{"id":455985,"date":"2026-01-26T17:57:31","date_gmt":"2026-01-26T16:57:31","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=455985"},"modified":"2026-01-26T17:57:31","modified_gmt":"2026-01-26T16:57:31","slug":"nordsee-gipfel-in-hamburg-nordsee-darf-nicht-zum-industriegebiet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/nordsee-gipfel-in-hamburg-nordsee-darf-nicht-zum-industriegebiet-werden\/","title":{"rendered":"Nordsee-Gipfel in Hamburg: Nordsee darf nicht zum Industriegebiet werden"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>BUND: Ausbau von Offshore-Windenergie nur mit R\u00fccksicht auf Meeresschutz<\/li>\n<li>Nordsee darf nicht zum Industriegebiet werden<\/li>\n<li>Kooperation der Nordsee-Anrainer ist notwendig und braucht klare Umweltstandards<\/li>\n<li>Umweltverb\u00e4nde und Zivilgesellschaft beteiligen<\/li>\n<li>Europarechtliche Standards zum Schutz der Meere (Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, Natura-2000-Gebiete) beachten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hamburg\/ Kiel. Anl\u00e4sslich des internationalen Nordsee-Gipfels, den die Bundesregierung am 26. Januar 2026 in Hamburg ausrichtet, fordert der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den Ausbau der Offshore-Windenergie strikt an den Belastungsgrenzen der Nordsee auszurichten. Die Nordsee ist bereits heute eines der am st\u00e4rksten genutzten Meeresgebiete weltweit. Der BUND betont: Erneuerbare Energien sind das R\u00fcckgrat des Klimaschutzes und die Windenergie auf See kann einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig gilt: Klimaschutz und Naturschutz m\u00fcssen gemeinsam gelingen. Gesunde Meere sind Lebensr\u00e4ume und m\u00fcssen gesch\u00fctzt und wiederhergestellt werden.<\/p>\n<p>\u201eDie Nord- und Ostsee befinden sich in einem schlechten \u00f6kologischen Zustand. Ein weiterer massiver Ausbau der Offshore-Industrie darf nicht auf Kosten von Artenvielfalt und Meeresschutz gehen,\u201c erkl\u00e4rt Verena Platt-Till, Meeresschutz-Referentin des BUND-Landesverbands Schleswig-Holstein.<!--more-->W\u00e4hrend die Bundesregierung die Nordsee als \u201egr\u00fcnes Kraftwerk f\u00fcr Europa\u201c positioniert, warnt der BUND davor, sie durch immer mehr Infrastruktur faktisch zu einem Industriegebiet zu machen. Der Ausbau der Offshore-Windenergie und deren Netzanbindung muss nach Ansicht des Umweltverbands naturvertr\u00e4glich erfolgen und mit einer messbaren Reduktion der kumulativen Belastungen einhergehen. Derzeit sind die Kabeltrassen durch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer geplant, wodurch dessen Status m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p>\u201eMeeresschutzgebiete, sensible R\u00e4ume einschlie\u00dflich des Wattenmeeres sowie Pufferzonen m\u00fcssen als R\u00fcckgrat des marinen Biodiversit\u00e4tsschutzes von Energieinfrastruktur m\u00f6glichst weitgehend freigehalten werden\u201c, fordert der BUND. Industrielle Nutzungen wie Offshore-Windparks, Kabeltrassen oder Wasserstoffpipelines d\u00fcrfen Schutzgebiete nicht weiter entwerten. Die marine Raumordnung sollte dem \u00d6kosystemansatz folgen und muss Naturschutzfl\u00e4chen verbindlich sichern.<\/p>\n<p>Grenz\u00fcberschreitende Kooperationsprojekte k\u00f6nnen die Energiewende effizienter machen. Es braucht daf\u00fcr aber klare \u00f6kologische Leitplanken sowie einen verl\u00e4sslichen europ\u00e4ischen Rahmen f\u00fcr Planung, Finanzierung und Netzanbindung.