Irak: Zusätzlicher Druck auf Christen während des Ramadan
Christen berichten von Einschränkungen durch Behörden und ihr Umfeld
(Open Doors, Kelkheim) – Der Irak zählt zu den Ländern, die durch den Krieg im Iran unmittelbar mitbetroffen sind. Doch während die Kampfhandlungen in diesen Tagen alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, begehen Muslime seit dem 19. Februar ihren Fastenmonat Ramadan. Weltweit erleben viele Christen, die in einem muslimischen Umfeld leben, diese Zeit oftmals als besonders herausfordernd. Aktuelle Berichte von irakischen Christen verdeutlichen dies.Staatliche Kontrollen zur Einhaltung des Fastens
„Es gibt ein Gesetz, das das Fastenbrechen während des Ramadan in der Öffentlichkeit verbietet. Wenn jemand dennoch isst oder trinkt, kann er von den Behörden gezwungen werden, eine Erklärung zu unterschreiben, dass er dies nicht wieder tun wird. Freunde haben mir einige solcher Fälle erzählt. Wir sind quasi gezwungen zu fasten oder müssen heimlich essen oder trinken“, erzählt ein Christ Anfang zwanzig aus der Landesmitte. Bis zum Ende des Ramadan – in diesem Jahr am 19. März – verzichten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Rauchen. Das Fasten ist für alle gesunden erwachsenen Muslime obligatorisch, außer für Kranke und Reisende.
Im Jahr 2025 erließ das irakische Innenministerium eine landesweite Verordnung, die es allen Menschen untersagte, während des Ramadan öffentlich das Fasten zu brechen. Restaurants und Cafés mussten während der Fastenzeiten schließen, mit Ausnahme einiger weniger, die eine offizielle Genehmigung hatten, diskret weiterzuarbeiten. „Die Verordnung wird in einigen Gebieten nicht durchgesetzt, aber im Allgemeinen essen Christen aus Respekt vor den Muslimen nicht in deren Gegenwart und um Ärger oder Probleme zu vermeiden“, berichtet ein Priester aus dem Zentrum des Irak. „Am Arbeitsplatz fühlen sich Christen unter Druck gesetzt, nichts zu essen, nicht nur wegen der Anordnung, sondern auch, weil sie mit negativen Kommentaren ihrer muslimischen Kollegen konfrontiert werden. Deshalb essen sie heimlich“, fährt er fort.
Äußerer Zwang und innere Konflikte
Selbst im halbautonomen Gebiet Kurdistan, wo keine offiziellen Anordnungen bezüglich des Fastens existieren, prägt der Ramadan den Alltag. Das gilt in besonderer Weise für christliche Konvertiten muslimischer Herkunft. Auf ihnen lastet ein weitaus größerer Druck als auf anderen Christen, da ihre Familien in der Regel nichts von ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben wissen. Um ihr Geheimnis zu bewahren, müssen sie fasten und alle Ramadan-Rituale mit ihren Familien begehen. „Selbst wenn ihre Familien von ihrem Glaubenswechsel wissen, werden sie unter Druck gesetzt, an den Ritualen und Traditionen teilzunehmen. Sie können nicht vor ihren Familien essen“, berichtet ein Pastor aus der Region. Oftmals geraten Christen in dieser Situation in Gewissenskonflikte, da sie die Teilnahme an islamischen Ritualen nicht mit ihrem Glauben an Jesus vereinbaren können.
Zu der familiären Situation kommen weitere Herausforderungen durch ihr Umfeld, erklärt der Pastor weiter: „In Dohuk und insbesondere in den Dörfern kennen sich die Nachbarn beispielsweise gut. Wenn jemand nicht in die Moschee geht oder nicht fastet, fällt das auf und die Menschen fangen an, Fragen zu stellen und Druck auszuüben.“
Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 steht der Irak an 18. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
*Name geändert
Quelle: Open Doors
Bitte beten Sie für Christen im Irak:
- Danken Sie Jesus für alle irakischen Christen, die bis heute im Irak leben – trotz der großen Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre.
- Beten Sie um körperliche und geistliche Stärkung der Christen während der Zeit des Ramadan.
- Beten Sie um Schutz vor Entdeckung für die Konvertiten und für alle, die sich gegen die Teilnahme am Fasten entscheiden.
- Beten Sie, dass Jesus während dieser intensiven und herausfordernden Zeit vielen Muslimen begegnet, so dass sie in ihm Frieden mit Gott finden.
Foto: Open Doors
