{"id":463204,"date":"2026-09-29T18:30:58","date_gmt":"2026-09-29T16:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=463204"},"modified":"2026-09-29T18:30:58","modified_gmt":"2026-09-29T16:30:58","slug":"68-nordische-filmtage-luebeck-buddenbrooks-preloaded-das-programm-der-retrospektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/68-nordische-filmtage-luebeck-buddenbrooks-preloaded-das-programm-der-retrospektive\/","title":{"rendered":"68. Nordische Filmtage L\u00fcbeck: Buddenbrooks p:reloaded, das Programm der Retrospektive"},"content":{"rendered":"<p>L\u00fcbeck, 29. September 2026. Anl\u00e4sslich des 125. Jubil\u00e4ums der \u201eBuddenbrooks\u201c folgt die<br \/>\ndiesj\u00e4hrige Retrospektive den Spuren des bedeutenden Gesellschaftsromans: von den<br \/>\nskandinavischen Werken, die Thomas Mann als Vorbilder dienten, \u00fcber eine fr\u00fche<br \/>\nVerfilmung bis hin zu den gro\u00dfen Familiensagas des nordischen Kinos.<br \/>\n<!--more-->Kaum ein anderes Buch ist so eng mit L\u00fcbeck verbunden wie die \u201eBuddenbrooks\u201c. Schauplatz des<br \/>\nmehrfach verfilmten Werks ist Thomas Manns Heimatstadt L\u00fcbeck. Zum 125. Jubil\u00e4um des<br \/>\nErscheinens steht jetzt Manns Deb\u00fctroman \u00fcber eine L\u00fcbecker Kaufmannsfamilie, f\u00fcr den der<br \/>\nSchriftsteller 1929 den Nobelpreis f\u00fcr Literatur erhielt, im Zentrum der Sektion Retrospektive der<br \/>\n68. Nordische Filmtage L\u00fcbeck.<\/p>\n<p>Vom 4. bis 8. November werden insgesamt elf bedeutende Filme aus verschiedenen Jahrzehnten<br \/>\ngezeigt, die einen Querschnitt durch Familiengeschichten bekannter nordischer Regisseur:innen<br \/>\npr\u00e4sentieren. Die Retrospektive r\u00fcckt zum einen Manns literarische Vorbilder aus Skandinavien<br \/>\nund deren filmische Adaptionen im nordischen Kino in den Fokus, zum anderen<br \/>\ngenerationen\u00fcbergreifende Familiensagas, die Manns Erz\u00e4hlstruktur filmisch fortschreiben.<\/p>\n<p>Dazu kooperieren die Nordischen Filmtage L\u00fcbeck in diesem Festivaljahr erneut mit den L\u00fcbecker<br \/>\nMuseen. Das Buddenbrookhaus flankiert das Filmprogramm mit der Ausstellung \u201eFamily Affairs\u201c,<br \/>\ndie am 30. Oktober 2026 im St. Annen-Museum er\u00f6ffnet wird. Mit einem Kinoticket der Nordischen<br \/>\nFilmtage erhalten Besucher:innen den ganzen November 20 Prozent Erm\u00e4\u00dfigung auf das<br \/>\nTagesticket der L\u00fcbecker Museen.<\/p>\n<p>J\u00f6rg Sch\u00f6ning, Kurator der Retrospektive der Nordischen Filmtage L\u00fcbeck: \u201eThomas Mann hat<br \/>\nMotive nordischer Vorbilder in sein Epos \u00fcber eine Kaufmannsfamilie einflie\u00dfen lassen. Insofern<br \/>\nbilden die Filme der Retrospektive ein Kaleidoskop nordischer Familiengeschichten und zeigen<br \/>\nzugleich viele Parallelen zu den \u201aBuddenbrooks\u2018. Diese scheinbar privaten<br \/>\nFamilienangelegenheiten sind vor allem deshalb interessant, weil sie auch immer Gesellschaften<br \/>\nund ihre Konflikte widerspiegeln.