{"id":73891,"date":"2012-09-25T19:42:48","date_gmt":"2012-09-25T17:42:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=73891"},"modified":"2012-09-25T19:42:48","modified_gmt":"2012-09-25T17:42:48","slug":"presse-soll-kannibalistische-weltordnung-entlarven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/presse-soll-kannibalistische-weltordnung-entlarven\/","title":{"rendered":"Presse soll kannibalistische Weltordnung entlarven"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>Jean Ziegler spricht auf den Medientagen zur Verantwortung der Medien<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Jean Ziegler: \" src=\"http:\/\/www.pressetext.com\/news\/lowres\/\/20120925015\" alt=\"Jean Ziegler: \" width=\"279\" height=\"300\" \/>Wien (pte015\/25.09.2012\/13:40) &#8211; &#8222;Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gibt es keinen strukturellen Mangel mehr. Jedes Kind, das stirbt, wird ermordet. Der Hunger ist menschengemacht und kann deshalb auch besiegt werden. Es ist die Verantwortung der Medien, die Kausalit\u00e4ten der kannibalistischen Weltordnung freizulegen&#8220;, sagt der Soziologe und Globalisierungskritiker Jean Ziegler in seiner Keynote auf den \u00d6sterreichischen Medientagen <a href=\"http:\/\/www.medien-tage.at\" rel=\"external\" target=\"_blank\">http:\/\/www.medien-tage.at<\/a> , die heute, Dienstag, in Wien ihre Pforten \u00f6ffnen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Jean Ziegler: &#8222;Medien m\u00fcssen Hunger erkl\u00e4ren&#8220; (Foto: Wikipedia, cc D. Schneider)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!--more-->&#8222;Verwalter der Utopie&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Die Journalisten sind die Verwalter der Utopie, die bezeichnet, was auf der Erde fehlt: einklagbare Gerechtigkeit. Edmund Burke hat gesagt, alles was n\u00f6tig ist, damit das B\u00f6se siegt, ist das Schweigen guter Menschen. Journalisten m\u00fcssen dieses Schweigen brechen&#8220;, fordert Ziegler. Medien tendieren seiner Ansicht aber oft dazu, die komplexen Ursachen f\u00fcr den Hunger zu vereinfachen und Zusammenh\u00e4nge zu \u00fcbersehen. Ziegler f\u00fchrt als Beispiel einen Artikel an, der die hohen Lebensmittelpreise auf die D\u00fcrre in den USA zur\u00fcckf\u00fchrt. &#8222;Ein Bericht, der die Spekulationen auf dem Lebensmittelmarkt nicht ber\u00fccksichtigt, ist Desinformation&#8220;, so der Soziologe.<\/p>\n<p>Es sei ein Wunder, dass es die Pressefreiheit angesichts der wachsenden Macht einzelner Oligarchien \u00fcberhaupt noch gebe. &#8222;Viele gro\u00dfe Presseorgane geh\u00f6ren den Herren der kapitalistischen Weltordnung. Die Pressefreiheit garantiert, dass Journalisten, die dem kategorischen Imperativ verantwortlich sind, ein Gegengewicht zum Einfluss der Oligarchen bilden k\u00f6nnen&#8220;, erl\u00e4utert Ziegler. Diese Journalisten m\u00fcssen sich die Ern\u00e4hrungssituation auf der Welt genau anschauen, um die Zivilgesellschaft zu informieren, die es in der Hand hat, etwas gegen Leichenberge zu unternehmen.<\/p>\n<p>Hunger beginnt in Europa<\/p>\n<p>&#8222;Der Hunger beginnt in der EU. In Spanien sind \u00fcber zwei Mio. Kinder unterern\u00e4hrt, aufgrund der Austerit\u00e4tspolitik der aktuellen Regierung. Am schlimmsten ist die Situation in absoluten Zahlen gesehen in Asien, den h\u00f6chsten Anteil an Hungernden an der Bev\u00f6lkerung gibt es aber nach wie vor in Afrika&#8220;, so Ziegler. Die Landbev\u00f6lkerung in den 122 von strukturellem Hunger betroffenen Entwicklungsl\u00e4ndern leide vor allem an den Agrar-Exportsubventionen der Industrienationen, insbesondre der EU, die es lokalen Bauern unm\u00f6glich mache, auf dem Markt zu bestehen, weil sie gegen die k\u00fcnstlich niedrig gehaltenen Preise nicht bestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Kommissare in Br\u00fcssel fabrizieren den Hunger. Der Landraub an afrikanischen Bauern, deren Grund an ausl\u00e4ndische Investoren verschachert wird, treibt die Landbev\u00f6lkerung in die Slums der gro\u00dfen St\u00e4dte und einige auch an die europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen, wo sie mit milit\u00e4rischen Mitteln abgewiesen werden. Die EU-Politiker sind Heuchler. Das Argument, dass die Landwirtschaft in Afrika von potenten Investoren produktiver betrieben wird, ist nur ein Vorwand. Der Grund, weshalb die Landwirtschaft in Entwicklungsl\u00e4ndern nicht modernisiert werden kann, ist die \u00dcberschuldung der betroffenen Staaten, die keinen Spielraum f\u00fcr Investitionen l\u00e4sst&#8220;, erkl\u00e4rt Ziegler.<\/p>\n<p>Marktmacht der Gro\u00dfen brechen<\/p>\n<p>Die hungernde urbane Bev\u00f6lkerung ist auf andere Probleme zur\u00fcckzuf\u00fchren. &#8222;Die Preisexplosion bei Grundnahrungsmitteln macht Mahlzeiten vielerorts unerschwinglich. Die Treibstoffgewinnung aus Lebensmitteln und die subventionierte Verbrennung von Nahrung verschlimmert die Situation zus\u00e4tzlich. Unter diesen Problemen leidet zeitweise auch die Landbev\u00f6lkerung, wenn sie sich am Markt versorgen muss&#8220;, sagt Ziegler.<\/p>\n<p>Die Hoffnung gibt der Globalisierungskritiker aber nicht auf: &#8222;Es gibt keine Ohnmacht in einer Demokratie. Konsumenten haben mit ihren Kaufentscheidungen gro\u00dfen Einfluss und k\u00f6nnen die Macht der Konzerne, von denen gerade einmal zehn Player 85 Prozent der gehandelten Lebensmittel kontrollieren, zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Eine freie, kritische Presse kann helfen, die Zivilgesellschaft zu mobilisieren, die es in der Hand hat, die Ungleichheit zu beenden.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Ziegler spricht auf den Medientagen zur Verantwortung der Medien Wien (pte015\/25.09.2012\/13:40) &#8211; &#8222;Zum ersten Mal in der Geschichte der<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[7],"tags":[8363],"class_list":["post-73891","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft","tag-presse-soll-kannibalistische-weltordnung-entlarven"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73891","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73891"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73891\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73892,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73891\/revisions\/73892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73891"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73891"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}