{"id":464131,"date":"2026-10-26T20:09:11","date_gmt":"2026-10-26T19:09:11","guid":{"rendered":"https:\/\/hier-luebeck.de\/?p=464131"},"modified":"2026-10-26T20:09:11","modified_gmt":"2026-10-26T19:09:11","slug":"justizministerin-von-der-decken-beim-herbstforum-des-kpj-sh-gutachten-fuer-die-justiz-brauchen-fachliche-expertise-und-erfahrung-sowie-einen-offenen-dialog-zwischen-den-professionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/justizministerin-von-der-decken-beim-herbstforum-des-kpj-sh-gutachten-fuer-die-justiz-brauchen-fachliche-expertise-und-erfahrung-sowie-einen-offenen-dialog-zwischen-den-professionen\/","title":{"rendered":"Justizministerin von der Decken beim Herbstforum des KPJ SH: \u201eGutachten f\u00fcr die Justiz brauchen fachliche Expertise und Erfahrung sowie einen offenen Dialog zwischen den Professionen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>SCHLESWIG. Was erwartet die Justiz von einem guten psychiatrischen oder psycho- logischen Gutachten? Was ist aus Sicht der Sachverst\u00e4ndigen leistbar? Wie k\u00f6nnen die beteiligten Professionen noch besser zusammenarbeiten? Und wie lassen sich auch k\u00fcnftig ausreichend qualifizierte Sachverst\u00e4ndige f\u00fcr diese anspruchsvolle Aufgabe gewinnen?<!--more--><\/p>\n<p>Diese Fragen stehen heute (26. Oktober) im Mittelpunkt des ersten Herbstforums JUSTIZ.GUTACHTEN.DIALOG des Kompetenzzentrums Psychiatrische und Psychologische Justizgutachten Schleswig-Holstein (KPJ SH). Rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Justiz, Justizvollzug, Psychiatrie, Rechtspsychologie und Psychotherapie kommen dazu im Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht zusammen. Das KPJ SH wurde 2025 unter Federf\u00fchrung des Ministeriums f\u00fcr Justiz und Gesundheit in Kooperation mit der \u00c4rztekammer Schleswig-Holstein gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Ziel ist es, die psychiatrische und psychologische Gutachtenerstellung f\u00fcr die Justiz besser zu koordinieren, fachlich zu qualifizieren und zukunftsf\u00e4hig zu gestalten.\u00a0Justiz- und Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken sagte bei der Begr\u00fc\u00dfung: \u201ePsychiatrische und psychologische Gutachten sind in vielen gerichtlichen Verfahren von zentraler Bedeutung. Sie betreffen h\u00e4ufig besonders sensible Bereiche und bilden eine wichtige Grundlage f\u00fcr Entscheidungen von erheblicher Tragweite.<\/p>\n<p>Umso wichtiger sind fachlich fundierte Gutachten und eine gute Zusammenarbeit zwischen Justiz und Sach- verst\u00e4ndigen. Dass heute rund 110 Teilnehmende aus unterschiedlichen Professionen zusammenkommen, zeigt, wie gro\u00df das Interesse an diesem Austausch ist.\u201c<\/p>\n<p>Prof. Dr. Henrik Herrmann, Pr\u00e4sident der \u00c4rztekammer Schleswig-Holstein erg\u00e4nzte: &#8222;Die Gr\u00fcndung des Kompetenzzentrums f\u00fcr psychiatrische und psychologische Justizgutachten Schleswig-Holstein war ein wichtiger und notwendiger Schritt, um die Qualit\u00e4t, Verl\u00e4sslichkeit und Verf\u00fcgbarkeit fachlich fundierter Gutachten nachhaltig zu st\u00e4rken. Der Bedarf an qualifizierter psychiatrischer und psychologischer Sachverst\u00e4ndigenarbeit an der Schnittstelle von Medizin, Psychologie und Justiz nimmt zu. Es ist ein gro\u00dfer Erfolg, dass wir nunmehr ein umfassenderes Netzwerk von rund 120 fach\u00e4rztlich spezifisch qualifizierte \u00c4rztinnen und \u00c4rzte im Land aufgebaut haben, die als potenzielle Gutachter infrage kommen. Die heutige Veranstaltung bietet eine wertvolle Gelegenheit, die bisherige Entwicklung zu reflektieren, den fachlichen Austausch zu f\u00f6rdern und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Disziplinen weiter auszubauen.