{"id":6503,"date":"2008-06-15T01:11:01","date_gmt":"2008-06-15T01:11:01","guid":{"rendered":"http:\/\/testserver\/wordpress\/?p=6403"},"modified":"2008-06-15T01:11:01","modified_gmt":"2008-06-15T01:11:01","slug":"dr_phil_peter_guttkuhn_ein_deutschjdisches_lbecker_hochzeitsfest_anno_1872","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/dr_phil_peter_guttkuhn_ein_deutschjdisches_lbecker_hochzeitsfest_anno_1872\/","title":{"rendered":"Dr. phil. Peter Guttkuhn: &#8222;Ein deutsch-j\u00fcdisches L\u00fcbecker Hochzeitsfest Anno 1872&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Dr.-Guttkuhn\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/images\/topics\/Dr.-Guttkuhn.jpg\" alt=\"Dr.-Guttkuhn\" \/><br \/>\nAuch heute setzen wir in hier-luebeck die Vorstellung der Publikationen des in L\u00fcbeck arbeitenden Privatgelehrten und Historiker Dr. Peter Guttkuhn in der Reihe &#8222;Sonntags-Beitr\u00e4ge&#8220; fort. Heute: Dr. phil. Peter Guttkuhns Publikation &#8222;Ein deutsch-j\u00fcdisches L\u00fcbecker Hochzeitsfest Anno 1872&#8220;<\/p>\n<p>Foto (RB): Dr. Peter Guttkuhn<br \/>\n<!--more-->Ein deutsch-j\u00fcdisches L\u00fcbecker Hochzeitsfest Anno 1872<br \/>\nIm Zusammenhang mit seiner Schilderung der Moislinger j\u00fcdischen Hochzeitsbr\u00e4uche erz\u00e4hlt der Kaufmann Eisak Jacob Schlomer (1845-1914) auch von einem weithin bekannten Original: &#8222;Unter den Musikern war stets ein Jude &#8222;Lewertoff&#8220;, der die Trommel schlug und das Wort gepr\u00e4gt hat: &#8222;Daf\u00fcr sind wir  l e i d e r  Juden&#8220;&#8220;. Dieser Salomon Lazarus Lewertoff kam aus L\u00fcbeck, war dort 1810 geboren und geh\u00f6rte zu den acht bzw. neun j\u00fcdischen Familien, die auch nach der Zwangsaussiedlung der Jahre 1822\/23 innerhalb der Ringmauern der Stadt verbleiben durften. Der Name &#8222;Lewertoff&#8220; ist wahrscheinlich von dem polnischen Ortsnamen &#8222;Lubartow&#8220; abgeleitet.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfvater Salomon Lewertoff, geboren 1721, war zusammen mit seinem Bruder Moses im Jahre 1768 nach L\u00fcbeck gekommen. Beide stammten aus Halle an der Saale und besa\u00dfen den Status von k\u00f6niglich-preu\u00dfischen Schutzjuden. &#8222;Sie sind gelehrte Juden: haben in Berlin und Frankfurt an der Oder au\u00dfer andern Wissenschaften belles lettres studiret, auch in Ceremonial-Sachen manches entschieden, so von Rabbinen Beyfall erhalten&#8220;, best\u00e4tigte die Wette, die l\u00fcbeckische Gewerbepolizei-Beh\u00f6rde. Doch es war au\u00dfergew\u00f6hnlich schwierig, in L\u00fcbeck Fu\u00df zu fassen, das Niederlassungsrecht zu erwerben. Der in Hamburg residierende preu\u00dfische Gesandte von Hecht verwandte sich beim L\u00fcbecker Senat f\u00fcr die Lewertoffs. Vergeblich. Vielmehr wurden sie aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Juden durften in L\u00fcbeck nicht wohnen, vor allem aber nicht arbeiten, weder ein Handwerk noch ein Gewerbe aus\u00fcben. <\/p>\n<p>Von Halle an der Saale nach L\u00fcbeck an der Trave<br \/>\nDa kam