{"id":458307,"date":"2026-04-14T18:58:53","date_gmt":"2026-04-14T16:58:53","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=458307"},"modified":"2026-04-14T18:58:53","modified_gmt":"2026-04-14T16:58:53","slug":"wasserstand-im-behlendorfer-waldmoor-wird-angehoben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wasserstand-im-behlendorfer-waldmoor-wird-angehoben\/","title":{"rendered":"Wasserstand im Behlendorfer Waldmoor wird angehoben"},"content":{"rendered":"<p>24 Hektar Moorfl\u00e4che im Stadtwald L\u00fcbeck werden nach Jahrhunderten der Entw\u00e4sserung renaturiert.<\/p>\n<p>Die Wiedervern\u00e4ssung des Behlendorfer Waldmoors im Stadtwald L\u00fcbeck ist abgeschlossen. Auf rund 24 Hektar Moor- und Feuchtwaldfl\u00e4che wurden die Wasserverh\u00e4ltnisse grundlegend verbessert, sodass der Wasserstand erstmals seit Jahrhunderten wieder gezielt angehoben werden kann. Ziel der Ma\u00dfnahmen ist es, die nat\u00fcrliche Funktion des Moores wiederherzustellen, den Klimaschutz zu st\u00e4rken und seltene Tier- und Pflanzenarten zu f\u00f6rdern.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Staubauwerke erm\u00f6glichen gezielte Regelung des Wasserstandes<\/strong><\/p>\n<p>Kern der Renaturierung sind neue wasserbauliche Anlagen zur Steuerung des Wasserstandes. Zwei regelbare Staubauwerke, sogenannte \u201eM\u00f6nche\u201c, wurden in einem Entw\u00e4sserungsgraben installiert und erm\u00f6glichen es, den Wasserstand im Moor gezielt zu regulieren. Erg\u00e4nzend wurde ein Durchlass mit R\u00fcckstauklappe zwischen Moor und Behlendorfer See eingebaut. Dieser sorgt daf\u00fcr, dass Wasser bei hohem Seestand in das Moor einstr\u00f6men kann, w\u00e4hrend gleichzeitig verhindert wird, dass Wasser aus dem Moor in den See abflie\u00dft. Dar\u00fcber hinaus wurden in den bestehenden Gr\u00e4ben 25 Erdd\u00e4mme angelegt, die das Wasser zur\u00fcckhalten. Quellbereiche am S\u00fcdrand des Moores, also nat\u00fcrliche Austrittsstellen von Grundwasser, wurden \u00f6kologisch aufgewertet. Am Nordrand entstand zudem eine sogenannte Verrieselungsrinne, \u00fcber die zuflie\u00dfendes Wasser gleichm\u00e4\u00dfig in die Fl\u00e4che verteilt wird. Die Bauarbeiten erfolgten mit speziellen Moorbaggern, die aufgrund ihres sehr geringen Bodendrucks das empfindliche Torffundament sch\u00fctzen. W\u00e4hrend der gesamten Bauzeit wurde das Projekt fachlich durch eine \u00f6kologische Baubegleitung \u00fcberwacht.<\/p>\n<p><strong>Schrittweise Anhebung des Wasserstandes<\/strong><\/p>\n<p>Die Anhebung des Wasserstandes erfolgt schrittweise \u00fcber mehrere Jahre, um die Vegetation und die Gel\u00e4ndeform zu schonen. Ausgangswerte liegen derzeit bei 35 beziehungsweise 35,40 Metern \u00fcber dem Normalh\u00f6hennull, einem amtlichen Bezugssystem f\u00fcr H\u00f6henangaben in Deutschland. Angestrebt wird ein Wasserstand von 35,55 Metern \u00fcber Normalh\u00f6hennull, der dem durchschnittlichen Wasserstand des Behlendorfer Sees in den Jahren 2015 bis 2019 entspricht. Bis dieser Zielzustand erreicht ist, wird ein Zeitraum von mindestens zehn Jahren erwartet. Ein kontinuierliches Monitoring mit Messger\u00e4ten \u00fcberwacht die Entwicklung der Wasserst\u00e4nde, w\u00e4hrend in Abst\u00e4nden von drei bis f\u00fcnf Jahren Vegetationsuntersuchungen durchgef\u00fchrt werden, um den Erfolg der Ma\u00dfnahmen zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p><strong>Intakte Moore binden langfristig Kohlenstoff<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00f6kologische und klimatische Bedeutung der Wiedervern\u00e4ssung ist erheblich. Intakte Moore speichern gro\u00dfe Mengen Kohlenstoff, indem abgestorbene Pflanzenreste unter nassen Bedingungen zu Torf werden und nicht vollst\u00e4ndig zersetzt werden. Durch die fr\u00fchere Entw\u00e4sserung wurde dieser Prozess umgekehrt: Der Torf begann sich zu zersetzen, ein Vorgang, der als Mineralisation bezeichnet wird, und setzte dabei klimasch\u00e4dliche Treibhausgase frei. Durch die Wiedervern\u00e4ssung soll diese Freisetzung gestoppt und langfristig wieder Kohlenstoff im Moor gebunden werden. Gleichzeitig \u00fcbernimmt das Moor wichtige Funktionen f\u00fcr den Naturhaushalt, indem es Hochwasser abpuffert, N\u00e4hrstoffe filtert und das lokale Klima verbessert. Mit der R\u00fcckkehr h\u00f6herer Wasserst\u00e4nde wird au\u00dferdem erwartet, dass typische Moorpflanzen wie Torfmoose wieder wachsen und seltene Arten neuen Lebensraum finden.