{"id":461935,"date":"2026-08-20T17:55:09","date_gmt":"2026-08-20T15:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=461935"},"modified":"2026-08-20T17:55:09","modified_gmt":"2026-08-20T15:55:09","slug":"als-luebeck-1946-nur-knapp-einer-katastrophe-entging","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/als-luebeck-1946-nur-knapp-einer-katastrophe-entging\/","title":{"rendered":"Als L\u00fcbeck 1946 nur knapp einer Katastrophe entging"},"content":{"rendered":"<p>Foto: \u00a9 HL Blick auf die L\u00fcbecker Wallhalbinsel \u00b7 Vor 80 Jahren verhinderten drei britische Soldaten vermutlich die Zerst\u00f6rung gro\u00dfer Teile der Hansestadt. Ein Sommertag, der alles h\u00e4tte ver\u00e4ndern k\u00f6nnen: <!--more-->Der 20. August 1946 begann wie ein gew\u00f6hnlicher Sommertag. Doch innerhalb weniger Sekunden wurde er zu einem Datum, das die Geschichte L\u00fcbecks beinahe f\u00fcr immer ver\u00e4ndert h\u00e4tte.<br \/>\nAm Wallhafen ersch\u00fctterte eine gewaltige Explosion die Stadt. W\u00e4hrend der Verladung von Munition rutschte eine Fliegerbombe aus der Hebeschlinge eines Krans und detonierte. <!--more-->Acht Hafenarbeiter verloren ihr Leben, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Rauch stieg \u00fcber dem Hafen auf, Tr\u00fcmmer wurden durch die Luft geschleudert. F\u00fcr die Menschen vor Ort war die Katastrophe bereits Wirklichkeit geworden. Doch das eigentliche Ausma\u00df der Gefahr wurde erst in den Stunden danach sichtbar.<\/p>\n<p><strong>Die unsichtbare Bedrohung<\/strong><br \/>\nIn unmittelbarer N\u00e4he der Ungl\u00fccksstelle auf dem Wallhafenkai standen zwei G\u00fcterz\u00fcge mit Tausenden weiteren Sprengk\u00f6rpern bereit, ihre gef\u00e4hrliche Fracht sollte auf Klappschuten verladen und zur Versenkung in die Ostsee gebracht werden. Nach heutigen Erkenntnissen befanden sich dort mehr als 30 Tonnen hochexplosiver Sprengstoff.<\/p>\n<p>W\u00e4re es zu einer Kettenreaktion gekommen, h\u00e4tten weite Teile der L\u00fcbecker Altstadt, die Untertrave und angrenzende Stadtgebiete verw\u00fcstet werden k\u00f6nnen. Die Folgen f\u00fcr die ohnehin vom Krieg gezeichnete Stadt w\u00e4ren kaum absehbar gewesen.<br \/>\nL\u00fcbecks Zukunft hing pl\u00f6tzlich an einem seidenen Faden.<\/p>\n<p><strong>Drei M\u00e4nner gegen die Zeit<\/strong><br \/>\nIn dieser Situation trafen drei britische Soldaten am Wallhafen ein: der Bombenentsch\u00e4rfer Hubert Dinwoodie sowie seine Kameraden Roland Norman Garred und John William Hatton, sie waren als Experten f\u00fcr die Entsch\u00e4rfung von Bomben angefordert worden. Schnell wurde deutlich, dass mindestens elf weitere Bomben akut explosionsgef\u00e4hrdet waren.<\/p>\n<p>Bereits kleinste Ersch\u00fctterungen h\u00e4tten gen\u00fcgt, um eine erneute Detonation auszul\u00f6sen. Den M\u00e4nnern blieb kaum Zeit f\u00fcr Abw\u00e4gungen. Sie entschieden sich f\u00fcr einen Einsatz, dessen Risiko kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen war.<\/p>\n<p>\u201eTrotz dieser Gefahr entschieden sich die M\u00e4nner f\u00fcr einen Einsatz, der selbst erfahrene Milit\u00e4rs sprachlos machte. Sie transportierten die hochsensiblen Bomben einzeln von Hand auf ein Boot, brachten sie aus dem Stadtgebiet heraus und machten sie anschlie\u00dfend unsch\u00e4dlich\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Dirk Rieger, Leiter des Bereichs Arch\u00e4ologie und Denkmalpflege der Hansestadt L\u00fcbeck.<\/p>\n<p>Vier Tage lang arbeiteten die Soldaten unter Bedingungen, bei denen jeder Handgriff der letzte h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Hubert Dinwoodie und Norman Garred erhielten sp\u00e4ter in England hohe Auszeichnungen f\u00fcr ihre couragierte Tat.