{"id":48125,"date":"2011-11-17T17:12:25","date_gmt":"2011-11-17T16:12:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=48125"},"modified":"2011-11-17T17:12:25","modified_gmt":"2011-11-17T16:12:25","slug":"gesundheitspolitik-ursula-sassen-zu-top-20-39-mehr-leistung-fur-demenzkranke-und-pflegende-angehorige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/gesundheitspolitik-ursula-sassen-zu-top-20-39-mehr-leistung-fur-demenzkranke-und-pflegende-angehorige\/","title":{"rendered":"Gesundheitspolitik: Ursula Sassen zu TOP 20 + 39: Mehr Leistung f\u00fcr Demenzkranke und pflegende Angeh\u00f6rige"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben bereits am 13. September 2007 und am 26. September 2008 im Landtag die Problematik der zunehmenden Zahl an Demenz-Erkrankten diskutiert und einm\u00fctig festgestellt, dass etwas geschehen muss, um den an Alzheimer Erkrankten und Demenzkranken in einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen und schwierigen Lebensphase zu helfen, indem wir ihren Bed\u00fcrfnissen Rechnung tragen und sie in ihrer eingeschr\u00e4nkten Wahrnehmung des Umfeldes akzeptieren und respektieren. Es gibt zahlreiche Forschungen zu diesen Krankheitsbildern, Studien und Behandlungskonzepte. Der Druck auf alle Beteiligten \u2013 insbesondere auf die Politik \u2013 w\u00e4chst angesichts der demographischen Entwicklung und deren Folgen, so dass der Ruf nach Aktionspl\u00e4nen und Handlungskonzepten liegt nahe.<!--more-->Nach dem Grundsatz \u201eambulant vor station\u00e4r\u201c nehmen Angeh\u00f6rige in der ambulanten Betreuung von Demenzkranken eine Schl\u00fcsselposition ein. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Gerontopsychiatrie und -Psychotherapie e.V. hat 2008 eine Studie zur Demenzversorgung im ambulanten Sektor erstellt.<\/p>\n<p>Zwei der wichtigsten Ergebnisse der Studie beinhalten, dass die Hauptursache, dass Demenzkranke ins Heim umziehen m\u00fcssen, an der \u00dcberforderung der pflegenden Angeh\u00f6rigen liegt; dass eine Vielzahl von Demenzkranken, die zu Hause versorgt werden, nicht \u00e4rztlich diagnostiziert sind und daher auch medikament\u00f6s nicht optimal versorgt sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Studie wurden alle bekannten<br \/>\nPflegedienste in Deutschland angeschrieben. Von den 903 ambulanten Pflegediensten, die aktiv an der Befragung teilnahmen, wurden insgesamt 64.970 Patienten betreut, von denen 12.975 (22 %) eine vom Arzt diagnostizierte Demenz hatten.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung der Pflegedienste wurde vermutet, dass zus\u00e4tzlich ca. 7.000 weitere betreute Patienten an einer nicht \u00e4rztlich diagnostizierten Demenz litten. Mehr als die H\u00e4lfte der diagnostizierten Demenzpatienten erhielt trotz der gesicherten Diagnose keine medikament\u00f6se antidementive Therapie.<\/p>\n<p>\u00dcber 50 Prozent der Pflegedienste gab an, dass mehr Wissen \u00fcber Demenz ihre Arbeit erleichtern w\u00fcrde. Nur jeder zehnte Pflegedienst f\u00fchlte sich sehr gut zum Themenkreis \u201eDemenz\u201c informiert.<\/p>\n<p>Die Kernaussage dieser Studie beinhaltet die Forderung, dass Behandlung und Pflege von Demenzkranken aus einem \u201eTopf\u201c zu finanzieren sind. Solange die Demenzen nur als Pflegeproblem betrachtet werden, sind die Chancen, die eine fr\u00fchzeitige \u00e4rztliche Diagnostik und Behandlung bieten, \u201enicht im Fokus des Systems\u201c.