Landesregierung startet mit breiter gesellschaftlicher Unterstützung Bevölkerungsschutzkampagne „kommklar_sh“
KIEL. Ein breites Bündnis aus Politik, Institutionen, Verwaltung und prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern wirbt ab sofort für mehr Vorsorge in einem möglichen Krisen- oder Katastrophenfall. Mit der Kampagne „kommklar_sh“ wird seit heute (23. März) auf den Social-Media Portalen Instagram, Facebook und TikTok, im Internet sowie auf Anzeige- und Werbetafeln landesweit über den Bevölkerungsschutz informiert. Ministerpräsident Daniel Günther stellte die Kampagne zusammen mit Innenministerin Magdalena Finke sowie weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern vor.
„Wir wollen die Menschen in Schleswig-Holstein für den Bevölkerungsschutz sensibilisieren. Für Krisensituationen ist es wichtig, dass wir alle uns mindestens 72 Stunden selbst versorgen können. Jede und jeder Einzelne muss die eigene Vorsorge ernst nehmen und im Ernstfall handlungssicher sein“, sagte Günther.
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine sei und bleibe die größte Bedrohung der Sicherheit in Deutschland und in Europa, so der Ministerpräsident. Auch deswegen müsse sich das Land auf mögliche Herausforderungen vorbereiten. Aber auch der mehrtägige Stromausfall in Berlin im Januar habe gezeigt, wie verwundbar die kritische Infrastruktur und wie groß die Notwendigkeit sei, besser in den Katastrophenschutz sowie die Krisenvorsorge zu investieren. „Ich bin mir sicher: Schleswig-Holstein kommt in jeder Lage klar, weil wir unsere Pläne gemeinsam konsequent und unaufgeregt umsetzen“, sagte er.
Das Land habe mit der Einrichtung von Notfallinformationspunkten oder der Ertüchtigung von Sirenen bereits viel vorbereitet. Nun müsse der Bund die Länder und die Kommunen bei den weiteren Aufgaben des Bevölkerungsschutzes finanziell stärker unterstützen. „Wir müssen unsere Drohnenabwehr konsequent voranbringen, Verfahren beschleunigen und bürokratische Hindernisse abbauen, um beispielsweise Bauten wie Schutzräume schneller voranbringen zu können“, so Günther. Er dankte den haupt- und ehrenamtlichen Kräften im Land und in den Kommunen: „Die Zusammenarbeit ist vertrauensvoll und hervorragend. Hier in Schleswig-Holstein ziehen wir an einem Strang. Ich bedanke mich bei allen, die unsere Kampagne bereits jetzt unterstützen.“
Bereits jetzt beteiligten sich mehr als 30 Institutionen und Verbände aus Schleswig-Holstein, erklärte Innenministerin Magdalena Finke. „Es ist ein tolles Zeichen, dass so viele diese Kampagne unterstützen. So erreichen wir sehr viele Menschen im ganzen Land. Dass auch herausragende Persönlichkeiten, wie die Paralympics-Siegerin und künftige Ehrenbürgerin des Landes, Kirsten Bruhn, sofort dabei waren, freut mich sehr.“ Die Kampagne zur Eigenvorsorge sei ein wichtiger Baustein in der Gesamtstrategie des Landes „Es geht bei weitem nicht nur um die Eigenvorsorge. Natürlich bereitet sich das Land ebenfalls weiter konsequent vor. Dafür haben wir unter anderem die Taskforce Zivile Verteidigung gegründet. So erarbeiten wir demnächst eine umfassende Übersicht der Objekte der kritischen Infrastrukturen im Land. Das sind 700 bis 1.000. Aufbauend auf dem Schutzraumkonzept des Bundes werden wir auch für Schleswig-Holstein schauen, wo und wie wir mehr öffentliche Schutzräume schaffen können. Auch wenn das Konzept des Bundes nur im Entwurf vorliegt – wir wollen keine Zeit verlieren und starten.“
Die mit Hilfe von Studierenden der HAW Kiel strategisch entwickelte und durch eine Agentur umgesetzte Kampagne laufe zunächst über ein Jahr, so die Ministerin. Alle Beiträge würden über den Link www.kommklar-sh.de auf das Risikokommunikationsportal der Landesregierung verweisen. Dort seien alle relevanten Informationen schnell verfügbar.