<\/p>\n<p><strong>Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein unterts\u00fctzt das Projekt finanziell<\/strong><\/p>\n<p>Das Projekt wurde von der Hansestadt L\u00fcbeck als Eigent\u00fcmerin der Fl\u00e4chen initiiert und gemeinsam mit dem Verein Natur Plus als Antragsteller f\u00fcr die wasserrechtliche Genehmigung umgesetzt. Die finanziellen Mittel stellte die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein aus dem Moorschutzfonds des Landes bereit. Die fachliche Planung \u00fcbernahm das Planungsb\u00fcro Mordhorst-Bretschneider GmbH. Die Genehmigung wurde durch die Untere Wasserbeh\u00f6rde des Kreises Herzogtum Lauenburg erteilt, w\u00e4hrend die Untere Naturschutzbeh\u00f6rde das naturschutzrechtliche Einvernehmen sicherstellte. Unterst\u00fctzt wurde das Vorhaben zudem durch die Integrierte Station Lauenburgische Landschaften. Insgesamt umfasst das Projektgebiet 78 Hektar, von denen 24 Hektar aktiv bearbeitet wurden. Die Baukosten beliefen sich auf rund 46.000 Euro.<\/p>\n<p><strong>Geschichtlicher Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Das Behlendorfer Moor entstand nach der letzten Eiszeit, der sogenannten Weichseleiszeit, in einem Toteisloch, also einer Senke, die durch schmelzendes Eis gebildet wurde. Historische Karten belegen, dass das Gebiet bis ins 18. Jahrhundert ein intaktes Moor war. Sp\u00e4testens ab dem Jahr 1751 wurde es jedoch durch den sogenannten Papierm\u00fchlengraben systematisch entw\u00e4ssert. Mit dem Bau des Elbe-L\u00fcbeck-Kanals um 1900 wurde dieser Graben zus\u00e4tzlich um etwa 75 Zentimeter vertieft, wodurch sich die Entw\u00e4sserung weiter verst\u00e4rkte. In der Folge trocknete der Torf, also der im Moor gespeicherte, nur teilweise zersetzte Pflanzenrest, aus und sackte zusammen. Typische Moorpflanzen verschwanden weitgehend und wurden durch Birkenbest\u00e4nde und Farne ersetzt. Seit dem Jahr 2020 dokumentierten Messger\u00e4te, sogenannte Datenlogger, dauerhaft abgesenkte Grundwasserst\u00e4nde und belegten damit den dringenden Bedarf f\u00fcr eine Renaturierung.<\/p>\n<p>Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung eines \u00f6kologisch wertvollen Lebensraums im Stadtwald L\u00fcbeck gelungen.<\/p>\n<p>Weitere Infos zur Ma\u00dfnahme sind online abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.luebeck.de\/waldmoor\">www.luebeck.de\/waldmoor.<\/a><\/p>\n<p>Foto: HL<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24 Hektar Moorfl\u00e4che im Stadtwald L\u00fcbeck werden nach Jahrhunderten der Entw\u00e4sserung renaturiert. Die Wiedervern\u00e4ssung des Behlendorfer Waldmoors im Stadtwald L\u00fcbeck<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":458308,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[10,8],"tags":[27964],"class_list":["post-458307","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lubeck-lupe","category-flora-fauna-wasser","tag-wasserstand-im-behlendorfer-waldmoor-wird-angehoben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/458307","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=458307"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/458307\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":458309,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/458307\/revisions\/458309"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/458308"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=458307"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=458307"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=458307"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}