es ihnen durchaus nicht ungelegen, da\u00df sie mit dem einheimischen evangelischen Lotterie-Collecteur Christian H\u00fcsener in einen langwierigen Rechtsstreit gerieten. F\u00fcr die Dauer des Prozesses &#8211; so der Senat &#8211; durften sie weiterhin in der Stadt bleiben. Und 1773, nach Beendigung des Rechtsstreits, waren sie praktisch heimisch geworden. Nun beschwerte sich der l\u00fcbeckische Schutzjude Elkan Meyer Stern, der sich in seinem privilegierten Gewerbe durch die beiden Lewertoffs beeintr\u00e4chtigt f\u00fchlte und deren Ausweisung aus der Stadt verlangte. Die aber unterbreiteten dem Senat ihren Plan, in L\u00fcbeck eine Porzellanfabrik zu gr\u00fcnden. Daraufhin erhielten sie das Aufenthaltsrecht &#8211; wenngleich das Wirtschaftsprojekt wenig sp\u00e4ter scheiterte. <\/p>\n<p>Seit seinem sechsten Lebensjahr hielt sich auch der 1762 in Halle\/Saale geborene Sohn des Salomon L., Lazarus Salomon Lewertoff, in L\u00fcbeck auf, hatte sozusagen stillschweigend ein Aufenthaltsrecht erworben. Bereits als Heranwachsender hausierte er in der Stadt und vor den Toren, \u00fcberwiegend mit selbstverfertigten Zigarren. In der Zeit franz\u00f6sischer Besetzung heiratete er die 28 Jahre j\u00fcngere Jette Bacharach aus Hamburg. Am 15. Oktober 1810 wurde ihnen ihr einziges Kind geboren: Salomon Lazarus Lewertoff. <\/p>\n<p>Die politischen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in L\u00fcbeck waren deprimierend. Weil sie Juden waren, verbot der Senat der kleinen Lewertoff-Familie ihren Hausierhandel mit den selbstgefertigten Zigarren, obwohl die Familie sogar amtlich &#8222;zu den Tr\u00f6dlern geringster Classe&#8220; gerechnet wurde, von denen &#8222;wesentlicher Nachtheil&#8220; f\u00fcr die christlichen l\u00fcbeckischen Kr\u00e4mer &#8222;nicht zu bef\u00fcrchten&#8220;, die dem Handel insgesamt &#8222;unsch\u00e4dlich&#8220; seien. Nachdem sein Vater Lazarus Salomon am 6. Juni 1829 gestorben war, fiel dem unm\u00fcndigen Sohn die Hauptverantwortung zu, f\u00fcr den &#8222;Nahrungsbetrieb&#8220; Sorge zu tragen.<\/p>\n<p>Der kleine Mann mit der gro\u00dfen Familie<br \/>\nSalomon Lazarus bet\u00e4tigte sich seit fr\u00fcher Jugend als Musikus, sp\u00e4terhin auch als Lotterie-Einnehmer. Er handelte mit Wollen-, Garn- und Wei\u00dfwaren, aber auch mit &#8222;holl\u00e4ndischen&#8220; Waren, worunter man Milchprodukte aller Art verstand. Und er arbeitete als Vereinsbote und Gesindemakler, Lehrer, Buchbinder, F\u00e4rber und Drucker. Doch das Geld, das der kleine Mann, der Hoch- und Niederdeutsch durcheinander und mit jiddischem Tonfall sprach, heimbrachte, reichte selten. <br \/>\nBesonders knapp wurde es seit 1847, nachdem er die 20-j\u00e4hrige Betty Hartefeldt geheiratet hatte: 17 Kinder entspro\u00dfen zwischen 1848 und 1869 der Ehe: <\/p>\n<p>  1. Lazarus Salomon  * 15.09.1848<br \/>\n  2. Koschmann Gottfried Salomon * 01.06.1850<br \/>\n  3. Blume (Bertha) * 05.09.1851<br \/>\n  4. Nathan Salomon * 22.02.1853<br \/>\n  5. Goldchen * 18.04.1854<br \/>\n  6. Julius Salomon * 