{"id":462809,"date":"2026-09-16T18:41:30","date_gmt":"2026-09-16T16:41:30","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=462809"},"modified":"2026-09-16T18:41:30","modified_gmt":"2026-09-16T16:41:30","slug":"wwf-uebergibt-naturschutzflaechen-kostenlos-an-die-hansestadt-luebeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wwf-uebergibt-naturschutzflaechen-kostenlos-an-die-hansestadt-luebeck\/","title":{"rendered":"WWF \u00fcbergibt Naturschutzfl\u00e4chen kostenlos an die Hansestadt L\u00fcbeck"},"content":{"rendered":"<p>Foto: Frank Hecker \u00b7 Gemeinsames Engagement f\u00fcr Kraniche, Moore und artenreiche Wiesen seit \u00fcber 50 Jahren.<\/p>\n<p>Der WWF und der Bereich Stadtwald der Hansestadt L\u00fcbeck blicken auf eine jahrzehntelange Partnerschaft f\u00fcr den Naturschutz zur\u00fcck. Jetzt setzen beide ein weiteres Zeichen: Der WWF \u00fcbergibt seine Eigentumsfl\u00e4chen im Lauenburgischen kostenlos an den L\u00fcbecker Stadtwald. Damit soll die langfristige Sicherung der bereits erreichten \u00f6kologischen Erfolge erleichtert und neuen Projekten der Weg bereitet werden.<!--more--><\/p>\n<p>Landwirtschaftliche Fl\u00e4chen werden heute vielerorts zunehmend intensiv genutzt. Die moderne Kulturlandschaft im l\u00e4ndlichen Raum unterliegt wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen und bietet vielen Tier- und Pflanzenarten l\u00e4ngst keinen Lebensraum mehr. Umso wertvoller sind Projekte, die inmitten dieser zunehmend monotonen Landschaft R\u00fcckzugsr\u00e4ume f\u00fcr seltene Arten schaffen \u2013 wie das gemeinsame Engagement von WWF und Hansestadt L\u00fcbeck.<\/p>\n<p><strong>Ein R\u00fcckzugsort am Ritzerauer M\u00fchlenbach<\/strong><\/p>\n<p>Rund 25 Kilometer s\u00fcdlich von L\u00fcbeck, nahe Ritzerau, verl\u00e4uft der Ritzerauer M\u00fchlenbach unmittelbar am Ritzerauer Forst entlang. Statt intensiv genutzter Landwirtschaft grenzt hier ein rund 23 Hektar gro\u00dfer Puffer aus naturnahen Wiesenstrukturen an. Auf den Fl\u00e4chen gedeihen seltene Pflanzenarten wie Kuckucks-Lichtnelke, Kohldistel und M\u00e4des\u00fc\u00df \u2013 Arten, die in der intensiv bewirtschafteten und oft entw\u00e4sserten Kulturlandschaft kaum noch Platz finden.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber 40 Jahre gemeinsamer Naturschutz<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00fcberwiegende Teil dieser Fl\u00e4chen geh\u00f6rt seit \u00fcber 50 Jahren der Hansestadt L\u00fcbeck und wird vom Bereich Stadtwald verwaltet. Neben dem Wald, der nach dem Konzept der naturnahen Waldwirtschaft bewirtschaftet wird, setzt sich der Stadtwald seit Jahrzehnten auch auf den Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen f\u00fcr eine schonende Nutzung ein, um \u00f6kologische Vielfalt und Stabilit\u00e4t zu st\u00e4rken. Damit steht der Stadtwald nicht allein: Vor \u00fcber 40 Jahren begann die Zusammenarbeit des WWF mit dem L\u00fcbecker Stadtwald.<\/p>\n<p>Mit Spendenmitteln kaufte der WWF gezielt Fl\u00e4chen f\u00fcr die Renaturierung von Feuchtgebieten im Lauenburgischen und im Verbund mit Eigentumsfl\u00e4chen der Hansestadt. Kraniche ben\u00f6tigen zur sicheren Bodenbrut nasse Moore und S\u00fcmpfe \u2013 doch die waren zu jener Zeit fast \u00fcberall in Schleswig-Holstein entw\u00e4ssert, auch in den W\u00e4ldern. \u201eAls der WWF vor rund 50 Jahren gemeinsam mit der Staatlichen Vogelwarte das Kranichschutzprojekt in Schleswig-Holstein entwickelte, gab es 1971 nur sieben Paare im gesamten Land: Die Kraniche standen kurz vor dem Aussterben&#8220;, erinnert sich Thomas Neumann vom WWF.