{"id":463508,"date":"2026-10-08T17:36:11","date_gmt":"2026-10-08T15:36:11","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=463508"},"modified":"2026-10-08T17:36:11","modified_gmt":"2026-10-08T15:36:11","slug":"wenn-kinderseelen-aus-dem-gleichgewicht-geraten-kkh-weniger-heranwachsende-erhalten-psychopharmaka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wenn-kinderseelen-aus-dem-gleichgewicht-geraten-kkh-weniger-heranwachsende-erhalten-psychopharmaka\/","title":{"rendered":"Wenn Kinderseelen aus dem Gleichgewicht geraten  KKH: Weniger Heranwachsende erhalten Psychopharmaka"},"content":{"rendered":"<p>Hannover, 8. Oktober 2026 \u2013 Ob durch ein traumatisches Erlebnis in der Familie, Mobbing, Stress, globale Krisen oder genetische Veranlagung: Seelische Erkrankungen k\u00f6nnen vielf\u00e4ltige, individuelle Ursachen haben. Und: Sie sind keine Frage des Alters. Schon Grundsch\u00fcler k\u00f6nnen seelisch stark belastet sein und unter Angstst\u00f6rungen, Panikattacken, Depressionen, \u00dcberaktivit\u00e4t oder Essst\u00f6rungen leiden.<br \/>\n<!--more-->Daten der KKH Kaufm\u00e4nnische Krankenkasse zeigen, dass der Anteil der sechs- bis 18-j\u00e4hrigen Kinder und Jugendlichen, denen Psychopharmaka verordnet wurden, von 2014 auf 2024 um rund 18 Prozent gestiegen ist. Damit bekamen rund drei von hundert Heranwachsenden dieses Alters Arzneimittel aus dieser Gruppe.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht: Tendenziell geht der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die Psychopharmaka erhielten, zur\u00fcck \u2013 vor allem seit Corona. So lag der Anteil betroffener Sechs- bis 18-J\u00e4hriger beispielsweise im Jahr 2021 noch gut 34 Prozent h\u00f6her als 2024. W\u00e4hrend der Pandemie war die seelische Gesundheit etlicher Kinder durch Lockdowns, Kita- und Schulschlie\u00dfungen samt Homeschooling und fehlender sozialer Kontakte teils dramatisch aus dem Lot geraten.<\/p>\n<p>Viele Kinderarzt- und Psychotherapiepraxen waren geschlossen, Vor-Ort-Termine nicht m\u00f6glich. Die KKH-Daten k\u00f6nnen ein Hinweis darauf sein, dass in dieser Zeit h\u00e4ufiger auf medikament\u00f6se Behandlungsoptionen zur\u00fcckgegriffen wurde \u2013 m\u00f6glicherweise auch vor dem Hintergrund einer eingeschr\u00e4nkten Versorgungslage. Aber auch in den Vor-Corona-Jahren war der Anteil unter den jungen Patienten hoch. \u201eDer R\u00fcckgang von Heranwachsenden, denen laut unseren Daten psychisch wirksame Medikamente verordnet wurden, ist erfreulich\u201c, sagt KKH-Apotheker Sven Sei\u00dfelberg. \u201eDa sich Kinder und Jugendliche noch in der Entwicklung befinden und langfristige Auswirkungen je nach Wirkstoff unterschiedlich gut untersucht sind, ist ein gezielter, sorgf\u00e4ltig abgewogener Einsatz von Psychopharmaka besonders wichtig.\u201c<\/p>\n<p><strong>Nur wenige Psychopharmaka f\u00fcr Kinder zugelassen<\/strong><\/p>\n<p>Psychische Erkrankungen sind in der Regel gut behandelbar. Das gilt vor allem, wenn sie rechtzeitig diagnostiziert werden. Andernfalls kann die Erkrankung auch chronisch werden. Anzeichen f\u00fcr eine seelische Erkrankung k\u00f6nnen zum Beispiel Ersch\u00f6pfung, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Traurigkeit oder R\u00fcckzug sein, aber auch psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen. Je nach Diagnose stehen f\u00fcr Kinder und Jugendliche nur begrenzt zugelassene psychopharmakologische Optionen zur Verf\u00fcgung. In der Praxis k\u00f6nnen deshalb auch Off-Label-Anwendungen eine Rolle spielen. Diese werden au\u00dferhalb von zugelassenem Anwendungsgebiet und zugelassener Patientengruppe verordnet.