{"id":5413,"date":"2008-02-11T00:57:12","date_gmt":"2008-02-11T00:57:12","guid":{"rendered":"http:\/\/testserver\/wordpress\/?p=5313"},"modified":"2008-02-11T00:57:12","modified_gmt":"2008-02-11T00:57:12","slug":"neujahrsempfang_der_marli_gmbh__rckblick_und_vorausschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/neujahrsempfang_der_marli_gmbh__rckblick_und_vorausschau\/","title":{"rendered":"Neujahrsempfang der Marli GmbH &#8211; R\u00fcckblick und Vorausschau"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Marli-W-NeujE08\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/images\/topics\/Marli-W-NeujE08.jpg\" alt=\"Marli-W-NeujE08\" \/><br \/>\nDie Neujahrsempf\u00e4nge der Marli Werkst\u00e4tten Gemeinn\u00fctzige Einrichtungen f\u00fcr behinderte Menschen bieten regelm\u00e4\u00dfig in verschiedenster Hinsicht Gelegenheit, sich mit der Einrichtung &#8222;auseinander zu setzen&#8220;: Immer interessant, R\u00fcckblick zu halten und vor die Vorausschau in politischer  Hinsicht zu betrachten.<\/p>\n<p>Foto (RB): Axel Willenberg, Robert Antretter, Peter Eggert und Reinhold Hiller<br \/>\n<!--more-->Auch dieses Mal kritisierte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Axel Willenberg die politischen Repr\u00e4sentanten, die Bekenntnisse abgeben, es aber vers\u00e4umen, Verordnungen und Richtlinien zu ver\u00e4ndern, damit den Reden auch Taten folgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bevor er dies jedoch im Einzelnen nach der Anmoderation und Begr\u00fc\u00dfung ausf\u00fchrte,<br \/>\nsprach der Erste Stellvertretende Stadtpr\u00e4sident L\u00fcbecks Reinhold Hiller das Gru\u00dfwort f\u00fcr die Hansestadt. Er freute sich ganz besonders dar\u00fcber, hier zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus der Politik zu sehen, sei es aber im Vorfeld der anstehenden Kommunalwahl wohl programmatisches Ziel aller Parteien, Fragen der &#8222;Lebenshilfe&#8220; aufzugreifen. &#8222;Ich w\u00fcrde es aber begr\u00fc\u00dfen, wenn alle diese auch sonst viel mehr in ihre Politik einflie\u00dfen lassen w\u00fcrden&#8220;, so Reinhold Hiller.<\/p>\n<p>Gro\u00dfen Dank sprach er Peter Eggert, dem ehrenamtlichen 1. Vorsitzenden der Lebenshilfe f\u00fcr Menschen mit geistiger Behinderung L\u00fcbeck und Umgebung e. V., die Haupttr\u00e4ger der Werkst\u00e4tten ist,  und Axel Willenberg f\u00fcr deren auch in 2007 geleistete Arbeit im Dienste der Menschen in den &#8222;Werkst\u00e4tten&#8220; aus: &#8222;Wenn Sie dies weiter so leisten, wird auch 2008 alles gelingen!&#8220; Ganz besonders freute er sich auf den Festvortrag Robert Antretters, Bundestagsabgeordneter a. D. und Ehrenmitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Dieser Name stand auch schon im vergangenen Jahr auf dem &#8222;Programm&#8220;. Wer sich an diesen Tag aus gleichem Anlass erinnert, wei\u00df, dass der Festredner auf Grund der heftigen Winterverh\u00e4ltnisse die Reise aus dem s\u00fcddeutschen Raum hierher hatte abbrechen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Axel Willenberg griff in gewohnter Weise die Dinge um R\u00fcckblick und Vorausschau in kompetenter Weise auf. So sprach er die Kommunalisierung hinsichtlich der Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr alle T\u00e4tigkeitsfelder im Rahmen der Eingliederungshilfe seit 1. Januar 2007 an. Danach ist die Hansestadt L\u00fcbeck nicht mehr nur f\u00fcr ambulante Angebote zust\u00e4ndig, sondern hat auch die Finanzierung f\u00fcr den teilstation\u00e4ren und station\u00e4ren Bereich \u00fcbernommen. Damit ist &#8222;in Sachen Werkst\u00e4tten und Wohnen jetzt haupts\u00e4chlich die Hansestadt zust\u00e4ndig&#8220;, so der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Trotz vom Land \u00fcberlassener, dabei wohl unvollst\u00e4ndiger Unterlagen sei in vielen Abstimmungsgespr\u00e4chen aber eine gemeinsame Basis gefunden worden: &#8222;Die sachlichen Auseinandersetzungen bleiben und wir werden bei weitem nicht immer einer Meinung sein. Wir k\u00f6nnen uns aber in einer guten Atmosph\u00e4re begegnen, was in einer sich ver\u00e4ndernden F\u00f6rderlandschaft au\u00dferordentlich wichtig ist!