{"id":456828,"date":"2026-02-25T19:36:22","date_gmt":"2026-02-25T18:36:22","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=456828"},"modified":"2026-02-25T19:36:22","modified_gmt":"2026-02-25T18:36:22","slug":"im-maerzen-der-bauer-zwischen-bauernregel-und-witterungsrealitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/im-maerzen-der-bauer-zwischen-bauernregel-und-witterungsrealitaet\/","title":{"rendered":"\u201eIm M\u00e4rzen der Bauer\u201c \u2013 Zwischen Bauernregel und Witterungsrealit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIm M\u00e4rzen der Bauer\u201c \u2013 Zwischen Bauernregel und Witterungsrealit\u00e4t \u201eIm M\u00e4rzen der Bauer die R\u00f6sslein anspannt\u201c \u2013 die alte Redewendung steht sinnbildlich f\u00fcr den Beginn der arbeitsintensiven Zeit in der Landwirtschaft. Sie steht f\u00fcr das Anfahren der Feldarbeiten, f\u00fcr Aufbruch und Neubeginn nach dem Winter. Nach einem vergleichsweise langen und k\u00fchlen Winter stellt sich jedoch die Frage, ob sich der Saisonstart weiterhin am Kalender orientiert oder st\u00e4rker von den tats\u00e4chlichen Witterungs- und Bodenverh\u00e4ltnissen abh\u00e4ngt. Gr\u00fcnland und Ackerbau: Zwischen Frost, Schnee und Vegetationsruhe Der relativ zeitig im Dezember einsetzende und im Vergleich zu den Vorjahren recht langanhaltende Winter hat f\u00fcr eine durchgehende Vegetationsruhe gesorgt. Im Unterschied zu den zunehmend milden Wintern fand kein nennenswertes Wachstum oder eine Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Winterkulturen \u2013 Winterraps, Wintergerste, Winterroggen, Wintertriticale sowie Gr\u00fcnland und Ackergras \u2013 statt. Aufgrund der langen Schneebedeckung war zun\u00e4chst nicht eindeutig absehbar, wie die Best\u00e4nde aus dem Winter kommen. Regional und auf Teilfl\u00e4chen kann der Winter Spuren hinterlassen haben, insbesondere dort, wo Kuppen freigeweht waren oder keine sch\u00fctzende Schneedecke lag. <!--more-->Von einer fl\u00e4chigen Auswinterung ganzer Schl\u00e4ge ist derzeit jedoch nicht auszugehen. Die \u00fcberwiegend vorhandene Schneedecke wirkte w\u00e4hrend der Frostphasen \u2013 auch in Verbindung mit kaltem Ostwind \u2013 isolierend.<br \/>\nVereinzelt sind bei Wintergerste, teilweise auch bei Winterraps, abgefrorene Blattspitzen beziehungsweise Bl\u00e4tter zu beobachten, die nach aktuellem Stand jedoch keine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung haben.<\/p>\n<p>Auch Staun\u00e4sse durch Regen und Tauwasser hat auf vielen Fl\u00e4chen Spuren hinterlassen. In den meisten F\u00e4llen ist jedoch davon auszugehen, dass die Best\u00e4nde mit steigenden Temperaturen und abtrocknenden B\u00f6den wieder durchgr\u00fcnen. Ein Vorteil der zur\u00fcckliegenden Winterwitterung zeigt sich bei Winterzwischenfr\u00fcchten, die aus Gew\u00e4sser- und Erosionsschutzgr\u00fcnden angebaut werden: Diese sind sicher abgefroren und erleichtern damit die Bestellung der Fl\u00e4chen mit Sommerungen. Wird beispielsweise nach einer Zwischenfrucht wie Senf oder \u00d6lrettich im Fr\u00fchjahr Hafer oder Sommergerste angebaut, kann die Fl\u00e4che ohne zus\u00e4tzlichen mechanischen oder chemischen Umbruch bestellt werden. Die abgestorbenen Pflanzenreste verbleiben als sch\u00fctzende Mulchschicht auf dem Boden und tragen weiterhin zum Erosionsschutz bei. Pflanzenbedarfsgerechte N\u00e4hrstoffversorgung zum Vegetationsstart Getreidebest\u00e4nde mit Aussaatterminen ab Oktober pr\u00e4sentieren sich teils weniger \u00fcppig. Entsprechend z\u00e4hlen D\u00fcngema\u00dfnahmen zu den ersten Arbeiten auf den \u00c4ckern.<\/p>\n<p>Ziel ist es, insbesondere schw\u00e4chere Best\u00e4nde und Winterraps in Wachstum und Entwick-lung zu unterst\u00fctzen. Angestrebt wird eine pflanzenbedarfsgerechte N\u00e4hrstoffversorgung zum Vegetationsstart \u2013 sofern die D\u00fcngebedarfsermittlung abgeschlossen ist. Wichtige N\u00e4hrstoffe wie Stickstoff, Kalium und Schwefel werden \u00fcber organische und mineralische D\u00fcngemittel bereitgestellt. Neben mineralischen D\u00fcngern, die pr\u00e4zise und kulturangepasst mit modernen Streuern aus-gebracht werden, beginnt nun auch die Ausbringung von G\u00fclle und G\u00e4rresten. Ein fr\u00fcher Einsatz sichert eine hohe N\u00e4hrstoffeffizienz und erm\u00f6glicht eine gute Integration in den Ackerbau. Moderne Technik mit hoher Verteilgenauigkeit und bodennaher, streifenf\u00f6rmiger Ausbringung reduziert dabei Geruchsbildung und N\u00e4hrstoffverluste. In den kommenden Wochen werden zudem Fl\u00e4chen ohne Winterkultur bearbeitet und ge-d\u00fcngt, um Sommergetreide und Leguminosen einen guten Start zu erm\u00f6glichen. Hafer hat in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein an Bedeutung gewonnen und lag 2025 bei rund 24.000 Hektar Anbaufl\u00e4che \u2013 damit ist er das fl\u00e4chenst\u00e4rkste Sommergetreide.