{"id":462894,"date":"2026-09-21T18:43:43","date_gmt":"2026-09-21T16:43:43","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=462894"},"modified":"2026-09-21T18:43:43","modified_gmt":"2026-09-21T16:43:43","slug":"125-jahre-buddenbrooks-buddenbrookhaus-feiert-jahrhundertroman-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/125-jahre-buddenbrooks-buddenbrookhaus-feiert-jahrhundertroman-2\/","title":{"rendered":"125 Jahre Buddenbrooks: Buddenbrookhaus feiert Jahrhundertroman"},"content":{"rendered":"<p>Fotos: Thomas-Mann-Archiv-Z\u00fcrich \u00b7 Zum 125-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um von Thomas Manns <em>Buddenbrooks. Verfall einer Familie <\/em>schl\u00e4gt das L\u00fcbecker Buddenbrookhaus eine Br\u00fccke in die Gegenwart und fragt nach der Aktualit\u00e4t des Jahrhundertromans: Was h\u00e4lt Familien zusammen und woran zerbrechen sie? Die gro\u00dfe Sonderausstellung \u201eFamily Affairs. 125 Jahre <em>Buddenbrooks<\/em>\u201c im St. Annen-Museum liest Thomas Manns Roman als \u00fcberraschend aktuelle Erz\u00e4hlung \u00fcber Herkunft, Erwartungsdruck, soziale Rollen und den Wunsch nach individueller Freiheit. <!--more-->Er\u00f6ffnet wird die Ausstellung am 29. Oktober 2026 in Anwesenheit des Bundesbeauftragten f\u00fcr Kultur und Medien, Staatsminister Wolfram Weimar.\u201e<em>Die Ausstellung versteht \u201aBuddenbrooks\u2018 als zeitlose Erz\u00e4hlung \u00fcber Familie, Erwartungen und individuelle Freiheit. Dass uns ein Roman von 1901 bis heute unmittelbar ber\u00fchrt, liegt an Thomas Manns pr\u00e4zisem Blick auf innerfamili\u00e4re Konflikte, die Menschen grunds\u00e4tzlich pr\u00e4gen<\/em>\u201c, sagt Dr. Caren Heuer, Direktorin des Buddenbrookhauses. In einer innovativen Szenografie wird das Sprachkunstwerk r\u00e4umlich erfahrbar und mit Fragen verbunden, die bis in die Gegenwart reichen. Flankiert wird die Jubil\u00e4umsausstellung von einem ganzj\u00e4hrigen Kulturprogramm.<\/p>\n<p>Thomas Mann ist erst 25 Jahre alt, als er seinen Deb\u00fctroman <em>Buddenbrooks. Verfall einer Familie <\/em>1901 ver\u00f6ffentlicht. Mit seinem Erstlingswerk gelang ihm ein literarischer Welterfolg, der den Grundstein f\u00fcr seine internationale Karriere legte. 1929 mit dem Nobelpreis f\u00fcr Literatur gekr\u00f6nt, viermal verfilmt und in \u00fcber vierzig Sprachen \u00fcbersetzt, geh\u00f6rt das Werk bis heute zu den einflussreichsten und meistgelesenen B\u00fcchern deutscher Sprache.<\/p>\n<p><strong>Spektakul\u00e4rer Ankauf: Thomas Manns Briefwechsel mit Ida Boy-Ed<\/strong><\/p>\n<p>Zum 125. Jubil\u00e4um von <em>Buddenbrooks <\/em>ist dem Buddenbrookhaus ein besonderer Ankauf gelungen: Im September 2026 konnte ein umfangreiches Briefkonvolut mit 29 Briefen, 13 Briefkarten und 17 Postkarten von Thomas Mann an seine L\u00fcbecker M\u00e4zenin Ida Boy-Ed erworben werden. \u201e<em>F\u00fcr das Buddenbrookhaus ist dieser Ankauf eine sensationelle Bereicherung unserer Sammlung<\/em>\u201c, sagt Dr. Caren Heuer. Die bislang nie \u00f6ffentlich gezeigten Originale k\u00f6nnen so kurzfristig nicht in die Sonderausstellung integriert werden, sind aber exklusiv bei der Pressekonferenz zu sehen. Das Konvolut beleuchtet eine pr\u00e4gende Beziehung Thomas Manns und zugleich sein schwieriges Verh\u00e4ltnis zu L\u00fcbeck. Bei seinem Erscheinen wurde <em>Buddenbrooks <\/em>in der Hansestadt zum Skandal. Ida Boy-Ed erkannte fr\u00fch sein schriftstellerisches Talent, stand \u00fcber Jahrzehnte mit dem 23 Jahre j\u00fcngeren Autor im intellektuellen Austausch und wurde f\u00fcr ihn zur Seismografin der Stimmung in L\u00fcbeck.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-462896\" src=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/thomas-mann-30.04.1900-c-thomas-mann-archiv-zuerich_0016-235x320.