<\/p>\n<p>Besondere Sorge bereitet dem BUND die zunehmende Belastung sensibler Arten wie Schweinswale und Seev\u00f6gel. Unterwasserl\u00e4rm durch Rammarbeiten, Schiffsverkehr und milit\u00e4rische Nutzung \u00fcberschreitet bereits heute vielerorts vertr\u00e4gliche Schwellen. Der BUND fordert grenz\u00fcberschreitend abgestimmte Schwellenwerte und L\u00e4rmminderungsma\u00dfnahmen sowie l\u00e4rmarme Bauverfahren und Serviceverkehre als verbindliche Standards. Flugkorridore sowie Rast- und Nahrungsgebiete von Seev\u00f6geln m\u00fcssen bei Planungen ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>\u201eTausende Enten, Seetaucher und Alkenv\u00f6gel sitzen in diesem Moment drau\u00dfen auf der Nordsee. Das offene Meer ist ihr Winterquartier. Sie sind sehr st\u00f6rungsempfindlich und fliegen schon auf, wenn sich ihnen ein Schiff auf drei Kilometer n\u00e4hert. Die Tiere brauchen ungest\u00f6rte Rastpl\u00e4tze, deshalb sind gro\u00dfe Teile der Nordsee ja als Vogelschutz- und Natura-2000-Gebiet ausgewiesen\u201c, erkl\u00e4rt Verena Platt-Till.<\/p>\n<p>Auch der Aufbau von Wasserstoffinfrastruktur d\u00fcrfe nicht zu neuen Umweltproblemen f\u00fchren. Wasserstoff kann nur dann einen Beitrag zur Energiewende leisten, wenn er konsequent aus erneuerbaren Energien und naturvertr\u00e4glich erzeugt wird und die dazu notwendige Infrastruktur auf das tats\u00e4chlich notwendige Ma\u00df begrenzt bleibt, betont der BUND. Noch kritischer sieht der Umweltverband die CCS-Technologie: \u201eCCS ist eine teure Illusion und droht zum Freibrief f\u00fcr weitere fossile Emissionen zu werden. Statt CO2 unter der Nordsee zu verpressen, m\u00fcssen Emissionen an der Quelle vermieden und nat\u00fcrliche Kohlenstoffsenken gesch\u00fctzt und wiederhergestellt werden.\u201c<\/p>\n<p>Ein zentrales Defizit der bisherigen Nordsee-Politik ist nach Auffassung des BUND die unzureichende Ber\u00fccksichtigung kumulativer Auswirkungen: Windparks, Netzanbindungen, Schifffahrt, Fischerei, \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung sowie milit\u00e4rische Nutzung \u00fcben massiven Druck auf das \u00d6kosystem aus. Der Nordsee-Gipfel m\u00fcsse hier verbindliche gemeinsame Bewertungsinstrumente beschlie\u00dfen und daf\u00fcr sorgen, dass Belastungen in der Summe sinken.<\/p>\n<p>Der BUND kritisiert zudem, dass Umweltverb\u00e4nde und Zivilgesellschaft bislang kaum in die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des Gipfels eingebunden sind. Die Zukunft der Nordsee d\u00fcrfe nicht allein zwischen Regierungen und Industrie verhandelt werden. Transparenz, fr\u00fchzeitige Beteiligung und wissenschaftliche Begleitung seien unverzichtbar.<\/p>\n<p>Der Nordsee-Gipfel bietet aus Sicht des BUND die Chance, den Nordseeraum zu einer Modellregion f\u00fcr eine naturvertr\u00e4gliche Energiewende zu machen. Voraussetzung daf\u00fcr ist jedoch, dass Klima- und Biodiversit\u00e4tsschutz gleichrangig behandelt und vorangebracht werden und \u00f6kologische Leitplanken nicht weiter aufgeweicht werden.<\/p>\n<p>Hier geht es zu einem gemeinsamen Positionspapier mehrerer Umweltverb\u00e4nde f\u00fcr einen naturvertr\u00e4glichen Offshore-Windenergie-Ausbau:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.dnr.de\/sites\/default\/files\/2026-01\/Offshore_Verb%C3%A4ndepapier_Januar%202026.pdf\">Offshore_Verb\u00e4ndepapier_Januar 2026.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUND: Ausbau von Offshore-Windenergie nur mit R\u00fccksicht auf Meeresschutz Nordsee darf nicht zum Industriegebiet werden Kooperation der Nordsee-Anrainer ist notwendig<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":445626,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5,8],"tags":[27407],"class_list":["post-455985","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-wirtschaft","category-flora-fauna-wasser","tag-nordsee-gipfel-in-hamburg-nordsee-darf-nicht-zum-industriegebiet-werden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=455985"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455985\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":455986,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455985\/revisions\/455986"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/445626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=455985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=455985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=455985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}