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Arno Esch vor 75 Jahren in Moskau erschossen

Foto: privat/LAMV · Gedenkveranstaltung am 24. Juli 2026 im Arno-Esch-Hörsaal der
Universität Rostock

Vor 75 Jahren, am 24. Juli 1951, wurde der Rostocker Student Arno Esch im
Alter von 23 Jahren im Moskauer Butyrka-Gefängnis erschossen. Arno Esch
hatte sich gegen die von der sowjetischen Besatzungsmacht und ihren Helfern
in SED und Blockparteien betriebene Gleichschaltung und Etablierung einer
neuen, stalinistischen Diktatur in SBZ und DDR gewehrt.

Die Universität Rostock, der Verband ehemaliger Rostocker Studenten (VERS),
die Arno-Esch-Stiftung, die Dokumentations- und Gedenkstätte
Rostock/Landeszentrale für politische Bildung MV, das Bundesarchiv/Stasi-
Unterlagen-Archiv und der Landesbeauftragte für MV für die Aufarbeitung der
SED-Diktatur gedenken dieses mutigen und außergewöhnlichen Mannes.
Studierende der HMT Rostock begleiten die Veranstaltung musikalisch.

Wann/Wo: 24. Juli ab 10 Uhr, im Foyer des Arno-Esch-Hörsaals der
Universität Rostock, Haus 8, Ulmenstraße 69, 18057 Rostock.

Arno Esch war am 18. Oktober 1949 von der sowjetischen Geheimpolizei in
Rostock verhaftet und zwei Tage später nach Schwerin in die U-Haft am
Demmlerplatz überstellt worden. Dort verurteilte ihn am 20. Juli 1950 ein
Sowjetisches Militärtribunal wegen angeblicher Spionage und Bildung einer
konterrevolutionären Organisation zum Tode. Durch sein Engagement für eine
freiheitlich-demokratische Gesellschaft in der Liberal-Demokratischen Partei
(LDP) war er in Konflikt mit den neuen Machthabern geraten. Zeitgleich wurden
13 weitere junge LDP-Mitglieder aus Mecklenburg zu langen Lagerhaftstrafen
bzw. zum Tode verurteilt.

Der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der
SED-Diktatur Burkhard Bley würdigt Arno Esch für sein mutiges Eintreten für
Demokratie und Freiheit:
„Aus der bitteren Erfahrung der NS-Diktatur und des von ihr entfesselten
Vernichtungskrieges heraus setzte sich Arno Esch für eine freiheitlichdemokratische
Ordnung ein und leistete Widerstand gegen die Sowjetisierung
der DDR. Sorgen wir alle dafür, dass Arno Esch und sein Beispiel unvergessen
bleiben und lassen Sie uns gemeinsam die 1989 in der Friedlichen Revolution
errungene Demokratie und Freiheit verteidigen.“

Hintergrund

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR wurden bis 1955 etwa
35.000 deutsche Zivilisten von sowjetischen Militärtribunalen (SMT) zu langen
Lagerhaftstrafen von 10 bis 25 Jahren verurteilt. Die Verurteilten wurden in den
Speziallagern der SBZ inhaftiert oder in die Sowjetunion in die
Zwangsarbeitslager des GULag deportiert. Auch im GULag starben viele
Häftlinge aufgrund der menschenunwürdigen Haftbedingungen.

3.300 bis 3.800 Menschen sind von SMT zum Tode verurteilt worden. An 2.500 bis 3.000
Menschen wurde die Todesstrafe vollstreckt. Viele der Hingerichteten wurden
wie auch Arno Esch kremiert und anonym in einem Massengrab für „nicht
abgeholte Asche“ auf dem Moskauer Donskoje Friedhof bestattet. Viele Familien
haben erst nach 1990 und insbesondere Dank der inzwischen verbotenen
russischen Menschenrechtsorganisation Memorial über das Schicksal und den
Verbleib ihrer Angehörigen erfahren.

Literaturhinweise

Natalja Jeske: Arno Esch. Eine Biografie. ISBN 978-3-933255-63-1.
Schutzgebühr 10 Euro.

Bestellung online unter www.landesbeauftragter.de/publikationen oder in der
Geschäftsstelle des Landesbeauftragten Tel.: 0385-734006, Fax: 0385-734007,
Mail: post@lamv.mv-regierung.de.

Ausstellung „Geknebelter Geist. Politische Überwachung und Repression an der
Uni Rostock 1945-1989/90“; bis 31.08.2026, tgl. 10-18 Uhr, Petri-Kirche
Rostock, Alter Markt 1, 18055 Rostock oder unter:www.unirostock.de/ausstellung-geknebelter-geist

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