Neues MHL-Musiktheaterprojekt „Das stille Leuchten. Ein Abend über Don Giovanni“
Gesangsstudierende der Musikhochschule Lübeck (MHL) präsentieren am Samstag, 11. April um 19 Uhr und am Sonntag, 12. April um 17 Uhr einen außergewöhnlichen Musiktheaterabend: „Das stille Leuchten. Ein Abend über Don Giovanni“. Inszeniert von Franziska Kronfoth und begleitet vom Kammerensemble der Hochschule für Musik und Theater Hamburg unter Leitung von Jacob Gröper bringen sie Ausschnitte aus Mozarts „Don Giovanni“ auf die Bühne.

Ausgehend von Mozarts berühmtem Don Giovanni verbindet Gastregisseurin Franziska Kronfoth in ihrer Inszenierung „Das stille Leuchten“ musikalische Höhepunkte der Oper mit eigens entwickelten Zwischenspielen, Orgelimprovisationen, gespielt von Patrycja Olszewska, sowie szenischen Elementen und entwickelt so eine zeitgenössische Perspektive auf den Stoff. Ein eigens produzierter Stummfilm erzählt Giovannis Vorgeschichte. 14 internationale Gesangsstudierende sind dabei mit großer Spielfreude und Hingabe auf der Bühne und vor der Kamera zu erleben.
„Don Giovanni sein zu müssen, kann ein Fluch sein“, schreibt Franziska Kronfoth, die auch als Schauspielerin, Dramaturgin, Videokünstlerin und Bühnenmusikerin gearbeitet hat: „Es ist die Entgrenzung und Perversion eines antiquierten Männerbildes, das Unerreichbarkeit, Dominanz sowie das Ausleben von Begierden dämonisiert und gleichzeitig zu gesellschaftlicher Faszination erhebt.“ Einen jungen Mann, der genau diese Anforderungen nicht erfüllt und unter ihnen zerbricht, sowie einen ganzen Sturm aufbrechender Gefühle einer neuen Generation zeigt der Musiktheaterabend „Das stille Leuchten“. Er spielt in einem Internat, in das der junge Giovanni zwecks standesgemäßer Erziehung von seinen strengen Eltern geschickt wird. Doch die Ordnung gerät ins Wanken: Die Autorität des Direktors ist den jungen Menschen zutiefst verhasst, die zwischen Exzessen, Orientierungslosigkeit und innerer Zerrissenheit nach neuen Lebensentwürfen suchen.
Die Gesangsstudierenden aus verschiedenen Klassen der MHL haben die Konzeption entscheidend mitentwickelt und sind in vielfältiger Weise gefordert: Sie singen und agieren auf der Bühne und vor der Kamera auf Italienisch und Deutsch, aber auch in ihren Muttersprachen Englisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Griechisch. Der große Saal der MHL ist dabei in einer besonderen Anordnung der Podien zu erleben, Orgel und Orchester werden dabei zum Bestandteil des Bühnengeschehens. Die Kostüme spiegeln sowohl die autoritäre Welt des Internats als auch Momente von Fantasie, Freiheit und Kreativität.
Kronfoth: „Wir zeigen in ‘Das stille Leuchten’ explizit andere Varianten davon, wie ein Mann leben, sich verhalten und entwickeln kann − durch das Entfalten von Fürsorge, Empathie und Sensibilität“. Das Publikum erwartet ein vielschichtiger, lebendiger, humorvoller und zugleich berührender Musiktheaterabend.Die Eintrittskarten sind unter www.mh-luebeck.de für 14 und 19 Euro (ermäßigt 8 und 12 Euro) erhältlich.
Franziska Kronfoth ist Regisseurin für Musiktheater und Mitbegründerin des Musiktheaterkollektivs „Hauen und Stechen“. Mit ihrem Ensemble entwickelte sie ein performatives, genreübergreifendes Musiktheater, das in seiner Wildheit und Opulenz sowie mit seinen essayistischen und assoziativen Überlagerungen eine eigenwillige und politische Position markiert. Ihre Inszenierungen wurden zu verschiedenen Festivals eingeladen und waren unter anderem zu sehen an der Deutschen Oper Berlin, an der Bayerischen Staatsoper, an der Staatsoper Stuttgart, am Theater Bremen und an der Oper Halle, am Pariser Théâtre de l’Athénée sowie an der Volksbühne und der Akademie der Künste. Kronfoth wurde mit mehreren Stipendien ausgezeichnet, ihre Arbeit für verschiedene Preise nominiert. Lehraufträge führten sie an die Universität der Künste Berlin, an die Theaterakademie Hamburg und die University of Toronto.
Fotos: Kronfoth