26.04.1856<br \/>\n  7. Hermann H\u00e4ndel Salomon * 09.09.1857<br \/>\n  8. Henriette * 12.11.1858<br \/>\n  9. Julie * 09.12.1859<br \/>\n10. Emma * 13.12.1860<br \/>\n11. Hermann H\u00e4nel Salomon * 01.02.1862<br \/>\n12. Abraham Salomon * 12.03.1863<br \/>\n13. Rosalie * 27.08.1864<br \/>\n14. Friederike (Frieda) * 06.10.1865 \t<br \/>\n15. Joseph * 11.01.1867<br \/>\n16. Herz Salomon * 01.04.1868<br \/>\n17. Bernhard Salomon * 10.11.1869<\/p>\n<p>F\u00fcnfmal mu\u00dften die Lewertoffs ihre Wohnungen wechseln, weil sie zu klein geworden waren. Seit 1855 lebte die Familie im Hause Schlumacherstra\u00dfe 158 (heute: Nr. 8). Seine Mutter wohnte bis zu ihrem Tod am 13. September 1857 ebenfalls hier und mu\u00dfte versorgt werden. Und am 17. November 1875 verstarb hier seine Ehefrau Betty, gerade 48 Jahre alt. Salomon Lazarus Lewertoff &#8211; die L\u00fcbecker nannten ihn f\u00e4lschlicherweise manchmal auch &#8222;Lebertoff&#8220; &#8211; starb am 10. Juli 1898. Tags darauf wurde er unter gro\u00dfer Anteilnahme seiner Nachbarn auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Moisling beigesetzt. Er war fast 88 Jahre alt geworden.<\/p>\n<p>Goldene oder silberne Hochzeit?<br \/>\nDer L\u00fcbecker evangelisch-lutherische Schauspieler Hans Calm (1858-1946), der bis zum 19. September 1876 in der Hansestadt lebte und dessen Vater auf der mittleren Fleischhauerstra\u00dfe 78 eine Gastwirtschaft besa\u00df, hat den Lewertoffs ein literarisches Denkmal gesetzt. Bei Koehler &#038; Amelang in Leipzig ver\u00f6ffentlichte er 1928 sein Erinnerungsbuch &#8222;Freud und Leid einer Jugendzeit&#8220;. Darin schildert er &#8211; auf den Seiten 57 bis 62 &#8211; ausf\u00fchrlich und plastisch eine Feier zur &#8222;goldenen Hochzeit&#8220;. Wenn Calm auch mit Daten und Fakten au\u00dfergew\u00f6hnlich frei umgeht &#8211; (Wie und wann k\u00f6nnte ein Witwer goldene Hochzeit feiern? Oder handelt es sich in Wirklichkeit nicht um die Silberhochzeit aus dem Jahr 1872?) -, so f\u00fchlt sich seine anr\u00fchrende Geschichte doch atmosph\u00e4risch gut ein in die Welt unterprivilegierter Menschen, in eine kleine Welt voll von Toleranz, Solidarit\u00e4t und Friedfertigkeit:<\/p>\n<p>&#8222;In Not und Leid stand ohne gro\u00dfe Sentimentalit\u00e4t ein Nachbar dem andern zur Seite, ebenso wie einer an des andern Freuden teilnahm, ohne viel Wesen davon zu machen. Ja, es ist sehr wohl m\u00f6glich, da\u00df sie sich \u00fcber die Beweggr\u00fcnde keine Rechenschaft gaben. Sie taten es, weil sie es f\u00fcr das Rechte, vielleicht auch f\u00fcr das Bequemste hielten. Die leidige Politik hatte diese Kreise noch nicht entzweit, der Kampf gegen das Kapital war ihnen unbekannt, und nun gar gegen das j\u00fcdische Kapital. Die Juden, die unter ihnen lebten, mu\u00dften sich ebenso wie sie alle qu\u00e4len, um bestehen zu k\u00f6nnen, und der L\u00e4cherlichkeit des Glaubenshasses verfielen sie schon gar nicht. Ohne von Lessing je geh\u00f6rt zu haben, dachten sie doch wie er: &#8222;Weil unser Herr ja selbst ein Jude war&#8220;.