{"id":456907,"date":"2026-02-27T18:36:58","date_gmt":"2026-02-27T17:36:58","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=456907"},"modified":"2026-02-27T18:37:07","modified_gmt":"2026-02-27T17:37:07","slug":"kindergesundheit-ist-nicht-verhandelbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/kindergesundheit-ist-nicht-verhandelbar\/","title":{"rendered":"Kindergesundheit ist nicht verhandelbar"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin,<br \/>\nliebe Kolleg*innen,<\/p>\n<p>Energy-Drinks sind l\u00e4ngst kein Nischenprodukt mehr. Sie sind \u00fcberall: im Supermarkt, an der Tankstelle, im Vereinsheim und vor allem in der Lebenswelt vieler Jugendlicher. Warum hat ihre Bedeutung so zugenommen? Weil sie perfekt in einen Alltag passen, der schneller, digitaler und oft auch stressiger geworden ist: \u201eKick\u201c auf Knopfdruck, kombiniert mit einem Marketing, das gezielt an junge Zielgruppen andockt: Gaming, Sport-Influencer, Social Media. Genau deshalb ist es richtig, dass wir heute nicht so tun, als ginge es um eine harmlose Geschmacksfrage, sondern es geht um wirksamen Gesundheitsschutz.<!--more--><\/p>\n<p>Unser gemeinsamer Antrag mit der CDU setzt hier klare Leitplanken: kein Verkauf von Energy-Drinks an unter 16-J\u00e4hrige, ein Verbot von an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung f\u00fcr Energy-Drinks und Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung der Gesundheitskompetenz im Pr\u00e4ventionsgesetz. Und ja, das ist begr\u00fcndet. Das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung weist seit Jahren darauf hin, dass Jugendliche bereits mit einer handels\u00fcblichen Dose die empfohlene maximale Koffeinzufuhr \u00fcberschreiten k\u00f6nnen, mit m\u00f6glichen Effekten wie Herzrasen, Blutdruckanstieg und Nervosit\u00e4t, besonders riskant in Kombination mit Alkohol, Zucker oder intensiver k\u00f6rperlicher Belastung.<\/p>\n<p>Aber wenn wir ehrlich sind: Beim Werbeschutz darf es aus meiner Sicht nicht beim Energy-Drink bleiben. Wir Gr\u00fcne sind auch f\u00fcr weitergehende Werbebeschr\u00e4nkungen bei Produkten, die nachweislich gesundheitssch\u00e4dlich sind, \u201eProdukte mit Kinderoptik\u201c wird das in der Marketing-Branche genannt.<\/p>\n<p>Der Grund ist simpel: Kinder k\u00f6nnen Werbung nicht \u201ewegfiltern\u201c wie Erwachsene. Sie verwechseln Botschaft und Information, Identit\u00e4t und Produkt und werden dadurch besonders leicht beeinflusst. Genau deshalb dr\u00e4ngt die WHO seit Langem auf klare Schranken beim an Kinder gerichteten Marketing ungesunder Lebensmittel und Getr\u00e4nke.<\/p>\n<p>Und damit sind wir bei einem Kernpunkt, den wir nicht ausblenden d\u00fcrfen: Zucker. Energy-Drinks sind oft nicht nur koffeinhaltig, sondern auch zuckerschwer. Die WHO empfiehlt, \u201efreie Zucker\u201c auf unter zehn Prozent der t\u00e4glichen Energiezufuhr zu begrenzen, wer durch Ern\u00e4hrung Gesundheitsgewinne erzielen m\u00f6chte, f\u00fcr den gilt die Empfehlung von unter f\u00fcnf Prozent. In Deutschland liegt der Anteil an der t\u00e4glichen Energiezufuhr bei knapp 13 Prozent bei Erwachsenen, bei Kindern und Jugendlichen sogar bei 15 \u2013 18 Prozent und wenn der Zucker auch noch in fl\u00fcssiger Form durch Softdrinks oder in Kombination mit Koffein noch schneller im Blut anflutet, dann sind die Gesundheitssch\u00e4den noch h\u00f6her.