{"id":461512,"date":"2026-08-03T20:30:39","date_gmt":"2026-08-03T18:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=461512"},"modified":"2026-08-03T20:30:39","modified_gmt":"2026-08-03T18:30:39","slug":"stressdiagnosen-bei-berufstaetigen-auf-hoechststand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/stressdiagnosen-bei-berufstaetigen-auf-hoechststand\/","title":{"rendered":"Stressdiagnosen bei Berufst\u00e4tigen auf H\u00f6chststand"},"content":{"rendered":"<p>Foto: Gemini KI generiert_(c) TBF \u00b7 Warum modernes Arbeiten ersch\u00f6pfen kann \u2013 KKH-Expertin: Klare Regeln im Job essenziell.<\/p>\n<p>Hannover, 3. August 2026 \u2013 Berufst\u00e4tige sind im vergangenen Jahr so h\u00e4ufig wie noch nie wegen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsst\u00f6rungen im Job ausgefallen: Laut Daten der KKH Kaufm\u00e4nnische Krankenkasse kamen 2025 aufgrund dieser Diagnose knapp 119 Krankentage auf 100 Versicherte.<!--more--><\/p>\n<p>Zum Vergleich: Im Vorjahr 2024 fehlten Arbeitnehmer:innen rund 112 Tage wegen derartiger Belastungen, die h\u00e4ufig durch Dauerstress und anhaltenden mentalen Druck entstehen. Zu Beginn der KKH-Analyse 2017 waren es noch rund 66 Tage. Im Vergleich zu 2025 bedeutet das einen Anstieg um fast 80 Prozent.<\/p>\n<p>Und nicht nur das: Akute Belastungsreaktionen und Anpassungsst\u00f6rungen k\u00f6nnen die Vorstufe einer Depression sein. 2025 waren sie die h\u00e4ufigste psychische Diagnose bei Berufst\u00e4tigen und der dritth\u00e4ufigste Krankschreibungsgrund \u00fcberhaupt \u2013 gleich hinter Infektionen der oberen Atemwege und R\u00fcckenschmerzen.<\/p>\n<p>Doch was ist es, was Berufst\u00e4tige mental immer st\u00e4rker zu belasten scheint? Neben privaten sowie g\u00e4ngigen beruflichen Stressoren wie etwa einem zu hohen Arbeitspensum und st\u00e4ndigen \u00dcberstunden, einem geringen Gehalt und Existenz\u00e4ngsten oder Konflikten mit Kolleg:innen und Vorgesetzten misst KKH-\u00c4rztin Aileen K\u00f6nitz der modernen Arbeitsweise mit Laptop und Smartphone ebenfalls eine Rolle zu.<\/p>\n<p>Damit einher geht die Frage: Bedeuten mobiles Arbeiten und zeitliche Flexibilit\u00e4t wirklich Freiheit oder Druck durch permanente Selbstorganisation und Verantwortung ohne klare Grenzen? \u201eIch bezeichne es gern als den unsichtbaren Stress der Unklarheit\u201c, sagt die KKH-Expertin f\u00fcr psychiatrische Fragen. \u201eModerne Arbeit kann ersch\u00f6pfen, obwohl sie flexibler geworden ist. Arbeit stresst heute nicht nur, weil sie grunds\u00e4tzlich als zu viel erlebt wird, sondern auch, weil vieles unentschieden, diffus und ungekl\u00e4rt bleibt.<\/p>\n<p>Nicht nur die Arbeit selbst setzt viele Menschen unter Druck, sondern das permanente Interpretieren: Wer ist zust\u00e4ndig? Was wird erwartet? Was darf ich ablehnen? Muss ich nonstop erreichbar sein? Wann ist etwas genug? Auf welchem Kanal soll ich kommunizieren?\u201c, erl\u00e4utert K\u00f6nitz.