\u201c<\/p>\n<p>Den unmittelbarsten Bezug zu L\u00fcbeck stellt Buddenbrooks (1923) von Gerhard Lamprecht her. Die<br \/>\nerste Verfilmung des Romans \u00fcbertrug Thomas Manns Geschichte in die damalige Gegenwart.<br \/>\nDer Film wird in Kooperation mit der Musikhochschule L\u00fcbeck gezeigt: Dort wird die farbig<br \/>\nrestaurierte Fassung mit Live-Musik von Studierenden unter Leitung von Prof. Franz<br \/>\nDanksagm\u00fcller zu erleben sein.<\/p>\n<p>Wie stark Thomas Mann selbst von der Literatur Skandinaviens gepr\u00e4gt war, zeigen mehrere<br \/>\nVerfilmungen seiner literarischen Vorbilder. Die Wildente (1963, OT: Vildanden) von Tancred Ibsen<br \/>\nbasiert auf dem Drama Henrik Ibsens, den Thomas Mann seinen \u201eMeister\u201c nannte. Die Adaption<br \/>\ndurch den Enkel des ber\u00fchmten Dramatikers gilt bis heute als Musterbeispiel f\u00fcr eine werkgetreue<br \/>\nVerfilmung.<\/p>\n<p>Auch Bj\u00f8rnstjerne Bj\u00f8rnsons Ein Bankrott (1979, OT: En fallit) hinterlie\u00df deutliche Spuren in den<br \/>\n\u201eBuddenbrooks\u201c: Thomas Mann griff Motive des Dramas f\u00fcr den Bankrott des Buddenbrook-<br \/>\nSchwiegersohns Gr\u00fcnlich auf. Fortuna (1993) wiederum basiert auf Alexander L. Kiellands Roman<br \/>\n\u201eGift\u201c, dessen Kritik an autorit\u00e4rer Erziehung Thomas Mann f\u00fcr das Schulkapitel der<br \/>\n\u201eBuddenbrooks\u201c inspirierte. Die Vorf\u00fchrung wird von einem Vortrag \u00fcber Thomas Mann als<br \/>\n\u201eSchulversager\u201c und einer Lesung des L\u00fcbecker Schauspielers Heiner Kock aus dem Roman<br \/>\nbegleitet.<\/p>\n<p>Victoria (2013) von Torun Lian verarbeitet Knut Hamsuns gleichnamige Erz\u00e4hlung. Die<br \/>\nungl\u00fcckliche Titelheldin der tragischen Liebesgeschichte diente Thomas Mann als eines der<br \/>\nVorbilder f\u00fcr Tony Buddenbrook.<\/p>\n<p>Von den literarischen Vorbildern f\u00fchrt das Programm zu gro\u00dfen generationen\u00fcbergreifenden<br \/>\nFamiliensagas des nordischen Kinos. Die Schande der Orlygssons (1920, OT: Borgsl\u00e6gtens<br \/>\nHistorie) erz\u00e4hlt von einem Bruderzwist, dessen Folgen drei Generationen pr\u00e4gen. Der 1919 in<br \/>\nIsland gedrehte Spielfim nach Gunnar Gunnarssons Romanserie markiert zugleich den Beginn des<br \/>\nFilmemachens in Island und wird mit neuer Filmmusik von \u00de\u00f3r\u00f0ur Magn\u00fasson, ausgef\u00fchrt von der<br \/>\nSinfoniaNord, gezeigt.<\/p>\n<p>Mit Fanny und Alexander (1982, OT: Fanny och Alexander) ist einer der gro\u00dfen Klassiker des<br \/>\neurop\u00e4ischen Kinos vertreten. Ingmar Bergman entwirft darin ein opulentes, autobiografisch<br \/>\ngepr\u00e4gtes Familienpanorama. Zugleich ist sein Werk eng mit den Nordischen Filmtagen<br \/>\nverbunden: Bereits bei der ersten Festivalausgabe 1956 waren drei seiner Filme im Programm.<br \/>\nFast programmatisch f\u00fcr \u201eBuddenbrooks p:reloaded\u201c wirkt Familien Gregersen (2005): Die als<br \/>\n\u201ed\u00e4nische Buddenbrooks\u201c bezeichnete Bestseller-Verfilmung erz\u00e4hlt vom Niedergang einer<br \/>\nwohlhabenden Industriellenfamilie vor dem Panorama der d\u00e4nischen Zeitgeschichte von Mitte der<br \/>\n1950er- bis Mitte der 1970er-Jahre.