<\/p>\n<p>In unserer Nachbarschaft, zwischen der H\u00fcx- und Fleischhauerstra\u00dfe, wohnte der Jude Samuel Levertopf. Jahrzehntelang war er am Montag morgen mit seinem Packen Manufakturwaren aufs Dorf gegangen und am Freitag Nachmittag nach Hause gekommen. In seiner Abwesenheit besorgte seine Frau das kleine Ladengesch\u00e4ft. Nun war er alt. Hausieren gehen konnte er nicht mehr. Er brauchte aber auch nicht mehr so viel wie fr\u00fcher zu verdienen. Die Kinder waren gro\u00df und nicht mehr im Hause.  21 Jungs und M\u00e4dchen hatte das Ehepaar, und alle waren gut geraten. Bald waren Levertopfs f\u00fcnfundzwanzig Jahre verheiratet. Die Frage, ob die silberne Hochzeit gefeiert werden sollte, war nicht so ohne weiteres zu beantworten, sie mu\u00dfte mit den Nachbarn gr\u00fcndlich besprochen werden. Die aber rieten zu: &#8222;Fier se, Lewerpott, so wat k\u00fcmmt man eenmal v\u00f6r in&#8217;n Lewen&#8220;. &#8222;Aber&#8220;, hatte er seine Bedenken, &#8222;was das kostet, und wo soll ich die Kinder lassen? Meent je, ich kann se \u00fcnnerbringen?&#8220; &#8222;Nu, nu, Lewerpott, lat se man kamen. Wi helpt all so god, as wie k\u00f6hnt&#8220;. &#8211;  Und Lewertoff feierte.<\/p>\n<p>Wohin mit 104 Hochzeitsg\u00e4sten?<br \/>\nAm Nachmittag vorher bekr\u00e4nzten die Nachbarn Haus- und Stubent\u00fcren und zogen Girlanden \u00fcber die Stra\u00dfen. Den ganzen Tag kamen Kinder, Enkel und Urenkel an, oft aus weiter Ferne. Nach M\u00f6glichkeit nahm Levertopf sie selber auf. Aber 104? Du lieber Gott, im ganzen Hause war nicht f\u00fcr zwanzig Menschen Sitzgelegenheit, geschweige, da\u00df es so viele Betten gab. Die Nachbarn halfen. Jeder nahm so viel von Levertopfs Nachkommenschaft auf, wie er unterbringen konnte. Das ging damals leichter als heutzutage. Verw\u00f6hnt war keiner, und auf dem gro\u00dfen Hausboden lie\u00dfen sich viele Lagerst\u00e4tten herrichten. Regnete es durchs Dach, guckte der Mond ins Bett oder hatte eine fremde Katze das Bett mitbenutzt &#8211; wer hat sich darum gek\u00fcmmert?<br \/>\nAuch das Girlandenziehen quer \u00fcber die Stra\u00dfe war Sache der Hausbewohner. Keine Polizei redete hinein. Eine Erlaubnis wurde von keinem eingeholt und von keinem gegeben. So gescheit waren die Eltern allein, die Blumengewinde so hoch zu h\u00e4ngen, da\u00df kein Pferd vor ihnen scheute. Wir Kinder flochten, irgendein \u00e4lterer Bengel konnte eine Inschrift zeichnen: &#8222;Levertopfs goldene Hochzeit&#8220; oder &#8222;Nu noch mal 25&#8220; oder &#8222;Das goldene Ehepaar soll leben&#8220;, und die V\u00e4ter banden die Girlanden von Haus zu Haus.<br \/>\nAm Vortage waren nachmittags und abends die Nachbarn im Sonntagsstaat zum Gratulieren ins Haus gegangen, jeder ausger\u00fcstet mit etwas, das das Durchf\u00fcttern so vieler Personen erleichterte: Die Frauen brachten selbstgebackenen Kuchen, der B\u00e4cker schickte ein paar t\u00fcchtige Schwarzbrote, der Zuckersieder Bonbons f\u00fcr die Kinder, der Schlachter brachte Braten und Wurst: &#8222;Pott, du gl\u00f6wst mi doch, dat dat koschere Saken s\u00fcnd, ich heff se s\u00fclben uts\u00f6cht bi ju&#8217;n Sch\u00e4chter&#8220;.