<\/p>\n<p><strong>Eine Geschichte, die fast vergessen wurde<\/strong><br \/>\n\u201eMit ihrem Einsatz verhinderten sie vermutlich eine der schwersten Nachkriegskatastrophen Norddeutschlands\u201c, sagt Pascal Stra\u00dfer, Koordinator der Fachstelle Erinnerungskultur im Kulturb\u00fcro der Hansestadt L\u00fcbeck.<\/p>\n<p>Dennoch geriet die Geschichte \u00fcber Jahrzehnte weitgehend in Vergessenheit. Erst die akribische Recherche der Britin Barbara Tull erm\u00f6glichte es, die dramatischen Ereignisse von damals Schritt f\u00fcr Schritt zu rekonstruieren. Barbara Tull ist die Tochter von Sergeant Roy Tull, der als Mitglied der Royal Air Force 1945 in L\u00fcbeck f\u00fcr die Verklappung der Weltkriegsmunition verantwortlich war.<\/p>\n<p>Sie stellte dem Museum f\u00fcr Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz die Unterlagen ihres Vaters sowie Dokumente von Peter Savage, dem Enkel des Bombenentsch\u00e4rfers Hubert Dinwoodie, zur Verf\u00fcgung. Sie bildeten eine wichtige Grundlage f\u00fcr die weiteren Recherchen des Museumsteams und die Sonderausstellung \u201eMunition im Meer \u2013 das explosive Erbe\u201c. So kehrt jetzt, 80 Jahre sp\u00e4ter, diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichte zur\u00fcck ins \u00f6ffentliche Bewusstsein.<\/p>\n<p><strong>Mut, Verantwortung und Menschlichkeit<\/strong><br \/>\nDie Ereignisse des 20. August 1946 sind weit mehr als ein Kapitel der L\u00fcbecker Stadtgeschichte. Sie erz\u00e4hlen von Verantwortung, Menschlichkeit und au\u00dfergew\u00f6hnlichem Mut in einer Zeit des Wiederaufbaus.<\/p>\n<p>Vor allem aber erinnern sie daran, wie knapp die Hansestadt einer verheerenden Zerst\u00f6rung entging. Ohne den selbstlosen Einsatz von Hubert Dinwoodie, Roland Norman Garred und John William Hatton w\u00fcrde das Gesicht L\u00fcbecks heute m\u00f6glicherweise anders aussehen. Auch das einzigartige historische Stadtbild, das heute zum UNESCO-Welterbe geh\u00f6rt, h\u00e4tte in seiner heutigen Form wom\u00f6glich nicht erhalten werden k\u00f6nnen.<br \/>\nMit dem Gedenken an die drei Soldaten und die Opfer der Explosion bewahrt die Hansestadt L\u00fcbeck die Erinnerung an Menschen, deren Handeln das Schicksal einer ganzen Stadt beeinflusste.<br \/>\n<strong><br \/>\nGedenkveranstaltung am historischen Ort<\/strong><br \/>\nAnl\u00e4sslich des 80. Jahrestages fand am 20. August 2026 eine Gedenkveranstaltung am historischen Ort des Geschehens im Wallhafen statt, bei der die Opfer der Explosion sowie die Leistungen der drei britischen Soldaten gew\u00fcrdigt wurden.<br \/>\nEs nahmen Vertreter:innen der Hansestadt L\u00fcbeck, des Regionalmuseums Scharbeutz sowie Nachkommen der beteiligten britischen Soldaten teil. Die Veranstaltung setzte ein Zeichen f\u00fcr Erinnerung, Vers\u00f6hnung und die Bewahrung eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kapitels der L\u00fcbecker Stadtgeschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: \u00a9 HL Blick auf die L\u00fcbecker Wallhalbinsel \u00b7 Vor 80 Jahren verhinderten drei britische Soldaten vermutlich die Zerst\u00f6rung gro\u00dfer<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":461936,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[20,10,14],"tags":[28748],"class_list":["post-461935","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-besondere-neuigkeiten","category-lubeck-lupe","category-tipps-informationen","tag-als-luebeck-1946-nur-knapp-einer-katastrophe-entging"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=461935"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461935\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":461937,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461935\/revisions\/461937"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/461936"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=461935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=461935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=461935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}