{"id":462715,"date":"2026-09-14T18:55:52","date_gmt":"2026-09-14T16:55:52","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=462715"},"modified":"2026-09-14T18:55:52","modified_gmt":"2026-09-14T16:55:52","slug":"gut-gedacht-nicht-gut-gemacht-viele-pflichten-treffen-die-unternehmen-gleichzeitig-ernaehrungswirtschaft-fordert-belastungscheck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/gut-gedacht-nicht-gut-gemacht-viele-pflichten-treffen-die-unternehmen-gleichzeitig-ernaehrungswirtschaft-fordert-belastungscheck\/","title":{"rendered":"Gut gedacht \u2013 nicht gut gemacht Viele Pflichten treffen die Unternehmen gleichzeitig: Ern\u00e4hrungswirtschaft fordert Belastungscheck"},"content":{"rendered":"<p>Bild: Gemini KI generiert_(c) TBF \u00b7 AMV und pro agro warnen vor einem dichten Umsetzungskalender \u2013 Politik muss die Gesamtwirkung auf mittelst\u00e4ndische Hersteller pr\u00fcfen<\/p>\n<p><strong>Nicht eine einzelne Vorschrift, sondern die Gleichzeitigkeit neuer Pflichten wird f\u00fcr viele Lebensmittelhersteller zum Problem. <\/strong>Innerhalb weniger Monate m\u00fcssen Unternehmen Vorgaben zu Verpackungen, Umweltaussagen, entwaldungsfreien Lieferketten, Cybersicherheit und Tierhaltungskennzeichnung umsetzen. Zugleich steigen Arbeitskosten, w\u00e4hrend Energie, Rohstoffe und Logistik auf hohem Niveau belasten. <!--more-->Die Marketinggesellschaft der Agrar- und Ern\u00e4hrungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V. (AMV) und pro agro e.V., der Agrarmarketingverband des Landes Brandenburg, fordern deshalb einen verbindlichen Belastungscheck, der die Gesamtwirkung aller Ma\u00dfnahmen auf kleine und mittlere Betriebe pr\u00fcft.<\/p>\n<p>Der Umsetzungskalender ist bereits voll<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Verpackungsverordnung PPWR ist seit dem 12. August 2026 grunds\u00e4tzlich anzuwenden; weitere Anforderungen folgen gestaffelt. Am 27. September greifen die neuen EmpCo-Regeln gegen irref\u00fchrende Umweltaussagen. F\u00fcr gro\u00dfe und mittlere Unternehmen beginnt am 30. Dezember 2026 die Anwendung der EU-Entwaldungsverordnung bei relevanten Rohstoffen wie Rind, Kakao, Kaffee, Palm\u00f6l und Soja. F\u00fcr die meisten kleinen und Kleinstunternehmen folgt sie am 30. Juni 2027.<\/p>\n<p>Zum 1. Januar 2027 startet zugleich die Pflicht zur staatlichen Tierhaltungskennzeichnung, zun\u00e4chst f\u00fcr frisches Schweinefleisch. Am selben Tag steigt der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 auf 14,60 Euro je Stunde. Bereits seit Dezember 2025 gelten die deutschen NIS2-Vorgaben zur Cybersicherheit. Das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik geht bundesweit von rund 1.782 betroffenen Einrichtungen in Produktion, Verarbeitung und Vertrieb von Lebensmitteln aus.<\/p>\n<p><em>\u201eUnsere Betriebe haben nicht eine neue Aufgabe auf dem Tisch, sondern mehrere gleichzeitig. Verpackung, Cybersicherheit, Lieferketten, Kennzeichnung und Lohnanpassungen beanspruchen dieselben knappen Fachkr\u00e4fte und dieselbe Liquidit\u00e4t. Wer jede Regel nur f\u00fcr sich bewertet, untersch\u00e4tzt die tats\u00e4chliche Belastung.