<\/p>\n<p>Die L\u00fcbecker Forsten initiierten daraufhin umfangreiche Feuchtgebietsrenaturierungen, um die Wasserversorgung der W\u00e4lder zu sichern und den Kranichen neuen Lebensraum zu geben. \u201eHeute br\u00fcten allein im Gebiet der F\u00f6rsterei Behlendorf wieder \u00fcber 20 Kranichpaare,\u201c so der zust\u00e4ndige Stadtf\u00f6rster Eckard Kropla.<\/p>\n<p>Der Kranich ist l\u00e4ngst zu einem Symbol f\u00fcr Moor- und Klimaschutz geworden. WWF und der st\u00e4dtische Stadtwald setzen sich hier seit Langem f\u00fcr dieselben Ziele ein und bewirtschaften die Fl\u00e4chen im Dienst der Artenvielfalt.<\/p>\n<p><strong>Bewirtschaftung im Dienst der Artenvielfalt<\/strong><\/p>\n<p>Ein \u00f6kologisch wirtschaftender Landwirt aus der Region pflegt die Fl\u00e4chen seit Jahren mit viel Fingerspitzengef\u00fchl: Er produziert Heu oder beweidet die Wiesen, um sie offen zu halten und einer Verbuschung vorzubeugen. Entscheidend ist dabei die richtige Abstimmung der Nutzungszeitr\u00e4ume: Seltene Pflanzen sollen aussamen und sich vermehren k\u00f6nnen, Tiere und V\u00f6gel brauchen Zeit und gesch\u00fctzte R\u00fcckzugsorte. Im Mittelpunkt der Bewirtschaftung steht daher nicht die Futterproduktion, sondern der \u00f6kologische Wert der Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Viele dieser Fl\u00e4chen eignen sich schon aufgrund ihrer geografischen Lage, der geologischen Gegebenheiten und der Bodenfeuchte nicht f\u00fcr eine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Statt \u2013 wie \u00fcber Jahrhunderte \u00fcblich \u2013 in Entw\u00e4sserung und Urbarmachung zu investieren, werden sie heute als \u00f6kologischer Schatz betrachtet und extensiv weiterbewirtschaftet.<\/p>\n<p><strong>Neues Projekt: Weitere Renaturierung des M\u00fchlenbachs<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00f6kologische Aufwertung der Fl\u00e4chen soll weitergehen: Statt den Ritzerauer M\u00fchlenbach zu entw\u00e4ssern, soll er auf einem Teilst\u00fcck in naher Zukunft weiter renaturiert werden. Gezielt eingebrachte nat\u00fcrliche Hindernisse sollen die Flie\u00dfgeschwindigkeit verringern und dem Bach erlauben, sich auf nat\u00fcrliche Weise zu verschwenken. Ziel ist eine m\u00f6glichst eigenst\u00e4ndige Entwicklung des Gew\u00e4ssers mit minimalem menschlichem Eingriff.<\/p>\n<p>Totholz bleibt gezielt im Bachlauf liegen, damit sich die Sohle anhebt und angrenzende Wiesen- und Waldfl\u00e4chen bei starkem Niederschlag zeitweise vern\u00e4ssen. Diese tempor\u00e4ren Flutungen schaffen wertvolle Biotope f\u00fcr Tier- und Pflanzenarten, die durch jahrhundertelange Entw\u00e4sserung und Begradigung von Gew\u00e4ssern vielerorts vom Aussterben bedroht sind.<\/p>\n<p><strong>Eine Hand f\u00fcr die Zukunft der Fl\u00e4chen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr derartige Projekte ist es von Vorteil, wenn alle Fl\u00e4chen in einer Hand liegen und ein fachkundiger, tatkr\u00e4ftiger Ansprechpartner vor Ort zur Verf\u00fcgung steht. Der WWF \u00fcbergibt daher nun seine Eigentumsfl\u00e4chen kostenlos an den L\u00fcbecker Stadtwald, um k\u00fcnftige Projekte zu erleichtern und das bereits Erreichte langfristig zu sichern.<\/p>\n<p>Die Hansestadt L\u00fcbeck bedankt sich beim WWF f\u00fcr die langj\u00e4hrige Unterst\u00fctzung und sehr gute Zusammenarbeit, hier in einer gemeinsamen Anstrengung ein Zeichen f\u00fcr den Naturschutz gesetzt zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Frank Hecker \u00b7 Gemeinsames Engagement f\u00fcr Kraniche, Moore und artenreiche Wiesen seit \u00fcber 50 Jahren. 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