Neue Bildungsstudien zeigen: Soziale Herkunft entscheidet weiterhin über Bildungschancen
Neue Auswertungen von Bildungsdaten des Nationalen Bildungspanels zeigen deutlich: In Deutschland hängt der Bildungsweg von Kindern noch immer stark von der sozialen Herkunft ab. Analysen des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe zeigen erstmals systematisch, wie sich soziale Ungleichheiten von der frühen Kindheit bis zum Übergang in Studium oder Ausbildung entwickeln.Die Ergebnisse sind eindeutig: Unterschiede entstehen bereits lange vor der Schule. Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten nutzen frühkindliche Bildungsangebote unterschiedlich häufig und entwickeln schon im Vorschulalter unterschiedliche sprachliche und mathematische Kompetenzen. Diese Unterschiede bleiben über die gesamte Schulzeit hinweg weitgehend stabil.
„Das bestätigt, was wir politisch seit Jahren kritisieren: Unser Bildungssystem sortiert Kinder viel zu früh“, erklärt Jana Lemke, Landessprecherin der Linken Schleswig Holstein. Suzanne Vogel-Vitzthum, Co-Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Bildung, ergänzt: „Wenn soziale Herkunft über Bildungswege entscheidet, dann ist das kein gerechtes System.“
Besonders deutlich werden soziale Unterschiede beim Übergang von der Grundschule auf weiterführende Schulen. Kinder aus privilegierten Familien erhalten häufiger eine Gymnasialempfehlung und wechseln deutlich öfter auf das Gymnasium – selbst dann, wenn ihre Leistungen mit denen anderer Kinder vergleichbar sind.
„Diese Forschung zeigt: Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch mehr Wettbewerb zwischen Schulformen, sondern durch gemeinsames Lernen und bessere Förderung für alle Kinder“, sagt René König, Beisitzer im Landesvorstand der Partei Die Linke Schleswig-Holstein und Mitglied der LAG Bildung.
Auch beim Erreichen von Schulabschlüssen zeigt sich ein klares Gefälle: Jugendliche aus höheren sozialen Schichten erreichen deutlich häufiger die Hochschulreife als Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien. Bildungswege sind damit weiterhin stark von den Ressourcen und Möglichkeiten des Elternhauses geprägt.
Für Johann Knigge-Blietschau, Sprecher der LAG Bildung, ist die Konsequenz klar: „Die Forschung zeigt sehr deutlich, dass soziale Ungleichheiten besonders an Übergängen im Bildungssystem entstehen und sich dort verfestigen.“
Auch in der Bildungsgewerkschaft GEW gewinnt die Debatte über längeres gemeinsames Lernen aktuell an Dynamik. Sie setzt sich bundesweit für ein inklusives Schulsystem ein, in dem Kinder mindestens bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen und nicht frühzeitig sortiert werden.
Die Linke Schleswig-Holstein sieht sich durch die Ergebnisse der Studien in ihrer bildungspolitischen Position bestätigt und fordert eine Schule für alle, in der Kinder länger gemeinsam lernen und individuelle Förderung statt früher Auslese im Mittelpunkt steht.
Jana Lemke führt aus: „Die Linke wird die Ergebnisse der aktuellen Bildungsforschung in die programmatische Vorbereitung der kommenden Landtagswahl einbringen. Ziel ist ein Bildungssystem, das soziale Unterschiede ausgleicht, statt sie zu verstärken – um allen Kindern gleiche Chancen zu eröffnen.„
