{"id":464121,"date":"2026-10-26T19:07:22","date_gmt":"2026-10-26T18:07:22","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=464121"},"modified":"2026-10-26T19:07:22","modified_gmt":"2026-10-26T18:07:22","slug":"fischerei-hat-nur-zukunft-mit-gesunden-meeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/fischerei-hat-nur-zukunft-mit-gesunden-meeren\/","title":{"rendered":"Fischerei hat nur Zukunft mit gesunden Meeren"},"content":{"rendered":"<p>Foto: Gemini KI generiert TBF<\/p>\n<ul>\n<li>BUND SH fordert verbindlichen Wiederherstellungsplan f\u00fcr Dorsch und Hering<\/li>\n<li>\u00d6ffentliche F\u00f6rderung nur f\u00fcr \u00f6kosystemvertr\u00e4gliche Fischerei<\/li>\n<li>Wirksame Nullnutzungszonen und weniger N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge notwendig<\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Kiel.<\/strong> Die Zukunft der Fischerei in Schleswig-Holstein entscheidet sich nicht allein an Fangquoten und F\u00f6rderprogrammen, sondern vor allem am Zustand von Nord- und Ostsee. Anl\u00e4sslich der schriftlichen Anh\u00f6rung des Umwelt- und Agrarausschusses des schleswig-holsteinischen Landtags zur \u201eZukunft und Existenzsicherung der Fischerei in Schleswig-Holstein\u201c fordert der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH) einen grundlegenden Kurswechsel: Fischereipolitik und Meeresschutz m\u00fcssen gemeinsam gedacht werden.<\/p>\n<p>\u201eWer der Fischerei langfristig eine Zukunft geben will, muss zuerst ihre nat\u00fcrliche Lebensgrundlage sichern. Ohne gesunde Fischbest\u00e4nde, intakte Laichgebiete und widerstandsf\u00e4hige Meeres\u00f6kosysteme kann es keine dauerhaft tragf\u00e4hige Fischerei geben. F\u00f6rdergelder m\u00fcssen deshalb konsequent an \u00f6kologische Leistungen gekoppelt werden und den notwendigen Wandel unterst\u00fctzen, statt nicht nachhaltige Strukturen k\u00fcnstlich zu erhalten\u201c, sagt Verena Platt-Till, Meeresschutzreferentin des BUND SH.<\/p>\n<p>Nord- und Ostsee sind weiterhin vielf\u00e4ltigen Belastungen ausgesetzt. Neben dem Fischereidruck beeintr\u00e4chtigen insbesondere zu hohe N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge, Sauerstoffmangel, Schadstoffe, der Klimawandel und der Verlust wertvoller Lebensr\u00e4ume die \u00d6kosysteme. Aus Sicht des BUND SH greift es deshalb zu kurz, die Existenzsicherung der Fischerei losgel\u00f6st vom Zustand der Meere zu diskutieren.<\/p>\n<p><strong>Wiederherstellungsplan f\u00fcr Dorsch und Hering notwendig <\/strong><\/p>\n<p>Besonders kritisch ist die Situation von westlichem Ostseedorsch und westlichem Ostseehering. Die Landesregierung benennt in ihrer Antwort auf die schriftliche Anh\u00f6rung zwar wesentliche Ursachen f\u00fcr den schlechten Zustand der Best\u00e4nde. Nach Auffassung des BUND SH fehlen jedoch weiterhin ein verbindlicher Wiederherstellungsplan, konkrete Zwischenziele und eine nachvollziehbare Erfolgskontrolle.<\/p>\n<p>Der BUND fordert, wissenschaftliche Fangempfehlungen konsequent zu ber\u00fccksichtigen und vermeidbare F\u00e4nge und Beif\u00e4nge weiter zu reduzieren. In eine Wiederherstellungsstrategie m\u00fcssen Berufsfischerei und Freizeitfischerei ebenso einbezogen werden wie die Reduzierung der N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge und der Schutz von Laich- und Aufwuchsgebieten.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen nicht auf die R\u00fcckkehr stabiler Fischbest\u00e4nde hoffen und gleichzeitig ihre Lebensr\u00e4ume weiter mit Stickstoff und Phosphor belasten. Die Ostsee braucht messbare Reduktionsziele, ein belastbares Monitoring der Zufl\u00fcsse und wirksame Ma\u00dfnahmen an Land. Meeresschutz beginnt nicht erst an der K\u00fcstenlinie\u201c, sagt Prof. Dr.-Ing. Dietmar Schitthelm vom BUND SH.<\/p>\n<p>Aus Sicht des BUND reichen freiwillige Ma\u00dfnahmen zur Verringerung der N\u00e4hrstoffbelastung nicht aus. Notwendig sind verl\u00e4ssliche Daten \u00fcber die tats\u00e4chlichen N\u00e4hrstofffrachten in den Ostseezufl\u00fcssen und eine konsequente Verringerung der Eintr\u00e4ge aus Landwirtschaft und Abwasser.<\/p>\n<p><strong>Schutzgebiete m\u00fcssen tats\u00e4chlich sch\u00fctzen <\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt der BUND-Stellungnahme ist die Wirksamkeit von Meeresschutzgebieten. Schutzgebiete k\u00f6nnen ihre Funktion als R\u00fcckzugs-, Laich- und Aufwuchsgebiete nur erf\u00fcllen, wenn sch\u00e4dliche Nutzungen dort dauerhaft eingeschr\u00e4nkt und die Regelungen wirksam kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Der BUND SH fordert deshalb gem\u00e4\u00df Bundesnaturschutzgesetz mindestens 51 Prozent verbindliche Nullnutzungszonen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Grundber\u00fchrende Fischerei soll zun\u00e4chst aus allen Meeresschutzgebieten ausgeschlossen und langfristig beendet werden. Zugleich m\u00fcssen Kontrollen ausreichend personell und technisch ausgestattet sein.