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/thomas-mann-30.04.1900-c-thomas-mann-archiv-zuerich_0016-235x320.jpg 235w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/thomas-mann-30.04.1900-c-thomas-mann-archiv-zuerich_0016-404x550.jpg 404w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/thomas-mann-30.04.1900-c-thomas-mann-archiv-zuerich_0016.jpg 441w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><br \/>\n<strong>Familie zwischen Bindung und Freiheit<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausstellung n\u00e4hert sich dem Roman nicht als historischem Dokument, sondern stellt das zeitlose und bis heute aktuelle Konzept der Familie in den Mittelpunkt. Der \u00fcber vier Generationen hinweg erz\u00e4hlte Niedergang der Kaufmannsfamilie Buddenbrook handelt von den Spannungen zwischen individueller Selbstverwirklichung und famili\u00e4ren Erwartungen, zwischen gesellschaftlicher Rolle und pers\u00f6nlichem Lebensentwurf.<\/p>\n<p>Als konzeptioneller Fluchtpunkt dient die ber\u00fchmte Formel des Konsuls Buddenbrook, der die Familie als \u201eGlieder in einer Kette\u201c beschreibt. Die Ausstellung stellt die Frage: Ist diese Kette Halt und Rettung oder eine beengende Fessel? Dieses Bild wird in sechs thematische Stationen \u00fcberf\u00fchrt, die veranschaulichen, was Familien zusammenh\u00e4lt bzw. welche Konflikte famili\u00e4re Bande zum Zerrei\u00dfen bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dabei geht die Ausstellung vom Roman und seinen handelnden Figuren aus und m\u00f6chte zugleich einen aktuellen Beitrag zur Familie als sozialer Gr\u00f6\u00dfe leisten. Aus unterschiedlichen Perspektiven fragt der Text nach dem Verh\u00e4ltnis von Individuum und Gemeinschaft. Verstrickt in Traditionen und Erwartungen des Umfelds agieren die Figuren in sozialen Mustern, die ihnen kaum oder keine Handlungsfreiheit lassen. Der Mangel an pers\u00f6nlicher Freiheit, das eigene Leben nach eigenen Talenten und Interessen zu gestalten, f\u00fchrt im Roman zu Konflikten\u00a0und Krisen bis hin zum Absturz.<\/p>\n<p><strong>Szenografie: Wenn Literatur zum Raum wird<\/strong><\/p>\n<p>Da das historische Buddenbrookhaus in der Mengstra\u00dfe 4 \u2013 das als Stammsitz der Kaufmannsfamilie Mann dem Autor als Vorbild f\u00fcr das literarische Wohnhaus im Roman diente \u2013 wegen umfassender Bauma\u00dfnahmen derzeit geschlossen ist, findet die Jubil\u00e4umsausstellung im <strong>St. Annen-Museum <\/strong>statt. Gezeigt wird sie in jenen Museumsr\u00e4umen, die der L\u00fcbecker Wohnkultur und Lebensart des 19. Jahrhunderts gewidmet sind. So tritt Thomas Manns literarische Welt unmittelbar in Dialog mit der realen Kulturgeschichte ihrer Entstehungszeit.<\/p>\n<p>Die Ausstellungsszenografie macht Thomas Manns <em>Buddenbrooks <\/em>als Sprachkunstwerk im Raum physisch erfahrbar: Wiederkehrende Bildmotive, Textfragmente und atmosph\u00e4rische Verdichtungen \u00fcbertragen Thomas Manns literarische Erz\u00e4hlweise der Leitmotivtechnik in eine zeitgen\u00f6ssische Raumgestaltung.<\/p>\n<p>Der niederl\u00e4ndische K\u00fcnstler <strong>Frank Ritmeester <\/strong>entwickelt eigens f\u00fcr die Ausstellung zu dem ber\u00fchmten ersten Satz des Romans \u201eWas ist das.\u201c eine elfteilige Grafikserie, die der Kapitelanzahl des Buches entspricht. Seine Aquarelle und Textfragmente spiegeln die inneren Bilder beim Lesen wider \u2013 von L\u00fcbecker Architektur \u00fcber Landschaften bis hin zur visuellen Dekonstruktion von Absturz und Verfall.<\/p>\n<p><strong>Interaktive Module <\/strong>verbinden die Romanfiguren mit Fragen der Gegenwart und binden die Besucher:innen aktiv ein. Mit Tony Buddenbrook wird \u00fcber Herkunft und Erbe nachgedacht, Christian Buddenbrook steht f\u00fcr die Suche nach Work-Life-Balance, w\u00e4hrend Thomas Buddenbrook zur Reflexion \u00fcber die eigene Risikobereitschaft bei Finanzgesch\u00e4ften anregt. Hanno Buddenbrook schlie\u00dflich lenkt den Blick auf pers\u00f6nliche Erinnerungen an famili\u00e4re Rituale und Familienfeste.