{"id":457529,"date":"2026-03-19T11:59:23","date_gmt":"2026-03-19T10:59:23","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=457529"},"modified":"2026-03-19T11:59:23","modified_gmt":"2026-03-19T10:59:23","slug":"gratulation-fuer-agnes-lisa-wegner-und-cece-mlay-zum-grimme-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/gratulation-fuer-agnes-lisa-wegner-und-cece-mlay-zum-grimme-preis\/","title":{"rendered":"Gratulation f\u00fcr Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay zum Grimme-Preis"},"content":{"rendered":"<p>Dankenswerterweise sprach Agnes Lisa Wegner im Juni 2024 mit uns \u00fcber ihren Film. Der Begr\u00fcndung der Grimme-Jury ist nichts hinzuzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/2COuq291fhM\">https:\/\/youtu.be\/2COuq291fhM<\/a><!--more-->\u201eDas leere Grab\u201c von Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay ist ein Film von gro\u00dfem Engagement, der ein filmisch bislang kaum beleuchtetes Kapitel deutscher Kolonialgeschichte aufarbeitet. Der Film gibt der oft abstrakten Restitutionsdebatte ein zutiefst menschliches Gesicht und macht das transgenerationale Trauma sichtbar, das in den Familien fortwirkt.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist die konsequent starke tansanische Perspektive. Die Passagen in Tansania \u00fcberzeugen in besonderem Ma\u00dfe, weil sie das Leben, die Geschichte und die Biografien der Menschen vor Ort realistisch und w\u00fcrdevoll darstellen.<\/p>\n<p>Die Kamera beobachtet geduldig, wie die Familien Mbano und Kaaya mit dem transgenerationalen Trauma der Kolonialzeit leben, wie Cesilia im Klassenzimmer die schmerzhafte Geschichte ihrer Familie erz\u00e4hlt und wie die Dorfgemeinschaften sich am Grab von Nduna Songea Mbano versammeln.<\/p>\n<p>Der Film zeigt, lokal verankert und kulturell sensibel, Rituale, Trauer und Tr\u00e4ume der Betroffenen, ohne sie zu exotisieren.<\/p>\n<p>Die didaktische Anlage des Films, die Sachwissen und pers\u00f6nliche Geschichten klug miteinander verwebt, tr\u00e4gt in diesem Fall besonders gut. Szenen und Interviews sind so verkn\u00fcpft, dass ein anregend dichtes, aber nie einengendes Geflecht aus Information und Emotion entsteht.<\/p>\n<p>Der Film unterscheidet sich wohltuend von vielen \u00e4hnlichen Dokumentarformaten. Auf deutscher Seite verschiebt sich der formale Ton zwar merklich, wenn beispielsweise die Musik einsetzt und sich die Erz\u00e4hlung verdichtet, doch gerade diese Verschiebung macht eine Spannung sichtbar, die dem Thema fundamental innewohnt.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick scheint die Restitutionsfrage im Film beinahe einvernehmlich behandelt zu werden, was eine gewisse Romantisierung nahelegen k\u00f6nnte. Doch bei genauerer Betrachtung machen verschiedene Schl\u00fcsselmomente unmissverst\u00e4ndlich klar, dass der Weg zur Aufarbeitung alles andere als einfach ist: Mnyaka Sururu Mboro, der seit \u00fcber 40 Jahren in Deutschland lebt und Jahrzehnte f\u00fcr kleine Fortschritte wie eine Stra\u00dfenumbenennung gebraucht hat.<\/p>\n<p>Ein Bundespr\u00e4sident, der als erster deutscher Politiker \u00fcberhaupt diese Entschuldigung ausspricht \u2013 und dennoch das leere Grab nicht mit den geraubten Gebeinen der Verstorbenen f\u00fcllen kann. Dass die Museumsdebatten, die auf tansanischer Seite durchaus im Film pr\u00e4sent sind, auf deutscher Seite eine sp\u00fcrbare Leerstelle bilden, geh\u00f6rt zu den stillen, aber wirkungsvollen Aussagen des Films.<\/p>\n<p>Er benennt diese Asymmetrie nicht anklagend, sondern macht sie durch sein Erz\u00e4hlen sichtbar. Dem Film \u201eDas leere Grab&#8220; gelingt es, der globalen Debatte um Restitution eine zutiefst menschliche Dimension zu geben und zugleich die politische Komplexit\u00e4t des Themas nicht zu verschweigen. Ein wichtiger und \u00fcberf\u00e4lliger Film.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dankenswerterweise sprach Agnes Lisa Wegner im Juni 2024 mit uns \u00fcber ihren Film. 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