Politik & Wirtschaft

Arbeitsmarkt Metropolregion Hamburg: Berufe und Fachkräftemangel im Check

Berufslandschaft und Fachkräftelage in der Metropolregion Hamburg

In welchen Berufsgruppen arbeiten die meisten Menschen – und wo fehlen Fachkräfte? Die Unterschiede könnten kaum größer sein: In der Pflege bleibt eine offene Stelle über 200 Tage unbesetzt. In Gastronomie und Hotellerie gibt es für jede gemeldete Stelle knapp fünf Arbeitssuchende, trotzdem dauert die Besetzung einer Stelle fast 200 Tage.Auch für die Energiewende fehlen Fachkräfte. In der Energietechnik sind Stellen 268 Tage vakant. Die dritte Arbeitsmarktauswertung der Metropolregion Hamburg zeigt: Die Berufslandschaft der Region steht unter Druck – in sehr unterschiedlichen Bereichen und mit sehr unterschiedlichen Ursachen.

Die Koordinierungsstelle Fachkräftesicherung der Metropolregion Hamburg hat ihre dritte Auswertung zur Arbeitsmarktsituation in der Region veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht dieses Mal die Berufslandschaft: Wo arbeiten die Menschen, welche Berufsgruppen sind am stärksten vertreten und wo sind offene Stellen am schwersten zu besetzen?

Wo liegen die Schwerpunkte der Beschäftigung in der Metropolregion Hamburg?

Mit knapp 300.000 Beschäftigten stellt „Unternehmensführung und -organisation“ das größte Berufssegment dar, dicht gefolgt von den medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen mit knapp 256.000 sowie den unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen mit 251.000 Beschäftigten. Dahinter folgen Verkehrs- und Logistikberufe, Handelsberufe, fertigungstechnische Berufe sowie soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe. Die kleinsten Segmente sind Sicherheitsberufe und Land-, Forst- und Gartenbauberufe.

 

In welchen Berufsgruppen arbeiten die meisten Menschen – und wo fehlen Fachkräfte?

Unter den 144 Berufsgruppen in der Metropolregion stellen Beschäftigte in Büro und Sekretariat mit gut 147.000 Menschen die größte Gruppe. Es folgen Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege sowie Lagerwirtschaft, Post, Zustellung und Güterumschlag. Die 15 größten Berufsgruppen machen zusammen knapp die Hälfte aller Beschäftigten aus. Vier davon sind laut der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit in allen Bundesländern der Metropolregion als Engpassberufe eingestuft: Pflegeberufe, sowie Arzt- und Praxishilfe, Gastronomie sowie Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik. Das bedeutet: Hier übersteigt die Nachfrage nach Fachkräften das verfügbare Angebot – ein strukturelles Problem, das die Wirtschaft der gesamten Region betrifft. 

Gesundheitsberufe: Wie steht es um die Personalsituation?

Der demografische Wandel erhöht den Druck auf die Gesundheitsberufe. In der Metropolregion Hamburg arbeiten rund 3,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Berufsgruppe Gesundheits-, Krankenpflege-, Rettungsdienst- und Geburtshilfeberufe; das ist Platz sechs unter den größten Berufsgruppen der Region. Die Berufsgruppen Arzt- und Praxishilfe (Platz 13) und Altenpflege (Platz 16) gehören ebenfalls zu den tragenden Säulen der sozialen Infrastruktur. Ein Blick auf die Stellenbesetzungssituation zeigt: Alle drei Berufsgruppen kämpfen mit langen Vakanzzeiten – also dem Zeitraum, der im Durchschnitt vergeht, bis eine offene Stelle wieder besetzt ist.

In der Berufsgruppe Altenpflege sind in der Metropolregion Hamburg gut 42.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig, davon fast 20.000 auf dem Niveau Fachkräfte, Spezialistinnen und Experten. Besonders in diesem Bereich verschärft sich die Situation: Hier kommt rechnerisch weniger als eine arbeitssuchende Person auf eine gemeldete Fachkraftstelle. Hinzu kommt, dass die Vakanzzeit von 227 Tagen mehr als das 2,5-fache über dem Grenzwert liegt.

 

Gastronomie und Hotellerie: Wie steht es um die Personalsituation?

