{"id":45934,"date":"2011-10-19T17:08:44","date_gmt":"2011-10-19T15:08:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=45934"},"modified":"2011-10-19T16:09:29","modified_gmt":"2011-10-19T14:09:29","slug":"45934","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/45934\/","title":{"rendered":"Benefizkonzert f\u00fcr Japan in L\u00fcbeck"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Soiree. Nach einf\u00fchrenden Worten Tadahiro Masujimas wurde am letzten Dienstag im gut gef\u00fcllten Gro\u00dfen Saal der Musikhochschule L\u00fcbeck ein Benefizkonzert f\u00fcr Japan geboten. Am Anfang der Veranstaltung stand die Orgelsymphonie fis-Moll op.28 von Louis Vierne (1870-1937).<br \/>\nObgleich Vierne um das Jahr 1911 von menschlichen und beruflichen Schicksalsschl\u00e4gen heimgesucht wurde, war auch in dieser Zeit seine Schaffenskraft ungebrochen. Die in dieser schwierigen Lebensphase entstandene 3.Symphonie zeichnet sich durch eine gro\u00dfe stilistische und formale Geschlossenheit aus. Wenngleich die Themen der einzelnen S\u00e4tze (Allegro maestoso, Cantilene, Intermezzo, Adagio, Final) ausgesprochen individuelle Charakterz\u00fcge tragen und auf den ersten Blick voneinander unabh\u00e4ngig sind, erkennt man in ihren Kopfmotiven doch eine allen gemeinsame Intervallstruktur.<!--more-->Vierne arbeitete an der Komposition vom 18.Mai bis zum 14.September 1911. Er widmete das Werk Marcel Dupre, der Vierne im Sommer desselben Jahres in sein Haus nach Saint-Valery-en-Caux eingeladen hatte. Der junge Dupre spielte am 12.M\u00e4rz 1912 die Urauff\u00fchrung des technisch anspruchsvollen St\u00fccks in der Pariser Salle Gaveau.<br \/>\nArvid Gast spielte dabei virtuos und brillant an der Orgel.<br \/>\nEs folgte die Sonate f\u00fcr Klavier und Klarinette von Francis Poulenc (1899-1963).<br \/>\nFrancis Poulenc geh\u00f6rte zu der franz\u00f6sischen &#8222;Groupe des six&#8220;. Sie wollten allen romantischen Geist aus ihren Werken verbannen und das rechte Gleichgewicht von Gef\u00fchl und Vernunft wiederherstellen, das den franz\u00f6sischen Klassizismus kennzeichnet. Auf die Chromatik, das charakteristische Ausdrucksmittel der Sp\u00e4tromantik, sollte verzichtet werden, auch sollte man nicht Sch\u00f6nberg, &#8222;dem gewaltigen Musiker&#8220;, folgen, der &#8222;die Chromatik zu ihrer \u00e4u\u00dfersten Konsequenz der Atonalit\u00e4t&#8220; gef\u00fchrt habe. Es gelte dagegen, die diatonische Harmonik in ihre herrschende Stellung wieder einzusetzen. Sie bekr\u00e4ftige &#8222;die reine, feste Tonalit\u00e4t, das Grundprinzip der wahren Architektur&#8220;.<br \/>\nAn dieses Programm hielt sich von den Komponisten der &#8222;Gruppe der Sechs&#8220; strenggenommen nur Francis Poulenc (1899-1963), der mit seinen formklaren Kammermusiken wie z.B. der Sonate mit Klarinette (1962) die Bl\u00e4serliteratur um unsentimentale, ironisch-geistreiche St\u00fccke bereichert hat.<br \/>\nTaira Kaneko (Klarinette) und Yoko Yamada (Klavier) gestalteten die Sonate mit viel Verve und Esprit.<br \/>\nEs folgte ein intellektuelles, akrobatisches und artifizielles &#8222;Solo f\u00fcr Thomas&#8220;- &#8222;Essay f\u00fcr Violine solo&#8220; mit Vera Schmidt (Violine) von Dieter Mack (geb.1954).<br \/>\nAm Ende des ersten Teils des karitativen Events standen die drei Romanzen f\u00fcr Oboe und Klavier op.94 von Robert Schumann (1810-1856).<br \/>\nDas letzte Opus der Dresdner Zeit sind die drei Romanzen op.94 f\u00fcr Oboe mit Begleitung des Klaviers, die im Dezember 1849 komponiert wurden. Auf die Frage seines Verlegers Simrock, ob man nicht dem Publikumsgeschmack entsprechen und auf dem Titelblatt die Oboenstimme auch ad libitum f\u00fcr Klarinette anzeigen k\u00f6nne, antwortete Schumann ver\u00e4rgert: &#8222;Wenn ich originaliter f\u00fcr Klarinette und Klavier komponiert h\u00e4tte, w\u00fcrde wohl etwas ganz anderes geworden sein. Es tut mir sehr leid, aber ich kann nicht anders.&#8220;<br \/>\nDiethelm Jonas, Oboe, und Konstanze Eickhorst,Klavier, gestalteten den Klangzauber der faszinierenden Sonate ausdrucksvoll und intensiv.<br \/>\nNach der Pause folgten St\u00fccke von Toshio Hosokawa (geb.1955), Michio Miyagi (1894-1956) und Genta Horigome in der Bearbeitung von Nobuaki Nobusawa.<br \/>\nDer Chor der Singeleiter L\u00fcbeck unter der Leitung Darko Bunderlas pr\u00e4sentierte dann ein japanisches Volkslied aus Hokkaido in der Bearbeitung Osamu Shimizus und &#8222;Furusato&#8220; von Teiichi Okano (1878-1941) in der Bearbeitung Lee aBes, wobei japanische Studierende und Mitwirkende, Tadahiro Masujima (Tenor) und Natali Shibukawa (Klavier) die japanische Wesensschau und das japanische Seelenleben subtil zum Ausdruck brachten. Au\u00dferdem bot die junge Sofia Kusanowa leidenschaftlich und hingebungsvoll &#8222;Teru no Uta&#8220; von Aoi Teshima (geb.1987) aus dem Film &#8222;Die Chroniken von Erdsee&#8220;.<br \/>\nAlle Akteure wurden schlie\u00dflich bei dieser beachtlichen Veranstaltung von den zahlreichen Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern mit langanhaltendem Beifall bedacht.<br \/>\nLutz Gallinat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Soiree. 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