Auch Landesbrandmeister Jörg Nero betonte für das Bündnis Katastrophenschutz die Bedeutung der Selbstvorsorge: „Wer zu Hause gut vorbereitet ist, mit Vorräten für mindestens drei Tage, einem Kurbelradio für den Fall, dass das Handy mal nicht geladen werden kann, und dem Blick für Nachbarn und ältere Menschen im Umfeld, entlastet unsere Einsatzkräfte genau dort, wo sie wirklich gebraucht werden: bei echten Notlagen, nicht bei vier Zentimetern Wasser im Keller oder einem Ast auf der Straße. Mit gesundem Menschenverstand, Stressresistenz und einem kühlen Kopf lässt sich im Alltag vieles selbst regeln. Dazu gehört auch das Verständnis dafür, dass Feuerwehr, THW, DLRG, DRK, Malteser, Johanniter und alle weiteren Hilfsorganisationen keine Rufbereitschaft sind, wenn zum Beispiel der Pflegedienst mal nicht kommt. Alle diese Organisationen stehen aber bereit, um die Menschen in Schleswig-Holstein bei der richtigen Vorbereitung zu unterstützen.“
Ab der zweiten Jahreshälfte werde das Infomobil des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein im Rahmen von „kommklar_sh“ durch Schleswig-Holstein unterwegs sein und vor Ort aufklären. „Denn wer vorbereitet ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern entlastet uns alle.“
Stephanie Ladwig, Vorständin HanseWerk, betonte die Sicherheit der Stromnetze im Norden: „Diese sind seit Jahren überdurchschnittlich sicher und stabil, und wir tun alles, damit das so bleibt. Trotzdem kann es keinen absoluten Schutz gegen jede denkbare Form extremer krimineller Energie geben. Damit wir uns im Krisenfall auf den Betrieb der Energienetze konzentrieren können, sollten auch alle Bürgerinnen und Bürger vorbereitet sein. Daher begrüßen und unterstützen wir die Kampagne der Landesregierung.“
Auch Ronja Behrens, stellvertretende Geschäftsführerin der VKU-Landesgruppe Nord, stellte heraus, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nicht gebe. „Die Betreiber der kritischen Infrastrukturen tun alles, um Infrastrukturen und Systeme bestmöglich zu schützen und im Ernstfall Schäden zu begrenzen und die Versorgung schnell wiederherzustellen. Es hilft Behörden, Feuerwehren und Stadtwerken, wenn die Bürgerinnen und Bürger auch gezielt selbst vorsorgen.”
Aus Sicht von Kirsten Bruhn ist die Kampagne ein wichtiger Baustein, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken: „Extremsituationen machen mir immer Sorge und von daher beruhigt es mich, wenn ich mich damit beschäftige und mir Handlungsabläufe oder die Umsetzung mit diesen Extremen verinnerliche. Wenn ich mich informiere, vorbereite und mit allem Notwendigen ausrüste, dann habe ich ein besseres Gefühl und fühle mich sicherer. Außerdem unterstützen wir unsere Hilfsorganisationen bei ihrer Arbeit, da wir ihnen den zeitlichen Freiraum verschaffen, um den Menschen zu helfen, die am dringendsten auf Unterstützung angewiesen sind.“
Bislang wird die Kampagne von folgenden Organisationen und Institutionen unterstützt:
1 ABIS GmbH
2 Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft Norddeutschland
3 Arbeiter-Samariter-Bund Landesverband Schleswig-Holstein e. V.
4 Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienst e. V.
5 Der Paritätische Schleswig-Holstein
6 Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Landesverband Schleswig-Holstein e. V.
7 Deutsches Rotes Kreuz
8 Edeka Nord
9 Erzbistum Hamburg
10 Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland
11 HanseWerk AG
12 Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein
13 Johanniter Unfall Hilfe
14 Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen Schleswig-Holstein
15 Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein e. V.
16 Landfrauenverband Schleswig-Holstein e. V.
17 Landesjugendverband Schleswig-Holstein e. V.
18 Landeskreistag Schleswig-Holstein
19 Landeskommando Schleswig-Holstein
20 Landessportverband Schleswig-Holstein e. V.
21 Malteser
22 Schleswig-Holsteinischer Gemeindetag
23 Sei Bereit – Kampagne, Kreis Nordfriesland
24 Sei Bereit – Kampagne, Kreis Pinneberg
25 Sei Bereit – Kampagne, Kreis Schleswig-Flensburg
26 Sozialverband Schleswig-Holstein
27 Städteverband Schleswig-Holstein
28 Ströer
29 Technisches Hilfswerk
30 Verband Kommunaler Unternehmen e. V. Landesgruppe Nord
31 Verband der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft
32 Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein
33 Wigger
Links zum Internetauftritt und den Social Media Seiten:
https://www.tiktok.com/@kommklar_sh?_r=1&_t=ZG-94qducAcdUH
https://www.instagram.com/kommklar_sh?igsh=dXp1dTFia2dsZjls&utm_source=qr