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Tobias Bl\u00f6mer, Vorsitzender des AMV <\/strong><br \/>\nKosten und Aufw\u00e4nde entstehen an mehreren Stellen<br \/>\nLebensmittelhersteller m\u00fcssen Verpackungen und Etiketten pr\u00fcfen, Lieferantendaten beschaffen, IT-Systeme anpassen, Nachweise dokumentieren und Besch\u00e4ftigte schulen. Kleine und mittlere Betriebe verf\u00fcgen daf\u00fcr meist nicht \u00fcber eigene Abteilungen. H\u00e4ufig greifen dieselben Mitarbeiter parallel mehrere neue Regelwerke auf, w\u00e4hrend sie das Tagesgesch\u00e4ft absichern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Externe Beratung, neue Software und technische Umstellungen erh\u00f6hen den Aufwand zus\u00e4tzlich. Fraglich bleibt zudem, ob die Umsetzung aller Verordnungen bis hinunter zum kleinsten regionalen Produzenten und Vermarkter wirklich zielf\u00fchrend ist und noch der Intention der neuen Regelungen dient. Die bisherigen Anstrengungen und Erfolge im Bereich Marketing und Vertrieb und damit auch in der Sichtbarmachung regionaler Produktion und Wertsch\u00f6pfung d\u00fcrfen hierdurch nicht konterkariert werden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein enger wirtschaftlicher Spielraum. H\u00f6here L\u00f6hne wirken nicht nur auf Besch\u00e4ftigte im Mindestlohnbereich, sondern auf die gesamte Entgeltstruktur. Steigende Kraftstoffpreise verteuern Transporte und Vorleistungen. Energieintensive K\u00fchlung, Erhitzung, Trocknung und Reinigung lassen sich nur begrenzt verschieben. K\u00f6nnen Hersteller diese Kosten im Handel nicht vollst\u00e4ndig weitergeben, fehlen Mittel f\u00fcr Modernisierung, Automatisierung und Energieeffizienz.<\/p>\n<p>Regionale Herkunft darf nicht zum Rechtsrisiko werden<\/p>\n<p>AMV und pro agro sehen besonderen Kl\u00e4rungsbedarf bei der Umsetzung der EmpCo-Regeln. Wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Herkunftsangaben wie \u201eaus Mecklenburg-Vorpommern\u201c oder \u201eaus Brandenburg\u201c werden nicht pauschal verboten. Unsicherheit kann jedoch entstehen, wenn regionale Zeichen, Namen oder Bildwelten zugleich als Aussage \u00fcber Umweltvorteile verstanden werden k\u00f6nnten. Bund und L\u00e4nder m\u00fcssen deshalb rechtzeitig erl\u00e4utern, wie \u00fcberpr\u00fcfbare regionale Herkunft weiterhin rechtssicher kommuniziert werden kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Netzwerke geht es dabei um gewachsene Vermarktungsstrukturen. Der AMV bringt seit mehr als 25 Jahren, pro agro seit fast 35 Jahren Hersteller mit Handel, Gastronomie und Gro\u00dfverbrauchern zusammen. Wenn Unternehmen aus Sorge vor Abmahnungen auf regionale Hinweise verzichten, verlieren kleinere Hersteller Sichtbarkeit und Handelspartner eine wichtige Orientierung bei der Sortimentsgestaltung.<\/p>\n<p>\u201eDie Ziele von Verbraucher-, Umwelt- und Cyberschutz stellen wir nicht infrage. Entscheidend ist aber, dass die Umsetzung dieser Regelungen nicht zu einer zus\u00e4tzlichen Wettbewerbsverzerrung zulasten kleiner und mittlerer Betriebe f\u00fchrt. B\u00fcrokratie darf diesen Betrieben nicht die Zeit und Kraft nehmen, die sie f\u00fcr ihre eigentliche Arbeit und den Wettbewerb um Marktanteile ben\u00f6tigen. Dabei muss regionale Herkunft weiterhin klar und rechtssicher sichtbar bleiben.&#8220;<br \/>\n<strong>Dorothee Berger, Vorsitzende von pro agro<br \/>\n<\/strong><br \/>\nNeue Abgaben nur nach belastbarer Folgenpr\u00fcfung<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich hat die Bundesregierung angek\u00fcndigt, ab 2028 eine Abgabe auf zuckerges\u00fc\u00dfte Getr\u00e4nke einzuf\u00fchren; ein konkretes Gesetz steht noch aus. Aus Sicht der Netzwerke darf eine solche Abgabe nicht losgel\u00f6st von den bereits laufenden Kosten- und Umstellungsprozessen beraten werden. Vor einer Entscheidung m\u00fcssen wirtschaftliche Auswirkungen, die erwartete Lenkungswirkung und realistische \u00dcbergangsfristen transparent gepr\u00fcft werden.