{"id":457462,"date":"2026-03-16T19:09:56","date_gmt":"2026-03-16T18:09:56","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=457462"},"modified":"2026-03-16T19:09:56","modified_gmt":"2026-03-16T18:09:56","slug":"zukunft-der-innenstadt-wandel-wird-aus-mut-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/zukunft-der-innenstadt-wandel-wird-aus-mut-gemacht\/","title":{"rendered":"Zukunft der Innenstadt: Wandel wird aus Mut gemacht"},"content":{"rendered":"<p>Wie kann die L\u00fcbecker Innenstadt auch in Zukunft ein lebendiger Ort f\u00fcr Begegnung, Kultur, Wohnen und Wirtschaft bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt des GR\u00dcNtalks der Gr\u00fcnen Fraktion L\u00fcbeck. Gemeinsam mit Expert*innen sowie zahlreichen B\u00fcrger*innen diskutierte die Fraktion \u00fcber Herausforderungen, Perspektiven und konkrete Ideen f\u00fcr die Vitalisierung der Innenstadt<\/p>\n<p><em>Zu Gast waren Olivia Kempke (L\u00fcbeck Management e.V.), Sophie May (Stadtmanufaktur), Inga Mueller-Haagen (ArchitekturForumL\u00fcbeck e.V.) sowie Frank M\u00fcller-Horn (Stadt\u00f6konom).<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Innenstadt im Wandel<\/strong><\/p>\n<p>Zum Auftakt machte Olivia Kempke vom L\u00fcbeck Management e.V. deutlich, dass sich Innenst\u00e4dte bundesweit in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befinden. Der klassische Einzelhandel verliere an Bedeutung, w\u00e4hrend neue Nutzungen an Bedeutung gewinnen. Die L\u00fcbecker Innenstadt bezeichnete sie als \u201eDiamanten, dem teilweise die n\u00f6tige Wertsch\u00e4tzung verloren gegangen ist\u201c. Entscheidend sei, die Altstadt nicht allein als Einkaufsort zu betrachten, sondern als kulturelles, touristisches und soziales Zentrum f\u00fcr die gesamte Region.<\/p>\n<p>Innenst\u00e4dte w\u00fcrden ihrer Ansicht nach nicht am Onlinehandel sterben, sondern an Zielkonflikten und fehlenden Priorit\u00e4ten. Leerstand sei nicht das Problem, sondern Mittelma\u00df und ein fehlendes Profil. Es brauche daher, Mut zur Fl\u00e4chenreduktion im Handel, neue Nutzungskonzepte f\u00fcr leerstehende Geb\u00e4ude, eine aktive Boden- und Immobilienpolitik sowie klare politische Priorit\u00e4ten zugunsten der Innenstadt.<\/p>\n<p><strong>Neue Ideen f\u00fcr lebendige Zentren<\/strong><\/p>\n<p>Sophie May brachte Erfahrungen aus Stadtentwicklungsprojekten in ganz Deutschland und Europa ein. Sie betonte, dass erfolgreiche Innenst\u00e4dte heute von vielen Akteur*innen gemeinsam gestaltet werden \u2013 von Kommunen \u00fcber Wirtschaft bis hin zu B\u00fcrgerinitiativen.<\/p>\n<p>Ein zentraler Ansatz sei das Prinzip der \u201etausend Nadelstiche\u201c: viele kleine, schnell umsetzbare Ma\u00dfnahmen statt ausschlie\u00dflich gro\u00dfer Masterpl\u00e4ne. Als Beispiele nannte sie, tempor\u00e4re Nutzungen und kulturelle Veranstaltungen, kreative Zwischennutzungen leerstehender R\u00e4ume, Spiel- und Aufenthaltsangebote f\u00fcr Familien, kleine F\u00f6rderprogramme f\u00fcr lokale Projekte sowie mehr Gr\u00fcn und Ma\u00dfnahmen zur Klimaanpassung.<\/p>\n<p>Solche niedrigschwelligen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten sichtbar zeigen, dass sich Innenst\u00e4dte ver\u00e4ndern und weiterentwickeln und die Aufenthaltsqualit\u00e4t verbessern.<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffentlichen Raum und Verkehr neu denken<\/strong><\/p>\n<p>Auch Fragen der Stadtgestaltung und Mobilit\u00e4t spielten eine wichtige Rolle. Inga-Mueller Haagen vom ArchitekturForum erinnerte an fr\u00fchere Beteiligungsprozesse zur Entwicklung der Altstadt. Dabei sei bereits vor Jahren ein breiter Konsens entstanden, den Autoverkehr in der Altstadt zu reduzieren, Durchfahrtsachsen zu begrenzen und \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze st\u00e4rker f\u00fcr Menschen zu \u00f6ffnen. Sie erinnerte an den positiven Verkehrsversuch in der Beckergrube, der zeigte wie ein Stra\u00dfenraum mit wenig Mitteln aufgewertet werden konnte. \u00c4hnliches w\u00fcnsche sie sich auch f\u00fcr Holstenstra\u00dfe oder den Kr\u00e4henplatz.<\/p>\n<p>Viele dieser Ideen seien jedoch bislang nur teilweise umgesetzt worden. Gleichzeitig wurde betont, dass die Erreichbarkeit der Innenstadt mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln weiterhin gew\u00e4hrleistet bleiben m\u00fcsse.