Tier, Natur & Umwelt

Moor hilft Moor – Moor-Matten stabilisieren Weg

Ein Moor hilft dem anderen: Matten aus Moor-Pflanzen stabilisieren Weg am Nienwohlder Moor.

Mit nachhaltigem Material wurde ein rund 200 Meter langer Wegeabschnitt am Nienwohlder Moor befestigt. Der Weg verbindet die Gemeinden Sülfeld im Kreis Segeberg und Nienwohld im Kreis Stormarn. Das Besondere: Die Erosionsschutz-Matten bestehen im Wesentlichen aus einem regionalen und nachhaltigen Rohstoff, der in einem wiedervernässten, naturnahen Moor wächst.

Nachhaltige Lösung aus der Region

Nasse Moore gehören zu den heimlichen Helden des Klimaschutzes. Sie sind in der Lage, gewaltige Mengen Kohlenstoff zu speichern und bieten zugleich vielen selten gewordenen Arten einen Lebensraum. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein vernässt deshalb seit über vier Jahrzehnten trockene Moore.

Mit ihrem Projekt Klimafarm ergänzt die Stiftung diese Arbeit um eine neue Frage und erforscht, wie nasse Moore landwirtschaftlich genutzt werden können. Auf wiedervernässten Böden in Erfde (Eider-Treene-Sorge-Niederung) werden typische Moorpflanzen wie Binsen, Schilf, Seggen und Gräser gemäht, die dort, ganz ohne Anbau von allein wachsen.

Dieses Pflanzengemisch, das sogenannte Paludi-Material, ist ein nachhaltiger Rohstoff für viele Anwendungsbereiche, die zur Zeit von der Klimafarm und Partner-Unternehmen getestet werden – von Verbundstoffplatten, Plastikersatz oder Pflanzenkohle bis hin zu den Erosionsschutz-Matten Diese Matten aus Naturmaterial werden im Nienwohlder Moor jetzt zur Wegbefestigung genutzt.

„Nach dem erfolgreichen Test in Wacken können wir im Nienwohlder Moor zum ersten Mal sehen, wie sich das Material langfristiger verhält. Das Paludi-Vlies wird sich mit der Zeit zersetzen, bis dahin sollte sich der Weg stabilisiert haben“, erklärt Leon Gehde, verantwortlich für die Kommunikation des Projekts Klimafarm.

Härtetest in Wacken bestanden

Dass die Paludi-Matten, eine gemeinsame Entwicklung der Klimafarm mit den Unternehmen re-natur, mst-Group Twistringen und Schierbecker, einiges aushalten können, haben sie bereits im vergangenen August auf dem Wacken Open Air unter Beweis gestellt. Dort sorgten viel Regen, zehntausende Menschen und geballte Festival-Energie für eine Schlammwüste. Doch auf einer Test-Strecke von 200 Metern sorgten die Klimafarm-Matten für trockene Füße und einen geschonten Boden.

Einsatz am Nienwohlder Moor

Vor einigen Wochen haben die Spezial-Bagger den ersten Bauabschnitt der Moorvernässung im Nienwohlder Moor erfolgreich abgeschlossen. Im Herbst 2026 wird die Vernässung mit dem zweiten von insgesamt vier Bauabschnitten auf rund 111 Hektar fortgesetzt. Bis dahin ruhen die Arbeiten aufgrund der Brut- und Setzzeit.

Diese Pause nutzt das Moor-Team der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, um den Weg im Osten des Moores zu verbessern. Denn dieser ist zu niedrig und wird dadurch oft nass und matschig. Nun können Radfahrer*innen und Spaziergänger*innen sich auf dem Weg entlang des Moores sicherer fortbewegen. Zu sehen sind die Pauldi-Matten nicht, denn sie wurden unter einem Kies-Sand-Gemisch eingebaut.

„Das Pflanzenmaterial aus einem vernässten Moor in Schleswig-Holstein wird hier eingesetzt, um den Weg zu verbessern. So zeigen wir mit den Matten, dass Moorvernässung für den Klimaschutz einen praktischen Nutzen für den Alltag haben kann. Das Material und die Wertschöpfung bleiben in der Region.“ sagt Janis Ahrens, Projektleiter der Stiftung Naturschutz Schleswig‑Holstein.

Diese Maßnahmen sind mit Mitteln aus dem Landesprogramm Biologischer Klimaschutz gefördert.

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