{"id":82565,"date":"2013-03-15T12:49:27","date_gmt":"2013-03-15T11:49:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=82565"},"modified":"2013-03-15T12:49:27","modified_gmt":"2013-03-15T11:49:27","slug":"indien-viereinhalb-jahre-nach-den-ausschreitungen-in-odisha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/indien-viereinhalb-jahre-nach-den-ausschreitungen-in-odisha\/","title":{"rendered":"Indien: Viereinhalb Jahre nach den Ausschreitungen in Odisha"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/mailings.od.org\/images\/odde\/Nachrichten_Kopfbalken_1.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Christen weiterhin unter massivem Druck \/ \u00fcber 4.000 nach wie vor heimatlos<\/p>\n<p>(KELKHEIM, 14. M\u00e4rz 2013) \u2013 Im August 2008 kam es im indischen Bundesstaat Odisha (bis 2011: Orissa) zu den schlimmsten Ausschreitungen gegen Christen seit der Unabh\u00e4ngigkeit Indiens im Jahr 1947. Amtliche Sch\u00e4tzungen sprachen damals u.a. von 54.000 Binnenfl\u00fcchtlingen, 120 Toten und 315 vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rten D\u00f6rfern. Die pogromartigen Ausschreitungen erregten bei der internationalen Gemeinschaft einigen kritischen Widerhall.<!--more-->Doch viereinhalb Jahre sp\u00e4ter hat sich die Lage der Christen in dem l\u00e4ndlichen Bundesstaat nicht wesentlich ver\u00e4ndert. Die Stimmung im Epizentrum der Gewaltausbr\u00fcche von 2008 im indischen Odisha ist unver\u00e4ndert explosiv. Schon ein Funke w\u00fcrde ausreichen, um eine neue Welle der Gewalt zu entz\u00fcnden. Bereits im Oktober 2008 wurden zahlreiche Fl\u00fcchtlingslager von den Beh\u00f6rden zwangsger\u00e4umt. Die Menschen wurden in ihre D\u00f6rfer und H\u00e4user zur\u00fcckgeschickt, ohne dass sich dort etwas zum Besseren gewendet hatte. Vielerorts kn\u00fcpften nationalistische Hindu-Gruppen die R\u00fcckkehr vertriebener Christen in ihr Dorf an die Bedingung, dass diese zum Hinduismus konvertieren. \u00dcber 4.000 Christen sind deshalb bis heute aus Angst nicht in ihr Zuhause zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>Eine kurze Analyse der gegenw\u00e4rtigen Lage ergibt folgendes Bild<\/p>\n<p><strong>Politik<\/strong><\/p>\n<p>Zurzeit wird Odisha von der Biju Janata Dal (BJD) Partei regiert, die \u00e4u\u00dferlich um Neutralit\u00e4t bem\u00fcht ist. Gleichzeitig werden ihr jedoch enge Verbindungen zu rechtsgerichteten Hindugruppen nachgesagt. Die Regierung ignoriert die fortgesetzte Verfolgung der Christen nicht nur, sondern spielt mutma\u00dflich bei ihrer Diskriminierung durch die Beh\u00f6rden ein aktive Rolle im Hintergrund.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaft und Beruf<\/strong><\/p>\n<p>Die Bezirke Kandhmal, Koraput und Malkangiri galten bereits vor den Ausschreitungen als wirtschaftlich schwach entwickelt. Die von hier geflohenen Christen haben nicht nur ihren pers\u00f6nlichen Besitz (H\u00e4user, Land, Vieh) an Hindus verloren, sondern auch ihre Arbeitspl\u00e4tze. Und selbst bei staatlich gef\u00f6rderten Arbeitsma\u00dfnahmen erleben sie Diskriminierung.<\/p>\n<p><strong>Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die Zusammensetzung der Gesellschaft ist mehr denn je von un\u00fcberbr\u00fcckbaren Gegens\u00e4tzen gepr\u00e4gt. Nur in sehr wenigen D\u00f6rfern hat man durch die Bildung von Friedenskomitees eine leichte Entspannung zwischen den gegnerischen Gruppierungen herbeif\u00fchren k\u00f6nnen. Die Christen sehen sich mit folgenden Schwierigkeiten konfrontiert:<\/p>\n<p>&#8211; Die Furcht vor gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen in den D\u00f6rfern hindert sie nicht nur an der R\u00fcckkehr in ihre\u00a0 Heimat, sondern erstickt viele Friedensbem\u00fchungen bereits im Keim.