<\/p>\n<p><strong>Partizipative Ausstellungsmodule <\/strong>verbinden \u201eFamily Affairs\u201c mit der Stadt und der jungen Generation. L\u00fcbecker Sch\u00fcler:innen \u00fcberf\u00fchren im Kontext des Kunstunterrichts einzelne Ausstellungsabschnitte und deren Themen in eigene Kunstwerke. F\u00fcnf dieser Installationen und Plastiken werden ausgew\u00e4hlt und in die Ausstellung integriert.<\/p>\n<p><strong>Publikationen<\/strong><\/p>\n<p>Zur Ausstellungser\u00f6ffnung am 29. Oktober erscheint bei K\u00f6nigshausen &amp; Neumann der <strong>Katalog \u201eFamily Affairs. 125 Jahre <em>Buddenbrooks<\/em><\/strong>\u201c, der die Ausstellung um Beitr\u00e4ge aus Literatur-, Musik- und Geschichtswissenschaft erweitert. Zu den Autor:innen z\u00e4hlen unter anderem Prof. Dr. Hans Wi\u00dfkirchen, Pr\u00e4sident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, die Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Christiane Tewinkel, die Literaturwissenschaftlerinnen PD Dr. Irmtraud Hnilica und Dr. Veronika Schuchter sowie die Autorinnen Susanne Fritz und Marie-Louise Monrad M\u00f8ller.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Titel \u201e<strong>Huch, alle tot? 101 Fragen und Antworten zu <em>Buddenbrooks<\/em><\/strong>\u201c (2026 bei Vandehoek &amp; Ruprecht) ver\u00f6ffentlicht das Buddenbrookhaus zudem einen ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Band zu Thomas Manns Klassiker.<\/p>\n<p><strong>Das Begleitprogramm: Ein ganzes Jahr im Zeichen des Romans<\/strong><\/p>\n<p>Ein umfangreiches Begleitprogramm erweitert die Ausstellung um Lesungen, wissenschaftliche Debatten, Konzerte und Filmreihen. Ein H\u00f6hepunkt sind die <strong>L\u00fcbecker Thomas Mann-Tage 2026 <\/strong>(25. \u2013 27. September 2026), die unter dem Titel \u201e\u00d6konomie des Verfalls. Kaufmannsethos und Kapital in <em>Buddenbrooks<\/em>\u201c wirtschaftliche Aspekte des Romans in den Fokus r\u00fccken. Es diskutieren u. a. die Journalistin und Autorin Julia Friedrichs, die Historikerin Prof. Dr. Hedwig Richter sowie der Schriftsteller Yannic Han Biao Federer. Im Panel \u201eEat the Rich? Risikogesch\u00e4ft und Wirtschaftskrise\u201c analysieren die B\u00f6rsenexpertin Anja Kohl (ARD) und der Podcaster Wolfgang M. Schmitt den Text vor dem Hintergrund aktueller globaler Finanzfragen.<\/p>\n<p>Weitere Highlights sind ein <strong>B\u00fchnengespr\u00e4ch mit Christine Westermann <\/strong>(17. September 2026) zum Genre des Familienromans, das gemeinsam mit der Schriftstellervereinigung <strong>PEN Deutschland <\/strong>veranstaltete <strong>Diskussionsformat <\/strong>\u201eWas (mir) wirklich wichtig ist\u201c zur Krise der Moderne u. a. mit D\u00f6rte Hansen (22. Juli 2026) sowie eine Retrospektive zu Familienfilmen in Zusammenarbeit mit den <strong>Nordischen<\/strong> <strong>Filmtagen <\/strong>(04. \u2013 08. November 2026), die u. a. die Stummfilm-Verfilmung der <em>Buddenbrooks <\/em>von 1923 umfasst.<\/p>\n<p><strong>Vermittlungsangebote<\/strong><\/p>\n<p>Ein <strong>literarischer Stadtspaziergang <\/strong>f\u00fchrt auf den Spuren der Buddenbrooks durch L\u00fcbeck. Das <strong>interaktive Kinderheft <\/strong>\u201e<em>Mit Tommy durch<\/em> <em>L\u00fcbeck<\/em>\u201c, gestaltet von Merle Piroli, begleitet 8-12-J\u00e4hrige. Das <strong>F\u00fchrungsangebot <\/strong>zur Sonderausstellung schlie\u00dft auch die R\u00e4ume zur L\u00fcbecker Lebens- und Kaufmannswelt des 19. Jahrhunderts des St. Annen-Museums L\u00fcbeck mit ein. An die F\u00fchrungen schlie\u00dfen sich drei Workshops f\u00fcr unterschiedliche Klassenstufen an, die die Themen Macht, Besitz und Status; Individualit\u00e4t und famili\u00e4re Erwartungen sowie Zauber und Zwang der Rituale vertiefen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fotos: Thomas-Mann-Archiv-Z\u00fcrich \u00b7 Zum 125-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um von Thomas Manns Buddenbrooks. 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