<\/p>\n<p>Auch bei Offshore-Windparks mahnt der BUND eine differenzierte Betrachtung an. Der Ausschluss grundber\u00fchrender Fischerei kann \u00f6rtlich R\u00fcckzugsr\u00e4ume f\u00fcr Fische und andere Meerestiere schaffen. Gleichzeitig gehen von Bau und Betrieb der Anlagen erhebliche Belastungen f\u00fcr andere Teile des Meeres\u00f6kosystems aus. Windparks k\u00f6nnen deshalb keine Meeresschutzgebiete ersetzen.<\/p>\n<p><strong>Artenschutz und Fischerei zusammendenken <\/strong><\/p>\n<p>Beim Schutz von Schweinswalen und tauchenden Meeresenten fordert der BUND eine unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung der bestehenden freiwilligen Vereinbarungen anhand tats\u00e4chlicher Beifangzahlen. Wo freiwillige Ma\u00dfnahmen nicht ausreichen, m\u00fcssen verbindliche Schutzma\u00dfnahmen und beifang\u00e4rmere Fangmethoden folgen.<\/p>\n<p>Auch beim Europ\u00e4ischen Aal sieht der BUND grundlegenden Handlungsbedarf. Angesichts des schlechten Bestandszustands fordert der Verband einen vollst\u00e4ndigen Fangstopp und den Schutz nat\u00fcrlich einwandernder Aale. \u00d6ffentliche Mittel sollten vorrangig in die Wiederherstellung durchg\u00e4ngiger Gew\u00e4sser und die Verringerung der Sterblichkeit an technischen Anlagen flie\u00dfen statt in den Besatz mit zuvor gefangenen Glasaalen.<\/p>\n<p>\u201eBeim Aal zeigt sich besonders deutlich, dass gut gemeinte Ma\u00dfnahmen nicht automatisch guter Artenschutz sind. Glasaale an einer Stelle zu fangen und andernorts auszusetzen, schafft keinen einzigen zus\u00e4tzlichen Aal. Wir m\u00fcssen die Ursachen angehen: Fangdruck reduzieren, Wanderwege wieder \u00f6ffnen und daf\u00fcr sorgen, dass die Tiere ihre nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume erreichen k\u00f6nnen\u201c, sagt Rainer Borcherding vom BUND SH.<\/p>\n<p><strong>Wertsch\u00f6pfung statt h\u00f6herem Fischereidruck <\/strong><\/p>\n<p>Der BUND SH betont zugleich, dass die Transformation der Fischerei wirtschaftliche Perspektiven f\u00fcr \u00f6kosystemvertr\u00e4glich arbeitende Betriebe er\u00f6ffnen muss. Eine h\u00f6here regionale Wertsch\u00f6pfung, beispielsweise durch Direktvermarktung, kann dazu beitragen, Einkommen zu sichern, ohne den Fischereidruck zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche F\u00f6rderung muss dabei nach Auffassung des BUND messbare \u00f6kologische Verbesserungen unterst\u00fctzen. Wo eine \u00f6kosystemvertr\u00e4gliche Nutzung derzeit nicht m\u00f6glich ist, sollten der Ausstieg aus belastenden Fangmethoden, die Umstellung von Betrieben und alternative Einkommensm\u00f6glichkeiten unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Platt-Till abschlie\u00dfend: \u201eDie Interessen von Fischerei und Meeresschutz sind langfristig keine Gegens\u00e4tze. Gerade die Fischerei ist auf lebendige Meere angewiesen. Deshalb muss Politik heute die Voraussetzungen daf\u00fcr schaffen, dass sich Fischbest\u00e4nde und Lebensr\u00e4ume erholen k\u00f6nnen \u2013 das ist die wichtigste Investition in die Zukunft der Fischerei.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Gemini KI generiert TBF BUND SH fordert verbindlichen Wiederherstellungsplan f\u00fcr Dorsch und Hering \u00d6ffentliche F\u00f6rderung nur f\u00fcr \u00f6kosystemvertr\u00e4gliche Fischerei<\/p>\n","protected":false},"author":4994,"featured_media":464122,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5,8],"tags":[29242],"class_list":["post-464121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-wirtschaft","category-flora-fauna-wasser","tag-fischerei-hat-nur-zukunft-mit-gesunden-meeren"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/464121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4994"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=464121"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/464121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":464123,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/464121\/revisions\/464123"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/464122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=464121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=464121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=464121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}