<\/p>\n<p>Dies wirft auch die Frage nach der<br \/>\nBegriffsbestimmung des<br \/>\nPflegebed\u00fcrftigkeitsbegriffs auf. Die Definition der Pflegebed\u00fcrftigkeit macht sich bis heute vornehmlich an der Feststellung von k\u00f6rperlichen Defiziten fest. Der Hilfebedarf wird vorwiegend in Minuten gemessen. Die Einschr\u00e4nkungen Demenzkranker bei der Alltagskompetenz und der Teilhabe am sozialen Leben werden kaum ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Der Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriff als entscheidende Stellschraube bei der Einstufung eines Patienten in eine Pflegestufe ist nicht mehr zeitgerecht und geht zu Lasten demenziell Erkrankter. Demenz ist zwar nicht heilbar aber durch gesunde Lebensweise, Bewegung, geistige Regsamkeit und eine fr\u00fchzeitige Gabe von Medikamenten kann ihr Fortschreiten f\u00fcr eine Zeit aufgehalten werden, damit Demenz nicht auch als Last und Leiden auf die Angeh\u00f6rigen \u00fcbertragen wird.<\/p>\n<p>Die Zeit reicht nicht, um auch die station\u00e4re Betreuung Demenzkranker n\u00e4her zu beleuchten. Wir haben in Schleswig-Holstein viele vorbildliche Einrichtungen und auch in Krankenh\u00e4usern hervorragende geriatrische Versorgung!<\/p>\n<p>Schleswig-Holstein hat gemeinsam mit den Pflegekassen und der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein das \u201eKompetenzzentrum Demenz\u201c auf den Weg gebracht. Dadurch werden die landesweiten Koordinierungs- und Beratungsaufgaben zum Thema \u201eDemenz\u201c geb\u00fcndelt. Auch die Pflegest\u00fctzpunkte leisten einen wichtigen Beitrag.<\/p>\n<p>Der Wunschzettel der Opposition f\u00fcr einen Demenzplan ist lang. Ob alle Forderungen zielf\u00fchrend sind, bezweifle ich.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns haben Vorrang:<\/p>\n<p>&#8211; Aufkl\u00e4rung und Information<br \/>\n&#8211; st\u00e4rkere Einbeziehung der Haus\u00e4rzte<br \/>\n&#8211; Entlastung der pflegenden Angeh\u00f6rigen<br \/>\n&#8211; Definition des Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriffs<br \/>\n&#8211; Sensibilisierung der \u00d6ffentlichkeit<br \/>\n&#8211; Pr\u00e4ventionsarbeit zur Vermeidung von Demenz.<\/p>\n<p>Der mit diesem Tagesordnungspunkt ebenfalls aufgerufene Antrag der Fraktion B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN zur besseren Anerkennung und Rahmenbedingungen in der Pflege kommen in der heutigen Diskussion ein wenig zu kurz.<\/p>\n<p>Da CDU und FDP jedoch fast zeitgleich einen Berichtsantrag zu pflegepolitischen Perspektiven des Landes Schleswig-Holstein gestellt haben, gehen wir davon aus, dass die Landesregierung auch die wesentlichen Punkte des Antrages von B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN in ihrem Bericht in der 24. Tagung ber\u00fccksichtigen wird. Einen Satz aus meiner Landtagsrede vom 13. September 2007 m\u00f6chte ich heute wiederholen: Aktionspl\u00e4ne und sch\u00f6ne Worte n\u00fctzen nichts, wenn nicht Taten folgen!<\/p>\n<p>Die Bundesregierung hat gestern (16. November<br \/>\n2011) Eckpunkte beschlossen mit dem Ziel einer besseren Hilfe f\u00fcr Demenzkranke und mehr Unterst\u00fctzung f\u00fcr pflegende Angeh\u00f6rige. Dies ist ein wegweisender Schritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben bereits am 13. September 2007 und am 26. 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