<br \/>\n&#8211; Ihr Alltag ist von Diskriminierung gepr\u00e4gt: so etwa in den Schulen oder Lebensmittelgesch\u00e4ften.<br \/>\n&#8211; H\u00e4ufig mussten sie nach der R\u00fcckkehr in ihre D\u00f6rfer um ihren Besitz k\u00e4mpfen. Viele konnten sich nicht durchsetzen und sind nun ohne eigenes Land.<br \/>\n&#8211; In zahlreichen D\u00f6rfern k\u00f6nnen sie aufgrund der fortgesetzten Bedrohung durch Fundamentalisten ihr Land nicht bearbeiten.<br \/>\n&#8211; Die Polizei sch\u00fctzt sie nur unzureichend. Dadurch leben Christen in einem Zustand fortw\u00e4hrender Unsicherheit.<br \/>\n&#8211; Die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert f\u00fcr die Christen nur unzureichend. Ihre Bezugskarten f\u00fcr Nahrungsmittel werden h\u00e4ufig nicht verl\u00e4ngert.<br \/>\n&#8211; Schulbildung: Einer aktuellen Umfrage zufolge haben \u00fcber 1.500 Kinder keinen Zugang zu einer Schule oder einer vergleichbaren Bildungseinrichtung.<\/p>\n<p>In einer Reihe von D\u00f6rfern wurde den Christen nach der R\u00fcckkehr in ihre D\u00f6rfer eine Liste von Auflagen f\u00fcr den Fall pr\u00e4sentiert, dass sie sich weigern sollten zum Hinduismus zu konvertieren:<\/p>\n<p>&#8211; Strafzahlung f\u00fcr die Aus\u00fcbung des christlichen Glaubens<br \/>\n&#8211; R\u00fccknahme aller bei der Polizei eingereichten Anzeigen<br \/>\n&#8211; Beschr\u00e4nkung auf das Tragen traditioneller Kleidung (keine Hemden\/Hosen)<br \/>\n&#8211; Keine Nutzung von Fahrr\u00e4dern oder Schuhen<br \/>\n&#8211; Verbot, Wasser aus dem Fluss oder Dorfbrunnen zu sch\u00f6pfen, Feuerholz zu sammeln, Steine oder Sand zu nutzen sowie im \u00f6rtlichen Laden einzukaufen<\/p>\n<p><strong>Hindutva und Anti-Bekehrungsgesetze<\/strong><\/p>\n<p>Indien ist mit der zweitgr\u00f6\u00dften Bev\u00f6lkerung aller L\u00e4nder weltweit ein Staat voller Gegens\u00e4tze und enormer Vielfalt. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors wird das Land an 31. Stelle gef\u00fchrt. Eine Hauptursache f\u00fcr die Verfolgung von Christen ist die in Teilen der Gesellschaft tief verankerte \u201aHindutva&#8216; Ideologie, die eine Reinigung Indiens von allen nicht-hinduistischen Elementen anstrebt.<\/p>\n<p>Wo diese Ideologie wie in Odisha starken Einfluss auf Regierungs- und Polizeibeh\u00f6rden hat, kann die christliche Minderheit nicht auf eine faire Behandlung hoffen oder gar ihre Rechte einklagen. Hinzu kommt, dass Odisha zu den f\u00fcnf indischen Staaten z\u00e4hlt, in denen das Anti-Bekehrungsgesetz die Abkehr vom Hinduismus kriminalisiert. Open Doors unterst\u00fctzt die Christen durch Schulungen und vielf\u00e4ltige Hilfsprojekte. Als Reaktion auf die Ausschreitungen im Jahr 2008 wurden \u00fcber 6.000 Familien mit Nahrungsmitteln und Hilfspaketen versorgt, dar\u00fcber hinaus wurden Traumaseminare in Gemeinden und Fl\u00fcchtlingslagern durchgef\u00fchrt. Open Doors bittet darum, weiter f\u00fcr die Christen in Odisha zu beten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christen weiterhin unter massivem Druck \/ \u00fcber 4.000 nach wie vor heimatlos (KELKHEIM, 14. 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