<\/p>\n<p>Ebenso werden Ackerbohnen und Sommergerste angebaut. Sommergerste wird h\u00e4ufig als Brau-gerste vermarktet, sofern die erforderlichen Qualit\u00e4tsparameter erf\u00fcllt werden; Wintergerste dient \u00fcberwiegend als Futtergetreide.<\/p>\n<p>Die Aussaat erfolgt in ein feinkr\u00fcmelig bearbeitetes und abgesetztes Saatbett. Teilweise kom-men auch Direktsaatverfahren zum Einsatz, die insbesondere im Boden-, Gew\u00e4sser- und Ero-sionsschutz Vorteile bieten k\u00f6nnen. In einzelnen Best\u00e4nden stehen zudem erste Pflanzen-schutzma\u00dfnahmen an, etwa wenn eine Ungras- und Unkrautbek\u00e4mpfung im Herbst witterungs-bedingt nicht m\u00f6glich war. Tierhaltung: L\u00e4mmerzeit und erste Weideg\u00e4nge Neben den pflanzenbaulichen Arbeiten spielt auch die Tierhaltung im M\u00e4rz eine zentrale Rolle im landwirtschaftlichen Betriebsablauf. Bis die Weidehalter das Milchvieh rauslassen, vergehen noch einige Wochen. Aktuell w\u00e4re noch nicht genug Futter auf dem Gr\u00fcnland. Anders bei den Schafen, sie sind gen\u00fcgsamer und schon an den Deichen und auf den Koppeln zu sehen. Hinzukommt, dass sie mit ihren kleine-ren Klauen weniger Sch\u00e4den auf noch winternassen B\u00f6den anrichten. Aktuell haben die Sch\u00e4-fereibetriebe alle H\u00e4nde voll zu tun, denn im M\u00e4rz und April werden hierzulande die meisten L\u00e4mmer geboren. Laut Statistikamt Nord gibt es in Schleswig-Holstein derzeit \u00fcber 180.000 Schafe in 870 Betrieben. Gartenbau: Saisonstart mit Augenma\u00df Auch im Gartenbau entscheidet der richtige Zeitpunkt \u00fcber den erfolgreichen Start in die Saison. Sobald die B\u00f6den frostfrei und ausreichend abgetrocknet sind, beginnen die ersten Arbeiten.<\/p>\n<p>Beete werden von Laub und Pflanzenresten befreit. Der Boden wird, sofern dieser nicht gefro-ren oder vern\u00e4sst ist, gelockert oder umgegraben. Die Einarbeitung von Kompost oder organi-schen D\u00fcngern verbessert die Bodenstruktur, aktiviert das Bodenleben und minimiert N\u00e4hr-stoffverluste.<br \/>\nZudem stehen R\u00fcckschnittma\u00dfnahmen an Gr\u00e4sern, Stauden, sommerbl\u00fchenden Str\u00e4uchern und Rosen an. Bei stabilen Temperaturen beginnt die Rasenpflege mit Vertikutieren, Nachsaat kahler Stellen und gegebenenfalls einer ma\u00dfvollen Startd\u00fcngung. Obstb\u00e4ume werden auf 3 Sch\u00e4dlinge und Pilzkrankheiten kontrolliert; notwendige Schnittma\u00dfnahmen f\u00f6rdern die Baum-gesundheit und die sp\u00e4tere Ertragsbildung.<\/p>\n<p>Fazit: Zwischen Bauernregel und Realit\u00e4t<br \/>\nDer diesj\u00e4hrige Witterungsverlauf zeigt deutlich: \u201eIm M\u00e4rzen der Bauer die R\u00f6sslein anspannt\u201c ist weniger ein festes Datum als vielmehr eine Beschreibung der Phase, in der zahlreiche Arbeiten gleichzeitig beginnen, sofern es die Bedingungen zulassen.<\/p>\n<p>Nach einem langen Winter entscheiden Bodenzustand, Temperaturentwicklung und Vegetati-onsbeginn \u00fcber Tempo und Umfang der Ma\u00dfnahmen. Die Landwirtschaft reagiert flexibel auf die jeweiligen Standortbedingungen. Darin liegt heute die eigentliche Bedeutung der alten Bauernregel.<\/p>\n<p>Foto: Achim Seidel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIm M\u00e4rzen der Bauer\u201c \u2013 Zwischen Bauernregel und Witterungsrealit\u00e4t \u201eIm M\u00e4rzen der Bauer die R\u00f6sslein anspannt\u201c \u2013 die alte Redewendung<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":456829,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5,8],"tags":[27604],"class_list":["post-456828","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-wirtschaft","category-flora-fauna-wasser","tag-im-maerzen-der-bauer-zwischen-bauernregel-und-witterungsrealitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/456828","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=456828"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/456828\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":456830,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/456828\/revisions\/456830"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/456829"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=456828"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=456828"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=456828"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}