<\/p>\n<p>Dass finanzielle N\u00f6te und bedrohte Familienehre auch als Kom\u00f6die funktionieren, zeigt<br \/>\nSwedenhielms (1935) von Gustaf Molander. Zu sehen ist darin die junge Ingrid Bergman in einer<br \/>\nihrer fr\u00fchen Rollen, noch vor ihrer internationalen Karriere.<\/p>\n<p>Zwei Filme mit demselben Originaltitel schlagen schlie\u00dflich eine Br\u00fccke von Familienverm\u00f6gen<br \/>\nund Erbschaft zu der Frage, welchen Preis famili\u00e4re Verpflichtungen haben k\u00f6nnen. In Die<br \/>\nErbschaft (1979, OT: Arven) von Anja Breien wird der letzte Wille eines Reeders zur Zerrei\u00dfprobe<br \/>\nf\u00fcr seine Familie. Die ebenso subtile wie humorvolle Satire auf famili\u00e4re Gier wurde 1979 in<br \/>\nCannes mit dem Preis der \u00d6kumenischen Jury ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Per Flys Das Erbe (2003, OT: Arven) f\u00fchrt das Thema ins moderne Wirtschaftsleben. Wie Thomas<br \/>\nBuddenbrook ger\u00e4t auch hier der Erbe eines Familienunternehmens zwischen pers\u00f6nliche<br \/>\nW\u00fcnsche, famili\u00e4re Erwartungen und gesch\u00e4ftliche Pflichten \u2013 mit zerst\u00f6rerischen Folgen. Der<br \/>\nFilm geh\u00f6rt zu Per Flys Gesellschaftstrilogie, mit der der d\u00e4nische Regisseur mehrere Preise der<br \/>\nNordischen Filmtage L\u00fcbeck gewann.<\/p>\n<p>Die 68. Nordischen Filmtage L\u00fcbeck finden vom 4. bis 8. November 2026 statt.<br \/>\nErstmals 1956 veranstaltet, z\u00e4hlen die Nordischen Filmtage L\u00fcbeck zu den traditionsreichsten<br \/>\nFilmfestivals weltweit. Sie sind das einzige gro\u00dfe Publikumsfestival sowie wichtiger Treffpunkt f\u00fcr<br \/>\ndie Filmbranche in Deutschland und Europa, das sich ganz auf die Pr\u00e4sentation von Filmen aus<br \/>\ndem Norden und dem Nordosten des Kontinents spezialisiert hat. Die Nordischen Filmtage L\u00fcbeck<br \/>\nsind eine Veranstaltung der Hansestadt L\u00fcbeck und werden unterst\u00fctzt vom Land Schleswig-Holstein,<br \/>\nvon Creative Europe MEDIA, den L\u00fcbecker Stiftungen \u2013 Possehl-Stiftung, Gemeinn\u00fctzige<br \/>\nSparkassenstiftung, Wessel Stiftungen, vom Freundeskreis der Nordischen Filmtage e.V. und dem<br \/>\nNDR als Medienpartner.<\/p>\n<p>Hinzu kommen zahlreiche weitere Partner und Sponsoren: Cinestar,<br \/>\nStadtwerke L\u00fcbeck, STAWAG Stadtwerke Aachen AG, Sudden Death, Gradwerk, skanbo, Diakonie<br \/>\nNord Nord Ost, die Grundst\u00fccks-Gesellschaft Trave, Convotis, tsj-architekten gmbh, Waldzimmer,<br \/>\nTheater L\u00fcbeck, MOIN Filmf\u00f6rderung, Norwegische Botschaft, Kaufmannschaft zu L\u00fcbeck,<br \/>\nDeutscher Verband Frau und Kultur e.V., von Keller-Stiftung, Die Gemeinn\u00fctzige, Superkunstfestival,<br \/>\nVer.di, Ev.-Luth.-Kirchenkreis L\u00fcbeck, Baltic Films und die Veranstaltungsorte Cinestar Stadthalle<br \/>\nund filmhaus, Kommunales Kino KOKI, KOLK 17, Theater L\u00fcbeck, InfinityDome, Europ\u00e4isches<br \/>\nHansemuseum, Musikhochschule L\u00fcbeck und Dom zu L\u00fcbeck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fcbeck, 29. 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