<br \/>\nSechs Forderungen f\u00fcr eine umsetzbare Wirtschaftspolitik<\/p>\n<ul>\n<li>Vor neuen Gesetzen eine kumulative Belastungspr\u00fcfung durchf\u00fchren, die Kosten, Personalbedarf und Fristen f\u00fcr kleine und mittlere Lebensmittelhersteller realistisch abbildet.<\/li>\n<li>F\u00fcr PPWR, EmpCo, EUDR, NIS2 und Tierhaltungskennzeichnung einen abgestimmten Umsetzungsfahrplan mit verst\u00e4ndlichen Vollzugshinweisen vorlegen.<\/li>\n<li>Doppelte Nachweise vermeiden und bereits vorhandene Unternehmensdaten zwischen zust\u00e4ndigen Stellen nutzbar machen.<\/li>\n<li>\u00dcberpr\u00fcfbare regionale Herkunftsangaben rechtlich absichern und Unternehmen fr\u00fchzeitig vor Abmahn- und Haftungsrisiken sch\u00fctzen.<\/li>\n<li>Neue Steuern oder Abgaben nur nach transparenter Folgenabsch\u00e4tzung und mit ausreichenden \u00dcbergangsfristen einf\u00fchren.<\/li>\n<li>Bei kleineren regionalen Produzenten und Vermarktern pr\u00fcfen, ob die Umsetzung aller Verordnungen sinnvoll ist, und dort Ausnahmen vorsehen, wo sie nicht der Intention der Regelungen dient.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ausblick: Norddeutscher Ern\u00e4hrungsgipfel<\/p>\n<p>Wie sich Kosten, Marktver\u00e4nderungen und politische Vorgaben bereits auf die wirtschaftliche Lage der Betriebe auswirken, stellen AMV und pro agro am 24. September 2026 beim 9. Norddeutschen Ern\u00e4hrungsgipfel im Hotel Neptun in Rostock-Warnem\u00fcnde vor. Dort werden die Ergebnisse aktueller, getrennt durchgef\u00fchrter Unternehmensbefragungen aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<p>\u00dcber die Netzwerke<\/p>\n<p>Der <strong>AMV<\/strong> ist das Branchennetzwerk der Agrar- und Ern\u00e4hrungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Er verbindet seit \u00fcber 25 Jahren Hersteller, Handel, Dienstleister, Wissenschaft und Politik und unterst\u00fctzt Marktzugang, Absatzf\u00f6rderung, Kooperation und Wissenstransfer.<\/p>\n<p>Der Verband<strong> pro agro<\/strong> engagiert sich seit fast 35 Jahren f\u00fcr die Vernetzung und Vermarktung von Brandenburger Angeboten und Dienstleistungen aus den Bereichen Agrar- und Ern\u00e4hrungswirtschaft sowie Land- und Naturtourismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: Gemini KI generiert_(c) TBF \u00b7 AMV und pro agro warnen vor einem dichten Umsetzungskalender \u2013 Politik muss die Gesamtwirkung<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":462716,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[28926],"class_list":["post-462715","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-wirtschaft","tag-gut-gedacht-nicht-gut-gemacht-viele-pflichten-treffen-die-unternehmen-gleichzeitig-ernaehrungswirtschaft-fordert-belastungscheck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/462715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=462715"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/462715\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":462717,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/462715\/revisions\/462717"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/462716"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=462715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=462715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=462715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}