<\/p>\n<p>Liebe Kolleg*innen, diese Empfehlungen sind keine theoretische Spielerei. Sie sind einer der Hauptgr\u00fcnde, weshalb Volkserkrankungen in Deutschland viel st\u00e4rker steigen als in anderen L\u00e4ndern. Und genau aus diesem Grund bin ich unserem Ministerpr\u00e4sidenten so dankbar, dass er unseren Landtagsbeschluss zur Zuckersteuer aus dem letzten Jahr so prominent und \u00f6ffentlichkeitswirksam und mit seinem eigenen Namen sogar gegen den Widerstand aus seiner eigenen Bundespartei setzt, denn das ist verantwortungsvolle, evidenzbasierte Gesundheitspolitik made in Schleswig-Holstein und ich w\u00fcnsche ihm aus tiefster \u00dcberzeugung ganz viel Erfolg im Bundesrat!<\/p>\n<p>Ja, man kann \u00fcber die Ausgestaltung streiten, gestaffelt nach Zuckergehalt, mit klaren Anreizen zur Reformulierung. Kindergesundheit ist nicht verhandelbar, sie ist die Voraussetzung f\u00fcr echte Teilhabe und faire Chancen.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren, wenn jemand meint, das alles sei \u201eBevormundung\u201c, dann lohnt ein Blick auf die n\u00fcchterne Bestandsaufnahme der Pr\u00e4ventionspolitik. Der Public Health Index (PHI), entwickelt unter anderem vom AOK-Bundesverband und DKFZ, zeigt, wie konsequent L\u00e4nder evidenzbasierte Ma\u00dfnahmen in den Feldern Tabak, Alkohol, Ern\u00e4hrung und Bewegung umsetzen. Das Ergebnis: Deutschland landet auf Rang 17 von 18 untersuchten Staaten, fast Schlusslicht. Das ist kein Sch\u00f6nheitsfehler, das ist ein Warnsignal: Wir geben viel Geld f\u00fcr Versorgung aus und leisten uns gleichzeitig eine Pr\u00e4ventionspolitik, die zu oft auf Freiwilligkeit setzt, obwohl die Evidenz l\u00e4ngst weiter ist.<\/p>\n<p>Und deshalb ist der letzte Teil unseres Antrags so entscheidend: Gesundheitskompetenz st\u00e4rken. Denn \u201eEigenverantwortung\u201c kann man nicht voraussetzen, wenn sie strukturell \u00fcberfordert wird. Repr\u00e4sentative Studien zeigen seit Jahren, dass mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung in Deutschland Schwierigkeiten hat, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und f\u00fcr Entscheidungen zu nutzen. Wer in so einer Lage reflexhaft \u201eselbst schuld\u201c sagt, verkennt die Realit\u00e4t und macht Politik am Problem vorbei.<\/p>\n<p>Schleswig-Holstein geht hier den richtigen Weg, indem das Land am Aufbau einer Landespr\u00e4ventionsstrategie arbeitet: besser vernetzt, ressort\u00fcbergreifend gedacht, mit \u201eGesundheit in allen Politikfeldern\u201c als Anspruch, gerade auch in Zeiten knapper Kassen. Denn Pr\u00e4vention und Gesundheitsf\u00f6rderung sind kein \u201eNice-to-have\u201c, sie sind die einzige nachhaltige Antwort auf wachsende chronische Krankheitslast, soziale Ungleichheit in Gesundheit und ein Gesundheitssystem, das sonst immer nur hinterher repariert.<\/p>\n<p>Ich werbe deshalb auch stark f\u00fcr eine Novellierung des Pr\u00e4ventionsgesetzes auf Bundesebene, wo wirklich starke Leitplanken f\u00fcr konsequente Gesundheitsf\u00f6rderung und -kompetenzvermittlung finanziell hinterlegt werden k\u00f6nnen. Darum bitte ich um Unterst\u00fctzung f\u00fcr diesen Antrag: klare Regeln beim Verkauf und bei Werbung, Orientierung an WHO-Empfehlungen, ernsthafte Schritte bei Zucker und eine Pr\u00e4ventionspolitik, die nicht moralisiert, sondern erm\u00f6glicht. Denn Kindergesundheit sch\u00fctzt man nicht mit Appellen, sondern mit Rahmenbedingungen, die Gesundheit wahrscheinlicher machen als Krankheit.<\/p>\n<p>Vielen Dank!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin, liebe Kolleg*innen, Energy-Drinks sind l\u00e4ngst kein Nischenprodukt mehr. 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