<\/p>\n<p>Und Levertopf &#8211; der kleine Kerl mu\u00dfte beide H\u00e4nde nehmen, wenn er die Pratze des Schl\u00e4chters umklammern wollte &#8211; sagte: &#8222;Was machst du f\u00f6r&#8217;n Geseires. Kenn ich dich von gistern, oder kenn ich dich sid du west b\u00fcst&#8217;n Hosenmatz? Du bist&#8217;n redliken Mann un deist blot Redliches&#8220;.<\/p>\n<p>Nachbarschaftshilfe der kleinen Leute<br \/>\nAm Festmorgen ging der Zug von Kindern, Kindeskindern und Kindeskindeskindern mit den Eltern nach der Synagoge in die Wahmstra\u00dfe. Die Nachbarn standen vor ihren H\u00e4usern und riefen: &#8222;Veel Gl\u00fcck, oll Fr\u00fcnd!&#8220; Levertopf und Frau nickten nach rechts und nickten nach links und alle Nachkommen taten ebenso. Als nun die ganze Mischpoche fort war, \u00fcbernahm Chrischan Peters &#8211; er wohnte bei meinen Eltern &#8211; das Kommando : &#8222;Jungs, alle St\u00f6hl un de veereckigen Dische dr\u00e4gt r\u00f6ber na B\u00e4cker Schabbel&#8220;. Der besa\u00df die gr\u00f6\u00dfte Diele, und auf ihr war f\u00fcr das Festmahl gedeckt. Die Frauen der j\u00fcdischen Glaubensgenossen hatten gekocht, und ein halbes Dutzend unserer Marien war abkommandiert to&#8217;n bedeenen.<\/p>\n<p>Trotz allem guten Willen war es keine Kleinigkeit gewesen, die gro\u00dfe Zahl unterzubringen. Als es schlie\u00dflich gelungen und die Suppe verzehrt war, stand der alte Levertopf auf und hielt mit viel Zagen und Stocken die gr\u00f6\u00dfte Rede seines Lebens :<br \/>\n&#8222;Kinner! Eure Mutter und ich feiern heute das Fest unserer Silbernen Hochzeit. Es ist sch\u00f6n, da\u00df Ihr alle gekommen seid mit uns zu feiern. Awer kikt ju mal \u00fcm. Was seht Ihr? Ick willt ju seggen. Unsere lieben Nachbarn haben&#8217;s m\u00f6glich gemacht, da\u00df wir zusammen sein k\u00f6nnen, ohne die w\u00e4re es nicht gegangen. &#8211; Wo h\u00e4tt&#8216; ich hergenommen all die Betten un die St\u00fchl un de T\u00f6llers un das viele Essen? &#8211; Ich h\u00e4tt&#8217;s nich gehabt. Un meine Nachbarn, das sind lauter Christen un gute Menschen. &#8211; Und ich will Euch sagen, wenn Ihr heert, da\u00df die Juden un de Christen nich leben \u00fcberall in Frieden &#8211; nu &#8211; dann denkt an heute, wo auch keiner von se denkt an Christ un J\u00fcd. &#8211; Se denken nur an de Minschen. Wenn Ihr lebt as Minschen, nu, dann findet Ihr Minschen. &#8211; Mutter und ich freien uns, da\u00df Ihr seid da bei uns, aber bei meinen freundlichen Nachbarn bedank ich mich f\u00fcr alles, was se heit getan haben Gutes an uns. &#8211; Und darum mag geben der liebe Gott, da\u00df se auch feiern ihre silberne Hochzeit, un gesund soll&#8217;n se sein und leben noch viele, viele Jahr&#8220;.<\/p>\n<p>Was seid ihr f\u00fcr gute Menschen!<br \/>\nVon uns rugbeenigen Jungs harrn sik tein oder tw\u00f6lf up de Trepp stellt. Wi m\u00f6ken de Tafelmusik, dat heet, wi sung uns Scholleeder dreestimmig: &#8222;Wer hat dich, du sch\u00f6ner Wald, aufgebaut&#8220;, &#8222;Ich wei\u00df nicht, was soll es bedeuten&#8220;, &#8222;Ich hatt&#8216; einen Kameraden&#8220; und &#8222;Das Wandern ist des M\u00fcllers Lust&#8220; un wat wi so wussen.