<\/p>\n<p>Flexibles Arbeiten kann also dann Stress ausl\u00f6sen, wenn klare Regeln fehlen, wenn Zust\u00e4ndigkeiten, Priorit\u00e4ten oder Erwartungen unausgesprochen bleiben und die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen. \u201eDiese st\u00e4ndige Unklarheit kann es erschweren, sich nach der Arbeit gedanklich zu distanzieren und zur Ruhe zu kommen. Auf Dauer kann dies zu Anspannung und mentaler Ersch\u00f6pfung f\u00fchren\u201c, sagt die Expertin.<\/p>\n<p><strong>,Fragmentiertes\u2018 Arbeiten \u2013 Top oder Flop?<\/strong><\/p>\n<p>Die Mittagspause f\u00fcr den Hausputz oder das Fitnessstudio verl\u00e4ngern, nachmittags die Kinder zum Sport begleiten und daf\u00fcr abends nochmal f\u00fcr ein paar Stunden den Laptop aufklappen \u2013 in vielen F\u00e4llen tr\u00e4gt diese Flexibilit\u00e4t zu einer besseren Work-Life-Balance bei. Diese sogenannte Arbeitszeitfragmentierung, sprich das Aufbrechen des Arbeitstages in mehrere kurze Phasen, kann aber auch zu einem st\u00e4rkeren Zeit- und Leistungsdruck f\u00fchren. Denn: Ein h\u00e4ufiger Wechsel zwischen Arbeit und Privatleben bedingt zum einen, dass die damit einhergehenden unterschiedlichen Rollen einmal mehr Zeit und Energie kosten k\u00f6nnen. Zum anderen entstehen durch eine Ausweitung der Arbeitszeit auf die Abendstunden verk\u00fcrzte Ruhezeiten und ein l\u00e4ngerer w\u00f6chentlicher Arbeitszeitrahmen. Das kann kurzfristig die Konzentrations- und Leistungsf\u00e4higkeit, den Schlaf und das Wohlbefinden insgesamt beeinflussen und langfristig sogar schwerere gesundheitliche Probleme wie Belastungsreaktionen, chronische Ersch\u00f6pfung und einen Burnout nach sich ziehen.<\/p>\n<p><strong>Care-Arbeit ist keine Pause!<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas Aufweichen von Arbeitszeitgrenzen und die M\u00f6glichkeit, die Arbeitszeit f\u00fcr private Verpflichtungen zu unterbrechen, kann zwar grunds\u00e4tzlich die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben f\u00f6rdern. Das tr\u00e4gt aber nur dann zu einer besseren Work-Life-Balance bei, wenn die Rahmenbedingungen klar definiert sind\u201c, erl\u00e4utert Aileen K\u00f6nitz.<\/p>\n<p>\u201eDas gilt vor allem, wenn Berufst\u00e4tige ihren Job zugunsten von Care-Arbeit f\u00fcr die Familie unterbrechen. Denn dann machen sie keine Erholungspause, sondern arbeiten unbezahlt weiter.\u201c Unternehmen sollten daher klare Strukturen schaffen, an denen sich Arbeitnehmer:innen orientieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren verbindliche zeitliche Obergrenzen f\u00fcr die Arbeitstage und klare Regeln f\u00fcr Ruhezeiten im Job. F\u00fchrungskr\u00e4fte k\u00f6nnen die Erholung von Mitarbeitenden f\u00f6rdern, indem sie Pausen und freie Zeiten bewusst respektieren. Um eine st\u00e4ndige Erreichbarkeit zu vermeiden, sind au\u00dferdem klare Kommunikationsregeln wichtig. Dazu geh\u00f6rt etwa, den Austausch auf bestimmte Zeiten und Kan\u00e4le zu begrenzen.<\/p>\n<p>Berufst\u00e4tige k\u00f6nnen dar\u00fcber hinaus auch selbst viel dazu beitragen, flexibles Arbeiten positiv zu nutzen und sich vor den negativen Folgen zu sch\u00fctzen. Dazu geh\u00f6ren etwa feste Arbeits- und Pausenzeiten, die eine klare Trennung zwischen Job, Familie und Freizeit erm\u00f6glichen, sowie das bewusste Abschalten digitaler Ger\u00e4te nach Feierabend. F\u00fcr die eigene Gesundheit seien zudem regelm\u00e4\u00dfige Bewegung, Entspannungstechniken und soziale Aktivit\u00e4ten wichtig, betont Aileen K\u00f6nitz. Diese tr\u00fcgen zu einem gesunden Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben und somit auch zum Stressabbau bei.