{"id":88349,"date":"2013-06-30T08:30:23","date_gmt":"2013-06-30T06:30:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=88349"},"modified":"2013-06-30T08:30:23","modified_gmt":"2013-06-30T06:30:23","slug":"anerkennung-des-unrechts-hilft-wurde-zuruckzuerlangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/anerkennung-des-unrechts-hilft-wurde-zuruckzuerlangen\/","title":{"rendered":"Anerkennung des Unrechts hilft, W\u00fcrde zur\u00fcckzuerlangen"},"content":{"rendered":"<p>Vor einem Jahr, am 2. Juli 2012, wurde die Anlauf- und Beratungsstelle *Heimerziehung in der DDR* in Schwerin bei der Landesbeauftragten f\u00fcr MV f\u00fcr die Stasi-Unterlagen er\u00f6ffnet. Der Leiter Burkhard Bley war zuvor als B\u00fcrgerberater bei der Landesbeauftragten t\u00e4tig und hat u.a. Betroffene der DDR-Heimerziehung insbesondere bei ihren Antragsverfahren auf strafrechtliche Rehabilitierung begleitet.<!--more--><\/p>\n<p>Schon im Vorfeld, besonders aber nach dem Start des Fonds erlebten in der Anlauf- und Beratungsstelle Burkhard Bley und die Beraterin Gudrun Buggenhagen einen wahren Ansturm. Allein in den ersten drei Monaten meldeten sich fast 1.000 Betroffene, Angeh\u00f6rige, Interessenten, die sich telefonisch, per Post oder per Mail \u00fcber den Fonds informieren oder auch f\u00fcr eine Beratung vormerken lassen wollten. Gegenw\u00e4rtig betreuen die seit Mai 2013 drei Mitarbeiter der Beratungsstelle in ihrer Zust\u00e4ndigkeit \u00fcber 1.300 Personen, die entweder in MV wohnen oder mit heutigem Wohnsitz in den alten L\u00e4ndern oder im Ausland in der DDR vom Territorium des heutigen MV aus eingewiesen wurden.<\/p>\n<p>Der Fonds Heimerziehung richtet sich an Betroffene, die in Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe Leid und Unrecht erfahren haben und auch heute noch unter den Folgen leiden. In den Jahren 1949 bis 1989 haben hochgerechnet etwa 495.000 Minderj\u00e4hrige die Heime der Jugendhilfe der DDR durchlaufen. Davon waren etwa 135.000 Minderj\u00e4hrige in den Spezialkinderheimen f\u00fcr Schwererziehbare und Jugendwerkh\u00f6fen. Bezogen auf den Bev\u00f6lkerungsanteil von MV von etwa 12 Prozent w\u00e4ren insgesamt knapp 60.000 Personen betroffen, darunter 16.000 ehemalige Insassen von Spezialheimen.<\/p>\n<p>*Wir rechnen daher mit einer hohen Dunkelziffer von Personen, die wir auch aufgrund der psychischen und sozialen Folgen der DDR-Heimerziehung bisher nicht erreichen konnten*, sagte der Leiter der Anlauf- und Beratungsstelle Burkhard Bley. Gerade f\u00fcr diesen Personenkreis tr\u00e4fen die Kriterien des Fonds zu. *Insbesondere \u00fcber die Spezialheime wird \u00fcbereinstimmend von Betroffenen berichtet, wie sie mit menschenverachtenden Methoden schwarzer P\u00e4dagogik zu angepassten Staatsb\u00fcrgern umerzogen werden sollten.* Dies werde in Studien und Expertisen genauso bewertet.<\/p>\n<p>Wichtig sei aber auch zu differenzieren, so Bley, *dass unter den schwierigen politischen, personellen und materiellen Bedingungen in der DDR trotzdem von den Heimerziehern \u00fcberwiegend eine gute und engagierte Arbeit geleistet worden sein muss.* Denn bezogen auf die Gesamtzahl aller ehemaligen Heimkinder h\u00e4tten sich bisher etwa 2 Prozent der Betroffenen vormerken lassen, die Leistungen des Fonds in Anspruch nehmen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>*In unsere Beratung kommen vor allem schwer traumatisierte Personen, die am Rande des Existenzminimums und sozial isoliert leben. Viele sind schwerbehindert, leiden unter chronischen Erkrankungen. Diese Menschen berichten unter Tr\u00e4nen, dass sie in den Heimen und Jugendwerkh\u00f6fen von Erziehern und Mitinsassen geschlagen wurden. Sie wurden gedem\u00fctigt, als unwert bezeichnet, angebr\u00fcllt, milit\u00e4rischem Drill unterzogen. Sie hatten keine Bezugspersonen, wurden von Geschwistern getrennt, Freundschaften wurden unterbunden.*<\/p>\n<p>In den Jugendwerkh\u00f6fen, aber auch in vielen Heimen h\u00e4tten die Kinder und Jugendlichen unter strengen Normauflagen schwere k\u00f6rperliche, gesundheitssch\u00e4dliche und schmutzige Arbeiten zu verrichten gehabt.<\/p>\n<p>*Es gab keine Privat- und Intimsph\u00e4re, Briefe nach drau\u00dfen wurden zensiert, Briefe von au\u00dfen nicht zugestellt. Die Strafen reichten von Taschengeldentzug, Fernseh- und Ausgehverbot, Urlaubssperre, Essensentzug, Gr uppenkeile bis zu wochenlangem Arrest. Wer sich dann nicht f\u00fcgte, wurde direkt von Margot Honeckers Volksbildungsministerium in den ber\u00fcchtigten Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingewiesen * einer Einrichtung, in der einem Grundsatzurteil zufolge die Menschenrechte der betroffenen Jugendlichen regelm\u00e4\u00dfig schwerwiegend verletzt wurden.<\/p>\n<p>Was auch immer der Grund f\u00fcr eine Heimeinweisung gewesen sein mag:<br \/>\nKinder und Jugendliche darf man so nicht behandeln!*<\/p>\n<p>Mit der Einrichtung des Fonds k\u00f6nne das Leid nicht ungeschehen gemacht werden. Die moralische Anerkennung des erlittenen Unrechts helfe den Betroffenen, ihre W\u00fcrde zur\u00fcckzuerlangen. *Das Gespr\u00e4ch mit einem geschulten Berater kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, belastende Erinnerungen und Stigmatisierungen zu \u00fcberwinden.* In einer Art Lotsenfunktion vermittele der Berater den Betroffenen kompetente Ansprechpartner f\u00fcr ihre Probleme. Materielle und Rentenersatzleistungen helfen oft nur, schlimmste Not zu lindern. Mitunter k\u00f6nnen aber auch W\u00fcnsche wahr gemacht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einem Jahr, am 2. 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