<\/p>\n<p><strong>Mehr Aufenthaltsqualit\u00e4t statt Konsumzwang<\/strong><\/p>\n<p>Frank M\u00fcller-Horn machte deutlich, dass Innenst\u00e4dte k\u00fcnftig mehr konsumfreie Orte ben\u00f6tigen, die allen Menschen gleicherma\u00dfen zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden. Parks, Pl\u00e4tze, Kulturangebote und Veranstaltungen k\u00f6nnten dazu beitragen, Menschen unabh\u00e4ngig vom Einkauf in die Innenstadt zu ziehen.<\/p>\n<p>Als Beispiele wurden unter anderem kleine \u201ePocket Parks\u201c auf ehemaligen Parkpl\u00e4tzen oder tempor\u00e4re Sitz- und Gr\u00fcnfl\u00e4chen genannt, die mit wenig Aufwand neue Treffpunkte im Quartier schaffen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Mit mutigen Ideen L\u00fcbecks Innenstadt neu denken<\/strong><\/p>\n<p>Dazu <strong>Sophia Marie Pott<\/strong>, kulturpolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen Fraktion:<\/p>\n<p>\u201eDas gro\u00dfe Interesse und die lebhafte Diskussion haben gezeigt, wie wichtig und emotional das Thema Innenstadt f\u00fcr viele L\u00fcbecker*innen ist. F\u00fcr uns als Fraktion ist es wertvoll, sowohl die Perspektiven von Expert*innen als auch die R\u00fcckmeldungen der B\u00fcrger*innen mitzunehmen.<\/p>\n<p>L\u00fcbeck bringt gro\u00dfe St\u00e4rken mit: eine einzigartige Altstadt, eine lebendige Kulturszene und gro\u00dfe touristische Anziehungskraft. Entscheidend ist jetzt, diese Qualit\u00e4ten selbstbewusst weiterzuentwickeln und sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrfen wir nicht vergessen: In der L\u00fcbecker Altstadt leben rund 14.000 Menschen. Die Zukunft der Innenstadt entscheidet sich deshalb nicht allein im Einzelhandel. Sie entsteht aus einer klugen Mischung aus Wohnen, Kultur, Gastronomie, Begegnung und lebendigem \u00f6ffentlichem Raum.<\/p>\n<p>Innenstadtentwicklung bedeutet heute mehr als Einzelhandel. Es geht darum, unsere Altstadt nicht nur als Konsumraum, sondern als Lebensraum f\u00fcr alle zu st\u00e4rken. Viele skandinavische St\u00e4dte zeigen bereits eindrucksvoll, wie gut das funktionieren kann.<\/p>\n<p>Klar wurde auch: Mehr Stadtgr\u00fcn und weniger Autoverkehr steigern die Aufenthaltsqualit\u00e4t \u2013 und am Ende profitieren davon auch Handel und Gastronomie. Diesen Weg wollen wir in der Stadtentwicklung konsequent weitergehen.\u201d<\/p>\n<p><strong>Dr. Axel Flasbarth<\/strong>, Co-Fraktionsvorsitzender erg\u00e4nzt:<\/p>\n<p>\u201eBei der Vitalisierung der Innenstadt braucht es Mut zu neuen Wegen, zu manchmal auch ungew\u00f6hnlichen Ideen. \u201c\u00dcbergangsweise\u201d war ein erstes gutes Projekt, dass leider nun zu Ende ist. Wie m\u00fcssen dahin kommen, dass die positiven Ma\u00dfnahmen eines solchen Projektes auch direkt verstetigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vor allem m\u00fcssen die Planungswerke der Stadt auch verbindlich eingehalten werden. Von den sechs als \u201ckurzfristig\u201d benannten Projekten im Rahmenplan Innenstadt wurde mit der Stadtgrabenbr\u00fccke seit 2019 erst ein einziges Projekt realisiert. Das ist zu wenig.<\/p>\n<p>Interessant waren die Ans\u00e4tze von Frau May, die das Konzept der \u201c1.000 Needles\u201d vorstellte, d.h. die Umsetzung von vielen kosteng\u00fcnstigen Mikroprojekten zur Innenstadtbelebung. Und den Ansatz von Mailand, die ca. 40 Innenstadtpl\u00e4tze kurzfristig und mit tempor\u00e4ren Mitteln umgestaltet haben und mit diesen begrenzten Mitteln schon sehr viel an besserer Qualit\u00e4tslenkung und Aufenthaltsqualit\u00e4t hinzugewonnen haben. Solch einen Ansatz kann ich mir auch in L\u00fcbeck in vielen F\u00e4llen sehr gut vorstellen. Zum einen, weil so auch bei engen finanziellen Spielr\u00e4ume schon viel erreicht werden kann, zum anderen aber auch, weil man so kosteng\u00fcnstig Ideen ausprobieren und laufend verbessern oder auch wieder verwerfen kann. Diese Ideen nehmen wir sehr gerne als Anregung in unsere Fraktionsarbeit mit auf.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann die L\u00fcbecker Innenstadt auch in Zukunft ein lebendiger Ort f\u00fcr Begegnung, Kultur, Wohnen und Wirtschaft bleiben? 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