\u201c<\/p>\n<p>Ausgangspunkt f\u00fcr die Gr\u00fcndung des Kompetenzzentrums war der seit Jahren bestehen- de Mangel an qualifizierten psychiatrischen und psychologischen Sachverst\u00e4ndigen. Die Suche nach geeigneten Gutachterinnen und Gutachtern war f\u00fcr Gerichte und Staatsanwaltschaften oftmals zeitaufw\u00e4ndig und band erhebliche Arbeitskraft.<br \/>\nDas Ministerium f\u00fcr Justiz und Gesundheit hat deshalb bereits im November 2023 eine Projektgruppe mit Fachleuten aus Justiz, Justizvollzug, Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie eingesetzt. Basierend auf deren Empfehlungen brachten das Ministerium und die \u00c4rztekammer Schleswig-Holstein das KPJ SH auf den Weg. Seit dem 1. Juli 2025 ist das Kompetenzzentrum operativ t\u00e4tig.\u00a0\u201eWir haben nicht nur ein Problem beschrieben, sondern gemeinsam mit der \u00c4rztekammer eine bundesweit in dieser Form einmalige Struktur geschaffen.<\/p>\n<p>Das Kompetenzzentrum unterst\u00fctzt zum einen die Justiz im Arbeitsalltag und ebnet zum anderen den Sachverst\u00e4ndigen den Weg in die Gutachtenpraxis f\u00fcr die Justiz\u201c, erkl\u00e4rte die Ministerin. \u201eNach gut einem Jahr k\u00f6nnen wir sagen: Das Angebot wird sehr gut angenommen und es entwickelt sich weiter. Das ist ein gro\u00dfer Erfolg der engen Zusammenarbeit der Bereiche Justiz und Gesundheit in Schleswig-Holstein.\u201c<\/p>\n<p>Das KPJ SH geht bewusst \u00fcber die Vermittlung geeigneter Sachverst\u00e4ndiger hinaus. Zu seinen Aufgaben geh\u00f6ren Fortbildung, interdisziplin\u00e4rer Praxisaustausch, Nachwuchsf\u00f6rderung, Fallsupervision beziehungsweise Intervision sowie die Entwicklung und Weitergabe von Fachwissen. Ein interdisziplin\u00e4r besetztes Fachgremium unterst\u00fctzt zudem den fachlichen Austausch und soll die Kommunikation zwischen den beteiligten Disziplinen verbessern.<\/p>\n<p>Ministerin von der Decken f\u00fchrte dazu aus: \u201eDie Qualit\u00e4t eines Gutachtens h\u00e4ngt nicht allein von der fachlichen Expertise der Sachverst\u00e4ndigen ab. Ebenso wichtig ist, dass die Beteiligten die Anforderungen und Arbeitsweisen der jeweils anderen Profession verstehen. Die Justiz muss wissen, was Psychiatrie und Psychologie fachlich leisten k\u00f6nnen. Umgekehrt m\u00fcssen Sachverst\u00e4ndige wissen, welche Fragen das Gericht beantworten muss und welche Informationen es daf\u00fcr ben\u00f6tigt. Gerade in diesem sensiblen Bereich brauchen wir deshalb nicht nur Expertise, sondern auch einen verl\u00e4sslichen Austausch und ein gutes gegenseitiges Verst\u00e4ndnis.