{"id":464057,"date":"2026-10-23T20:01:21","date_gmt":"2026-10-23T18:01:21","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=464057"},"modified":"2026-10-23T20:01:21","modified_gmt":"2026-10-23T18:01:21","slug":"nicaragua-bischof-seit-zwei-monaten-ohne-anklage-in-haft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/nicaragua-bischof-seit-zwei-monaten-ohne-anklage-in-haft\/","title":{"rendered":"Nicaragua: Bischof seit zwei Monaten ohne Anklage in Haft"},"content":{"rendered":"<p>Kirchen im Land weiterhin unter hohem Druck durch das Regime.<\/p>\n<p>Open Doors, Kelkheim) \u2013 Am 1. September 2026 kam es zu einer der j\u00fcngsten Festnahmen eines religi\u00f6sen Leiters durch das nicaraguanische Regime. Bischof Carlos Javier Goff Amador, Leiter der Erneuerten M\u00e4hrischen Evangelischen Kirche (IEMR), wurde in der Autonomen Region der n\u00f6rdlichen Karibikk\u00fcste festgenommen. Er sitzt bis heute in Haft \u2013 ohne offizielle Anklage oder Begr\u00fcndung f\u00fcr seine Festnahme.<!--more--><strong>Familie ohne Kontakt<\/strong><\/p>\n<p>Einem Bericht zufolge, der sich auf mit dem Fall vertraute Quellen beruft, wurde der Bischof in die Haftanstalt El Chipote in der Hauptstadt Managua verlegt. Dort befindet er sich derzeit in Haft. Seine Familie gibt an, seit seiner Festnahme keinen Kontakt zu ihm herstellen zu k\u00f6nnen. Amador wurde in Honduras geboren, ist aber seit seiner Einb\u00fcrgerung nicaraguanischer Staatsangeh\u00f6riger.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung dieses Artikels hatte die Regierung die Vorw\u00fcrfe gegen den Bischof noch nicht offiziell bekannt gegeben. Inoffiziellen Berichten zufolge wird jedoch gegen ihn wegen mutma\u00dflicher Verbindungen zum organisierten Verbrechen und zur Geldw\u00e4sche ermittelt.<\/p>\n<p><strong>Fragw\u00fcrdige Anschuldigungen gegen Geistliche<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Jahren wurden immer wieder christliche Leiter in Nicaragua mit schwerwiegenden Vorw\u00fcrfen konfrontiert. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen. Viele Pastoren und Priester wurden angeklagt und manche <a href=\"https:\/\/www.opendoors.de\/nachrichten\/aktuelle-meldungen\/nicaragua-zwei-pastoren-zurueck-aus-dem-exil?pk_campaign=NA&amp;pk_kwd=20261023\">des Landes verwiesen<\/a>. Die Anklagen werden vom Umfeld der Betroffenen wie auch von Beobachtern regelm\u00e4\u00dfig in Frage gestellt. Ein bekannter Fall ist der des im September 2022 verurteilten Pastors V\u00edlchez L\u00f3pez. Ihm wurden wegen einer angeblichen Sexualstraftat 23 Jahre Haft auferlegt \u2013 in einem Gerichtsverfahren, das von Organisationen f\u00fcr Religionsfreiheit kritisiert wurde.<\/p>\n<p>Nach Angaben von \u201eChristian Solidarity Worldwide\u201c wurde L\u00f3pez am 15. Mai 2022 festgenommen, nachdem er von Polizeibeamten geschlagen worden war. Seine Verteidigung macht geltend, dass Beweise, die seine Unschuld belegten, w\u00e4hrend des Prozesses zur\u00fcckgewiesen wurden, darunter auch Aufnahmen von \u00dcberwachungskameras. Zuvor hatte sich der Pastor \u00f6ffentlich gegen die Gewalt an Demonstranten w\u00e4hrend der Proteste im April 2018 ausgesprochen.<\/p>\n<p><strong>Dokumentation der Vorf\u00e4lle zunehmend schwieriger<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten katholischen Geistlichen leben mittlerweile im Exil, was den pastoralen Dienst der katholischen Kirche in Nicaragua erheblich schw\u00e4cht. Kirchliche Aktivit\u00e4ten, darunter Gebete f\u00fcr den Frieden in Israel, f\u00fcr politische Gefangene und f\u00fcr Geistliche im Exil, werden streng \u00fcberwacht und willk\u00fcrlich verboten. Christliche Leiter sind Verleumdung, Strafverfolgung und Zwangsexil (einschlie\u00dflich Aberkennung der Staatsb\u00fcrgerschaft) ausgesetzt. Viele Kirchen \u00e4u\u00dfern sich nicht mehr \u00f6ffentlich, aus Angst vor gewaltt\u00e4tigen Repressalien, wie sie in der Vergangenheit zu beobachten waren. Die Dokumentation dieser Vorf\u00e4lle ist zunehmend schwieriger geworden. Obwohl davon ausgegangen wird, dass das Ausma\u00df der Verfolgung insgesamt zunimmt, ist die Zahl der erfassten Vorf\u00e4lle zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>\u201eDieser R\u00fcckgang deutet nicht unbedingt auf eine Abnahme der Verfolgung hin; vielmehr k\u00f6nnte er die wachsenden Schwierigkeiten bei der Identifizierung und \u00dcberpr\u00fcfung von Vorf\u00e4llen widerspiegeln\u201c, erkl\u00e4rt Valeria Diaz*, Mitglied des Forschungsteams von Open Doors. \u201eAngst vor Repressalien, Selbstzensur, die Normalisierung solcher Vorf\u00e4lle und die Aush\u00f6hlung vertrauensw\u00fcrdiger Netzwerke behindern die Dokumentationsbem\u00fchungen.\u201c<\/p>\n<p>Die \u00f6rtliche Gemeinde ruft die weltweite Kirche dazu auf, f\u00fcr beide Pastoren zu beten und sich f\u00fcr Transparenz in der Justiz sowie f\u00fcr die Achtung ihrer Rechte einzusetzen.<\/p>\n<p>Auf dem <a href=\"https:\/\/www.opendoors.de\/christenverfolgung\/weltverfolgungsindex?pk_campaign=NA&amp;pk_kwd=20261023\">Weltverfolgungsindex 2026<\/a> steht <a href=\"https:\/\/www.opendoors.de\/christenverfolgung\/weltverfolgungsindex\/laenderprofile\/nicaragua?pk_campaign=NA&amp;pk_kwd=20261023\">Nicaragua<\/a> an 32. Stelle unter den L\u00e4ndern, in denen Christen am st\u00e4rksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.<\/p>\n<p>*Name ge\u00e4ndert<br \/>\n<em>Quellen: CSW, Open Doors<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kirchen im Land weiterhin unter hohem Druck durch das Regime. Open Doors, Kelkheim) \u2013 Am 1. 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