{"id":5703,"date":"2008-03-17T17:13:18","date_gmt":"2008-03-17T17:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/testserver\/wordpress\/?p=5603"},"modified":"2008-03-17T17:13:18","modified_gmt":"2008-03-17T17:13:18","slug":"der_lbeckische_nsstaat__ein_ruber_hehler_und_mrder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/der_lbeckische_nsstaat__ein_ruber_hehler_und_mrder\/","title":{"rendered":"Der L\u00fcbeckische NS-Staat &#8211; ein R\u00e4uber, Hehler und M\u00f6rder"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Dr.-Guttkuhn\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/images\/topics\/Dr.-Guttkuhn.jpg\" alt=\"Dr.-Guttkuhn\" \/><br \/>\nAuf Grund neuer Aktenfunde berichtet der L\u00fcbecker Historiker Dr. Peter Guttkuhn am Dienstag, 18. M\u00e4rz 2008, 19.30 Uhr im Gro\u00dfen Saal der Gemeinn\u00fctzigen, K\u00f6nigstra\u00dfe 5, von bislang unbekannten Gegebenheiten und dramatischen Situationen in der Hansestadt in den Jahren 1933 bis 1939, die sich allesamt von Staates wegen, gegen die j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger richtete und in einer beispiellosen Form von Willk\u00fcr und Rechtsmissbrauch durch Bedienstete der \u00f6ffentlichen Hand ausgef\u00fchrt wurden.<!--more-->Am 4. April 1933, drei Tage nach dem Boykottsabbat, an dem er eigentlich sein 25-j\u00e4hriges Anwaltsjubil\u00e4um hatte begehen wollen, verlie\u00df der Rechtsanwalt und Notar Dr. Leo Landau aus der Kronsforder Allee 10 zusammen mit der Familie seine Heimatstadt L\u00fcbeck f\u00fcr immer. Der Vorsitzende der j\u00fcdischen Gemeinde, Mitglied der Gemeinn\u00fctzigen seit 1908, musste seinen gesamten Hausrat zur\u00fccklassen, der am 20. Juni 1933 durch das Auktionshaus Koch in der Marlesgrube \u00f6ffentlich versteigert wurde. In Wahrheit handelte es sich um eine riesige Verschleuderungs-Aktion, bei der so mancher L\u00fcbecker &#8222;Volksgenosse&#8220; ein prima Schn\u00e4ppchen machte.<\/p>\n<p>Nur wenige Stunden nach dem Freitod des Fabrikdirektors und Kunstm\u00e4zens im Untersuchungsgef\u00e4ngnis schrieb der Vorsteher des Finanzamts L\u00fcbeck noch am 12. August 1938 an das Grundbuchamt: &#8222;Der Kaufmann Albert Asch und seine Ehefrau Anna schulden dem Reich aufgrund der Vorschriften \u00fcber die Reichsfluchtsteuer zur Sicherung gegenw\u00e4rtiger oder zuk\u00fcnftiger Anspr\u00fcche auf Reichsfluchtsteuer den Betrag von 149 492, 25 RM. Der Sicherheitsbescheid ist sofort vollstreckbar. Ich beantrage hiermit die Eintragung einer Sicherungshypothek zum H\u00f6chstbetrag auf das den Schuldnern geh\u00f6rige Grundst\u00fcck Friedrich-Wilhelm-Stra\u00dfe 17 in L\u00fcbeck f\u00fcr das Deutsche Reich, vertreten durch das Finanzamt L\u00fcbeck&#8220;. Das war die amtlich-b\u00fcrokratische Variante der Arisierung, sprich: Enteignung. Einen Tag sp\u00e4ter wurde sein Unternehmen in der Moislinger Allee 39\/40 &#8222;arisiert&#8220; &#8211; sprich von Staats wegen geraubt.<br \/>\nNachdem alle j\u00fcdischen M\u00e4nner als Folge der Reichspogromnacht am 10. November 1938 verhaftet und tags darauf ins KZ Sachsenhausen bei Oranienburg verschleppt worden waren, besuchten jeweils zwei bewaffnete Gestapoleute die meisten der zur\u00fcckgebliebenen Ehefrauen, durchsuchten deren Wohnungen und raubten &#8211; man sprach von &#8222;Sicherstellung&#8220; &#8211; deren gesamten pers\u00f6nlichen Schmuck.<\/p>\n<p>Henry Ruben, Bankdirektor a. D. und Wirtschaftsberater, leitete von 1939 bis zu seiner Deportation die L\u00fcbecker j\u00fcdische Gemeinde. Sein Hausgrundst\u00fcck in der Wakenitzstra\u00dfe 34 b rissen sich die NS-Beh\u00f6rden bereits ein Jahr vor seiner Ermordung unter den Nagel. Dazu erlie\u00df der Schleswiger Regierungspr\u00e4sident folgende Verf\u00fcgung: &#8222;Auf Grund des Gesetzes \u00fcber die Einziehung kommunistischen Verm\u00f6gens in Verbindung mit dem Gesetz \u00fcber die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Verm\u00f6gens wird in Verbindung mit dem Erla\u00df des F\u00fchrers und Reichskanzlers \u00fcber die Verwertung des eingezogenen Verm\u00f6gens von Reichsfeinden das gesamte Verm\u00f6gen des Juden Henry Israel Ruben, zuletzt wohnhaft in L\u00fcbeck, St.-Annen-Stra\u00dfe 11, zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen&#8220;.<br \/>\nDer Eintritt zu dem Dienstagvortrag ist frei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Grund neuer Aktenfunde berichtet der L\u00fcbecker Historiker Dr. Peter Guttkuhn am Dienstag, 18. M\u00e4rz 2008, 19.30 Uhr im Gro\u00dfen<\/p>\n","protected":false},"author":292,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-5703","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5703","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/292"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5703"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5703\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5703"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5703"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5703"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}