenbedingungen erforderlich. &#8222;Schlie\u00dflich wollen wir auch in Zukunft vorn in der Welt mitspielen&#8220;, sagte IHK-Vicepr\u00e4ses\u00a0Alexandra von Oven-Batsch\u00a0in einer vom Radio- und Fernsehjournalisten Christopher Scheffelmeier moderierten Runde. &#8222;Unsere Unternehmen leiden l\u00e4ngst nicht mehr nur unter hohen Energiekosten, sondern ebenso unter sehr hohen Arbeitskosten und einer \u00fcberbordenden B\u00fcrokratie. Wenn nun auch die Belastungen von au\u00dfen zunehmen, m\u00fcssen wir die hausgemachten Belastungen etwas herunterfahren.&#8220; Sie forderte faire Spielregeln f\u00fcr Rechtssicherheit und Wettbewerb. &#8222;Diese d\u00fcrfen aber nicht zu einem zu engen Korsett werden. Das hemmt Innovation und treibt die Kosten.&#8220;<\/p>\n<p>Um dauerhaft auf den Wachstumspfad zur\u00fcckzukehren, &#8222;m\u00fcssen wir die Innovationsf\u00e4higkeit der Wirtschaft erh\u00f6hen. Innovative Unternehmen brauchen viel mehr Flexibilit\u00e4t, um auf Erfolge und Misserfolge zu reagieren. Leider sind die Regelungen an unseren Kapital- und Arbeitsm\u00e4rkten ebenso wie das Steuersystem heute wenig innovationsfreundlich&#8220;, betonte IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Lars Sch\u00f6ning. Er forderte daher, die drei wesentlichen &#8222;Innovationshindernisse&#8220; stark regulierte Kapitalm\u00e4rkte, eingeschr\u00e4nkte Verlustverrechnung und einen wenig flexiblen Arbeitsmarkt zu beseitigen.<\/p>\n<p>Mit Mut, Zuversicht und Tatkraft k\u00f6nne der Standort Deutschland zu alter Hochform auflaufen. &#8222;Es ist zwar nicht alles Gold in Deutschland, aber es ist auch bei weitem nicht alles nur schlecht. Ein bisschen Zuversicht und Vertrauen in unsere St\u00e4rken sind durchaus angemessen oder auch ein wieder erstarkendes Selbstvertrauen in die eigene St\u00e4rke, die eigene Innovationskraft und den Standort einer der weltweit f\u00fchrenden Wirtschaftsnationen. Wir Deutsche machen uns derzeit immer so klein \u2013 v\u00f6llig unn\u00f6tig&#8220;, so Sch\u00f6ning.<\/p>\n<p>Foto: <em>Guido Kollmeier<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer die Kosten und Herausforderungen der Wiedervereinigung, der Finanzkrise und der Corona-Pandemie bew\u00e4ltigt und weggesteckt hat, kann weiterhin einen Spitzenplatz<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":455659,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[27330,27331],"class_list":["post-455658","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-wirtschaft","tag-ihk-neujahrsempfang-2026-wirtschaft-im-hansebelt-fordert-mut","tag-zuversicht-und-tatkraft-fuer-den-standort-deutschland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455658","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=455658"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455658\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":455660,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455658\/revisions\/455660"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/455659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=455658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=455658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=455658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}