{"id":46388,"date":"2011-10-26T15:50:56","date_gmt":"2011-10-26T13:50:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=46388"},"modified":"2011-10-26T15:50:56","modified_gmt":"2011-10-26T13:50:56","slug":"erklarung-zur-erhohung-der-efsf-mittel-es-ist-skepsis-angebracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/erklarung-zur-erhohung-der-efsf-mittel-es-ist-skepsis-angebracht\/","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung zur Erh\u00f6hung der EFSF-Mittel: Es ist Skepsis angebracht"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe heute wieder einer  Euro-Rettungsaktion zugestimmt. Und ich bin skeptischer als je zuvor, dass wir  dieses Mal den Euro durch die Krise bringen. Es ist gerade vier Wochen her, dass  der Rettungsschirm aufgestockt wurde. 779 Milliarden Euro f\u00fcr den EFSF (European  Financial Stability Facility) \u2013 das ist ein gewaltiger Batzen Geld und der  sollte eigentlich reichen. Die Hoffnung hielt keine Woche. Kaum war die  Aufstockung der Garantien beschlossen wurde munter spekuliert, ob die Mittel  auch f\u00fcr eine Pleite Italiens reichen w\u00fcrden \u2013 und jedem war klar, dass sie  nicht reichen k\u00f6nnen f\u00fcr ein Land mit 1,9 Billionen Euro Schulden. Jetzt greifen  wir als Politik auf Finanztricks zur\u00fcck, mit denen uns die Banken 2008 schon  einmal ins Verderben gest\u00fcrzt haben. Die Frage ist: Wie lange h\u00e4lt diese  Konstruktion?<!--more-->Trotz all dieser Risiken habe ich  wieder zugestimmt. Ich habe es nicht getan, weil mich die neue Konstruktion  unglaublich begeistert oder weil damit alles gut wird. Ich habe zugestimmt, da  ohne die neuen Regeln klar w\u00e4re, dass die Euro-Staaten nur \u201ekleinen\u201c L\u00e4ndern wie  Griechenland in der Not gegen die Spekulation helfen k\u00f6nnten. L\u00e4ndern wie  Italien oder Spanien k\u00f6nnte kaum geholfen werden. Sie m\u00fcssten sich mit immer  h\u00f6heren Aufschl\u00e4gen Geld leihen \u2013 oder gar keins mehr bekommen und Pleite gehen.<\/p>\n<p>Meine Zustimmung zur neuen  Konstruktion des EFSF gr\u00fcndet sich deswegen nur auf die vage Hoffnung, dass es  gutgehen k\u00f6nnte. Eine Garantie gibt es nicht. Diese Zustimmung ist verbunden mit  der klaren Aufforderung, jetzt endlich die zwei Hauptursachen anzupacken: Wir  m\u00fcssen erstens, einen v\u00f6llig \u00fcberdimensionierten und hochspekulativen  Finanzmarkt verkleinern und zweitens, die viel zu hohe Verschuldung unserer  Staaten zur\u00fcck fahren. F\u00fcr das erste Problem gibt es jetzt endlich einen  partei\u00fcbergreifenden Konsens zur Einf\u00fchrung einer Finanztransaktionssteuer und  eine deutliche Erh\u00f6hung des Eigenkapitals der Banken, Beides soll das wilde  Spekulieren unattraktiv machen . Das muss die Kanzlerin jetzt endlich europaweit  durchsetzen. Was die Verschuldung angeht, m\u00fcssen wir uns alle an die eigene Nase  fassen: Seit Jahrzehnten leben wir \u00fcber unsere Verh\u00e4ltnisse und bislang traut  sich keine Regierung, die Ausgabenspirale auf Pump nach jeder Wahl zu  durchbrechen. Es ist jetzt Zeit f\u00fcr politische  Ehrlichkeit!<\/p>\n<p>Ein sogenannter \u201eHebel\u201c soll die 779  Milliarden \u2013 von denen wegen schlechter Bonit\u00e4t der Eurostaaten effektiv nur 440  Milliarden Euro genutzt werden k\u00f6nnen \u2013 auf wundersame Weise vermehren. Braucht  ein Euro-Land Geld, soll es jetzt nur zum Teil  aus dem EFSF kommen. Den  gr\u00f6\u00dferen Teil sollen Staatsfonds au\u00dfereurop\u00e4ischer L\u00e4nder oder private Anleger  beisteuern. Der EFSF soll damit eine Art R\u00fcckversicherung f\u00fcr fremde Staatsfonds  und Private sein und die Anleihen der Eurostaaten wieder attraktiver machen. Ob  und wie lange dieses Konstrukt funktioniert, ist v\u00f6llig offen. Zwar garantiert  Deutschland auch mit dem \u201eHebel\u201c nur f\u00fcr 211 Milliarden Euro. Aber niemand wei\u00df,  was geschieht, wenn trotz aller Hebelei ein Land wie Italien Pleite geht. Dann  werden auch die 211 Milliarden nicht das Ende vom Lied sein. Vor allem steigt  durch die Hebelei jetzt das Risiko, dass unser Haftungskapital auch tats\u00e4chlich  f\u00e4llig wird. Denn bei einer Pleite wird als erstes das staatliche  Haftungskapital als Versicherung von den privaten Investoren in Anspruch  genommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe heute wieder einer Euro-Rettungsaktion zugestimmt. 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