<\/p>\n<p>Eltern geraten mitunter in eine verzwickte Situation. Da ist zun\u00e4chst ihr Kind, dem es seelisch nicht gut geht und f\u00fcr das sie sich rasch Hilfe erhoffen. Auf der anderen Seite stehen lange Wartezeiten auf einen leitliniengerechten Psychotherapieplatz. \u201eWenn psychotherapeutische Angebote nicht zeitnah verf\u00fcgbar sind, stehen behandelnde \u00c4rztinnen und \u00c4rzte vor der Herausforderung, betroffene Kinder und Jugendliche dennoch angemessen zu versorgen\u201c, so Sven Sei\u00dfelberg.<\/p>\n<p>\u201eOb eine medikament\u00f6se Behandlung sinnvoll ist, sollte immer individuell entschieden werden. Wie bei allen wirksamen Arzneimitteln k\u00f6nnen auch bei Psychopharmaka Nebenwirkungen auftreten. Umso wichtiger sind eine sorgf\u00e4ltige Aufkl\u00e4rung, regelm\u00e4\u00dfige Verlaufskontrollen und eine engmaschige \u00e4rztliche Begleitung.\u201c M\u00f6gliche Nebenwirkungen k\u00f6nnen je nach Wirkstoff unter anderem Gewichtszunahme, Stoffwechselver\u00e4nderungen, Herzrhythmusst\u00f6rungen, Bewegungsst\u00f6rungen, M\u00fcdigkeit, Unruhe, emotionale Ver\u00e4nderungen oder \u2013 insbesondere bei Antidepressiva zu Therapiebeginn \u2013 eine Zunahme suizidaler Gedanken sein.<\/p>\n<p>Welche Behandlung sinnvoll ist, h\u00e4ngt von Diagnose, Alter, Schweregrad, Leidensdruck und individueller Situation ab. H\u00e4ufig stehen psychotherapeutische, psychosoziale und familienbezogene Ma\u00dfnahmen im Vordergrund. Bei schwereren Verl\u00e4ufen oder bestimmten Erkrankungen kann eine medikament\u00f6se Behandlung jedoch ein wichtiger Bestandteil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein.<\/p>\n<p>Die KKH hat ein besonderes Augenmerk auf die psychosoziale Gesundheit von Heranwachsenden und setzt dabei auf die St\u00e4rkung der psychischen Widerstandsf\u00e4higkeit. Hierf\u00fcr kooperiert die bundesweite Kasse mit dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Pr\u00e4ventionsforschung <a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/leistungen\/praevention-vorsorge\/gesundheitsfoerderung-setting\/schule\/dzpp\">(DZP)<\/a>, und sie bietet vielf\u00e4ltige Pr\u00e4ventionsprogramme f\u00fcr Kinder und Jugendliche an wie beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/leistungen\/praevention-vorsorge\/gesundheitsfoerderung-setting\/schule\/dude\">DUDE<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/leistungen\/praevention-vorsorge\/gesundheitsfoerderung-setting\/schule\/maistep\">MaiStep<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Hintergrundinformationen<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>Die KKH hat anonymisierte Daten von bundesweit mehr als 234.600 KKH-versicherten Sechs- bis 18-J\u00e4hrigen erhoben, denen zwischen 2014 und 2024 Psychopharmaka verordnet worden sind. Im Jahr 2024 betraf dies rund 6.300 M\u00e4dchen und Jungen. Das waren 2,68 Prozent aller versicherten Heranwachsenden bis 18 Jahre.<\/p>\n<p>Mit rund 1,5 Millionen Versicherten, einem Haushaltsvolumen von rund 8,7 Milliarden Euro und rund 4.000 Mitarbeitenden z\u00e4hlt die KKH Kaufm\u00e4nnische Krankenkasse als eine der gr\u00f6\u00dften bundesweiten Krankenkassen zu den leistungsstarken Tr\u00e4gern der gesetzlichen Krankenversicherung. N\u00e4here Informationen erhalten Sie unter <a href=\"https:\/\/www.kkh.de\/unternehmen\/kurzportraet\">kkh.de\/presse\/portraet<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover, 8. 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