&#8220; Auf die &#8222;Entwicklung Marli&#8220; bezogen sieht er eine weiterhin expansive Entwicklung: &#8222;Diese aber ist das Ergebnis einer unver\u00e4ndert starken an uns herangetragenen Nachfrage!&#8220;<\/p>\n<p>Die Werkst\u00e4tten haben nach wie vor starken Zulauf: Inzwischen werden \u00fcber 630 Menschen mit Behinderungen hier betreut. Und wie es aussieht, ist das Wachstum  dieser Werkst\u00e4tten noch nicht am Ende. Guter Nachfrage erfreut sich auch die neue er\u00f6ffnete Tagesf\u00f6rderst\u00e4tte, so dass die F\u00f6rderung von 9 auf 18 Pl\u00e4tze verhandelt werden soll.  Die Warteliste f\u00fcr einen station\u00e4ren Wohnplatz ist nach wie vor lang. Entlastung soll ein Pflegeheim bringen, das 2009 er\u00f6ffnet werden soll. 180 Menschen werden derzeit von hier station\u00e4re betreut, und st\u00e4ndig w\u00e4chst auch die Zahl der Menschen, die ambulant im eigenen Wohnraum unterst\u00fctzt werden. Derzeit sind es 80 an der Zahl. Die Fr\u00fchf\u00f6rderung f\u00fcr entwicklungsverz\u00f6gerte und behinderte Kleinkinder erlebt eine noch nicht da gewesene Nachfrage: \u00dcber 400 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren werden von hier durch eine mobile interdisziplin\u00e4re  Fr\u00fchf\u00f6rderung betreut. Am Anfang steht eine Sozialp\u00e4dagogische Familienhilfe. Hierf\u00fcr wurde endlich die Zulassung als Jugendhilfetr\u00e4ger zugesprochen. Im Zusammenhang mit der Entwicklung eines weiteren Zentrums im Hochschulstadtteil, wo das Pflegeheim und eine Werkstatt mit 48 Pl\u00e4tzen entstehen sollen, forderte Axel Willenberg, eine Erweitung 540 anerkannter Gesamtpl\u00e4tze. Denn betreut werden bereits \u00fcber 630 Menschen. Die &#8222;leidige&#8220; Frage der Finanzierung birgt nat\u00fcrlich das gr\u00f6\u00dfte Problem in sich: 680.000 Euro wird die Einrichtung des geplanten Geb\u00e4udes kosten. Die Possehlstiftung hat bereits den Anfang mit einer Zusage von immerhin 130.000 Euro gemacht. Ziel ist es verst\u00e4ndlicherweise, \u00fcber Spenden die Inanspruchnahme von Fremdkapital so gering wie m\u00f6glich zu halten.<\/p>\n<p>Peter Eggert sieht optimistisch in die Zukunft. Der 1. Vorsitzende der &#8222;Lebenshilfe L\u00fcbeck&#8220; sprach unter anderem die erfolgreiche Er\u00f6ffnung des Marli-Bistros in direkter Nachbarschaft zum Haupthaus an: &#8222;Auch mit der \u00d6ffnung an Sonntagen haben wir eine wichtige T\u00fcr aufgesto\u00dfen: Nach einem Testlauf von nur sechs Sonntagen \u00fcbertraf die Resonanz alle unsere Erwartungen. Damit konnten wir die 2. Phase, n\u00e4mlich dieses Zusatzangebot mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Marli GmbH &#8211; jeweils unterst\u00fctzt durch mindestens ein Lebenshilfe-Mitglied &#8211; aufrecht zu halten.&#8220; Nicht zuletzt dient dieses Bistro auch eine dauerhafte &#8222;\u00d6ffentlichkeitsarbeit&#8220;, die durch das Zugehen auf die G\u00e4ste getragen wird. Eine der n\u00e4chsten &#8222;Unworte&#8220;: Inklusion? Peter Eggert sprach es an. Dabei geht es um Einforderung von &#8222;Das Leben von Menschen mit Behinderungen zu normalisieren und sie so weit wie m\u00f6glich in die Gesellschaft zu integrieren&#8220; &#8211;  &#8222;statt Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben&#8220;. Seiner Meinung nach werden in letzter Konsequenz die bisherigen Konzepte um Wohnen und Arbeiten nicht nur in Frage gestellt, sondern &#8211; das ist seine gro\u00dfe Bef\u00fcrchtung &#8211; als Auslaufmodell betrachtet. &#8222;Inklusion f\u00fcr uns im Grunde ein alter Hut&#8220;, so Peter Eggert. &#8222;Denn wir handeln seit vielen Jahren bereits danach!