{"id":463505,"date":"2026-10-08T17:30:31","date_gmt":"2026-10-08T15:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=463505"},"modified":"2026-10-08T17:39:44","modified_gmt":"2026-10-08T15:39:44","slug":"soziale-absicherung-fuer-freischaffende-kuenstlerinnen-und-kuenstler-nachhaltig-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/soziale-absicherung-fuer-freischaffende-kuenstlerinnen-und-kuenstler-nachhaltig-staerken\/","title":{"rendered":"Soziale Absicherung f\u00fcr freischaffende K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler nachhaltig st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Eine weitere S\u00e4ule in der K\u00fcnstlersozialversicherung etablieren. Dazu sagt die kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen, <strong>Uta R\u00f6pcke: <\/strong>was macht eine K\u00fcnstlerin, wenn sie nicht gerade ihre neue Ausstellung er\u00f6ffnet? Oder eine Schriftstellerin, wenn sie nicht gerade auf einer Lesereise ist? Oder was macht ein Schauspieler, wenn er nicht gerade einen neuen Film dreht? <!--more-->Oder ein Musiker, wenn er gerade nicht auf der B\u00fchne steht? Arbeiten. Manchmal in irgendwelchen Nebenjobs, manchmal ein neues Projekt vorbereiten, wenn er oder sie sich sowas wie eine \u201ekreative Pause\u201c \u00fcberhaupt leisten kann, oder neue Songs schreiben, Kunstwerke planen und vorbereiten, Drehb\u00fccher lesen oder proben.<\/p>\n<p>All das ist Arbeit. Leider oft nicht entlohnte Arbeit. Viele Kreative sind soloselbst\u00e4ndig. Sie m\u00fcssen die Zeit bis zum n\u00e4chsten Projekt, zur n\u00e4chsten Ausstellung, zum n\u00e4chsten Konzert oder Festival oder bis zum n\u00e4chsten Dreh irgendwie \u00fcberbr\u00fccken. Nur wenige haben eine Festanstellung. Und nur wenige k\u00f6nnen etwas Geld zur\u00fccklegen.<\/p>\n<p>Die Zahlen der K\u00fcnstlersozialkasse zeigen, wie schwer das ist. Musikschaffende, die dort versichert sind, verdienen mit ihrer selbst\u00e4ndigen Arbeit im Schnitt rund 14.700 Euro, wenn sie Frauen sind. Bei M\u00e4nnern sind es rund 20.300 Euro. Das hei\u00dft: Frauen kommen auf gut 1.200 Euro im Monat, vor Steuern und Abgaben. Und sie verdienen 28 Prozent weniger als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen.<\/p>\n<p>Diese Zahlen beschreiben nicht jede einzelne K\u00fcnstler*innenbiographie. Aber sie zeigen uns: Die wirtschaftliche Unsicherheit in der Kunst ist gro\u00df und sie trifft Frauen wesentlich h\u00e4rter als M\u00e4nner. Wer so wenig verdient, kann sicher keine L\u00fccken \u00fcberbr\u00fccken. Ich bin \u00fcberzeugt:\u00a0K\u00fcnstlerische Freiheit braucht soziale Sicherheit!<\/p>\n<p>Meine beste Freundin aus der Schulzeit hat damals eine musikalische Laufbahn eingeschlagen und ist professionelle Fl\u00f6tistin geworden. Sie hat Musik studiert, unterrichtet bis heute in Teilzeit Querfl\u00f6te an einer Musikschule, hat zwischendurch in verschiedenen Ensembles und immer auch mal wieder in Orchestern gespielt. Zu ihrem Beruf geh\u00f6ren stundenlanges \u00dcben, Proben, Konzertprogramme vorbereiten, Auftritte und Reisen organisieren.<\/p>\n<p>Sie arbeitet eigentlich st\u00e4ndig, nur steht das meiste davon nie auf einer Rechnung. Und genau da liegt das Problem. Es betrifft viele k\u00fcnstlerische Berufe: Tanz und Perfomance, Theater und Literatur, Comiczeichnen und Malerei. Die Berufspraxis ist meist ein typischer Mix aus sozialversicherungspflichtiger und selbstst\u00e4ndiger Besch\u00e4ftigung. Oft ist das gewollt, weil nur so die ganze Bandbreite k\u00fcnstlerischer Arbeit m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Meine Freundin hat zwei Kinder bekommen, einen Musiker geheiratet, dann war sie k\u00fcrzlich mal l\u00e4nger krank und konnte nicht mehr spielen. Die K\u00fcnstlersozialversicherung ist daf\u00fcr seit gut 40 Jahren eine gro\u00dfe Errungenschaft. Sie sichert Selbstst\u00e4ndige bei Krankheit, Pflegebed\u00fcrftigkeit und im Alter ab. Aber wenn bei fortlaufender k\u00fcnstlerischer Arbeit zeitweise kaum Einkommen reinkommt, gibt es keinen Schutz.<\/p>\n<p>Genau diese L\u00fccke m\u00fcssen wir schlie\u00dfen. Deshalb brauchen wir eine wirksame Absicherung f\u00fcr vor\u00fcbergehende Erwerbsl\u00fccken bei selbstst\u00e4ndigen K\u00fcnstler. Die gibt es bisher nicht. Eine weitere S\u00e4ule im Rahmen der K\u00fcnstlersozialversicherung ist daf\u00fcr der richtige Weg, eine Initiative, die auch vom Landesmusikrat Schleswig-Holstein, den Theatern und der Kultur-L\u00e4nderkonferenz unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Allerdings: Die Ausgestaltung dieser sogenannten \u201eDritten\u201c oder \u201eVierten S\u00e4ule\u201c braucht einen scharfen Blick f\u00fcr die Problematik in unterschiedlichen Sparten und F\u00e4llen. K\u00fcnstlerische Arbeit ist in ihrer Natur sehr divers und wenig planbar. Auftritte, Unterricht und andere T\u00e4tigkeiten greifen ineinander. Eine neue Regelung muss unbedingt diese unterschiedlichen Erwerbsverl\u00e4ufe abbilden. Und sie muss gut durchdacht und verst\u00e4ndlich sein f\u00fcr die Menschen, die auf sie angewiesen sind. Soziale Absicherung und faire Honorare geh\u00f6ren zusammen.<\/p>\n<p>K\u00fcnstler in unserem Land brauchen faire Bedingungen in der F\u00f6rderung, einen Ausgleich der aktuell gro\u00dfen Einkommensunterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern und zwischen den Sparten. Wir m\u00fcssen die die Arbeitsbedingungen der Kunstschaffenden genauso ernst nehmen, wie ihre Werke. F\u00fcr die meisten K\u00fcnstler*innen ist eine verl\u00e4ssliche Absicherung viel wichtiger als ab und zu mal ein Hauptgewinn bei einer Preisverleihung. Mit unserem gemeinsamen Antrag bitten wir die Landesregierung, der Initiative im Bundesrat beizutreten und sich anschlie\u00dfend gegen\u00fcber der Bundesregierung f\u00fcr ihre Umsetzung einzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine weitere S\u00e4ule in der K\u00fcnstlersozialversicherung etablieren. 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