{"id":4561,"date":"2007-10-10T00:17:40","date_gmt":"2007-10-10T00:17:40","guid":{"rendered":"http:\/\/testserver\/wordpress\/?p=4461"},"modified":"2007-10-10T00:17:40","modified_gmt":"2007-10-10T00:17:40","slug":"im_herbst_an_der_nordseekste_stranden_gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/im_herbst_an_der_nordseekste_stranden_gehen\/","title":{"rendered":"Im Herbst an der Nordseek\u00fcste &#8222;stranden&#8220; gehen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Strandgut-Otto\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/images\/topics\/Strandgut-Otto.jpg\" alt=\"Strandgut-Otto\" \/><br \/>\nEin Ast sandgeschliffen, dazu Federn, vom Wind getragen. Matt schl\u00e4gt die See an. Das Gl\u00fcck, so hei\u00dft es, ist eine Fundsache &#8211; das sind Gedanken von G\u00fcnter Grass. Fundst\u00fccke aus dem Meer &#8211; nix wie raus zum &#8222;stranden&#8220; wenn der Herbstwind \u00fcber die Nordseek\u00fcste fegt.<\/p>\n<p>Lesen Sie, was Maike Otto und Manfred Schl\u00fcter und daraus machen.<\/p>\n<p>Foto: Maike Otto &#8222;Tafelmeer&#8220;<br \/>\n<!--more-->Der Sommer verabschiedet sich langsam und die Tage werden k\u00fcrzer. An der Nordseek\u00fcste beginnt die Zeit der Herbstt\u00fcrme. Wenn es \u00fcber das weite, flache Land weht, windgebeugte B\u00e4ume sich noch weiter zum Boden neigen und der Sturm an Fensterl\u00e4den r\u00fcttelt, scheint nichts verlockender, als eine  dampfende Tasse Tee im warmen Wohnzimmer. Das ist genau der richtige Zeitpunkt, um zum &#8222;stranden&#8220; ans Meer aufzubrechen. Raus aus der Behaglichkeit und rein in die Windjacken &#8211; wer bei einer steifen Brise nach der Flut im warmen Wohnzimmer bleibt, verpasst ganz besondere Sch\u00e4tze, die Geschichte \u00fcber das Meer tragen und versteckt im Flutsaum zwischen Seetang von anderen Leben und vergangenen Zeiten erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Manfred Schl\u00fcter zieht an einem St\u00fcck Tau, das aus dem Sp\u00fclsaum im Wesselburener Koog ragt &#8211; und hat schnell ein ganzes Gewirr von Tauwerk in der Hand. Der erste Schatz des &#8222;strandens&#8220;, wie die Strandgut-Suche an der Nordsee Schleswig-Holstein hei\u00dft, wird zur Seite gelegt und weiter geht&#8217;s gegen den Wind, den Blick unbeeindruckt von der Weite immer auf die Wasserlinie der letzten Flut gerichtet, an der nun im Sp\u00fclsaum das Strandgut zu finden ist.<\/p>\n<p>Orange leuchtet ein einzelner Arbeitshandschuh aus dem Tang hervor,  irgendwo verloren gegangen auf hoher See. Ein silbernes T\u00fctchen mit kyrillischer Schrift hat sich in einem angesp\u00fclten Ast voller Seepocken verfangen &#8211; &#8222;Emergency Drinking Water&#8220; und &#8222;Russian Maritime Shipping Register&#8220; steht in Englisch darunter.<\/p>\n<p>Ein leichter Schauder l\u00e4uft beim Blick auf die weite Nordsee den R\u00fccken hinunter &#8211; hoffentlich musste die Trinkwasser-Notration da drau\u00dfen nicht zum Einsatz kommen. Man beginnt zu begreifen, warum der frische Nordseewind im Herbst so viele Menschen an die K\u00fcste treibt: Wer &#8222;stranden&#8220; geht wei\u00df nie, was er findet und welche Geschichten sich um das Strandgut ranken.<\/p>\n<p>Einige Schritte weiter hat Manfred Schl\u00fcter ein St\u00fcck Treibholz entdeckt, vom Meer zu einer eigent\u00fcmlichen Gestalt geformt und vom Salzwasser ausgelaugt.  Danach sucht er &#8211; nach &#8222;H\u00f6lzern mit Wunden.&#8220; In seiner Werkstatt in der alten Schule in Hillgroven, einem kleinen D\u00f6rfchen bei Wesselburen in Dithmarschen, arbeitet der Maler, Schriftsteller und Objektebauer seine Fundst\u00fccke in Skulpturen und Objekte um. &#8222;Ganz anders als beim Malen oder Schreiben bestimmt bei den Fundst\u00fccken aus dem Meer das Material, wohin die Reise geht&#8220;, sagt Schl\u00fcter.