<\/p>\n<p>Wem besonders das Nein-Sagen und damit das Setzen von gesunden Grenzen schwerf\u00e4llt, findet im Zuge eines neuen KKH-Online-Coachings Unterst\u00fctzung:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/blog\/persoenlichkeit\/grenzen-setzen\">Grenzen setzen ohne Schuldgef\u00fchle \u2013 du musst nicht Everybody\u2019s Darling sein | KKH<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Dar\u00fcber hinaus h\u00e4lt die KKH sowohl f\u00fcr ihre Versicherten als auch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsf\u00f6rderung weitere Pr\u00e4ventionsangebote zur Stressreduktion im Alltag und am Arbeitsplatz bereit:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/firmenkunden\/gesundheit-betrieb\/themenwelten\/stress\">Stresspr\u00e4vention &amp; Stressbew\u00e4ltigung am Arbeitsplatz | KKH<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/leistungen\/praevention-vorsorge\/individuelle-praevention\/stress-entspannung\">Stressbew\u00e4ltigung &amp; Entspannung | KKH<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Hinweis f\u00fcr die Redaktionen<\/strong>: Grafiken zum Thema finden Sie unter <a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/presse\/pressemeldungen\/au-daten-f43\">Stressdiagnosen bei Berufst\u00e4tigen auf H\u00f6chststand | KKH<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Hintergrundinformationen<\/strong><\/p>\n<p>Ausgewertet wurde die Zahl der Kalendertage mit \u00e4rztlichem Attest von pflichtversicherten und freiwillig versicherten Mitgliedern der KKH Kaufm\u00e4nnische Krankenkasse mit Krankengeldanspruch aufgrund der Diagnose F43, vornehmlich F43.0 (akute Belastungsreaktion) und F43.2 (Anpassungsst\u00f6rungen) nach ICD-10, neu f\u00fcr das Jahr 2025 \u2013 ohne Arbeitslose und Rentner. Der einfacheren Lesbarkeit halber wird in der Pressemeldung teils nur von Stressdiagnosen, Belastungsreaktionen oder stressbedingten Belastungen gesprochen.<\/p>\n<p>Genannt sind die Fehltage pro 100 Versichertenjahre, also pro 100 Mitglieder, die im gesamten Auswertungszeitraum (jeweiliges Jahr) bei der KKH versichert waren. Teils wird der Einfachheit halber von 100 Versicherten beziehungsweise 100 Berufst\u00e4tigen oder Arbeitnehmer:innen gesprochen.<\/p>\n<p>Mit rund 1,5 Millionen Versicherten, einem Haushaltsvolumen von rund 8,7 Milliarden Euro und rund 4.000 Mitarbeitenden z\u00e4hlt die KKH Kaufm\u00e4nnische Krankenkasse als eine der gr\u00f6\u00dften bundesweiten Krankenkassen zu den leistungsstarken Tr\u00e4gern der gesetzlichen Krankenversicherung. N\u00e4here Informationen erhalten Sie unter <a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/unternehmen\/kurzportraet\">kkh.de\/presse\/portraet<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Gemini KI generiert_(c) TBF \u00b7 Warum modernes Arbeiten ersch\u00f6pfen kann \u2013 KKH-Expertin: Klare Regeln im Job essenziell. 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