Politik & Wirtschaft

Fachkräfte im Fokus: IHK zeichnet Ausbildungsbetrieb auf Fehmarn aus

Fotos: IHK zu Lübeck / Tietjen · „Unsere Auszubildenden erleben einen echten touristischen Gesamtbetrieb. Bei uns lernen sie, Verantwortung zu übernehmen. Sie verstehen, dass guter Tourismus weit mehr ist als ein schönes Angebot.“ Mit diesen Worten nahm Malte Riechey, geschäftsführender Gesellschafter der Riechey Freizeitanlagen GmbH & Co. KG, die Auszeichnung als TOP-Ausbildungsbetrieb von der IHK zu Lübeck feierlich entgegen. Am Standort Wulfen auf der Insel Fehmarn betreibt das Unternehmen den Camping- und Ferienpark Wulfener Hals und das 2025 eröffnete Hotel Golf ’n Wave. IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning stellte bei der Preisverleihung das vorbildliche Engagement in der Ausbildung heraus, das mit großer Strahlkraft auf die Region wirkt.
„Der Preis Top-Ausbildungsbetrieb ist für uns eine große Ehre, die vor allem unseren Auszubildenden und Ausbildern gilt. Hinter dem Campingplatz steht eine komplexe Infrastruktur mit Verwaltung, Animation und nachhaltiger Energieversorgung. Das macht unsere Arbeit anspruchsvoll, aber die Ausbildung auch besonders wertvoll“, sagte Riechey weiter. Die IHK zu Lübeck verleiht pro Jahr fünf Ausbildungsbetrieben die handverlesene Auszeichnung.

Die Riechey Freizeitanlagen GmbH & Co. KG konnte die IHK zu Lübeck mit gleich mehreren Qualitäten überzeugen. Der Ausbildungsbetrieb punktet mit sehr guten Prüfungsergebnissen der Auszubildenden, einer hohen Übernahmequote und Wohnraum für die Azubis. Außerdem ist das Unternehmen Gründungsmitglied der Berufsorientierungsmesse der Inselschule Fehmarn. „Seit 2004 bildet der Campingplatz engagierte Nachwuchskräfte aus und ermöglicht jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben mit einer langfristigen Perspektive. Die Verbindung aus Tradition, Innovationskraft und Verlässlichkeit prägt die Ausbildungskultur“, sagte Annegret Möllerherm, Vicepräses der IHK zu Lübeck und Geschäftsführerin der Möllerherm Verwaltungs GmbH, bei der Preisverleihung.

Um Fachkräfte im Gastgewerbe ging es auch bei der zweiten Station der IHK-Sommertour auf der Insel Fehmarn. Im Hotel Burg-Klause gab Inhaber Hans-Peter Wolf der IHK-Delegation Einblicke in den Hotel- und Gastronomiebetrieb in Burg auf Fehmarn. Wolf vereint in dem 1968 gegründeten Haus Spezialitäten der norddeutschen und süddeutschen Küche und genießt bundesweit einen exzellenten Ruf. Nach und nach habe der inzwischen in dritter Generation geführte Familienbetrieb das Hotel mit umfangreichen Investitionen erweitert. 2018 eröffnete es einen Neubau und bietet inzwischen 39 Zimmer und einen Wellnessbereich.

Hans-Peter Wolf empfängt in der Burg-Klause ganzjährig Gäste aus ganz Deutschland sowie auch aus Skandinavien und der Schweiz. Darunter seien auch viele Gruppen und Geschäftsreisende. Dafür beschäftigt der Hotelier Fachkräfte aus zehn Nationen und bildet seit mehr als 30 Jahren junge Menschen aus. Die ganzjährigen Öffnungszeiten kommen laut Wolf auch dem Personal zugute. „Wir möchten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine langfristige Perspektive geben. Sie sollen bei uns bleiben und ihre Familien das ganze Jahr versorgen können“, sagte Wolf. Für sein Personal stellt der Familienunternehmer in unmittelbarer Nähe auch Wohnraum zur Verfügung. Das sei elementar, um heute gute und motivierte Mitarbeiter zu binden.

Ein Dorn im Auge sind dem Gastronomen die starren Regelungen zur Arbeitszeit und deren Erfassung, er forderte im Gespräch die durch die Koalition zugesagte Flexibilisierung. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen in ihrer Arbeitszeit flexibel bleiben. Das höre ich immer wieder. Sie wollen zum Beispiel bei einer Hochzeitsfeier nach acht Stunden nicht einfach alles fallen lassen, damit am späten Abend für ein, zwei Stunden noch eine andere Schicht übernimmt“, sagte Wolf.

Viel Zuspruch bekam der Fehmaraner dabei von IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning. „Unsere Wirtschaft braucht keine weitere Starrheit und nicht immer mehr Dokumentationspflichten. Sie braucht mehr Vertrauen und Flexibilität. Dafür setzen wir uns gemeinsam mit unserer DIHK in Berlin ein“, so Schöning.

Ebenso kritisch äußerte sich der Gastronom zum geplanten Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, das die Branche belaste. Dazu sagte Filia Severin, Tourismusexpertin und Leiterin Team Branchen bei der IHK zu Lübeck: „Transparenz für die Gäste unterstützen die Gastgeber im Norden ausdrücklich – aber die neuen Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten sind im Alltag kaum praktikabel. Statt mehr Zeit für die Gäste bleibt immer weniger Raum, weil zusätzliche Bürokratie den Betrieb zunehmend belastet.“

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