<\/p>\n<p>Abends war bi Levertopf Ball. Een von uns Jungs speel de Handharmonika und de Husdehl w\u00e4r grot genug, dat twee Poor mit eenmal danzen kunn&#8217;n, wennse sik in achtnehmen. De Olln seten in de Stuw, de J\u00fcngeren vor de Husd\u00f6r und bannig schickert wurd: Brunbeer (f\u00f6r de Frunsl\u00fcd mit Zucker), ok woll mal&#8217;n Schnaps, und de Kinner kregen Win, dat w\u00e4r&#8217;n beten Johannisbeersaft mit veel Water un Zucker. So wurd dat de sch\u00f6nste Dag, den Levertopf mit sin Fru verlewt harr. Un beid g\u00fcng von een Nahber to&#8217;n annern un sch\u00fcddelten de H\u00e4nn, un de Tranen leepen ehr \u00f6wer de Backen, un denn sw\u00f6gten se: &#8222;Kinner, is dat sch\u00f6n. Wer h\u00e4tt das gedacht! Was seid ihr f\u00fcr gute Minschen, was seid ihr f\u00fcr Minschen!&#8220;<br \/>\nUn een, denn de R\u00fchrung ok all in de Gurgel steeg, w\u00fcrd so`n beten grow un sagte: &#8222;Je, Schmul&#8220; &#8211; Schmul war die Abk\u00fcrzung von Samuel -, &#8222;wat b\u00fcs du denn anners as&#8217;n Minsch ! Minschen s\u00fcnd wi all un dor\u00fcm fiert wie mit di&#8220;. <\/p>\n<p>Alle diese sind dahingegangen, sanglos und klanglos. Sie haben ihre Namen nicht mit ehernem Griffel in das Buch der Weltgeschichte geschrieben, sie machten nicht einmal f\u00fcr ihre kleine Vaterstadt die Geschichte. Aber der breite, sichere Grund waren diese einfachen Menschen, auf dem sich die Pyramide des Reiches aufbauen konnte&#8220;.<\/p>\n<p>Dr. Peter Guttkuhn<\/p>\n<p>Eine L\u00fcbecker deutsch-j\u00fcdische Geschichte, die ungeahnte Emotionen freisetzt! Derart unverkrampft, solidarisch und nat\u00fcrlich gingen besonders die einfachen Leute miteinander um. Die meisten der Lewertoff-Kinder und Enkel wurden von den Nazis ermordet.<\/p>\n<p>\nhier-Luebeck bedankt sich bei Dr. Peter Guttkuhn f\u00fcr die freundliche Bereitstellung auch dieses sehr beieindruckenden Beitrages. <\/p>\n<p>Dr. Peter Guttkuhn:<br \/>\nDer Wissenschaftler forscht seit Jahren zur deutsch-j\u00fcdischen Geschichte der Hansestadt. Auf nationaler und internationaler Ebene hat er nahezu 190 Titel zu diesem Forschungsgebiet publiziert. Seine Vortr\u00e4ge im In- und Ausland sind sehr gefragt und tragen in erheblichem Ma\u00df zur Aufarbeitung der Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland bei. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch heute setzen wir in hier-luebeck die Vorstellung der Publikationen des in L\u00fcbeck arbeitenden Privatgelehrten und Historiker Dr. Peter Guttkuhn<\/p>\n","protected":false},"author":292,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-6503","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/292"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6503"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6503\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}