&#8220;<\/p>\n<p>Robert Antretter schlie\u00dflich, der auch Inhaber und Leiter des Instituts f\u00fcr Politikberatung und Publizistik in Backnang ist, trat nun seine Festrede an, die er zwischenzeitlich um weitere Erfahrungen und Erkenntnisse aktualisiert haben d\u00fcrfte:<br \/>\nEr stellt voran, dass die Behindertenhilfe gegenw\u00e4rtig nicht im Blickpunkt der Sozialpolitik steht. &#8222;Die gro\u00dfe Koalition besch\u00e4ftigt sich derzeit mit andere Themen wie Mindestl\u00f6hne, Rente mit 67 oder Nachbesserungen bei Hartz IV&#8220;, so ehemalige Bundestagsabgeordnete. &#8222;Das gilt auch f\u00fcr die Gesetzgebung. Zwar wird sich die Reform der sozialen Pflegeversicherung auf behinderte Menschen auswirken. Doch die insbesondere f\u00fcr Menschen mit geistiger Behinderung so wichtige Frage, wie sich Leistungen der Eingliederungshilfe mit Pflegeleistungen verkn\u00fcpfen lassen, wird im eingebrachten Entwurf eines Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes nicht aufgegriffen.&#8220;<\/p>\n<p>Lediglich eine aktuelle Gesetzes\u00e4nderung und Einf\u00fchrung eines &#8222;Pers\u00f6nlichen Budgets&#8220; ist wirklich auf behinderte Menschen zugeschnitten: Hiernach sind seit dem 1. Januar 2008 alle Rehabilitationstr\u00e4ger von Tr\u00e4gern der Sozialhilfe bis gesetzliche Rentenversicherung verpflichtet, ihre Leistungen im Regelfall als Geldleistung zu gew\u00e4hren, wenn der behinderte Mensch dies beantragt. Mit diesem &#8222;Paradigmentwechsel&#8220; wird versucht, den Betroffenen, die oft zeitlebens auf F\u00f6rderung und Betreuung angewiesen sind, nicht l\u00e4nger als zu versorgende  &#8222;Objekte der F\u00fcrsorge&#8220; zu betrachten, sondern sie zu &#8222;Subjekten der Teilhabe&#8220; zu machen, die ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen.<\/p>\n<p>Der Festredner erkannte in seinen weiteren Ausf\u00fchrungen dazu ausdr\u00fccklich das Verdienst der &#8222;Lebenshilfe&#8220; an, mit dieser Zielsetzung immer wieder an die jeweiligen Bundesregierungen herangetreten zu sein: &#8222;Diese Zielsetzung zieht sich wie ein Roter Faden durch die Geschichte der Lebenshilfe!&#8220; Genauso wie die Lebenshilfe in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts darum gek\u00e4mpft hat, die Entm\u00fcndigung von Menschen mit geistiger Behinderung abzuschaffen. Ob allerdings die Praxis betreffend des Pers\u00f6nlichen Budgets wirklich die Anerkennung findet, die diesem vorausgeht, versieht Robert Antretter mit einem Fragezeichen.<\/p>\n<p>Vor Ort m\u00fcssen auf jeden Fall Beraterinnen und Berater auf viele Fragen eine kompetente Antwort finden: Wie bemisst sich das Pers\u00f6nliche Budget? Welche Leistungen werden ben\u00f6tigt und welche Betr\u00e4ge m\u00fcssen aufgewendet werden, wenn Leistungen unterschiedlicher Leistungserbringer &#8222;eingekauft&#8220; werden m\u00f6chten? Reicht das Geld, um den individuellen Bedarf zu decken? Wie steht es um die Qualit\u00e4t der Leistung? &#8222;Der Gesetzgeber muss klarstellen, dass die so genannte Budget &#8211; Assistenz, d. h. die erforderlich Hilfe bei der Verwaltung des Pers\u00f6nlichen Budgets und beim Einkauf von Leistungen zus\u00e4tzlich finanziert wird!&#8220; Der Gesetzgeber m\u00fcsse garantieren, dass mit dem Pers\u00f6nlichen Budget dieser individuelle Bedarf gedeckt werden kann. Solange er aber an der gesetzlichen Regelung festh\u00e4lt, dass das Pers\u00f6nliche Budget nicht h\u00f6her bemessen sein darf als die Sachleistung, besteht die Gefahr, dass es von einzelnen Sozialhilfetr\u00e4gern dazu missbraucht wird, Kosten einzusparen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Zukunft des Pers\u00f6nlichen Budget ist unter diesen Voraussetzungen ungewiss&#8220;, schloss Robert Anstetter seinen Vortrag. &#8222;Aber wir &#8211; die Lebenshilfe &#8211; kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass immer mehr Menschen mit geistiger Behinderung ihre Leistung als Pers\u00f6nliches Budget beantragen.&#8220; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Neujahrsempf\u00e4nge der Marli Werkst\u00e4tten Gemeinn\u00fctzige Einrichtungen f\u00fcr behinderte Menschen bieten regelm\u00e4\u00dfig in verschiedenster Hinsicht Gelegenheit, sich mit der Einrichtung<\/p>\n","protected":false},"author":292,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5413","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sport-freizeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/292"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5413"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5413\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}