\u201c<\/p>\n<p>Mit JUSTIZ.GUTACHTEN.DIALOG erh\u00e4lt dieser Gedanke ein neues, regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrendes Format. Es soll aktuelle fachliche Entwicklungen vermitteln, Raum f\u00fcr unterschiedliche Perspektiven schaffen und Justiz, Psychiatrie, Rechtspsychologie und Psychotherapie st\u00e4rker miteinander vernetzen. Beim ersten Herbstforum stehen zun\u00e4chst psychiatrische Gutachten im Strafrecht im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Michael Neef, Richter am Bundesgerichtshof, beleuchtet die Anforderungen der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung an psychiatrische Gutachten zu Schuldf\u00e4higkeit und Ma\u00dfregeln. Prof. Dr. Dieter Seifert, Facharzt f\u00fcr Neurologie und Psychiatrie und langj\u00e4hriger forensischer Sachverst\u00e4ndiger, stellt dem die Frage gegen\u00fcber, was aus sachverst\u00e4ndiger Sicht tats\u00e4chlich leistbar ist. Am Nachmittag richtet sich der Blick auf die klinische und betreuungsgerichtliche Praxis.<\/p>\n<p>Dr. Daniel Ehmke erl\u00e4utert die Schnittstelle zwischen gerichtlicher Anordnung und klinischer Realit\u00e4t; Britta Buchenau, Richterin am Amtsgericht Flensburg, nimmt Anforderungen der gerichtlichen Praxis und typische Konfliktfelder bei Gutachten im Betreuungsrecht in den Blick. Auch die Nachwuchsgewinnung spielt eine wichtige Rolle. \u201eWir wollen nicht nur dar\u00fcber sprechen, welche Anforderungen gute Gutachten heute erf\u00fcllen m\u00fcssen\u201c, so Ministerin von der Decken. \u201eWir m\u00fcssen zugleich daf\u00fcr sorgen, dass auch k\u00fcnftig qualifizierte Sachverst\u00e4ndige f\u00fcr diese verantwortungsvolle T\u00e4tigkeit zur Verf\u00fcgung stehen. Dazu geh\u00f6ren Qualifizierung und fachliche Begleitung ebenso wie gute Rahmenbedingungen und ein kontinuierlicher Austausch mit der Justiz.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Das Kompetenzzentrum Psychiatrische und Psychologische Justizgutachten Schleswig-Holstein (KPJ SH) wurde 2025 unter Federf\u00fchrung des Ministeriums f\u00fcr Justiz und Gesundheit in Kooperation mit der \u00c4rztekammer Schleswig-Holstein gegr\u00fcndet. Die bei der \u00c4rztekammer angesiedelte Vermittlungsstelle unterst\u00fctzt insbesondere Gerichte und Staatsanwaltschaften bei der Suche nach geeigneten psychiatrischen und psycho- logischen Sachverst\u00e4ndigen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6ren interdisziplin\u00e4rer Austausch, Fortbildung und Nachwuchsf\u00f6rderung zu den Aufgaben des KPJ SH. Das Land Schleswig-Holstein beteiligt sich an der Finanzierung des KPJ SH mit j\u00e4hrlich 60.000 Euro, insbesondere f\u00fcr die bei der \u00c4rztekammer geschaffene fach\u00e4rztliche Stelle. Damit unterst\u00fctzt das Ministerium den dauerhaften Aufbau einer leistungsf\u00e4higen Vermittlungs- und Vernetzungsstruktur f\u00fcr psychiatrische und psychologische Justizgutachten. Die Vermittlungsstelle wird von Dr. Victoria Witt, Fach\u00e4rztin f\u00fcr Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, geleitet.<\/p>\n<p>Inzwischen sind dort 128 Sachverst\u00e4ndige registriert. Seit Aufnahme der T\u00e4tigkeit sind 189 Vermittlungsanfragen eingegangen und konnten erfolgreich vermittelt werden. Auch das fachliche Netzwerk w\u00e4chst: Der Newsletter des Kompetenzzentrums erreicht mittlerweile rund 220 Abonnentinnen und Abonnenten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SCHLESWIG. Was erwartet die Justiz von einem guten psychiatrischen oder psycho- logischen Gutachten? 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