Politik & Wirtschaft

Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz: GRÜNE fordern konsequente Hitzevorsorge für Lübeck

Angesichts der aktuellen Hitzewelle und der zunehmenden Zahl von Hitzetagen in Lübeck fordert die GRÜNE Fraktion, den Schutz vor extremer Hitze zu einer kommunalen Schwerpunktaufgabe zu machen. Der Klimawandel ist längst auch in Schleswig-Holstein und Lübeck spürbar. Heiße Tage treten häufiger auf, Hitzeperioden dauern länger und tropische Nächte nehmen zu. Das belastet nicht nur das Wohlbefinden, sondern stellt insbesondere für ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Menschen, die in Wohnungen mit unzureichendem sommerlichen Wärmeschutz leben, ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko dar. Nach Einschätzung des Bundes ist Hitze bereits heute das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Kommunen tragen deshalb eine zentrale Verantwortung für den Schutz ihrer Bevölkerung.

Dazu Silke Mählenhoff, umweltpolitische Sprecherin der GRÜNEN Fraktion:

„Hitze ist längst kein außergewöhnliches Sommerereignis mehr, sondern eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen des Klimawandels. Hitzeschutz muss für Kommunen genauso selbstverständlich werden wie Hochwasser- oder Katastrophenschutz.

Als GRÜNE Fraktion beschäftigen wir uns seit Jahren mit den Folgen der Klimakrise und den notwendigen Maßnahmen für eine klimaangepasste und hitzeresiliente Stadt. Die Verwaltung hat zwar 2022 den Hitzeaktionsplan vorgestellt, nur mussten wir leider immer wieder feststellen, dass die Umsetzung der dort genannten Maßnahmen viel zu langsam vorankommt. Wir werden uns daher nun im Bauausschuss den aktuellen Umsetzungsstand von Hitzeschutzmaßnahmen nochmal berichten lassen und wenn nötig nachbessern.

Wir brauchen kurzfristig mehr Schatten und kühlere Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum. Gerade Bushaltestellen, Spielplätze, Schulhöfe, Plätze und Fußgängerzonen müssen besser verschattet werden – durch Bäume, Sonnensegel oder andere geeignete Maßnahmen. Ebenso wichtig ist der Ausbau öffentlicher Trinkwasserbrunnen. Niemand sollte an einem heißen Sommertag lange nach kostenlosem Trinkwasser suchen müssen. Deshalb haben wir als GRÜNE Fraktion bereits 2022 einen Antrag eingebracht, das Netz öffentlicher Trinkwasserbrunnen in Lübeck deutlich auszubauen.

Besonders alarmierend ist, dass deutsche Städte in den vergangenen Jahren rund eine Million Stadtbäume verloren haben. Dabei sind Bäume unsere wirksamsten natürlichen Klimaanlagen. Jeder neu gepflanzte Baum verbessert das Stadtklima über Jahrzehnte hinweg und schützt Menschen vor extremer Hitze. Deshalb müssen wir jeden geeigneten Standort nutzen, um zusätzliche Bäume zu pflanzen und bestehende Bestände konsequent zu erhalten.

Natürlich kostet all das viel Geld, blickt man jedoch auf die Tragweite der Folgen verpasster Hitze- und Klimaschutzmaßnahmen, sollten Städte und Kommunen die finanzielle Last nicht alleine tragen. Es ist völlig klar, dass wir hierbei Unterstützung von Bund und Land benötigen.”

Der baupolitische Sprecher der GRÜNEN Fraktion, Stephan Wisotzki, ergänzt:

„Langfristig braucht Lübeck eine konsequent hitzeresiliente Stadtentwicklung. Mehr Stadtgrün, zusätzliche Straßenbäume, neue Parks, begrünte Innenhöfe sowie Dach- und Fassadenbegrünungen sorgen nicht nur für Schatten, sondern senken die Umgebungstemperatur, verbessern die Luftqualität, speichern Kohlendioxid und fördern die Artenvielfalt. Gleichzeitig schaffen sie lebenswertere öffentliche Räume und steigern die Aufenthaltsqualität für alle Menschen.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Entsiegelung unserer Stadt. Wo Asphalt und Beton zurückgebaut werden, kann Regenwasser wieder versickern und Verdunstungskälte entstehen. Das Schwammstadt-Prinzip zeigt eindrucksvoll, wie Städte Regenwasser speichern und für Trockenzeiten nutzbar machen können, statt es möglichst schnell abzuleiten. So entstehen kühlere Quartiere, gleichzeitig verbessern wir den Schutz vor Starkregen, machen unsere Stadt insgesamt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen der Klimakrise und schaffen öffentliche Räume, an denen man sich gerne aufhält.