Gastronomie und Hotellerie sind zentrale Stützpfeiler des Tourismus in der Metropolregion Hamburg. In beiden Berufsgruppen zeigt sich eine besondere Struktur: Ein Großteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist auf dem Qualifikationsniveau von Hilfs- und Anlerntätigkeiten. Während für Fachkräfte, Spezialistinnenen und Experten die Arbeitsuchenden-Stellen-Relation in der Gastronomie mit 4,7 und in der Hotellerie mit 4,6 auf den ersten Blick keinen Engpass signalisiert, sprechen die Vakanzzeiten von fast 200 Tagen eine andere Sprache: Offene Stellen bleiben über Monate hinweg unbesetzt. Auch die hohen Vakanzzeiten im Helferbereich deuten darauf hin, dass strukturelle Faktoren – etwa Arbeitsbedingungen, Saisonaliät und Entlohnung – die Besetzungssituation beeinflussen.

In der Berufsgruppe Gastronomie sind in der Metropolregion knapp 42.600 Beschäftigte tätig, davon gut 20.000 auf dem Niveau von Fachkräften, Spezialistinnen und Experten. Die durchschnittliche Vakanzzeit für Fachkräfte liegt bei 196 Tagen. Zugleich beträgt sie für Hilfs- und Anlerntätigkeiten 212 Tage und liegt damit sogar noch darüber. Die meisten Fachkräfte in der Gastronomie sind in Hamburg tätig, gefolgt von Ostholstein und Lübeck. 

Energiewende: Wie steht es um die Fachkräfte?

Die Energiewende ist ohne qualifizierte Fachkräfte nicht zu schaffen. Die Auswertung zeigt für zehn Berufsgruppen, die für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Modernisierung der Energieinfrastruktur besonders relevant sind, die Beschäftigtenzahlen, Vakanzzeiten und Arbeitsuchenden-Stellen-Relationen auf dem Niveau für Fachkräfte, Spezialistinnen und Experten. Besonders kritisch ist die Lage in der Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, in der Energietechnik sowie der Mechatronik und Automatisierungstechnik. In diesen Berufsgruppen übersteigt die Nachfrage das Angebot erheblich.

In der Berufsgruppe Energietechnik sind in der Metropolregion Hamburg insgesamt knapp 24.800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf dem Niveau Fachkräfte, Spezialistinnen und Experten tätig – knapp ein Prozent aller Beschäftigten der Region. Die durchschnittliche Vakanzzeit liegt bei 268 Tagen.

Die regionalen Unterschiede sind erheblich: Den bei weitem längsten Vakanzzeiten begegnet man in Harburg und Stade, gefolgt von Dithmarschen, Schwerin und Lübeck. In Hamburg liegt sie ebenfalls weit über dem Grenzwert. 

Hintergrund

Die Koordinierungsstelle Fachkräftesicherung der Metropolregion Hamburg analysiert regelmäßig Arbeitsmarktdaten für die gesamte Region. Die vorliegende Auswertung basiert auf Daten der Bundesagentur für Arbeit für die Metropolregion Hamburg. Die genannten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Nicht enthalten sind u. a. Beamte, Selbständige und mithelfende Familienangehörige sowie Minijobs. Um die über 18.900 verschiedenen Berufsbezeichnungen in Deutschland übersichtlich abzubilden, gliedert die Bundesagentur für Arbeit sie systematisch: in 14 Berufssegmente, 37 Berufshauptgruppen und 144 Berufsgruppen.

Diese Struktur bildet auch die Grundlage für die Auswertung der Metropolregion Hamburg. Die Vakanzzeit gibt an, wie viele Tage eine offene, bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Stelle im Durchschnitt unbesetzt bleibt. Eine Vakanzzeit von 80 Tagen oder mehr ist laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit ein Hinweis auf einen Engpass. Die Arbeitsuchenden-Stellen-Relation zeigt, wie viele Arbeitssuchende rechnerisch auf eine gemeldete Stelle kommen; ein Wert unter 2,0 ist ebenfalls ein Engpasshinweis.

Hier finden Sie Grafiken zu den Zahlen zum Download
Hier finden Sie die Arbeitsmarktstatistik mit der detaillierten Auswertung
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit sowie
Engpassanalyse – Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Beschäftigte: Stand Juni 2024; Vakanzzeiten und Arbeitsuchenden-Stellen-Relation: Stand Oktober 2025