<\/p>\n<p>Wenn das Strandgut dann in seiner Werkstatt oder &#8222;Rumpelkammer&#8220; unter dem Dach der alten Schule steht, widmet er sich schauend dem Fundst\u00fcck &#8211; eine Art meditativer Prozess, bis es irgendwann zu einem Objekt wird. Das kann seine Zeit dauern, so wie bei dem gro\u00dfen, massiven Holzst\u00fcck mit den dicken eisernen Muttern &#8211; vielleicht ein Teil eines alten Sperrwerks &#8211; das seit dem Stranden bereits vier Jahre hier oben steht. Und einige St\u00fccke sind nach ihrer langen Reise durchs Meer so perfekt, dass Schl\u00fcter sie einfach so l\u00e4sst, wie sie sind &#8211; so wie das genarbte St\u00fcck Holz mit dem Schriftzug &#8222;Cardiff&#8220;, das die Nordsee bei Katingsiel an Land gespuckt hat. &#8222;Ich suche nicht. Ich finde&#8220;, beschreibt der K\u00fcnstler sein Vorgehen ganz im Geiste Picassos.<\/p>\n<p>\nMaike Otto aus dem benachbarten Hellschen ist ebenfalls regelm\u00e4\u00dfig im Sturm unterwegs. F\u00fcr ihre Bilder sucht sie nach Holzst\u00fccken mit sch\u00f6ner Maserung und nach verborgenen Sch\u00e4tzen. &#8222;Im Herbst wird der Strand zu einem Zauberstrand&#8220;, erz\u00e4hlt die Dithmarscherin. &#8222;Hier werden Fischernetze, Bojen, Treibholz und Arbeitshandschuhe angesp\u00fclt &#8211; sogar die Notlampe eines Schiffes habe ich schon gefunden.&#8220;<\/p>\n<p>Auch allerlei Kurioses ist dabei &#8211; eine ganze Container-Ladung schicker Lederschuhe und h\u00fcbscher K\u00f6rbe wurde hier schon angesp\u00fclt. Aber nicht alle Fundst\u00fccke bieten sich zum Weiterverarbeiten an: &#8222;Einen gefundenen Korb habe ich am Strand zur\u00fcckgelassen &#8211; der stank viel  zu doll nach Fisch&#8220;, lacht sie. Wenn die Sommerg\u00e4ste l\u00e4ngst wieder nach Hause zur\u00fcckgekehrt sind, wehen die Herbstt\u00fcrme ihre Spuren an den Strand. Karl-Henning &#8222;Hinne&#8220; Hinz, Sch\u00e4fer aus Hillgroven, findet dann regelm\u00e4\u00dfig Flaschenposten von Urlaubern, die seine Tochter beantwortet. &#8222;Drei St\u00fcck waren es allein in der letzten Woche&#8220;, erz\u00e4hlt er, &#8222;eine davon sogar von einer Engl\u00e4nderin.&#8220;<\/p>\n<p>Wer einmal zum &#8222;stranden&#8220; gegangen ist, den zieht es an st\u00fcrmischen Herbsttagen immer wieder raus an den Strand. Wenn man dann mit einem ganzen Beutel voller Fundst\u00fccke und frisch durchgepustet von herrlich-salziger Nordseeluft nach Hause kommt, schickt man seine Gedanken beim Anblick der Sch\u00e4tze auf eine Reise \u00fcber das Meer &#8211; und w\u00e4rmt sich an einer dampfenden Tasse Tee.<\/p>\n<p>Die Objekte von Manfred Schl\u00fcter k\u00f6nnen nach vorheriger Anmeldung unter Tel. 04833-2117 oder ms@manfred-schlueter.com besichtigt werden. Im Fr\u00fchjahr 2008 sind Schl\u00fcters Werke au\u00dferdem in der Ausstellung &#8222;Der Schreiber und sein Zeichner &#8211; Boy Lornsen und Manfred Schl\u00fcter&#8220; in Brunsb\u00fcttel zu sehen. Weitere Informationen unter www.manfred-schlueter.com.<\/p>\n<p>Bilder von Maike Otto sind unter vorheriger Anmeldung auf dem Rosenhof in Hellschen, Tel. 04833-429868, info@der-rosenhof.de zu sehen. Bis zum 30. November 2007 k\u00f6nnen in der Ausstellung &#8222;Gestrandet&#8220; Acryl- und Aquarellbilder sowie Collagen von Maike Otto zusammen mit Fotografien und Gedichten von Kirsten Kohlhaw im Hotel Berlin in  Heide angeschaut werden.<\/p>\n<p>Das Gedicht von G\u00fcnter Grass ist der Anthologie &#8222;Nordsee ist Wortsee&#8220; von Nicolas Nowack, erschienen im Wachholtz Verlag, entnommen.<\/p>\n<p>\nInfo: \u00dcberall an der Nordseek\u00fcste Schleswig-Holsteins l\u00e4sst sich Strandgut finden &#8211; am besten nach den ersten Herbstst\u00fcrmen direkt nach der Flut. Aber bitte beachten: Wer Strandgut findet, der darf es behalten &#8211; so hie\u00df es Jahrhunderte lang. Diese Regelung ersetzt heute das BGB-Fundrecht. Werden Waren &#8211; wie zum Beispiel Container &#8211; Ladungen &#8211; angesp\u00fclt, so muss der Finder sie zur n\u00e4chsten Zollstelle bringen und dort sumarisch anmelden, so die Oberfinanzdirektion Hamburg. Und was sagt uns das&#8230;?<\/p>\n<p>Quelle: sh-na<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ast sandgeschliffen, dazu Federn, vom Wind getragen. Matt schl\u00e4gt die See an. 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