Hitzeschutz ist gelebter Klimaschutz und eine Investition in die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen. Daher müssen wir ein besonderes Augenmerk auf unsere kommunalen Gebäude richten. Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Verwaltungsgebäude müssen so geplant, saniert und modernisiert werden, dass sie auch während lang anhaltender Hitze sichere und gesunde Aufenthaltsorte bleiben. Natürliche Verschattung, Dachbegrünungen, außenliegender Sonnenschutz und klimaangepasste Bauweisen dürfen künftig kein Extra mehr sein, sondern müssen zum Standard werden.”

Helmut Müller-Lornsen, Bürgerschaftsmitglied der Lübecker GRÜNEN weiter:

„Hitze trifft nicht alle Menschen gleichermaßen. Ältere Menschen, gesundheitlich beeinträchtigte oder pflegebedürftige sowie Menschen ohne festen Wohnsitz tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für schwerwiegende gesundheitliche Folgen bis hin zum Tod. Gerade Menschen ohne festen Wohnsitz haben oft keinen Zugang zu kühlen Rückzugsorten, ausreichend Trinkwasser oder Möglichkeiten, sich vor der Sonne zu schützen. Deshalb ist Hitzevorsorge immer auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Als Stadt tragen wir eine besondere Verantwortung, jene Bürger*innen zu schützen, die sich selbst am wenigsten schützen können. Das bedeutet, gefährdete Personengruppen aktiv in den Blick zu nehmen, Hilfsangebote auszubauen und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, Pflege, Gesundheitsversorgung und Sozialarbeit eng in kommunale Hitzeaktionspläne einzubinden. Dazu gehören leicht zugängliche Trinkwasserangebote, schattige Aufenthaltsorte, kühlende Rückzugsräume sowie eine enge Zusammenarbeit mit sozialen Trägern und Hilfsorganisationen.

Eine lebenswerte Stadt erkennt man daran, wie sie mit ihren verletzlichsten Menschen umgeht. Wer Hitzevorsorge ernst meint, muss dafür sorgen, dass niemand wegen seiner sozialen Situation oder fehlender finanzieller Möglichkeiten ungeschützt den Folgen extremer Hitze ausgeliefert ist. Menschen vor den Auswirkungen der Klimakrise zu schützen, ist keine freiwillige Leistung, sondern Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung.“

Mindestens genauso wichtig sind Information und Prävention. Frühzeitige Hitzewarnungen, leicht verständliche Verhaltensempfehlungen und gezielte Informationsangebote für Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas, Sportvereine und soziale Einrichtungen helfen dabei, gesundheitliche Risiken deutlich zu verringern. Die Stadt Lübeck hat mit ihrem Hitzeportal bereits einen wichtigen ersten Schritt gemacht. Dieses Angebot muss weiterentwickelt und noch bekannter gemacht werden, damit möglichst viele Menschen davon profitieren.”

Silke Mählenhoff abschließend:

„Hitzevorsorge ist keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Stadt und muss fester Bestandteil jeder Stadtplanung jeder Investitionsentscheidung werden. Wir werden deshalb nicht nachlassen, dieses Thema immer wieder auf die politische Tagesordnung zu setzen. Jeder zusätzliche Baum, jede entsiegelte Fläche, jeder neue Trinkwasserbrunnen und jeder verschattete Platz verbessern die Lebensqualität der Lübecker*innen. Wer heute in Klimaanpassung investiert, schützt morgen Gesundheit, stärkt die Resilienz unserer Stadt und rettet im Zweifel sogar Menschenleben. Deshalb müssen Klimaschutz und Hitzevorsorge bei allen zukünftigen Planungen konsequent mitgedacht werden.“

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